Nach dem Attentat auf ihn am 12. August 2022 ist der Schriftsteller Salman Rushdie, 75, auf einem Auge blind. Er kann eine Hand nicht mehr bewegen. Bei dem Anschlag eines 24-Jährigen im Bundesstaat New York hatte Rushdie drei schwere Wunden am Hals und 15 am Rücken und Oberkörper erlitten. Es waren Nerven durchtrennt worden. Er musste sich einer Notoperation unterziehen und wurde zeitweise beatmet. Seit seinen „Satanischen Versen“ wurde Rushdie jahrzehntelang permanent von relgiösen Fanatikern verfolgt. Der Ajatollah Chomeini hatte eine Fatwa (Todesurteil) über ihn verhängt. Seither lebt Rushdie ständig unter Polizeischutz. Sein Literaturagent teilt mit: „Ich kann keine Auskunft über seinen Aufenthaltsort geben. Aber ich kann sagen, dass er überleben wird. Und das ist das Wichtigste.“ (SZ 25.10.22)
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4076: Salman Rushdie auf einem Auge blind
Dienstag, Oktober 25th, 20224075: Baselitz verlangt Abhängen von Zieglers Triptychon „Die vier Elemente“
Montag, Oktober 24th, 2022Georg Baselitz ist nach Gerhard Richter der ökonomisch zweit-erfolgreichste deutsche bildende Künstler. Er ist bekannt für seine Provokationen. Die sollen wohl seinen Marktwert steigern. Benannt hat sich Baselitz, der eigentlich Hans-Georg Kern heißt, nach seinem Geburtsort Deutschbaselitz in Sachsen. Baselitz hat behauptet, dass Frauen nicht so gut malen könnten wie Männer. Journalisten litten an „pandemischer Verblödung“. Gendern und Postkolonialismus hält er für abwegig. Und die Documenta war seiner abfälligen Kritik schon immer sicher.
Nun verlangt er, dass Adolf Zieglers Triptychon „Die vier Elemente“ aus dem Jahr 1937 in der Münchener Pinakothek abgehängt wird. Dort hängt es seit 2016. Es zeigt vier nackte Frauen. Im Kontext mit Werken der Moderne soll es den Kontrast dazu zeigen. Ziegler hatte die Ausstellung „Entartete Kunst“ 1938 mitorganisiert. Ziegler wird in der Pinakothek mit einem Werk von Otto Freundlich kontrastiert, der dann von den Nazis in Maidanek ermordet worden war. Für Baselitz hat das gegenwärtige Aufhängen des Ziegler-Bildes auch eine „nazi-propagandistische“ Wirkung. Das hat er in einem Brief an den Museumsleiter Bernhard Maaz mitgeteilt.
Baselitz hat gleich Widerspruch erfahren. Etwa von Christian Fuhrmeister vom Münchener Institut für Kunstgeschichte. Der sagt: „Wo, wenn nicht in Kunstmuseen, soll man über NS-Kunst diskutieren?“ Baselitz schaut auf eine Reihe eigener künstlerischer Provokationen zurück. 1963 hatte er einen Hitlerjungen mit Riesenpenis gemalt. Damit begann seine Erfolgsgeschichte. Baselitz erklärt: „Das Publikum hat mir beigebracht, dass Provokation in Deutschland nur funktioniert, indem man Bärtchen malt oder Hakenkreuze.“ Baselitz hat in über 60 Jahren ein prägnantes Werk expressiver Kunst geschaffen. Auch widersprüchlich. Weltstar ist er mit seinen Überkopf-Bildern geworden. Seine Methode war immer die Krasszeichnung von inneren Künflikten in figürlicher Kunst. Er wollte provozieren. „Seine bisweilen pauschalen Aussagen allzu wörtlich zu nehmen, hilft dabei nicht immer.“ (Till Briegleb, SZ 10.10.22)
4074: Die Tories bieten Zombie-Lösungen.
Sonntag, Oktober 23rd, 2022Die Konservativen in Großbritannien haben in den letzten drei Jahren mit Theresa May, Boris Johnson und Liz Truss drei Premierminister geboten, die gescheitert sind. Nun müssen sie Neuwahlen verhindern, bei denen sie schwer verlieren würden. Wegen des Mehrheitswahlrechts („The winner takes it all.“). Ursache der Misere bei den Tories ist die auf dem rechten Flügel verbreitete antagonistische und nationalistische Politik. Wertebewusster konservativer Pragmatismus verliert an Boden. Vorbild: Donald Trump (USA). Radikalisierung bringt laute Typen nach oben, aber keine klugen. In Großbritannien müsste das Mehrheitswahlrecht durch Formen des Verhältniswahlrechts ergänzt werden. Wie in Deutschland. Einschließlich der 5-Prozent-Klausel.
Das Mehrheitswahlrecht fördert die Spaltung der Gesellschaft. Dazu kommt der krasse Klassencharakter der britischen Gesellschaft, wo in Europa mehr die Schichten und Milieus eine Rolle spielen. Die Tories sind rechter als die CDU/CSU, Labour linker als die SPD. Die Feindschaft gegen staatliche Eingriffe bei den Tories war eine Ursache des Brexit, als dessen Lordsiegelbewahrer sich Boris Johnson fühlt. Hoffentlich kommt dieser lächerliche Zombie nicht als Premierminister zurück. Wer weiß? Großbritannien geht es wirtschaftlich schlecht, die Inflation ist hoch, die Verschuldung enorm. Besonders nach dem Brexit fehlen Fachkräfte, Schottland will unabhängig werden, die Lage in Nordirland ist noch nicht gelöst. Unselig die ewigen Steuersenkungs-Attitüden (Kurt Kister, SZ 22./23.10.22).
4071: Arne Schönbohm abberufen
Samstag, Oktober 22nd, 2022Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat den Präsidenten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, abberufen. Er soll eine zu große Nähe zu Russland gehabt haben. Der Cyber-Sicherheitsrat hat diese angeblichen Verbindungen als „absurd“ bezeichnet (SZ 19.10.22).
4070: Simona Halep gedopt
Samstag, Oktober 22nd, 2022Die ehemalige Tennis-Weltranglistenerste Simona Halep aus Rumänien war bei den US-Open im August 2022 gedopt. Das hat die B-Probe bestätigt. Halep hatte Roxadustat im Blut. Es wird bei Nierenproblemen eingesetzt und erhöht die Zahl der roten Blutkörperchen. Das verbessert die Sauerstoffversorgung. Halep hat aktuell versichert, nie betrogen zu haben (SZ 22./23.10.22).
4069: Friedenspreis des deutschen Buchhandels für Serhij Zhadan
Freitag, Oktober 21st, 2022Den Friedenspreis des deutschen Buchhandels bekommt in diesem Jahr der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan. In seinem Buch „Der Himmel über Charkiw“ bezeichnet er Russen als „Horde“, „Verbrecher“, „Tiere“, „Unrat“. Verstößt er damit nicht gegen „die Verwirklichung des Friedensgedankens“ gemäß den Statuten? Volker Weidermann („Zeit“ 20.10.22) schreibt dazu: „Es ist der richtige Ort, diesen Preisträger zu ehren. Es ist auch der richtige Preis. Der Skandal ist nicht der Dichter und nicht sein Buch. Der Skandal ist der russische Überfall auf die Ukraine und das tägliche Töten. Die Literatur wehrt sich mit ihren Mitteln. Und kämpft für nichts anderes als Frieden.“
4068: Die „Precht- und Habermas-Deutschen“ sind von Putins Raketen besessen.
Freitag, Oktober 21st, 2022Maxim Biller ist dafür bekannt, dass er manchmal schärfer rangeht als andere politische Analytiker. Diesmal („Zeit“ 20.10.22) berichtet er von seiner Auseinandersetzung mit Robin Alexander von der „Welt“, den ich für den besten deutschen politischen Journalisten halte. Biller schildert seine Frage an Alexander: „dass Putin im Kreml in Stalins altem Büro sitzt. Haben die Precht- und Habermas-Deutschen darum so viel Angst vor dem kleinen schlauen Russen, dachte ich, ist das ihr ewiges Stalingrad-Trauma? Wollen sie deshalb ihre drei traurigen Schützenpanzer selbst behalten? Und wieso lassen sie sich immer so leicht erschrecken?“
Alexander antwortet: „Erst haben die Russen den Zweiten Weltkrieg gewonnen, dann führten sie lange im Kalten Krieg – und halb Deutschland terrorisierten bis 1989 auch noch. Das hinterlässt Spuren.“ Und: „aus der Angst ihrer Großeltern vor dem Untergang des Dritten Reichs machten die Enkel die Angst vor den AKWs und der atomaren Apokalypse. Darum sind sie von Putins Raketen so besessen.“
4067: Emil Nolde – weiter umstritten
Montag, Oktober 17th, 2022Dass von Nordfriesland einmal ein „kulturpolitisches Beben“ ausgehen würde, damit haben viele nicht gerechnet. Durch den Maler Emil Nolde, der weithin als Maler sehr beliebt und ein übler Nazi und Antisemit war. Das Nolde-Museum in Seebüll ist gerade frisch saniert worden. Die Aufklärung über Noldes Verstrickungen in den Nationalsozialismus, zurückhaltend formuliert, hatte der 2013 ins Amt gekommene Direktor der „Emil-und-Ada-Nolde-Stidtung“, Christian Ring, in Gang gesetzt und bis zum heutigen, viel besseren Stand weitergeführt. Vorher hatte die 1956 geründete Stiftung dafür gesorgt, dass Noldes ideologische Verfehlungen im „Giftschrank“ blieben. Das geht auf die Dauer nicht gut.
Nolde war beinahe als Widerstandskämpfer stilisiert worden. Erst Christian Ring sprach dann öffentlich von seinem „widerlichen Antisemitismus“. Zuerst kam dies in großem Stil in der Nolde-Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin 2019 zum Ausdruck, die ich selbst gesehen habe. Emil Nolde war ein glühender Nazi. Die Legende vom Malverbot und „innerem Widerstand“ wurde nach 1945 wiederum von alten Faschisten verbreitet. Der für seine kräftigen Originalfarben, Orange, Azur, Himbeerrot, berühmte und bewunderte Nolde war ein fürchterlicher Ideologe. Zum rechten Verständnis kommt es – wie immer – auf die richtige
Kontextualisierung
an. Christian Ring sagt: „Es macht keinen Sinn, unter jedes Bild zu schreiben: Emil Nolde, Expressionist, Nationalsozialist, Antisemit. Es ist aber wichtig, dass wir die biografischen Aspekte mitschwingen lassen, ohne den Blick auf das Kunstwerk an sich zu verlieren.“ Wie weit dürfen Person und Werk auseinandergehalten werden? Seit der Bekanntgabe von Noldes NSDAP-Mitgliedschaft wird zunehemnd die Frage gestellt, ob Noldes Werk nicht doch seine böse Ideologie transportiert. Das ist die Gretchenfrage. Dabei stoßen wir darauf, dass solch ein Weltkünstler wie
Anselm Kiefer
sich dazu hat hinreißen lassen zu sagen: „Die Diskussionen in den Medien berühren nicht die Werke des Künstlers.“ Dabei wird deutlich, dass Kiefer wohl doch nicht ganz auf der Stufe eines problembewussten Demokraten steht. Haben das nicht einige schon immer gesagt?
Die angeblich kolonialistischen Bilder Noldes von seiner Papua-Neuguinea-Reise sollen nun im Vergleich mit den Porträts von Italienern, Spaniern und von Juden gezeigt werden, um sein „Menschenbild“ zu diskutieren. Von 1939 an malte Noldes keine regiösen Bilder mehr, weil er keine Juden zeigen wollte. Dafür präsentierte er Wikinger. Christian Ring: „Das Werk hält es aus, dass darüber hart diskutiert wird.“ Der Stiftungs-Direktor: „Wir wollen keine Deutungshoheit mehr über Nolde wie in der Vergangeheit. … Wir gehören hier in Seebüll zu Noldes schärfsten Kritikern – im besten Sinne.“ (Till Briegleb, SZ 17.10.22)
4066: Ampelkoalition versagt sogar bei der Korrektur der Bundestagswahl in Berlin.
Samstag, Oktober 15th, 2022Dazu schreibt Robert Rossmann (SZ 15./16.10.22):
„Schon wenige Stunden nach der Abstimmung war klar, dass es in der Hauptstadt ungeheuerliche Pannen gegeben hatte. In einigen Wahllokalen gingen die Stimmzettel aus, in anderen wurden falsche ausgegeben. Mancherorts musste die Abstimmung zwei Stunden lang unterbrochen werden. Es kam zu gewaltigen Warteschlangen. In vielen Wahllokalen konnte man seine Stimme deshalb auch deutlich nach 18 Uhr noch abgeben, in einem Lokal sogar bis 21 Uhr. Da lagen schon seit Stunden die ersten Hochrechnungen vor.
…
Der Eindruck der dadurch entsteht: Um den Verlust eigener Mandate bei einer Wiederholung zu begrenzen, wird herumgetrickst. Es ist ein Eindruck, der das Vertrauen in das Funktionieren der Parlamentarischen Demokratie nicht stärkt, sondern weiter schwächt.
Die Abgeordneten blamieren sich damit schon wieder in einer Angelegenheit, die sie selbst betrifft. Auch in den Debatten um die Änderung des Wahlrechts oder die Höhe der Parteienfinanzierung hat sich der Bundestag nicht mit Ruhm bekleckert. Jedes Mal blieb der Eindruck, dass die Mehrheit der Abgeordneten, wenn es um die eigene Sach geht, auch an die eigene Sache denkt. Der Bundestag ist jetzt so groß wie noch nie – und die Finanzierung der Parteien üppig.
…“
4065: Innenminister Roger Lewentz (SPD) tritt zurück.
Donnerstag, Oktober 13th, 2022Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) tritt zurück, weil entgegen seinen bisherigen Bekundungen seinem Ministerium die Lage im Ahrtal in der Katastrophennacht doch schon gegen Mitternacht bekannt war, und er nicht gehandelt hatte. 134 Menschen waren gestorben, 700 wurden verletzt. Noch nach Mitternacht ertranken an der Ahr-Mündung Menschen, obwohl schon am frühen Abend die Flut am Ahr-Oberlauf klar gewesen war. Lewentz ließ die Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) nicht wecken.
Die bedrohten Menschen schickten aus ihren überfluteten Häusern Hilferufe. Es lagen jetzt vor Videos aus einem Polizeihubschrauber, der Lagebericht der Polizei und der Lagebericht der Hubschrauberpiloten. Warum die Videos erst jetzt, 14 Monate nach der Flut aufgetaucht sind, erklärt die Polizei mit einem „Dokumentationsfehler“. Inzwischen ist auch noch eine Mail der Polizei Koblenz von 1.49 Uhr ans Lagezentrum des Innenministeriums aufgetaucht. Die Belege sind erdrückend. Für Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ist die Lage fatal, weil sie bisher Lewentz stets vertraut hatte. Er war schon im Amt, als sie 2013 in die Staatskanzlei zog. Dreyer hat Lewentz erst fallen lassen, als die Mail der Polizei Koblenz aufgetaucht war (Gianna Niewel, SZ 13.10.22).
Kann Frau Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) im Amt bleiben ?