Archive for the ‘Geschichte’ Category

3667: Angela Merkels Musik zum Großen Zapfenstreich

Donnerstag, Dezember 2nd, 2021

Zum Großen Zapfenstreich hat sich Angela Merkel drei Musikstücke ausgesucht:

1. „Großer Gott wir loben dich/Herr, wir preisen deine Stärke/Vor dir neigt die Erde sich/Und bewundert deine Werke/Wie du warst vor aller Zeit/So bleibst du in Ewigkeit“ (Ignaz Franz 1768, Evangelisches Gesangbuch 331),

2. Hildegard Knef „Für mich soll’s rote Rosen regnen“,

3. Nina Hagen „Du hast den Farbfilm vergessen“.

Dazu schreibt Cornelius Pollmer: „Es ist eine Auswahl, die ein letztes Mal zeigt, dass Angela Merkel ihre Botschaften über Gesten in der Regel besser aussenden konnte, als mit Worten. Besonders das Lied von Hagen ist in diesem Sinne eine schöne letzte Aufnahme im Farbfilm dieser Kanzlerschaft. Demnächst wird Angela Merkel also mit dem Pritt-Stift loslegen: ‚Nun sitz ich wieder bei dir und mir zu Haus/Und such die Fotos für’s Fotoalbum raus.“ (SZ 2.12.21).

3666: Katja Kipping (Linke) wird Senatorin in Berlin.

Donnerstag, Dezember 2nd, 2021

Die langjährige Linken-Vorsitzende (2012-2021) Katja Kipping wird Sozialsenatorin in Berlin. Die 43-jährige Dresdenerin Kipping sitzt seit 2005 im Bundestag. In Berlin regieren seit 2016 SPD, Grüne und Linke gemeinsam. Die Parteien müssen noch zustimmen (SZ 2.12.21).

3665: Antisemitismus-Verdacht bei der Deutschen Welle (DW)

Mittwoch, Dezember 1st, 2021

Mitarbeiter der arabischen Redaktion der Deutschen Welle haben sich im Internet antisemitisch geäußert. Etwa wurde der Holocaust ein „künstliches Produkt“ genannt. Dies ergab eine umfangreiche Auswertung der SZ von sozialen Medien und arabischen Medien. Mit ihren Äußerungen konfrontiert, gaben die Mitarbeiter an, ihre Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen (SZ 1.12.21).

3662: Kohl-Witwe verliert vor Gericht.

Dienstag, November 30th, 2021

Eine Helmut Kohl einst zugesprochene Entschädigung von einer Million Euro fällt nicht an die Witwe. Ein solcher Anspruch sei grundsätzlich nicht vererbbar, urteilte der Bundesgerichtshof (BGH). Er bestätigte damit ein Urteil des OLG Köln von 2018. Maike Kohl-Richter bleibt jetzt nur noch eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG). Für den Band

„Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle“

sollten laut Antrag der Autor

Heribert Schwan

und sein Verlag zahlen. Das brauchen sie jetzt nicht. Das Buch kann erscheinen. Darin die vielen Invektiven Helmut Kohls. U.a. bezogen auf Heiner Geisler. Heribert Schwan war ursprünglich als Autor für Kohls Memoiren vorgesehen, bis er sich mit Helmut Kohl zerstritt. Eine zweite Entscheidung, die 116 derzeit verbotene Textpassagen betrifft, hob der BGH teilweise auf. Einen Teil der Zitate erklärten die Richter für zulässig. Andere müssten nochmals geprüft werden. Beide Urteile ergingen als Teilurteile, weil der ebenfalls beklagte Co-Autor

Tilman Jens

inzwischen gestorben ist. Der Rechtsstreit mit seinen Erben ist unterbrochen (SZ 30.11.21).

3658: Der liebe Gott braucht nicht gegendert zu werden.

Freitag, November 26th, 2021

Die neue Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Annette Kurschus, eine ehemalige westfälische Präses, ist von Reinhard Bingener in der FAS (21.11.21) interviewt worden.

FAS: Die katholische Jugend hat eine Debatte darüber angestoßen, auch Gott zu gendern, indem man zum Beispiel „Gott*“ schreibt. Haben Sie dafür Verständnis?

Kurschus: Gott kann nicht auf ein Geschlecht festgelegt werden. Diese Offenheit wird schon in der Bibel deutlich, indem für Gott unterschiedliche Schreibweisen und Namen verwendet werden. Luther hat das hebräische Tetragramm JHWH mit den vier Großbuchstaben HERR übersetzt. Das meint bei Luther keinen Mann, sondern das ist eine genderübergreifende Machtansage. Dennoch hören darin viele – und wer wollte es ihnen verdenken – eine eindeutig männliche Bestimmung. Die Anrede „Gott“ ist aus meiner Sicht aber offen genug. Insofern sehe ich persönlich keinen Grund, das Wort zu gendern.

3655: Rudolf Steiner: Der Ideologe der Impfgegner

Mittwoch, November 24th, 2021

Die Soziologen Oliver Nachtwey und Nadine Frei haben in einer Studie nachgewiesen, dass es starke Überschneidungen zwischen dem anthroposophischen Milieu und den Impfgegnern und „Querdenkern“ gibt. Besonders in Baden-Württemberg. Woran liegt das? Dazu hat Alex Rühle (SZ 24.11.21) den Anthroposophie-Experten

Prof. Dr. Helmut Zander (Uni Fribourg)

befragt, der eine Rudolf Steiner-Biografie verfasst hat und systematisch zur Anthroposophie forscht. Er antwortet (in Auszügen) u.a. zur Wissenschaftsskepsis folgendermaßen:

„Aus einem anthroposophischen Wissenschaftsverständnis, das wir an der Universität nicht mehr mittragen. Rudolf Steiner meinte, man müsse das, was die Naturwissenschaften erforschen, auf anderem Weg erreichen mit geisteswissenschaftlichen Methoden übersinnlicher Erkenntnis.“

„Unser Wissenschaftsverständnis setzt dagegen Wissen auf Zeit voraus, Dateninterpretation, Diskurs, Wahrscheinlichkeit.“

„Steiner glaubte, dass das Impfen grundsätzlich problematisch sei, weil es dazu führe, den Menschen ‚die Hinneigung zur Spiritualität auszutreiben‘, wie er 1917 sagte.“

„Von der Schulmedizin wird die Impfnotwendigkeit hingegen epidemiologisch-statistisch begründet. Der Nutzen für die Allgemneinheit ist größer, wenn wir impfen, als wenn wir nicht impfen.“

„Ich finde es in dem Zusammenhang problematisch, wenn sich der Bund der Waldorfschulen hinsichtlich von Steiners Rassismus mit windelweichen Formulierungen positioniert.“

„Es gibt (in den Waldorfschulen) immer wieder überproportional viele Infektionen. An der Waldorfschule St. Georgen in Freiburg gab es einen Corona-Ausbruch mit 117 Infektionen. Von den 600 Schülern hatten 55 Maskenatteste, die laut ‚Tagesspiegel‘ fast alle ungültig waren. An der Überlinger Schule gab es sieben mal so viele Infektionen wie im Landesdurchschnitt.“

„Verschwörungstheorien gehören salopp gesagt zur DNA der Schriften Steiners. Das liegt daran, dass er fest davon überzeugt war, dass es wirkmächtige Geheimgesellschaften gebe, im Guten wie im Schlechten, …, ein internationales Netzwerk, dass sich vor dem Ersten Weltkrieg gegen Deutschland positioniert habe.“

„Konsequenterweise kritisierte Steiner immer wieder Parteien und Parlamente, er war halt im Kaiserreich sozialisiert. Dahinter steht das schon erwähnte grundlegende Problem: Es fällt im anthroposophischen Milieu wahnsinnig schwer, sich von problematischen Positionen Steiners grundsätzlich zu verabschieden. Insofern ist es für mich nicht wirklich überraschend, dass das Milieu für Impfkritiker, die sich auf Steiner berufen, immer wieder einen großen Echoraum bildet.“

3651: Die SPD kann ihr Verhältnis zur Bundeswehr verbessern.

Sonntag, November 21st, 2021

In den letzten Jahrzehnten war die Bundeswehr geprägt von Skandalen. Anscheinend gibt es bei den Ampel (SPD, Grüne, FDP)-Verhandlungen kein großes Begehren nach dem Verteidigungsministerium. Der Freiherr von und zu Guttenberg (CSU), Ursula von der Leyen (CDU) und Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) wirkten als schlechte Minister. Bei der SPD war das einmal anders. Ich kann dies selbst gut beurteilen, weil ich in den sechziger Jahren in der Armee als Panzeroffizier gedient habe. Nie stimmte ich mit sozialdemokratischer Politik mehr überein als seinerzeit. Es war die Zeit von Willy Brandt, Helmut Schmidt, Hans Apel, Georg Leber und Peter Struck. Als Bundeskanzler hat Helmut Schmidt den NATO-Doppelbeschluss durchgesetzt.

Traditionell musste die SPD ihr prinzipiell schlechtesa Verhältnis zur Armee erst korrigieren, bevor es so weit kommen konnte. Das Verhältnis änderte sich erst langsam seit 1955. „Aber kaum eine andere Partei hat sich – aus dieser Erfahrung heraus – so verdient um die Nachkriegsarmee gemacht wie die SPD.“ (Mike Szymanski, SZ 20./21.11.21) Die Bundeswehr wurde zur Einsatzarmee. Frauen kamen dazu. Und Kasernen wurden nicht mehr nach Nazi-Generälen benannt. „Die SPD trug oft Verantwortung für die Bundeswehr, wenn sie besser wurde. Das sicherte ihr zugleich Rückhalt unter Soldaten.“

Gegenwärtig ist das Verhältnis der SPD zur Bundeswehr eher ablehnend-kritisch. Wie das der ganzen Gesellschaft. Die Mützenich-SPD hat bis vor kurzem Kampf-Drohnen abgelehnt. Das sollte wohl Friedenspolitik sein. Die mögen die Lukashenkos und Putins besonders gerne. Aber die SPD hat jetzt die Chance, ihr Verhältnis zur Bundeswehr (einem notwendigen Übel) nachhaltig zu verbessern. Wenn sie das Verteidigungsministerium übernimmt.

3648: Willi Sitte-Ausstellung in Halle

Donnerstag, November 18th, 2021

Der Maler Willi Sitte (1921-2013) wäre in diesem Jahr hundert Jahre alt geworden. Aber er wird wohl nicht gefeiert, weil er im Ruf steht, ein „DDR-Staatskünstler“ gewesen zu sein. Tatsächlich war er mehrere Jahre Vorsitzender des Verbands bildender Künstler der DDR, Mitglied im ZK der SED, genoss die Privilegien der Nomenklatura (etwa Westreisen). Das Museum Moritzburg in Halle, wo Sitte 60 Jahre gelebt hat, widmet ihm nun ein Gesamtschau. Und das ist verdienstvoll. Weil es erstmals fast vollständig geschieht und auch politische Schlüsse zulässt.

Je mehr Dinge über Willi Sitte ans Licht kamen, um so ungünstiger für seinen Ruf. Es war z.B. gelogen, dass er sich 1944 in Italien den Partisanen angeschlossen hatte. Aber damit festigte er seinen Ruf im Arbeiter- und Bauern-Staat. Sitte war frühzeitig als sehr begabter Zeichner und Maler aufgefallen. Technisch früh fertig. Er verarbeitete Einflüsse der klassischen Moderne (etwa Picasso). Sitte musste sich zwischendurch Vorwürfe des „bürgerlichen Formalismus“ und der „westlichen Dekadenz“ gefallen lassen. Aber dafür konnte er nichts. Das war die Beschränktheit des realen Sozialismus. In den sechziger Jahren (mit dem Mauerbau 1961) erlebte er persönliche Krisen und den ersten großen Ruhm. Er wurde vielfach ausgezeichnet. Er verurteilte den Vietnamkrieg und rechtfertigte den Einmarsch der Warschauer Pakt-Staaten in die CSSR 1968. Willi Sitte war u.a. ein Meister des Akts. Aber moralische Urteile des Gegenwart, das würde den weiblichen Körper an den männlichen Blick ausliefern, sind natürlich lächerlich. Was denn sonst?

„Man muss diesen Sitte nicht lieben. Doch die Ausstellung bietet Gelegenheit, sich mit dem Menschen und dem Künstler auseinanderzusetzen – und interessant ist Sitte aus zwei Gründen: wegen seiner exemplarischen Karriere im untergegangenen deutschen Staat, mit allem, was dazu gehörte, besonders dem Unerquicklichen; und wegen seiner überquellenden Produktivität, deren Resultat noch der Sichtung harrt. Wenige andere Künstler dürfte es geben, wo das völlig Misslungene derart krass neben den überraschendsten und beglückendsten Funden steht.“ (Burkhard Müller, SZ 10.11.21)

3640: Russland: Institut zur Aufklärung des Stalinismus schließt.

Montag, November 15th, 2021

Das „Memorial“, Russlands älteste Nichtregierungsorganisation, ein Institut zur Aufklärung des Stalinismus (1929-1955) wird geschlossen. Dafür müssen Vorwände gefunden werden. Die dort arbeitenden Journalisten, Anwälte und Wahlbeobachter gelten neuerdings als „ausländische Agenten“. Der russische Staat enthauptet gleichsam die Zivilgesellschaft. Verletzt würden quasi die „Interessen nationaler Sicherheit“. Der russische Staat beansprucht ein nationales Geschichtsmonopol. Freiheit gibt es da nicht. Wladimir Putin ist der Chefhistoriker. Die Erben von NKWD und KGB frohlocken. Folter im Strafvollzug und die Ukraine-Invasion dürfen nicht mehr kritisiert werden. Dafür sind gerade kürzlich in Karelien, nahe der finnischen Grenze, stalinistische Massengräber entdeckt worden (frs., FAZ 13.11.21).

3638: Karneval in Corona

Sonntag, November 14th, 2021

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, 64 (parteilos), beantwortet Fragen von Christian Wernicke zum diesjährigen Karneval (SZ 11.11.21).

SZ: Frau Oberbürgermeisterin, die Kölner feiern Karneval – trotz Corona.

Reker: Köln feiert nicht unbeirrt Karneval. Wir haben vorgesorgt und etwa die 2-G-Regel eingeführt: In Kneipen und auf die Plätze, wo gefeiert wird, kommen nur Geimpfte und Genesene. Wir errichten Sperren, wir werden die Zugänge und die Abstände strikt kontrollieren. Köln feiert mit Vernunft.

SZ: Warum sagen Sie die fünfte Jahreszeit nicht wie voriges Jahr einfach ab?

Reker: Ich bin selbst Karnevalistin, ich verstehe, dass die Menschen an diesem Tag ihre Lieder für die Saison singen und hören wollen. Deshalb: Unsere Maßnahmen müssen nachvollziehbar sein – ein absolutes Verbot dieses Jahr wäre völlig unangemessen.

SZ: Sollte 2G in ganz NRW gelten, im Rheinland wie im weniger jecken Westfalen?

Reker: Ja, wenn es nach mir ginge, sollte diese 2-G-Regel oder noch besser 2G plus im ganzen Land gelten – und zwar sofort. Wir müssen jetzt handeln, bevor die Krankenhäuser wieder voll sind. Und egal, ob Karneval gefeiert wird oder nicht. Ministerpräsident Wüst sollte das jetzt tun.