Archive for the ‘Medien’ Category
Samstag, Dezember 11th, 2021
Der „Spiegel“ ist angeschlagen, seit er dem Fälscher
Claas Relotius
auf den Leim gegangen war. Daran ändert es nichts, dass der „Spiegel“ in Person von qualifizierten Journalistinnen in Talkshows gut vertreten ist. Das Landgericht Hamburg hat im Dezember 2021 dem Blatt die Berichterstattung über den Fall
Luke Mockridge/Ines Anioli
wegen „unzulässiger Verdachtsberichterstattung“ untersagt. Neben Frau Anioli hatten noch drei weitere Frauen anonymisiert Anzeige gegen Mockridge erstattet. Im November 2021 hatte ebenfalls das Landgericht Hamburg dem „Spiegel“ aufgegeben, den Bericht „Vögeln, fördern, feuern“ über den ehemaligen „Bild“-Chef
Julian Reichelt
aus dem Netz zu nehmen. Der „Spiegel“ dazu: „Einen Anlass zu einer Schärfung unserer Standards oder einer Nachjustierung unserer Prozesse sehen wir nicht.“ Das Blatt will seine Berichterstattung „auf dem Rechtsweg in jeder Hinsicht verteidigen“. (Laura Hertreiter, SZ 11./12.12.21)
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Freitag, Dezember 10th, 2021
Im Alter von 90 Jahren ist der ehemalige langjährige Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ), der heute führenden Tageszeitung in Deutschland, Dieter Schröder, gestorben. Der gebürtige Berliner hatte von 1952 an mit einer Unterbrechung von zwei Jahren (beim „Spiegel“ 1964-1966) für die Zeitung gearbeitet. Von 1976 bis 1995 gehörte er der Chefredaktion an, die letzten zehn Jahre als alleiniger Chefredakteur. Unter seiner Führung hat sich das Blatt dazu entwickelt, was es heute ist, ein Anker des seriösen Journalismus. Mit einer soliden verkauften Auflage.
Schröder brillierte, was selten ist, in seiner Zeit als Chef zugleich als markanter Leitartikler. 1950 hatte er die DDR verlassen und zunächst als Ausbilder bei der späteren Deutschen Journalistenschule in München gewirkt. Als sehr junger Mann war er zwölf Jahre Korrespondent in Bonn, wechselte 1964 für zwei Jahre zum „Spiegel“, bevor er bis 1972 Korrespondent in London war. Auf Grund seiner DDR-Erfahrungen war Schröder ein überzeugter Antikommunist. Seine Redaktion lag nicht immer ganz und gar auf seiner Linie. Der „Spiegel“ hatte ihn so stark beeinflusst, dass er noch 2004 eine Biografie von Rudolf Augstein schrieb. 1995 wechselte Schröder als Herausgeber zur „Berliner Zeitung“, ohne deren Niedergang aufhalten zu können (Kurt Kister, SZ 9.12.21).
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Freitag, Dezember 10th, 2021
Er hat wohl über tausend Interviews geführt. 170 Fernsehfilme gemacht. Die immer auch ein wenig seine eigene Geschichte enthielten. Mit seiner Familie musste er 1938 als Jude aus Wien nach Frankreich fliehen. Fühlte sich aber stets als Teil der deutschen Kultur, der Liebhaber von Heine und Goethe: Georg Stefan Troller, der 100 Jahre alt geworden ist. Seit seiner Vertreibung spürte er die enge Verbundenheit mit seinen Landsleuten Karl Kraus, Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, Sigmund Freud und Stefan Zweig. 1962 war er zum WDR und dessen „Pariser Journal“ gekommen. Die Freunde Paul Celans dürfte es betrüben, dass Georg Stefan Troller kurz vor dessen Selbstmord noch ein Treffen beim Bier mit dem Dichter hatte. 1972 ging Troller zum ZDF. Und arbeitete dort weiter sehr erfolgreich auf seine provokante und leicht bösartige Weise an seinen Porträts. Er ist eine Jahrhundertfigur (Willi Winkler, SZ 10.12.21).
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Donnerstag, Dezember 9th, 2021
Die Grünen haben der AfD den Vorsitz im Innenausschuss des Deutschen Bundestages verschafft. Unglaublich, aber wahr. Weil sie für den bei der Minister-Vergabe leer ausgegangenen Parteilinken Toni Hofreiter (aus Bayern) den Vorsitz im Europa-Ausschuss vorgezogen hatten, um ihm ein Sprungbrett nach Brüssel zu verschaffen.
W.S.: Was gibt es im Bundestag bloß für blutige Anfänger!
Die Fraktionen können in der Reihenfolge ihres Stimmanteils die Ausschuss-Vorsitzenden wählen. Im Innenausschuss wird bekanntlich über Geheimdienste und den Extremismus beraten. Nun unter Führung der AfD. Dabei will das Bundesamt für Verfassungsschutz im nächsten Jahr die gesamte AfD als rechtsextremistisch einstufen. Auf ähnliche Weise hat die AfD auch den Vorsitz im Gesundheitsausschuss bekommen, die Partei also, die gegen Corona-Schutzmaßnahmen auf die Straße geht. Die anderen Fraktionen hätten gewarnt sein müssen. Und klüger handeln sollen. Die Ausschuss-Vorsitzenden erzielen mit öffentlichen Auftritten Wirkung. Sie bereiten Sitzungen vor, berufen sie ein und leiten sie. Gerade beim Thema
Rechtsextremismus
hat der Bundestag schlecht gewählt (Constanze von Bullion/Henrike Rossbach, SZ 9.12.21; Markus Balser, SZ 9.12.21).
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Mittwoch, Dezember 8th, 2021
Cerstin Gammelin ist eine sehr erfolgreiche Journalistin bei der SZ. Sie stammt aus Ostdeutschland. Anlässlich des Rücktritts von Angela Merkel schreibt sie (6.12.21):
„An Kanzlerin Merkel hat DDR-Bürgerrechtler Rainer Eppelmann jüngst im ‚Tagesspiegel‘ befunden, sei nichts mehr ostdeutsch gewesen, weder im Stil noch in den politischen Inhalten. Dem mögen viele zustimmen, womöglich wäre es Merkel sogar recht, sie wollte ja eine gesamtdeutsche Kanzlerin sein. Das Entscheidende ist etwas anderes. Vom Ende her betrachtet, also Dezember 2021, hat sie es mit ihrem Regierzungsstil ermöglicht, dass in das wiedervereinigte Land Dinge diffundieren konnten, die einst in der DDR funktioniert hatten. Die Selbstverständlichkeit, dass Frauen arbeiten gehen. Das Feministisch-Selbstbestimmte, ein modernes Frauenbild. Flächendeckende Angebote an Krippen, Kindergärten, Ganztagsschulen. Ärztehäuser, die im Osten Polikliniken hießen. Mobile Gemeindeschwestern, die übers Land fahren, wo der Arzt eingespart wurde. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen.“
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Mittwoch, Dezember 8th, 2021
„Der Verein (‚Pro Quote‘, W.S.) untersuchte 2018 die Geschlechterverhältnisse im Rundfunk. Dort kam heraus: Die Hälfte der Belegschaft und ein Großteil des journalistischen Nachwuchses in öffentlich-rechtlichen Sendern ist weiblich, doch in den Führungsriegen sind Frauen in den meisten Häusern entweder in der Minderheit oder völlig abwesend. In den Intendanzen zählte der Verein 2018 nur zwei Frauen in den zwölf öffentlich-rechtlichen Anstalten (neun Landesanstalten der ARD, das ZDF, die Deutsche Welle und Deutschlandradio).
Seitdem haben sich einige Stühle bewegt, Patricia Schlesinger (RBB) und Karola Wille (MDR), die beiden Intendantinnen von 2018, sind heute in Gesellschaft von Katja Wildermuth (BR) und Yvette Gerner (Radio Bremen). Auf der Intendantenebene wäre der Frauenanteil damit auf vier von zwölf erhöht. Doch auch die Kontrollgremien der Sender waren 2018 mehrheitlich mit Männern besetzt. In den Rundfunk-, Hörfunk- und Fernsehräten betrug der durchschnittliche Frauenanteil laut Pro Quote 41,5 Prozent, in den Verwaltungsräten 38,5 Prozent.“ (Aurelie von Blazekovic, SZ 7.12.21)
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Montag, Dezember 6th, 2021
Jude Bellingham, 18, (Borussia Dortmund) hat nach dem Spiel gegen den FC Bayern München (2:3) Schiedsrichter Felix Zwayer kritisiert. Bevor Bellingham im Sommer 2020 zu Borussia Dortmund kam, hatte er 40 Spiele für Birmingham City in der zweiten englischen Liga absolviert. Er sagte: „Du gibst einem Schiedsrichter, der schon in Spielmanipulationen verwickelt war, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartets du?“ Kritik an Zwayers Eignung und moralischer Integrität. Er war 2004 in die Affäre um den bestechlichen Schiedsrichter Robert Hoyzer verwickelt. Am Rande.
Mittlerweile ermittelt der DFB-Kontrollausschuss „die sportstrafrechtliche Relevanz“. Schiedsrichter-Beobachter Marco Haase hat Strafanzeige wegen „Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung“ gegen Bellinham erstattet. BVB-Chef Joachim Watzke meinte, Bellinhams Satz sei „nicht falsch, auch wenn er ihn nicht sagen muss. … Aber das ist dann auch der Emotionalität geschuldet, die man einem 18-jährigen zugestehen muss. Jude hat niemanden beleidigt, sondern ein Faktum geschildert.“ (Philipp Selldorf, SZ 6.12.21)
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Sonntag, Dezember 5th, 2021
Der letzte Weltmeister von 1954, Horst Eckel, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Er hat 32 Länderspiele absolviert und gehörte in der Nationalmannschaft zum Kern vom 1. FC Kaiserslautern: Werner Kohlmeyer, Werner Liebrich, Horst Eckel, Ottmar Walter, Fritz Walter. 1951 und 1953 wurde man Deutscher Meister. 1954 gab es im Endspiel die deftige 1:5 Niederlage gegen Hannover 96. Horst Eckel galt in der Mannschaft als Assistent und Helfer von Fritz Walter, dem großen Spielgestalter. Bescheiden sein Leben lang. Auf dem zweiten Bildungsweg wurde er Lehrer für Sport und Werken. Regelmäßig besuchte er Jugendstrafanstalten und Gefängnisse und wirkte mit an der Integration. 2017 war sein letzter 54er-Spielkamerad, Hans Schäfer vom 1. FC Köln, gestorben. Manche aus der Weltmeistermannschaft hatten nach dem Titel, einem nationalen Mutmacher, ihr Leben kaum noch in den Griff gekriegt. 1974 starb bereits Werner Kohlmeyer. Alkohol, Verlorenheit, Aushilfsjob in der Pförtnerbude. Der Held von Bern, Helmut Rahn (Rotweiß Essen), hat seine Geschichte an den Theken und Tresen des Ruhrpotts zu häufig erzählt. bevor er die innere Emigration wählte (Roland Zorn, FAZ 4.12.21; Holger Gertz, SZ 4./5.12.21).
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Dienstag, November 30th, 2021
Eine Helmut Kohl einst zugesprochene Entschädigung von einer Million Euro fällt nicht an die Witwe. Ein solcher Anspruch sei grundsätzlich nicht vererbbar, urteilte der Bundesgerichtshof (BGH). Er bestätigte damit ein Urteil des OLG Köln von 2018. Maike Kohl-Richter bleibt jetzt nur noch eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG). Für den Band
„Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle“
sollten laut Antrag der Autor
Heribert Schwan
und sein Verlag zahlen. Das brauchen sie jetzt nicht. Das Buch kann erscheinen. Darin die vielen Invektiven Helmut Kohls. U.a. bezogen auf Heiner Geisler. Heribert Schwan war ursprünglich als Autor für Kohls Memoiren vorgesehen, bis er sich mit Helmut Kohl zerstritt. Eine zweite Entscheidung, die 116 derzeit verbotene Textpassagen betrifft, hob der BGH teilweise auf. Einen Teil der Zitate erklärten die Richter für zulässig. Andere müssten nochmals geprüft werden. Beide Urteile ergingen als Teilurteile, weil der ebenfalls beklagte Co-Autor
Tilman Jens
inzwischen gestorben ist. Der Rechtsstreit mit seinen Erben ist unterbrochen (SZ 30.11.21).
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Montag, November 29th, 2021
Der sportpolitische Sprecher der Grünen, Erhard Grundl, fordert einen diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking. Das sei „das Mindeste“. Hintergrund ist das Verschwinden der chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai. Der Chef der Frauen-Welt-Tour WTA, Steve Simon, bezweifelt, dass es der Spielerin möglich ist, „frei, offen und direkt“ zu kommunizieren. Ihre Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs durch einen hohen chinesischen Funktionär verschwanden Anfang November blitzschnell aus dem Netz. Chinesische Zensur! Simon drohte damit, keine Turniere mehr in China auszurichten, solange die Sicherheit der Athletin nicht gewährleistet sei (SZ 29.11.21).
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