Der Dramatiker Franz Xaver Kroetz, der 80 Jahre alt geworden ist, versucht sich gerade dadurch interessant zu machen, dass er sich der Öffentlichkeit weithin verweigert. Er hat über 60 Stücke geschrieben. Im Geiste von Marieluise Fleißer, Ödön von Horvath und Bertolt Brecht. Häufig hat er sein Publikum provoziert. Er gehörte zur Schickeria. War mit Marie-Theres Relin verheiratet, der Tochter von Maria Schell. Deren Bruder Maximilian hat sogar einen Oscar gewonnen. In der deutschen Filmgeschichte ist Kroetz „unsterblich“ als Klatschreporter Baby Schimmerlos in Helmut Dietls „Kir Royal“. Aufgefallen ist Kroetz auch durch seine Mitarbeit in der DKP von 1972 bis 1980. 1982/83 schrieb er Kolumnen für die „Bild“. 2021 erschien ein dünner Gedichtband „Ich spüre Herbst“ (Christine Dössel, SZ 25.2.26).
Archive for the ‘Kunst’ Category
5631: Franz Xaver Kroetz 80
Mittwoch, Februar 25th, 20265626: Michael Wolffsohn entlastet Herbert von Karajan.
Montag, Februar 23rd, 2026Michael Wolffsohn war von 1981 bis 2012 Professor für neuere Geschichte an der Hochschule der Bundeswehr in München. Er ist sehr bekannt. Geboren wurde er 1947 als Sohn deutscher Juden in Tel Aviv. 1954 ging die Familie nach Deutschland zurück. Michael Wolffsohn wuchs in West-Berlin auf. Er hat Bücher geschrieben über den kalten Krieg, den Nahost-Konflikt, die Politik Israels und einige weitere Themen. Nun legt er im Auftrag des Karajan Instituts ein Buch vor über die Nazivergangenheit des weltberühmten Dirigenten Herbert von Karajan:
Genie und Gewissen, Herbert von Karajan zwischen Musik und Nationalsozialismus. Freiburg (Herder) 2026, 368 Seiten, 26 Euro.
In einem Interview mit Helmut Mauro (SZ 17.2.26) gibt er Auskunft über seine wesentlichen Erkenntnisse. Und Wolffsohn entlastet Karajan. Als er etwa 1935 zum Generalmusikdirektor in Aachen bestimmt wurde, konnte er den Posten nur bekommen, wenn er NSDAP-Mitglied wurde. Dann ist es zu Umdatierungen gekommen, wie sie seinerzeit üblich waren. Davon waren ja gerade Künstler und Prominente betroffen. Und Begabte. Da besteht bei Karajan nun gar kein Zweifel. Wolffsohn unterscheidet ausdrücklich zwischen Formalnazis wie Karajan und Gesinnungsnazis. Karajan war kein Antisemit!
In der Nazizeit bestand die erkennbare Konkurrenz zwischen Wilhelm Furtwängler, einem Protégée von Goebbels, und Herbert von Karajan, der von Hermann Göring unterstützt wurde. Mit Görings Prestige war es allerdings 1941 vorbei. Nach der verlorenen Luftschlacht gegen Großbriannien. Streit über Karajans Nazi-Gesinnung gabe es dann besonders erst nach 1945. Etwa in den USA, wo es 1955 zu Protesten einer kleinen, rechtsradikalen jüdischen Gruppe vor der Carnegie Hall kam. Die Mehrheit der jüdischen Konzertbesucher sah das ganz anders. Auch in der Bundesrepublik wurden die Karajan-Gegner erst in den sechziger und siebziger Jahren stark. Karajan hat sich zu seiner Nazi-Verfehlung in diser Zeit durchaus geäußert. Wolffsohn sagt: „Er hat sich, wie ich nachweise, sehr wohl und durchaus öffentlich, in zig Interviews damit auseinandergesetzt,“ Karajan hat seine Schuld eingesehen.
5622: Goldener Bär für „Gelbe Briefe“ von Ilker Catak
Montag, Februar 23rd, 2026Zum ersten Mal seit 22 22 Jahren hat wieder ein deutscher Film den goldenen Bären auf der Berlinale gewonnen. Es ist das Politdrama „Gelbe Briefe“ des Berliner Regisseurs Ilker Catak. 2004 hatte Fatih Akin für „Gegen die Wand“ den goldenen Bären bekommen. Die Schauspielerin Sandra Hüller hat den silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle erhalten (SZ 23.2.26).
5611: Cees Nootebooom ist gestorben.
Sonntag, Februar 15th, 2026Im Alter von 92 Jahren ist der große niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom gestorben. Am Ende war er in Deutschland fast wichtiger als in seinem Heimatland. Dazu hatte wohl auch eine Empfehlung Marcel Reich-Ranickis beigetragen. Nooteboom hat neun Romane und über ein Dutzend Gedichtbände verfasst. Er war sich der Sinnlosigkeit des Lebens stets bewusst und hat darüber mit gekonnter Leichtigkeit geschrieben. Ein Fazit deutet sich in dem Essay „In den Bäumen blühen die Steine“ (2023) an. Nooteboom hat auch als Journalist gearbeitet. über einen SED-Parteitag. den Mai 68 in Paris und das Ende des Schahs als Reporter berichtet. Er stand in engem Austausch mit anderen Schriftstellern, Wissenschaftlern, Malern und Theologen. Stammgast war er auf der Frankfurter Buchmesse, immer zum Gespräch aufgelegt. Seine „Gesammelten Werke“ sind bei Suhrkamp erschienen (Thomas Steinfeld, SZ 13.2.26).
5545: Brigitte Bardot ist tot-
Montag, Dezember 29th, 2025Im Alter von 91 Jahren ist die Schauspielerin Brigitte Bardot gestorben. Mit 40 hatte sie sich aus dem Filmgeschaft verabschiedet. Danach war sie nur noch als Tierschützerin, Rassistin und Rechtsextremistein tätig. Dafür ist sie mehrfach von französischen Gerichten verurteilt worden (SZ 29.12.25).
5538: Rosa von Praunheim ist tot.
Donnerstag, Dezember 18th, 2025Rosa von Praunheim ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Der Filmregisseur, der etwa 150 Filme gedreht hat, war eine Ikone der Schwuöenbewegung. Drehte „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt.“ 1991 hatte er Alfred Biolek und Hape Kerkeling als Schwule geoutet (SZ 18.12.25).
5521: Woody Allen 90
Mittwoch, Dezember 3rd, 2025Woody Allen ist 90 Jahre alt geworden. Er ist eine lebende Legende, hat 50 Filme gemacht und vier Oscars gewonnen. Aber seit den Beschuldigungen des sexuellen Missbrauchs von Allens Ex-Frau Mia Farrow 1992 liegt ein Schatten auf Allens Leben. Er hat sogar damit Probleme, seine Filme zu finanzieren. Seine größten Filme („Der Stadtneurotiker“, „Manhatten“, „Hannah und ihre Schwestern“) spielten ursprünglich alle in New York. Neuerdings mus Allen ausweichen („Midnight in Paris“, „Vicky Cristina Barcelona“)- Demnächst will Woody Allen seinen 51. Film drehen (Sofia Glasl, SZ 1.12.25).
5514: Florian Illies: Die Manns: eine Familienaufstellung
Mittwoch, November 26th, 20251. Die Familie von Katia und Thomas Mann ist wohl die bekannteste in Deutschland. Und eine der kaputtesten. Es gibt Berge von Briefen und Tagebüchern. Hermann Kurzke, Tilmann Lahme und Florian Illies haben sie ausgewertet.
2. Sie hatten sechs Kinder: Erika, Klaus, Golo, Monika (Mönle“), Elisabeth („Medi“) und Michael, von denen zwei, Klaus und Michael, Selbstmord begingen. Wie in der Generation davor auch schon Thomas‘ Schwestern Julia und Carla.
3. Es herrschte eine große Gefühlskälte. Alle versuchten, dem Vater zu gefallen. Zum Schutz wurde Ironie angewandt.
4. Der hatte zwei Lieblinge: Erika und Elisabeth. Monika war das schwarze Schaf.
5. Klaus war ein großer Schriftsteller („Wendepunkt“, „Mephisto“).
6. Golo galt als „Kauz“. Er war immerhin Prodessor für Geschichte und hat den vielseitigen „Wallenstein“ verfasst. Tilmann Lahme hat ihm eine höchst lesenswerte Biografie gewidmet. Golo hat sich auf dem Kilchberger Friedhof in Zürich weit weg von seinen Eltern begraben lassen.
7. Einige Familienmitglieder wurden Zeit ihres Lebens von den Eltern materiell unterstützt.
8. Es gab häufigen und heftigen Drogenkonsum.
9. Als Eltern waren Katia und Thomas Mann liberal.
10. Monika sagte: „Die zwei Jahrzehnte, die ich im Elternhaus am Mittagstisch verbracht habe, fühlen sich in der Erinnerung wie zwei Jahrtausende an.“
11. Golo fing mit dem Schreiben erst nach dem Tode des Vaters 1955 an.
12. Klaus war politisch sehr scharfsinnig und kritisierte 1933 etwa Gottfried Benn. Er gründete in Amsterdam die Zeitschrift „Die Sammlung“, an der sein Vater trotz vorher gegebener Zusage nicht mitarbeitete.
13. Heinrich Breloers Dokumentation „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ von 2001 hat der Erkenntnis über die Familie Mann sehr gedient.
14. Thomas Mann ist so gegenwärtig wie nie vorher. Durch das 100-jährige Jubläum seines Weltklasseromans „Zauberberg“ 2024 und seinen 150. Geburtstag 2025.
15. Golo Mann war es 1933 gelungen, die Bücher und Möbel der Familie unbemerkt von den Nazis ins Ausland bringen zu lassen.
16. Erika schrieb 1933 an Klaus: „Was ist uns in unseren jüngeren Jahren doch für eine Last auf die Schultern gelegt worden durch unseren unmündigen Vater.“
17. „Was für eine schrecklich nette Familie.“ (Die Zeit, 13.11.25)
5497: Mascha Kaleko trifft 1956 auf die Heucheleien der Deutschen.
Freitag, November 14th, 2025Die Lyrikerin hatte 1933 bei Rowohlt ihr „Lyrisches Programmheft“ veröffentlicht. Danach musste die Jüdin vor den Nazi-Mördern fliehen. Sie kam in die USA, wollte aber wieder zurück nach Deutschland. 1956 machte sie eine einjährige Reise hier, die sie in viele wichtige Städte führte, ohne Mann und Sohn. Hier traf sie auf die mannigfaltigen Heucheleien der Deutschen, die alle plötzlich keine Nazis mehr gewesen sein wollten, eher Widerstandskämpfer. Sie nahm Kontakt zu ihrem Verleger Ernst Rowohlt auf, der auch aus dem Exil getreu seine NSDAP-Beiträge gezahlt hatte. 1940 kam er nach Deutschland zurück. 1959 sollte Mascha Kaleko den Fontane-Preis der Akademie der Künste in Berlin erhalten. Sie weigerte sich aber den Preis aus der Hand von deren Direktor, Hans Egon Holthusen entgegenzunehmen, einem SS-Mann (Christiane Lutz, SZ 14.11.25).
5469: Gerichte dürfen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk überprüfen.
Sonntag, Oktober 19th, 2025Eine vermutlich rechtsextreme Frau aus Bayern ist mit ihrer Klage gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vor dem Bundesverwaltungsgericht gelandet. Sie hatte keinen Rundfukbeitrag mehr bezahlt, weil die „linksgrünen Rundfunkanstalten“ weder vielfältig noch ausgewogen seien, sondern als „Erfüllungsgehilfen der vorherrschenden staatlichen Meinungsmacht“ agierten. Tatsächlich trifft das nicht zu, aber Journalisten sind stark abhängig vom Urteil von Kollegen. Das Bundesverwaltungsgericht stellte fest, dass nur dann, wenn das „Gesamtprogrammangebot“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks die Anforderungen „über einen längeren Zeitraum gröblich“ verfehe, es gerechtfertigt sein könne, den Rundfunkbeitrag nicht zu entrichten. Tatsächlich ist das Gesamtangebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks riesig. Man sollte, um ein begründetes Urteil zu fällen, auf das in letzter Zeit schnell geschrumpfte Programmangebot in den USA schauen (Aurelie von Blazekovic, SZ 17.20.25).