Die ehemalige Facebook-Produktmanagerin Frances Haugen warnt vor den Auswirkungen sozialer Medien auf Kinder und Jugendliche. „Da erreichen wir demnächst einen kritischen Punkt. Die Suizidraten für Kinder und Jugendliche gehen in den USA steil nach oben.“ Die US-Gesundheitsbehörde CDC ermittelte, dass der Anteil der Mädchen im Teenageralter, die schon mit Suizidgedanken gespielt hätten, von 2011 bis 2021 von 19 auf 30 Punkte gestiegen sei. Der oberste Gesundheitsbeamte des Landes hat Ende Mai 2023 soziale Medien zum Gesundheitsrisiko erklärt. Das geschehe selten, so Haugen. Etwa als publiziert wurde, dass Zigaretten Krebs verursachten, dass Sicherheitsgute Leben retteten, dass Stillen für Babys gesund sei. Frances Haugen hatte im Sommer 2021 Tausende Dateien aus der Facebookzentrale (heute: Meta) geschmuggelt (SZ 13.6.23).
Archive for the ‘Innenpolitik’ Category
4369: Frances Haugen warnt vor den Wirkungen von sozialen Medien auf Kinder.
Freitag, Juni 16th, 20234367: Gerichtsstreit Springer gegen Julian Reichelt
Samstag, Juni 10th, 2023Das Haus Springer hat den früheren „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt verklagt und geht auch arbeitsrechtlich gegen ihn vor. U.a. möchte Springer die zwei Millionen betragende Abfindung zurück. Da wird nun vor Gericht schmutzige Wäsche gewaschen. Reichelt war im Herbst 2021 nach Vorwürfen des Machtmissbrauchs entlassen worden. Damals hatte er noch ein sehr gutes Verhältnis zum Springer-Chef Matthias Döpfner. Die Abfindungszahlung wurde im Oktober fällig. Vier Monate später verlangte Springer zusätzlich 192.000 Euro von Reichelt, weil dieser „Bild“-Angestellte für sein Start-up entgegen den Bestimmungen der Trennungsvereinbarung angeworben hatte. U.a. Ralf Schuler.
Außerdem hatte Reichelt vertrauliche interne Verlagsinformationen an den Verleger der „Berliner Zeitung“, Holger Friedrich, geleakt. Dieser hielt sich nicht an das Gebot des Informantenschutzes, sondern verpetzte Reichelt bei Döpfner. Zum Gütetermin beim Arbeitsgericht Berlin waren Döpfner und Reichelt nicht erschienen. Dafür viele ander Medienvertreter. Auch der inzwischen ebenfalls entlassene Reichelt-Nachfolger Johannes Boie. Die „Berliner Zeitung“ hatte über die geleakten Informationen nicht berichtet, dafür der „Stern“. Vor Gericht liegt die Beweislast auf der Klägerseite. Reichelt selbst hat Widerklage eingericht, u.a. auf die Herausgabe aller Daten aud dem Springer-internen Compliance-Verfahren. Würde man die Unterlagen herausgeben, würden Namen und Daten von Hinweisgebern bekannt. Der nächste öffentliche Kammertermin ist für November anberaumt (Anna Ernst, SZ 10./11.6.23).
4364: Das Unbewusste steuert unser Gewicht.
Donnerstag, Juni 8th, 2023Der Neurobiologe Stephan Guyenet hat das Buch „The Hungry Brain“ geschrieben. Im Interview mit Barbara Vorsamer (SZ 20./21.5.23) äußert er sich klipp und klar.
„Körpergewicht wird zu oft moralisch aufgeladen, zu viele Menschen sind der Meinung: Ah, da ist jemand dick, diese Person hat keine Selbstkontrolle und lässt sich gehen. Diese Art der Verurteilung ist unfair, denn die Gehirne von Menschen mit Übergewicht funktionieren anders,
und das wiederum ist vor allem genetisch bedingt.
Zwillingsstudien belegen, dass der Einfluss der Gene auf das Körpergewicht bei etwa 70 Prozent liegt.“
„Der präfrontale Kortex, also der Teil unseres Gehirns, der Menschen von den meisten Tieren unterscheidet, ist tatsächlich ziemlich anpassungsfähig. Doch je tiefer wir in das Gehirn gehen, desto weniger beweglich wird es, bis wir im Stammhirn sind, wo es vor allem fest verdrahtete Verbindungen gibt. Grundfunktionen wie
Herzschlag, Atmung, Verdauung
werden von hier gesteuert, bewusst regulieren können wir da wenig. Auch das Gefühl, satt zu sein, kommt aus dem Stammhirn. Dort sammeln sich zahlreiche Informationen aus dem Magen, dem Darm, dem Blutkreislauf und geben irgendwann dem bewussten Teil des Gehirns das Signal: Es reicht. Aber bis zu diesem Punkt passiert alles unbewusst, weswegen wir daran nichts ändern können, auch nicht durch Weiterbildung oder Psychotherapie.“
4363: Gunnar Hinck: Die DDR bleibt umstritten.
Mittwoch, Juni 7th, 2023Gunnar Hinck hat 2007 das Buch „Eliten in Ostdeutschland“ veröffentlicht. Jetzt beschäftigt er sich (taz 3.-9.6.23) mit den gerade publizierten Trotzbüchern Dirk Oschmanns „Der Osten: eine westdeutsche Erfindung“ und Katja Hoyers „Diesseits der Mauer“. Es herrscht offenbar weiter großer Gesprächsbedarf über den Arbeiter- und Bauernstaat DDR. Wirkungsvoll sind die beiden Trotzbücher, weil sie nicht differenzieren. Oschmann findet es beispielsweise empörend, dass Franziska Giffey 2018, als sie Familienministerin wurde, als Quotenfrau bezeichnet wurde. So sieht man es heute noch in ostdeutschen Kleingärten und Kantinen. Es ist dort nicht gelungen, individuelle Lebenserfahrungen mit dem diktatorischen DDR-Staatsrahmen zu verbinden. Geredet wird von flächendeckenden Kitas und der „wirtschaftlichen Unabhängigkeit“ der Frauen. Verschwiegen wird der Verfall der Altbauten und die Wohnungsnot.
Die Ostdeutschen möchten sich ihr eigenes Leben nicht von anderen entwerten lassen. Wer sich in einem FDJ-Ferienlager zum ersten Mal verliebt hat, vergisst darüber gerne, dass die FDJ eine Zwangsorganisation des Staates war. Vergessen werden die gesundheitlichen Schäden in Chemiekombinaten und die Stasi-Haft. Die Erinnerung richtet sich auf das kommode Leben bei genügendem Opportunismus. „Die DDR war ein Gefängnis für sehr viele, aber wer aus sogenannten einfachen Verhältnissen kam, mitmachte und funktionierte, konnte Karrierewege einschlagen, die ihm in der frühen Bundesrepublik wahrscheinlich verwehrt geblieben wären.“
Diejenigen DDR-Bürger, die in staatsnahen Berufen gearbeitet haben, erlebten die Wiedervereinigung häufig als beruflichen Abstieg. Nicht zur Kenntnis genommen wurde der relativ stabile Sozialstaat. Die aus dem Westen in die neuen Bundesländer kommenden Führungskräfte wurden oft als arrogantes Pack identifiziert. So kam es schnell zur Resignation. Die Arbeit der Treuhandanstalt wurde nicht verstanden. Nötig wäre auch ein inner-ostdeutsches Gespräch über die bisher weithin beschwiegenen Konflikte in der DDR. „Wer als Kind von SED-Kadern Auslandserfahrungen machen konnte, hatte in der Bundesrepublik bessere Startchancen als der renitente Akademiker, der in der DDR mit Hilfsarbeiterjobs bestraft wurde.“ Und solange die unterschiedlichen Post-DDR-Milieus in ihren abgeschotteten Diskursblasen sitzen bleiben, wird es keine Besserung geben.
W.S.: Gunnar Hinck hat in Göttingen Sozialwissenschaften studiert, darunter auch Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.
4360: EKD-Vorsitzende rät Kirche zu mehr Mut.
Dienstag, Juni 6th, 2023Die Ratsvorsitzende der EKD, Annette Kurschus, hält es für falsch, wenn sich das Christentum möglichst „niedrigschwellig“ präsentiert. Gerade angesichts abnehmender Mitgliederzahlen. Die Kirche müsse Profil zeigen und „mutiger werden“. Auf dem Evangelischen Kirchentag werden ab Mittwoch 100.000 Menschen erwartet (SZ 6.6.23).
4359: Bundespräsident und Wahlrechtsreform
Dienstag, Juni 6th, 20231. Die Verkleinerung des Bundestags, der jetzt 736 Abgeordnete hat, auf die vorgesehene Zahl von 598 Abgeordneten ist sehr richtig.
2. Wie das geschieht, ist umstritten. CSU und Linke haben den Bundespräsidenten aufgefordert, das Gesetz nicht zu unterschreiben.
3. Die Linke wäre ohne die Grundmandatsklausel jetzt schon nicht mehr im Bundestag. Sie hatte die 5-Prozent-Hürde nicht geschafft und es nur mit drei Direktmandaten hinbekommen.
4. Der CSU könnte es passieren, dass sie alle 46 Mandate in Bayern gewinnt und trotzdem keinen Abgepordneten in den Bundestag entsendet.
5. Diese beiden Mängel allein beschädigen das Gesetz schwer.
6. Frank-Walter Steinmeier hat sich für die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre und die Verlängerung der Legislaturperiode ausgesprochen. Beim Wahlrecht ist er nicht so klar.
7. Sollte der Bundespräsident das Gesetz unterzeichnen, landet es vor dem Bundesverfassungsgericht (Robert Roßmann, SZ 6.6.23).
4357: Linksextreme gefährden den Rechtsstaat.
Montag, Juni 5th, 2023In Deutschland haben Linksextreme es schon immer für sich in Anspruch genommen, kriminell werden zu dürfen und Gewalt zu üben. Angeblich wegen ihrer höheren Ziele. Es sind die Ziele von Lenin, Stalin und Mao Tse Tung. Das hat sich jetzt wieder gezeigt. Nach der Verurteilung der Linksextremistin Lina E. wegen gewalttätiger Selbstjustiz durch das Oberlandesgericht Dresden haben Vermummte in Leipzig Pyro und Steine auf die Polizei geworfen. Eine Sparkasse wurde zerstört, Mülltonnen angezündet. „BRD Bullenstaat“. „Gesinnungsjustiz“.
Dabei handelte es sich nur um die angemessene Reaktion unseres Rechtsstaats. Ohne das Gewaltmonopol des Staates kann die Demokratie nicht existieren. Die linksextreme Gewalt stellt das friedliche Zusammenleben in Frage. Das macht den Rechtsextremismus nicht besser, der in der Tat die Hauptgefahr für unsere Demokratie darstellt. Unsere Konsequenz kann nur „mehr Rechtsstaat“ heißen, mehr Kontrolle durch eine unabhängige Justiz, mehr kritische Öffentlichkeit. Die gewalttätigen Linksextremisten müssen scharf bekämpft werden (Iris Mayer, SZ 5.6.23).
4354: CDU-Kretschmers Asyl-Obergrenze
Samstag, Juni 3rd, 2023Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hält eine jährliche Obergrenze für den Zuzug von Migranten für notwendig. Die Grenze müsse irgendwo bei 200.000 liegen, das sei seit 2015 klar. Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge wurden im vergangenen Jahr etwa 244.000 Anträge auf Asyl gestellt. In diesem Jahr waren es allein im April mehr als 110.000. Kretschmer meint, dass wir die Grenzen dessen sehen müssten, was möglich ist (SZ 3./4.6.23).
Michael Kretschmer hat Recht.
4353: Wehrbeauftragte für Musterung
Samstag, Juni 3rd, 2023Die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Eva Högl (SPD), plädiert zur Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr für eine Musterung aller Angehörigen eines Jahrgangs. Sie hält die Idee eines verpflichtenden „Dienstjahrs für Deutschland“ für gut. Eine Rückkehr zur Wehrpflicht schließt sie aus. „Man könnte wie in Schweden einen gesamten Jahrgang junger Leute für die Bundeswehr zur Musterung einladen. Und sie dann, sofern sie wehrfähig sind, selbst entscheiden lassen, on sie sich engagieren wollen oder nicht.“ (SZ 3./4.6.23)
4351: Nord Stream-Anschlag: neue Erkenntnisse
Freitag, Juni 2nd, 2023Es verdichten sich Hinweise darauf, dass die Drahtzieher des Anschlags auf die Ostsee-Pipeline Nord Stream aus der Ukraine stammen. Am 25. Mai durchsuchten Ermittler des BKA die Wohnung einer Frau in Frankfurt/Oder. Sie soll die frühere Lebensgefährtin eines der möglichen Attentäter an Bord der Yacht „Andromeda“ sein (SZ 2.6.23).