Archive for the ‘Philosophie’ Category

4366: Gerardo Soane neuer Trainer In Mönchen-Gladbach

Freitag, Juni 9th, 2023

Mit dem Schweizer Gerardo Soane bekommt Borussia Mönchen-Gladbach in fünf Jahren den fünften Trainer. Das liegt am Misserfolg. Soanes Vorgänger waren Dieter Hecking, Adi Hütter, Marco Rose und Daniel Farke. Selbst Sportchef Roland Virkus empfindet das als zuviel. Soane war im Oktober 2022 nach nur 15 Monaten bei Bayer Leverkusen entlassen worden. Neuer Sportdirektor in Mönchen-Gladbach wird Nils Schmadtke, 34, der Sohn des neuen Liverpooler Sportdirektors Jörg Schmadtke (59) (Ulrich Hartmann, SZ 9.6.23).

4365: New York im Rauch der kanadischen Waldbrände

Freitag, Juni 9th, 2023

New York und große Teile der US-Ostküste sind in den Rauch der außer Kontrolle geratenen kanadischen Waldbrände geraten. In New York wird Mundschutz dagegen auf den Straßen verteilt. Die Luftqualität ist so schlecht wie noch nie zuvor. Besserung wird frühestens am Wochenende erwartet. Gouverneurin Kathy Hochschul sagte: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass das eine Weile dauert.“ (SZ 9.6.23)

4364: Das Unbewusste steuert unser Gewicht.

Donnerstag, Juni 8th, 2023

Der Neurobiologe Stephan Guyenet hat das Buch „The Hungry Brain“ geschrieben. Im Interview mit Barbara Vorsamer (SZ 20./21.5.23) äußert er sich klipp und klar.

„Körpergewicht wird zu oft moralisch aufgeladen, zu viele Menschen sind der Meinung: Ah, da ist jemand dick, diese Person hat keine Selbstkontrolle und lässt sich gehen. Diese Art der Verurteilung ist unfair, denn die Gehirne von Menschen mit Übergewicht funktionieren anders,

und das wiederum ist vor allem genetisch bedingt.

Zwillingsstudien belegen, dass der Einfluss der Gene auf das Körpergewicht bei etwa 70 Prozent liegt.“

„Der präfrontale Kortex, also der Teil unseres Gehirns, der Menschen von den meisten Tieren unterscheidet, ist tatsächlich ziemlich anpassungsfähig. Doch je tiefer wir in das Gehirn gehen, desto weniger beweglich wird es, bis wir im Stammhirn sind, wo es vor allem fest verdrahtete Verbindungen gibt. Grundfunktionen wie

Herzschlag, Atmung, Verdauung

werden von hier gesteuert, bewusst regulieren können wir da wenig. Auch das Gefühl, satt zu sein, kommt aus dem Stammhirn. Dort sammeln sich zahlreiche Informationen aus dem Magen, dem Darm, dem Blutkreislauf und geben irgendwann dem bewussten Teil des Gehirns das Signal: Es reicht. Aber bis zu diesem Punkt passiert alles unbewusst, weswegen wir daran nichts ändern können, auch nicht durch Weiterbildung oder Psychotherapie.“

4363: Gunnar Hinck: Die DDR bleibt umstritten.

Mittwoch, Juni 7th, 2023

Gunnar Hinck hat 2007 das Buch „Eliten in Ostdeutschland“ veröffentlicht. Jetzt beschäftigt er sich (taz 3.-9.6.23) mit den gerade publizierten Trotzbüchern Dirk Oschmanns „Der Osten: eine westdeutsche Erfindung“ und Katja Hoyers „Diesseits der Mauer“. Es herrscht offenbar weiter großer Gesprächsbedarf über den Arbeiter- und Bauernstaat DDR. Wirkungsvoll sind die beiden Trotzbücher, weil sie nicht differenzieren. Oschmann findet es beispielsweise empörend, dass Franziska Giffey 2018, als sie Familienministerin wurde, als Quotenfrau bezeichnet wurde. So sieht man es heute noch in ostdeutschen Kleingärten und Kantinen. Es ist dort nicht gelungen, individuelle Lebenserfahrungen mit dem diktatorischen DDR-Staatsrahmen zu verbinden. Geredet wird von flächendeckenden Kitas und der „wirtschaftlichen Unabhängigkeit“ der Frauen. Verschwiegen wird der Verfall der Altbauten und die Wohnungsnot.

Die Ostdeutschen möchten sich ihr eigenes Leben nicht von anderen entwerten lassen. Wer sich in einem FDJ-Ferienlager zum ersten Mal verliebt hat, vergisst darüber gerne, dass die FDJ eine Zwangsorganisation des Staates war. Vergessen werden die gesundheitlichen Schäden in Chemiekombinaten und die Stasi-Haft. Die Erinnerung richtet sich auf das kommode Leben bei genügendem Opportunismus. „Die DDR war ein Gefängnis für sehr viele, aber wer aus sogenannten einfachen Verhältnissen kam, mitmachte und funktionierte, konnte Karrierewege einschlagen, die ihm in der frühen Bundesrepublik wahrscheinlich verwehrt geblieben wären.“

Diejenigen DDR-Bürger, die in staatsnahen Berufen gearbeitet haben, erlebten die Wiedervereinigung häufig als beruflichen Abstieg. Nicht zur Kenntnis genommen wurde der relativ stabile Sozialstaat. Die aus dem Westen in die neuen Bundesländer kommenden Führungskräfte wurden oft als arrogantes Pack identifiziert. So kam es schnell zur Resignation. Die Arbeit der Treuhandanstalt wurde nicht verstanden. Nötig wäre auch ein inner-ostdeutsches Gespräch über die bisher weithin beschwiegenen Konflikte in der DDR. „Wer als Kind von SED-Kadern Auslandserfahrungen machen konnte, hatte in der Bundesrepublik bessere Startchancen als der renitente Akademiker, der in der DDR mit Hilfsarbeiterjobs bestraft wurde.“ Und solange die unterschiedlichen Post-DDR-Milieus in ihren abgeschotteten Diskursblasen sitzen bleiben, wird es keine Besserung geben.

W.S.: Gunnar Hinck hat in Göttingen Sozialwissenschaften studiert, darunter auch Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.

4362: „Wagner-Gruppe“ – russische Landsknechte mit Sonderaufträgen

Dienstag, Juni 6th, 2023

Die „Wagner-Gruppe“ gehört zu den brutalsten und prägendsten Gruppen auf russischer Seite beim Vernichtungskrieg gegen die Ukraine. Gegründet wurde sie 2014 gegen die Demokratiebewegung auf dem Maidan (Kiew). Russland brauchte kampfkräftige Gruppen, die nicht als Angehörige der Armee zu erkennen waren. „Wagner“-Führer Jewgenij Prigoschin genießt das Privileg, die Armee öffentlich kritisieren zu dürfen. Das ist in das Propaganda-Konzept Russlands integriert. Rekrutiert werden die „Wagner“-Angehörigen überwiegend aus dem Knast. Dort befindet sich in Russland ein großes Reservoir.

„Wagner“ hatte schon in Syrien und in der Zentralafrikanischen Republik aufgetrumpft. Dabei konnten die Kämpfer auch eigenen Geschäftsinteressen nachgehen. Eine Spezialtät von ihnen ist das Foltern. Sie verfolgen Journalisten. Nach dem Ende ihrer „Wagner“-Mitgliedschaft verlassen viele Kämpfer aber auch Russland. Dort sind sie wohl nicht sicher. Sie hinterlassen eine Spur von Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen. Sie haben den Ruf, effektivere Kämpfer zu sein als die Armeeangehörigen, unter denen es die Unlust zu kämpfen zu geben scheint (Frank Nienhuysen, SZ 6.6.23).

4361: Henri Kissinger 100

Dienstag, Juni 6th, 2023

Hundert Jahre alt ist der US-amerikanische Politiker geworden, von dem viele Analytiker glauben, er habe großen Einfluss auf die Weltpolitik gehabt: Henri Kissinger. Geboren in Fürth/Bayern, promoviert über Fürst Metternich. Und von 1969 bis 1977 Sicherheitsberater des US-Präsidenten Richard Nixon, dann dessen Außenminister. Er galt und gilt als „Erzrealist“, womit auch eine große Portion Zynismus gemeint sein dürfte. Er hat den Vietnam-Krieg ausgeweitet und in Chile Pinochet an die Macht verholfen. Alles im vorgeblichen Interesse der USA. Gebildet hatte er sich an Immanuel Kant und solchen Sozialwissenschaftlern wie Oswald Spengler und Arnold Toynbee. Metternich sah er durchaus kritisch. Kissinger ist auch mitverantwortlich für die falsche Russland-Politik des Westens (Stefan Kornelius, SZ 27./28.5.23).

4360: EKD-Vorsitzende rät Kirche zu mehr Mut.

Dienstag, Juni 6th, 2023

Die Ratsvorsitzende der EKD, Annette Kurschus, hält es für falsch, wenn sich das Christentum möglichst „niedrigschwellig“ präsentiert. Gerade angesichts abnehmender Mitgliederzahlen. Die Kirche müsse Profil zeigen und „mutiger werden“. Auf dem Evangelischen Kirchentag werden ab Mittwoch 100.000 Menschen erwartet (SZ 6.6.23).

4359: Bundespräsident und Wahlrechtsreform

Dienstag, Juni 6th, 2023

1. Die Verkleinerung des Bundestags, der jetzt 736 Abgeordnete hat, auf die vorgesehene Zahl von 598 Abgeordneten ist sehr richtig.

2. Wie das geschieht, ist umstritten. CSU und Linke haben den Bundespräsidenten aufgefordert, das Gesetz nicht zu unterschreiben.

3. Die Linke wäre ohne die Grundmandatsklausel jetzt schon nicht mehr im Bundestag. Sie hatte die 5-Prozent-Hürde nicht geschafft und es nur mit drei Direktmandaten hinbekommen.

4. Der CSU könnte es passieren, dass sie alle 46 Mandate in Bayern gewinnt und trotzdem keinen Abgepordneten in den Bundestag entsendet.

5. Diese beiden Mängel allein beschädigen das Gesetz schwer.

6. Frank-Walter Steinmeier hat sich für die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre und die Verlängerung der Legislaturperiode ausgesprochen. Beim Wahlrecht ist er nicht so klar.

7. Sollte der Bundespräsident das Gesetz unterzeichnen, landet es vor dem Bundesverfassungsgericht (Robert Roßmann, SZ 6.6.23).

4358: Polnische Zivilgesellschaft protestiert gegen PIS.

Montag, Juni 5th, 2023

500.000 Polen haben am Wochenende gegen die „blanke Willkür“ in der Politik der nationalistischen und rechtspopulistischen PIS protestiert. Im Herbst sind Parlamentswahlen. Per Gesetz will die PIS eine Kommission nach ihrem Gusto einsetzen, die willkürlich polnische Menschen befragen darf. Nach allem und jedem. Tatsächlich richtet sich die Initiative hauptsächlich gegen den starken Oppositionsführer Donald Tusk. Das Gesetz wird in Polen deswegen auch „Lex Tusk“ genannt. Durch die Kommission kann eine Person für zehn Jahre aus allen öffentlichen Ämtern verbannt werden. Tusk: „Wir gehen zu diesen Wahlen, um zu siegen, um die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen, um menschliches Unrecht wieder gutzumachen und damit die polnischen Familien zu versöhnen.“ Tusk angeschlossen haben sich die Frauenbewegung (u.a. wegen Abtreibungsverbots), die Bewegung für eine unabhängige Justiz und die Organisationen der Homosexuellen (Viktoria Großmann, SZ 5.6.23).

4357: Linksextreme gefährden den Rechtsstaat.

Montag, Juni 5th, 2023

In Deutschland haben Linksextreme es schon immer für sich in Anspruch genommen, kriminell werden zu dürfen und Gewalt zu üben. Angeblich wegen ihrer höheren Ziele. Es sind die Ziele von Lenin, Stalin und Mao Tse Tung. Das hat sich jetzt wieder gezeigt. Nach der Verurteilung der Linksextremistin Lina E. wegen gewalttätiger Selbstjustiz durch das Oberlandesgericht Dresden haben Vermummte in Leipzig Pyro und Steine auf die Polizei geworfen. Eine Sparkasse wurde zerstört, Mülltonnen angezündet. „BRD Bullenstaat“. „Gesinnungsjustiz“.

Dabei handelte es sich nur um die angemessene Reaktion unseres Rechtsstaats. Ohne das Gewaltmonopol des Staates kann die Demokratie nicht existieren. Die linksextreme Gewalt stellt das friedliche Zusammenleben in Frage. Das macht den Rechtsextremismus nicht besser, der in der Tat die Hauptgefahr für unsere Demokratie darstellt. Unsere Konsequenz kann nur „mehr Rechtsstaat“ heißen, mehr Kontrolle durch eine unabhängige Justiz, mehr kritische Öffentlichkeit. Die gewalttätigen Linksextremisten müssen scharf bekämpft werden (Iris Mayer, SZ 5.6.23).