Archive for the ‘Medien’ Category

3474: Neuer ZDF-Intendant muss weiter modernisieren.

Sonntag, Juli 4th, 2021

Der neue ZDF-Intendant, Norbert Himmler, hat als Programmdirektor schon gut mit dem alten, Thomas Bellut, zusammengearbeitet. Er hat die erste Welle der Digitalisierung  geleitet. So kommt es, dass das ZDF in vielem moderner und technisch weiter wirkt als manche ARD-Anstalt. Man traut dem ZDF eine weitere Modernisierung zu.

Seit Jahren versuchen die Öffentlich-Rechtlichen, außerhalb eines Programms mit festen Sendezeiten ein jüngeres Publikum zu erreichen. ZDF-Kultur und ZDF-Neo sind gute Beispiele. Der neue Intendant muss möglichst diejenigen überzeugen, die das öffentlich-rechtliche System abschaffen wollen. Er muss sparen, braucht mehr Frauen in Spitzenpositionen. Das ZDF-Programm muss in der Mediathek und auf Social Media zu finden sein. Wenn das klappt, ist die leicht lächerliche Begleitmusik etwa aus dem Hause Springer bedeutungslos, die ohnehin einen ziemlich kläglichen Journalismus kaschiert (Claudia Tieschky, SZ 3./4.7.21).

3473: Amsterdams Bügermeisterin entschuldigt sich für Sklavenhandel.

Samstag, Juli 3rd, 2021

Amsterdams grüne Bürgermeisterin Femke Halsema hat sich für die Beteiligung der niederländischen Hauptstadt am Sklavenhandel (1578-1863) entschuldigt. „Es ist an der Zeit, das große Unrecht der kolonialen Sklaverei in die Identität unserer Stadt einzumauern – mit einer großzügigen und bedingungslosen Anerkennung.“ Die Hälfte der 139 Bürgermeister aus besagter Zeit amtierte zugleich als Direktor der Kolonialgesellschaft. Die Niederlande profitierten vom Handel mit Sklaven.

Linda Nooitmeer vom Nationalen Institut für die niederländische Sklavereigeschichte: „Mit einer Entschuldigung wird die Tatsache anerkannt, dass Sklavenhandel ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit war.“ Dadurch wird die Tür zu möglichen Entschädigungszahlungen geöffnet. Meistens kommt es dazu aber nicht. Eine Mehrheit der Niederländer lehnt eine solche Geste ab (Thomas Kirchner, SZ 3./4.7.21).

3472: Documenta 15 findet planmäßig 2022 statt.

Samstag, Juli 3rd, 2021

Die Documenta 15 findet planmäßig vom 18. Juni bis 25. September 2022 in Kassel statt. Das gab Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) bekannt. Vorher war wegen der Corona-Pandemie über eine Verschiebung nachgedacht worden. Zur Begründung verwies Geselle auf die „gesellschaftspolitische und kulturelle Verantwortung“, die mit der Documenta verbunden seien. Es gehe darum, ein Zeichen für „Hoffnung, Zuversicht, Glauben und Liebe“ zu geben.

Mit ihrem auf Teilhabe und Gemeinschaft gerichteten Konzept gehöre die Documenta genau in diese Zeit. Geselle kündigte an, dass sich die Gesellschafter um die Deckung der Mehrkosten für höhere Sicherheitsanforderungen und geringere Teilnehmerzahlen kümmern würden. Die Documenta-Kuratoren gaben bekannt, spätestens im September 2021 die Liste der 53 Künstlerinnen und Künstler bekannt zu geben, die eingeladen würden (Ingo Abend, SZ 3./4.7.21).

3469: Jutta Brückner 80

Donnerstag, Juli 1st, 2021

Für ihren Spielfim „Hungerjahre“ (1980) bekam sie den Preis der deutschen Filmkritik. Es ist eine Mutter-Tochter-Geschichte aus den fünfziger Jahren. Zusammen mit den beiden voraufgegangenen Dokumentarfilmen „Tue recht und scheue niemand“ (1975) und „Ein ganz und gar verwahrlostes Mädchen“ (1977) bildet er eine Trilogie über die Geschichte der frühen Bundesrepublik. Als die damals Jungen erleben wir darin unser Leben. Wahrhaftig und großartig. Die ganze Enge der Gesellschaft ist erdrückend. Damit kannte Jutta Brückner sich aus.

Sie hatte Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie studiert und 1973 promoviert und arbeitete mit Norbert Kückelmann und Volker Schlöndorff („Der Fangschuß“ 1976) zusammen. Ihre belletristischen Versuch stellte sie ein und verfasste einige Hörspiele. 1981 war sie Jurymitglied bei der Berlinale. 1986 bis 2006 wurde sie Professorin an der Hochschule der Künste in Berlin. Von 2003 bis 2009 war sie stellvertretende Direktorin der Sektion Film- und Medienkunst der Akademie der Künste. In diesen Funktionen diente sie der deutschen Filmkunst, sie hat deren Defizite verringert. Ihre klare Sprache hilft uns allen. Jutta Brückner wird 80 Jahre alt (Fabian Tietke, taz 25.6.21).

3467: Maas und Kramp-Karrenbauer für Verbleib in Mali.

Mittwoch, Juni 30th, 2021

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sprechen sich für einen Verbleib der Bundeswehr in Mali aus. Und das nach dem Abzug aus Afghanistan. Maas: „Wir müssen uns darüber klar werden, dass die Region droht, zu einer Drehscheibe des internationalen Terrorismus zu werden.“ Kramp-Karrenbauer betonte, dass man sich „realistische Ziele“ setzen müsse. In Afghanistan seien diese zu hoch angesetzt und eigentlich unerreichbar gewesen (dpa, Mike Szymanski, SZ 29.6.21).

3466: Die deutsche Mannschaft war zu schlecht.

Dienstag, Juni 29th, 2021

Die deutsche Fußballnationalmannschaft ist bei der Europameisterschaft ausgeschieden. Zu recht. Sie ist nicht mehr leistungsstark genug. Die Gründe dafür liegen beim Bundestrainer, der in den ganzen letzten Jahren (Desaster 2018 und 2021) kein Konzept mehr entwickelt hat, wie unsere an Einzelspielern starke Mannschaft erfolgreich spielen konnte. Zum Glück ist er bald weg. Der zweite Fehler war die Überschätzung von Thomas Müller (FC Bayern), der jederzeit für ein großes Ballyhoo gut ist, aber die Leistung nicht mehr bringt. Auch der ist aus der Nationalmannschaft bald weg. Drittens fehlt uns ein starker Stoßstürmer. Viertens sind wir anfällig bei Standards. Fünftens wird Manuel Neuer (FC Bayern) immer schwächer.

Das bringt uns nicht vom Fußball weg. Die Bundesliga bleibt interessant. Und die Nationalmannschaft auch. Es lebe der Fußball!

3465: Genderkritik ist wieder erlaubt.

Dienstag, Juni 29th, 2021

Die Britin Maya Forstater hatte 2019 Klage beim Arbeitsgericht eingereicht, weil sie von ihrem Unternehmen wegen eines Tweets nicht weiterbeschäftigt worden war. Sie hatte geschrieben, dass

das biologische Geschlecht „unveränderbar“

sei. Diese Formulierung fand der Arbeitsrichter „des Respekts in einer demokratischen Gesellschaft nicht würdig“ und wies Forstaters Klage ab. Der High Court hob das Urteil nun auf. Er bescheinigte Forstater zwar ebenfalls „genderkrtische Äußerungen“, sah diese aber von der Meinungsfreiheit gedeckt, da sie „nicht darauf gezielt haben, die Rechte von Transgender zu zerstören“. (Jochen Buchsteiner, FAS 27.6.21)

3460: Was die Ära Trump für US-Amerikaner bedeutet

Samstag, Juni 26th, 2021

Die US-amerikanische Autorin und Literaturkritikerin Andrea Scrima sagt zur Ära Trump das Folgende (FAS 6.6.21):

„Für viele Amerikanerinnen und Amerikaner war Donald Trumps Präsidentschaft eine tägliche Dosis Verderbtheit, die wir uns bereitwillig verabreichen ließen, immer in der Hoffnung, unsere informierte Empörung könnte auf lange Sicht doch noch irgendwie ins Gewicht fallen. Die Trivialisierungen, die Unflätigkeiten, die Frauenfeindlichkeit, die selbstgefällige Logik der White Supremacy, den pubertären Charakter, den die landesweite Politik in dieser Zeit annahm, das Erodieren der Amtswürde, die Verrohung der Sprache sowohl in den Medien als auch in beiden Kongresskammern: wir dokumentierten dies alles sorgfältig, um uns damit unsere Zurechnungsfähigkeit und unseren Realitätssinn zu erhalten. Wir sahen mit an, wie sich das Erodieren der Sprache langsam, aber sicher zur anhaltenden Kakophonie verformte, die objektive Fakten durch alternative Narrative ersetzte, aus denen man, so wurde es uns nahegelegt, nach Belieben auswählen konnte. Wir waren aufgescheucht und alarmiert und wussten doch, dass wir uns zwangsläufig, durch die schiere Macht der Gewöhnung, letztendlich auch damit abfinden würden, das höchste Amt im Land von einem gefährlichen Witzbold bekleidet zu sehen.“

3458: Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation

Freitag, Juni 25th, 2021

Der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) schlägt ein „Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation“ vor. Die Bundesregierung hatte dazu eine Gruppe von Politikern und Forschern eingeladen. Es soll eine Begegnungsstätte, ein Ort der Verständigung und eine Forschungsstätte werden. Untersucht werden soll der Prozess der deutschen Vereinigung bis hinein in persönliche Erfahrungen. Das Bundeskabinett soll dazu am 7. Juli 2021 entscheiden.

Ausgangspunkt der Überlegungen ist die Tatsache, dass bei allem Fortschritt im Vereinigungsprozess viele Ostdeutsche sich in Deutschland immer noch nicht angekommen fühlen. Reflektiert werden soll die immer noch starke Ablehnung der Demokratie in Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts. Für 200 Millionen Euro soll ein Haus mit „eigener Architektursprache“ entstehen.

In Ostdeutschland.

Der Blick soll schließlich auf die gemeinsame Zukunft gerichtet werden. Man möchte ein „Identitätsgefühl“ erzeugen (Constanze von Bullion, SZ 17.6.21).

3456: EU-Europaminister beraten Über Rechtsstaatlichkeit in Polen und Ungarn.

Mittwoch, Juni 23rd, 2021

Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Uefa den Wunsch Münchens abweist, die Arena beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn in Regenbogenfarben zu beleuchten, beraten die EU-Europaminister über die Rechtsstaatlichkeit in Polen und Ungarn. Seit 2018 laufen gegen sie Artikel-7-Verfahren, weil dort Werte wie Menschenwürde, Demokratie und Nichtdiskriminierung gefährdet seien. Auslöser war das ungarische Gesetz, dass etwa die Rechte homosexueller Jugendlicher beschneidet und mit dem Schutz vor Pädophilie begründet wird. Ausgerechnet Ungarns Außenminister warnt davor, Sport zu politisieren. Der Außenminister Luxemburgs, Jean Asselborn, findet das Gesetz „beschämend“. Folgen hat das Vorgehen der Europaminister keine. Denn Polen und Ungarn schützen sich jeweils gegenseitig vor der Streichung ihres Stimmrechts. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ist von der Uefa enttäuscht: „Es wäre ein sehr gutes Zeichen für Toleranz und Freiheit gewesen.“ (MATI, SZ 23.6.21).