Archive for the ‘Sport’ Category

249: IOC hat Gedenkminute für die israelischen Mordopfer von 1972 verweigert.

Donnerstag, September 6th, 2012

Am 6. September 1972 wurden zehn israelische Olympioniken und ein Polizist anlässlich eines Mordanschlags von palästinensischen Terroristen in München getötet (SZ 6.9.12). Die Umstände des Verbrechens sind bis heute nicht wirklich aufgeklärt. Das IOC verweigerte bei den Olympischen Spielen von London eine Gedenkminute für die Opfer des Terroranschlags. Das ist zwar auf Grund der diplomatischen Querelen verständlich, aber m.E. unverzeihlich. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, charakterisiert das Verhalten des IOC treffend: „Kein Mensch, der ein Herz im Leib hat, wird die vereiste Seelenlosigkeit des IOC in dieser Frage jemals billigen können.“ Und die Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses, Charlotte Knobloch (Deutschland), fügt hinzu: „Dass den Ermordeten in London ein würdiges Gedenken verwehrt wurde, bleibt ein Schandfleck auf der olympischen Weste.“

Das akzentuiert der Vizepräsident des IOC, Thomas Bach (Deutschland), erwartungsgemäß anders, wenn er betont, das IOC habe 1972 „nicht resigniert und mit der Fortführung der Olympischen Spiele nach einem bewegten Tag der Trauer ein entschlossenes Zeichen im Kampf gegen den Terrorismus gesetzt“. Der damalige Präsident des IOC, Avery Brundage (USA), der 1936 durch seine Sympathien für die Nazis aufgefallen war, hatte mit seinem Satz „The games must go on.“ für die Weiterführung des Spiele von München gesorgt. Die Witwe eines der vor 40 Jahren Ermordeten, Ankie Spitzer, fordert eine Untersuchung dessen, was 1972 wirklich geschah. „Wir haben ein Recht zu wissen, wer unsere Lieben getötet hat. Vorher kann die Akte München nicht geschlossen werden.“ Der Münchener Oberbürgermeister Christian Ude hat eingeräumt, dass es 1972 schwere Fehler und Versäumnisse gegeben habe. Das ändere aber nichts an der Alleinschuld der palästinensischen Täter.

Unterdessen hat der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer nach einem Gespräch mit dem israelischen Vize-Premier Silvan Shalom engekündigt, dass der Bund, der Freistaat Bayern, die Stadt München, der DOSB und die Münchener israelische Kultusgemeinde einen Gedenkraum in der Nähe des Anschlagsorts einrichten wollen. „Wir können die Wunden nicht heilen, aber wir können versuchen, den Schmerz zu lindern.“ In der kommenden Woche will Seehofer mit dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu darüber sprechen.

Über das Münchener Attentat hat es mehrere Spiel- und Dokumentarfilme gegeben, darunter Steven Spielbergs sehr umstrittenen Streifen „München“ (2006), der gerade wieder im deutschen Fernsehen gezeigt worden ist. Arthur Cohn hat für seinen Dokumentarfilm „One Day in September“ (1999) 2000 einen Oscar bekommen. Damals hatte es für die Familien der ermordeten Athleten noch keinerlei finanzielle Entschädigung gegeben. Der damalige bayerische Ministerpräsiden Edmund Stoiber war von dem Film so angetan, dass er nach wenigen Tagen mit einem großzügigen Scheck für die Hinterbliebenen nach Israel flog.

241: Schulden schießen Tore.

Samstag, August 25th, 2012

Es ist mehr als nur ein Stammtisch-Gedanke, zu überlegen, ob Schulden Tore schießen. Denn wenn auch die Unternehmensberatung Ernst & Young pünktlich zum Start der Bundesliga die Ergebnisse einer Befragung von 35 Managern der ersten und zweiten Fußballliga veröffentlicht, in der Optimismus verbreitet wird und der Schuldenstand als gering erklärt, so sind doch der FC Barcelona und Real Madrid die stärksten europäischen Fußballklubs. Sie sind von Schulden überflutet.

Die deutschen Fußballmanager erklären die „Krise“ nach 2008 für beendet (SZ 23.8.12). Grund sind sprudelnde Medien- und Sponsoringeinnahmen. Die Fernseh-Übertragungs-Erstrechte behält der Bezahlsender Sky. Von 2013 bis 1017 bekommen die Vereine jährlich 632 Millionen Euro (bisher: 412). Bayern München strich in der vergangenen Saison 25 Millionen ein, der FC St. Pauli als Absteiger immerhin noch 12 Millionen. Die DFL unterscheidet sich von anderen europäischen Fußballligen durch strengere Lizenzierungsanforderungen, die meistens eingehalten werden. Dass die Vereine an ihre Zukunft glauben, beweisen die hohen Investitionen in die Stadien. In den vergangenen 12 Jahren wurde jede zweite Bundesliga-Arena neu gebaut. Spielertransfers spielen dagegen für die Vereine keine große Rolle mehr.

Ganz anders in Europa, wie uns Harald Freiberger darlegt (SZ 23.8.12). In Italien wurde gerade wieder einmal ein Korruptionsskandal ruchbar, viele Partien spielen sich vor leeren Rängen ab. In Spanien ist der Fußball total auf Pump finanziert. Mit 3,5 Milliarden Euro stehen die spanischen Erstliga-Vereine in der Kreide (Bundesliga-Verschuldung: 600 Millionen Euro). Ein Drittel der spanischen Schulden geht auf das Konto von FC Barcelona und Real Madrid. Solche Vereine würden in Deutschland gar nicht mehr existieren.

Freiberger: Die Himmelsstürmer von Borussia Dortmund schieden in der Vorrunde der Champions League sang- und klanglos aus. Der FC Bayern verlor im Finale gegen die Defensiv-Mannschaft von Chelsea. Die deutsche Nationalmannschaft unterlag im Europameisterschafts-Halbfinale der Korruptionsverdachts-Truppe Italien. Europameister wurden die spanischen Schuldenmacher. Da heißt die Frage: Schießen Schulden Tore?

Uli Hoeneß stellt in dem Zusammenhang die Frage, ob es sein dürfe, dass Deutschland Spanien unterstütze, das wiederum seine Schuldenklubs subventioniere. Harald Freiberger schließt sich dieser Frage an, aber er findet die Bundesliga-Politik mit der strengen Lizenzierung richtig. Deswegen habe es zuletzt keine größeren Finanzskandale mehr gegeben.

Ab 2013 prüft die Uefa erstmals die Bilanzen der Klubs („Financial Fair Play“). Die Vereine sollen nicht mehr ausgeben, als sie einnehmen. Dafür wird eine große Übergangsfrist eingeräumt. Bis 2015 darf ein Klub noch 45 Millionen Euro Miese machen, bis 2018 30 Millionen. Danach dürfen die Ausgaben die Einnahmen nur mehr um 5 Millionen übersteigen. „In Großbritannien wird es nicht mehr möglich sein, dass einfach ein russischer Oligarch oder ein Scheich jedes Jahr die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben begleicht.“

Die Ware Fußball ist ein erstklassiges Produkt. Die Grenzen der Attraktivität sind noch nicht ausgelotet. „In Asien und Arabien interessiert man sich beispielsweise sehr für deutschen Fußball. Hier kann die DFL bei der Vergabe von Fernsehrechten noch viel tun, um den Vereinen neue Einnahmequellen zu erschließen.“ George Soros sicherte sich beim Börsengang von Manchester United 8 Prozent der Aktien.

240: Oscar Pistorius‘ Karbonstelzen sind mechanisches Doping.

Freitag, August 24th, 2012

Bei den Olympischen Spielen in London ist der Sportwelt wahrscheinlich ein großer Konflikt erspart geblieben. Dadurch, dass Oscar Pistorius nicht in den Endlauf gekommen ist, geschweige eine Medaille gewonnen hat. Denn dann wäre der Sport nicht mehr zur Ruhe gekommen (Harro Albrecht/Urs Willmann „Die Zeit“, 9.8.12). Es hätte sich die Frage aufgedrängt, ob die Kohlefaser-Schenkel einen verbotenen Wettbewerbsvorteil bedeuten. Dass es sich um künstliche Hilfsmittel handelt, kann ja keine Frage sein. Dürfen Hybridsportler um olympische Medaillen kämpfen? Dass es nicht zu einem solchen Konflikt gekommen ist, kann auch mit daran gelegen haben, dass Oscar Pistorius als netter Behinderter in Fernseh-Werbefilmen mit Weltklasse-Athleten aufgetreten ist.

Doping in Form der Einnahme von leistungsteigernden Mitteln (Anabolika, Hormone, Blut- oder Gendoping etc.) ist verboten. Was aber ist mit Maßnahmen, die ähnliche Leistungssteigerungen nach sich ziehen wie Höhentrainingslager und Klimakammern? Der Spitzensport steckt in einem Dilemma. Die Frankfurter Sportphilosophin Claudia Pawlenka macht darauf aufmerksam, dass die Grenze zwischen Doping und Nicht-Doping willkürlich gezogen ist. Sie basiert im Wesentlichen auf einer Negativliste mit verbotenen Substanzen. Im Grunde erforderte eine Klärung eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit den Begriffen „Natur“ und „Natürlichkeit“. Die will aber keiner führen, weil die Diskussion hier höchst komplex würde. Wo wäre etwa der finnische Skilangläufer und mehrfache Weltmeister und Olympiasieger Eero Mäntyranta einzuordnen, der in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts auf Grund eines Gendefekts so erfolgreich war.

Kritik fanden auch die Trainingsmethoden des britischen Olympiasiegers über 5.000 m und 10.000 m Mo Farrah und des US-Amerikaners Galen Rupp. Sie hatten ihre Leistungsfähigkeit im sogenannten Oregon-Projekt optimieren lassen. Mit Unterwasser- und Anti-Schwerkraft- Laufbändern, Höhenkammern, Diagnostik per Computer. Für Claudia Pawlenka optimieren solche Methoden den menschlichen Körper noch „innerhalb des vorgefundenen Naturrahmens“. Dopingtechniken dagegen zielten darauf ab, „die jeweils vorgefundenen , genetisch bedingten Dispositionen zu sprengen“. Die Frage lautet also: „Welche Natur ist der Maßstab, nach dem sich die Aussage über einen unfairen Vor- beziehungsweise Nachteil bemisst?“

Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Clemens Prokop, hält die Benutzung von künstlichen Hilfsmitteln wie denen von Oscar Pistorius für „ausgeschlossen“. Leistung müsse sich aus Talent und Training ergeben. Nur dann sei sie „objektiv vergleichbar“. Natürliche Unterschiede und Wettbewerbsvorteile akzeptiert der Sport, aber keine künstlichen. Für Helmut Digel, Council-Mitglied im Leichtathletik-Weltverband, gibt es bei der Benutzung von künstlichen Schenkeln keinen wirklichen Wettbewerb mehr. Die Idee des Fair Play sei entstanden, als die Briten anfingen auf die Läufer zu wetten. „Man musste sich darauf verlassen können, dass die Athleten nichts einbringen als ihr Talent.“ Wenn dank neuer Federtechnik behinderte Läufer bald die 400 m in 42 Sekunden laufen könnten, würde es bald heißen, dass der Wettkampf unfair sei.

Das führt uns auch zu dem Problem mit den besseren Booten und den leichteren Rädern, die ja auch einen Wettbewerbsvorteil mit sich bringen. Helmut Digel: „Letztendlich siegen hier in vielen Disziplinen die Ingenieure.“ Der fünffache Ruder-Weltmeister Peter-Michael Kolbe sieht das anders. „Wenn sich alle aufs gleiche Rad setzen, geht etwas verloren.“ Das Tüfteln und Ausprobieren von neuen Materialien nämlich. Aber auch Kolbe geht die Künstlichkeit im Fall Oscar Pistorius zu weit.

Albrecht und Willmann schreiben: „Mit der Ächtung des enhancement geht die Sportwelt einen einsamen Weg. Außerhalb ihrer Zone verschönert sich der Mensch mit Implantaten, er dopt, kuriert sich genetisch, optimiert seine Organe, seine Intelligenz. Da ist nicht immer plausibel, warum sich allein Sportler sklavisch an die reine Lehre der Fairness halten sollen.“ Für Helmut Digel wird von den Sportlern etwas verlangt, „was außerhalb des Sports von niemandem verlangt wird“.

Und daran, so finde ich, sollte der Sport unbedingt festhalten. Der Fall von Oscar Pistorius zeigt deutlich, dass hier eine Grenze überschritten ist. Denn was wäre wohl, wenn ein Hybridwesen dank künstlicher Ersatzteile schneller sein würde als Usain Bolt?

235: Olympia-Bilanz für London, Großbritannien, Deutschland und die Olympischen Spiele, Versagen vieler Kampfgerichte

Montag, August 13th, 2012

Gegen Ende der Olympischen Spiele gab es im Boxen im Superschwergewicht nochmals ein schweres Fehlurteil (Gefälligkeitsurteil): Anthony Joshua (Großbritannien) wurde per Kampfrichterentscheid zum Sieger über Roberto Cammerelle (Italien) erklärt (vom Boxen verstehe ich etwas). Betrug! Der würde es uns ja erleichtern, uns über jeden Medaillenspiegel zu mokieren. Aber das wäre falsch. Denn die Ergebnisse bei Olympischen Spielen stehen doch für Erfolge oder Misserfolge im kulturellen Wettbewerb. Und es wird ja viel Geld für die Sportförderung ausgegeben. Das Bundesinnenministerium steckt jährlich 130 Millionen Euro hinein. Die Olympischen Spiele in London haben über neun Milliarden Euro gekostet. Ist das zu rechtfertigen?

Wir sollten uns darüber klar sein, dass manche Staaten (auch prozentual) noch viel mehr als Deutschland für die Sportförderung ausgeben: China, USA, Großbritannien etc. Das schlägt sich im Medaillenspiegel nieder. In London lagen in dieser Hinsicht vorne

1. die USA, 2. China, 3. Großbritannien, 4. Russland, 5. Südkorea, 6. Deutschland, 7. Frankreich, 8. Italien, 9. Ungarn, 10. Australien.

London hat uns Olympische Spiele versprochen und auch tatsächlich gebracht, die uns die Bankenmetropole als weltoffene Stadt und die Briten als fremdenfreundliche Gastgeber gezeigt haben. Gestützt auf den Medaillensegen für Großbritannien konnten wir die Spiele als offen, tolerant, locker, lässig, selbstkritisch und selbstbewusst erleben. Ein guter Schuss erträglichen Nationalismus kam dazu. Großbritannien, das von den Straßenschlachten bei den Jugendunruhen der Klassengesellschaft 2011 verunsichert war, konnte seine Weltoffenheit und seinen Patriotismus mit der olympischen Familie feiern.

Die deutsche Bilanz sieht besser aus, als manche Beobachter es wahrnehmen konnten. In Peking konnten wir 41 Medaillen gewinnen, in London 44. Allerdings nur elf (11) goldene (Peking: 16). Schauen wir uns die Medaillen seit Barcelona 1992 an:

Barcelona 1992: 33 goldene, 21 silberne, 28 bronzene,

Atlanta 1996: 20 goldene, 18 silberne, 27 bronzene,

Sydney 2000: 13 goldene, 17 silberne, 26 bronzene,

Athen 2004: 13 goldene, 16 silberne, 20 bronzene,

Peking 2008: 16 goldene, 10 silberne, 15 bronzene,

London 2012: 11 goldene, 19 silberne, 14 bronzene.

DOSB-Präsident Thomas Bach, Generalsekretär Michael Vesper und Leistungssport-Direktor Bernhard Schwank konnten „Erwartungen übertroffen“ vermelden. Die deutsche olympische Öffentlichkeit nahm es anders wahr. Geprägt vom Abschneiden der Schwimmer und vielen fragwürdigen Entscheidungen der Kampfgerichte. Deutschland glänzt durch Vielfalt auch in Nischensportarten. Es hat seine Medailen in zwölf (12) verschiedenen Sportarten gewonnen. Das hat nicht einmal China erreicht. Irritiert wurde die deutsche Öffentlichkeit von den in letzter Sekunde erst veröffentlichten „Zielvereinbarungen“ des Bundesinnenministeriums und des DOSB mit den Fachverbänden. Danach waren 86 Medaillen vereinbart, allein 28 goldene. Das ist nicht falsch. Schließlich werden Steuergelder ausgegeben. Und Zielvereinbarungen gibt es überall sonst auch. Etwa in den Wissenschaften. Zu respektieren ist das zentrale Gegenargument, wonach wir nicht bestimmen und steuern können, wie stark die Athleten anderer Staaten sind.

Die deutsche Leichtathletik hat sich besser geschlagen als erwartet. Mit acht (8) Medailen, in Peking war es nur eine (1).  Robert Harting gewann Gold. Ein erfolgreicher Zyklus 2009-2012 wurde in London gekrönt. Athleten wie Rafael Holzdeppe, David Storl und Linda Stahl glänzten. Da sehen wir über den Marathonlauf und den Dreisprung der Männer weg. Und vergessen wir nicht, dass auch die vorher so hoch gehandelten kenianischen Läufer nicht alle Ziele erreicht haben. Dopinggerüchte hin, Dopinggerüchte her.

Natürlich bedarf es noch der strukturellen Einzelanalysen. Der deutsche Sport darf auch potentielle Missbrauchsopfer nicht übergehen, die negativen Auswirkungen der Ganztagsschule auf den Sport und den Leistungssport. Wir wissen auch, dass Thomas Bach IOC-Präsident werden will. Dafür darf er kandidieren. In der olympischen Bewegung tut er es auf einem Feld, wo tatsächlich noch die Jugend der Welt im Wettkampf zusammengeführt wird.

Bleibt nur der schale Nachgeschmack der viel zu vielen Fehlurteile der Kampfgerichte. Waren es mehr als früher? Oder berichten die Massenmedien heute darüber offener?

233: Marathon – die klassische Doping-Disziplin

Sonntag, August 12th, 2012

Heute um 12 Uhr wird bei den Olympischen Spielen in London der Marathon gestartet. Favoriten sind die Kenianer Abel Kirui, Wilson Kipsang und Emmanuel Mutai sowie die Äthiopier Ayele Abshero, Dino Sefir und Getu Feleke. Der Marathon sonnt sich gern in der Legende des reinen Laufens, ist aber eine klassische Doping-Disziplin. Der auf die Legende vom Zusammenbruch des Boten Pheidippides 490 vor Christus zurückgehende Wettbewerb, als er den Sieg von Marathon verkündete, war bei den antiken Olympischen Spielen eine Domäne der Berufsläufer und Wetter, die auf die Athleten wie auf Hunde und Pferde wetteten. Die Läufer galten als notorische Betrüger.

Bei den Olympischen Spielen der Moderne erhielt der Marathon 1908 in London seine gegenwärtige Länge von 42,195 Kilometern. Es siegte der Italiener Dorando Pietri, der u.a. mit Strychnin gedopt war. Pietri wurde disqualifiziert, weil Ordner ihm über die Ziellinie geholfen hatten.

Neuerdings hat der des Dopings überführte kenianische Marathonläufer Mathew Kisorio (Bestzeit in Boston 2:18,15 Stunden), der einst Afrika-Meister der Junioren war, der ARD berichtet, dass und wie sich um die Laufcamps in Kenia Ärzte ansiedeln und ihre Hilfe beim Doping anbieten. Bei Kisorio wurden Anabolika nachgewiesen. Sie sind es aber nicht, auf die wir achten sollten. Denn Urintests, in denen sie nachgewiesen werden können, gibt es in Kenia. Woran es wegen des Klimas und der Distanz zum Labor fehlt, sind Bluttests.

232: ManU hat beim Börsengang 515 Millionen Euro Schulden

Samstag, August 11th, 2012

Manchester United ist der beliebteste Fußball-Klub der Welt mit 660 Millionen Fans weltweit und 19 Meistertiteln. Trotzdem verlief der Börsengang am Freitag holprig. Geplant war ein Ausgabepreis von 16 bis 20 Euro pro Aktie, herausgekommen ist einer von 14 Euro. Darüber berichtet Harald Freiberger in der SZ (11./12.8.12).

Die Einnahmen muss sich der Klub mit der Eigentümerfamilie Glazer teilen, die den Verein 2005 übernommen hat. Danach halste die Familie dem Klub Schulden auf. Beim Börsengang waren es 515 Millionen Euro. Schon im Vorfeld hatte es Unstimmigkeiten geben. Die Investmenbank Morgan Stanley stieg aus dem Konsortium der betreuenden Banken aus, weil man sich mit dem Verein über den Preis nicht einig wurde. Da half es auch nichts, dass vor ein paar Tagen der Werbevertrag mit General Motors bekannt wurde. Die Firma zahlt ManU 451 Millionen Euro, um sieben Jahre lang auf den Trikots für Chevrolet zu werben.

Die niedigeren Einnahmen aus dem Börsengang bedeuten auch, dass weniger Geld für neue Spieler da ist. So soll Manchester United für den niederländischen Nationalstürmer Robin van Persie (Arsenal London) 19 Millionen Euro geboten haben. Ähnlich wie der FC Bayern unternimmt der Klub also energische Schritte, um wieder Erfolg zu haben.

Der Börsengang von ManU ist der größte eines Sportvereins, den es je gab. 2000 nahm Borussia Dortmund 125 Millionen Dollar ein, 2001 Juventus Turin 128. Die Aktie von Borussia Dortmund kam 2000 für 11 Euro auf den Markt. Heute ist sie nur noch 2,50 Euro wert. „An der Börse kommt es nicht gut an, dass die Borussen den Beweis internationaler Klasse bislang schuldig geblieben sind.“

231: Victor Conte: „60 Prozent der Sportler“ bei Olympia gedopt

Samstag, August 11th, 2012

Der Gründer und Inhaber des mittlerweile aufgelösten kalifornischen Unternehmens Balco, Victor Conte, hält etwa 60 Prozent der Athleten bei den Olympischen Spielen in London für gedopt. „Das ist Propaganda, wenn sie sagen, das sind die am teuersten getesteten Spiele der Geschichte – und sie machen 6.000 Tests. … Sie müssen die Angel auswerfen, wenn die Fische beißen, und das war vor neuen Monaten. Ist es einfach zu dopen und davon während Olympia zu profitieren? Ja.“

Conte muss es wissen. Denn er war der Verantwortliche für einen der größten Dopingskandale der Geschichte, den Balco-Skandal 2003. Die Firma, die mit Nahrungsergänzungsmitteln handelte, versorgte über mehrere Jahre hinweg Sportler in aller Welt mit Steroiden und Wachstumshormonen. Ein Kunde war der britische Sprinter

Dwain Chambers,

der allerdings bei den Olympischen Spielen in London wieder starten durfte. Die US-amerikanische Sprinterin

Marion Jones

musste ins Gefängnis und ihre fünf bei den Olympischen Spielen in Sydney gewonnenen Medaillen zurückgeben. Conte wurde 2005 zu einer viermonatigen Haftstrafe verurteilt und stand vier weitere Monate unter Hausarrest.

228: Olympia: Fantastische Leistungen, Dopingvorwürfe, Dopinggeständnisse, Fehlentscheidungen, Retourkutschen, Homosexualität und unzufriedene Schotten

Mittwoch, August 8th, 2012

Bei Olympia hält sich das Wetter in den für London typischen Grenzen. Auch das Essen entspricht dem, was viele von ihm erwarten. An vielen Wettkampfstätten wie dem Olympiastadion sind die Ränge ständig voll besetzt. Die Royals machen ihre Aufwartung. Wir erleben in vielen Fällen fantastische Leistungen. Nach 186 von 302 Entscheidungen führen in der Nationenwertung China, die USA und Großbritannien. Deutschland ist Neunter hinter den vom Staat sehr geförderten Kasachen, die uns als Radolympiasieger schon den Spitzendoper Alexander Winokurow beschert haben. Im Großen und Ganzen also sind die Olympischen Spiele das große Sportfest, auf das sich die vielen Fans überall auf der Welt gefreut haben.

Natürlich gibt es wie stets im Sport Dopingvorwürfe. So vom Trainer der deutschen Hammerwerderin Betty Heidler. Michael Deyhle beschuldigt die bis 2011 gesperrte russische Weltmeisterin Tatjana Lysenko und die Weißrussin Oxana Menkow, die Siegerin von Peking. „Professor Werner Franke hat dargelegt, wie das funktioniert: Die Athletinnen nehmen einen Blocker, der die Anabolika-Einnahme verschleiert. Er sorgt dafür, dass die Steroide bei einer Dopingkontrolle wie eine körpereigene Substanz erscheinen.“ Lysenko beispielsweise war 2007 positiv auf den Aromatase-Hemmer 6-Alpha-Methyl-Androstendion getestet worden. Der italienische 50-km-Gehen-Olympiasieger von Peking, Alex Schwazer, hat seinen Doping-Missbrauch soeben gestanden und startet am Samstag nicht mehr in London.

Die stets bei Olympischen Spielen auftretenden sehr zahlreichen Fehlentscheidungen sind auch dieses mal wieder zu verzeichnen. Der Leistungssportdirektor des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), Bernhard Schwank, meint dazu: „Das gab es und gibt es immer wieder und wird es auch in Zukunft geben.“ Betroffen fühlen sich davon u.a. die deutschen Florettfechter und der deutsche Boxer Stefan Härtel. Bei den Fechtern war sogar von einer „Retourkutsche“ die Rede. Der südkoreanische Video-Richter habe Revanche geübt wegen des Ausscheidens  seiner Landsfrau Shin A Lam gegen Britta Heidemann.

Die homosexuellen Sportler stehen in London wie üblich unter Druck. Statistisch gesehen müssten ca. 1.000 Lesben und Schwule im Olympischen Dorf wohnen. Nach offiziellen Angaben sind es nur 23. Die südafrikanische Bogenschützin Karen Hultzer hat in London ihr Coming out zelebriert. „Wenn wir sichtbarer werden und offen darüber sprechen, wird Homosexualität in vielen Augen normaler. Das führt dazu, dass wir bald nicht mehr darüber sprechen müssen.“

Für Aufsehen hatte ein Artikel im Berliner „Tagesspiegel“ gesorgt, in dem über die Beziehung zwischen der deutschen Badminton-Spielerin Juliane Schenk und ihrer Mentaltrainerin Gaby Frey berichtet wurde. Unter Bezugnahme auf Sportdirektor Martin Kranitz wurde dort der Eindruck erweckt, Schenk sei Frey hörig. Schenk: „Der DBV hat nicht alles dafür getan, dass ich in London eine Medaille gewinnen kann. Mehr noch: ich hatte das Gefühl, dass ich die Medaille gar nicht gewinnen sollte, weil ich dadurch zu viel macht bekommen hätte.“

Schottische Separatisten sind nicht gut auf die Olympischen Spiele in London zu sprechen, weil durch die vielen Erfolge des „Teams GB“ ihr Projekt, die Trennung Schottlands von Großbritannien, gefährdet werde.

Business as usual also allüberall.

227: Deutsches Galopp-Derby nach München ?

Montag, August 6th, 2012

Seit 1889 wird das deutsche Galopp-Derby in Hamburg-Horn gelaufen. Kommt es nun nach München? Das Direktorium für Vollblutzucht und Rennen stellt diese Erwägung zur Zeit durchaus an. Die Austragung des Rennens ist deutschlandweit ausgeschrieben. Der geschäftsführende Vorstand des Direktoriums Andreas Tiedtke: „Nachdem in Hamburg seit Jahren das Zuschauerinteresse für unsere wichtigste Veranstaltung rückläufig ist, suchen wir mit der Ausschreibung neue Denkanstöße und Konzepte.“ Neben München, dessen Rennverein schon sein Interesse bekundet hat, kommen auch Baden-Baden und Berlin-Hoppegarten in Frage.

Der Präsident des Hamburger Renn-Clubs Eugen-Andreas Wahler ist empört. So seien in Hamburg die Wettumsätze deutlich höher als in München oder Köln. Wenn das Derby einmal weg sei, „dann ist das hier tot“. Dann sei auch die vom Hamburger Senat geplante neue Doppelrennbahn für Galopp und Trab hinfällig. Wer das Derby künftig austragen will, muss eine Garantie für drei Jahre vorlegen. Denn der Galoppsport steckt in Deutschland seit Jahren in der Krise.

Der Präsident des Münchener Rennvereins Dietrich von Boetticher ist optimistisch. „Wir sind der Meinung, dass wir sehr günstige Bedingungen anbieten können.“ Schließlich habe man nach einhelliger Meinung das beste Geläuf. „Wir wurden vom Direktorium ausdrücklich um einen Bewerbung gebeten.“ Allerdings werde man nicht mit Hamburg in einen Wettbewerb um jeden Preis eintreten, sondern dem Traditionsstandort den Vortritt lassen, wenn der Verband es so wünsche. Bis Mitte August 2012 müssen die Interessenten ihren Hut in den Ring werfen. Mitte Oktober soll die Entscheidung fallen.

225: Chinesischer Investor bei Inter Mailand

Montag, August 6th, 2012

Für 55 Millionen Euro übernimmt der chinesische Baukonzern China Railway Construction Corporation (CRCC) 15 Prozent der Anteile von Inter Mailand. Die „Gazetta dello Sport“ kommentiert: „Inter – die chinesische Revolution“. Präsident Massimo Moratti, dessen Familie bisher 98 Prozent von Inter hält, will den Verein konkurrenzfähig machen gegenüber Klubs wie Real Madrid und Manchester United und in sehr gute Spieler investieren. Der 68-jährige Ölmagnat hatte den Verein 1995 gekauft. Er soll in den vergangenen 17 Jahren über eine Milliarde Euro investiert und bisher noch keinen Gewinn gemacht haben. Die Bilanz 2011/12 soll ein Defizit von 80 Millionen Euro aufweisen.

Nach Moratti behält seine Familie die Kontrolle im Aufsichtsrat. Bis 2017 soll in Mailand ein neues Stadion das „Giuseppe-Meazza-Stadion“ im Stadtteil San Siro ablösen. Das kann dann gleich CRCC bauen. Warum die Chinesen, CRCC ist ein Staatskonzern, in Mailand investieren, erklärt ein Professor aus Peking: „Die größte Motivation für die CRCC ist es, ihre eigene Marke aufzubauen. Inter Mailand kann dabei helfen, weil er zu den berühmtesten Klubs der Welt zählt.“ CRCC rangiert auf Platz 133 der 500 größten Konzerne auf der Welt. Seit 2008 ist das Unternehmen börsennotiert (Schanghai und Hongkong). Vor zwei Jahren war CRCC schon mit dem FC Liverpool in Verbindung gebracht worden. Diese Verbindung scheiterte.