Die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Organisation „Memorial“ ist in Russland verboten worden. Ihre Tätigkeit sei extremistisch, erklärte ein Moskauer Gericht. Für Tausende Menschen kann die Tätigkeit von „Memorial“ so strafbar werden. Damit solle das gesamte „Memorial“-Netzwerk delegitimiert und kriminalisiert werden (SZ 10.4.26).
Archive for the ‘Wissenschaft’ Category
5691: „Memorial“ verboten
Freitag, April 10th, 20265688: Florence Gaub: Die Welt geht nicht unter.
Montag, April 6th, 2026Wenn wir uns vorstellen, dass in den USA ein umstrittener Präsident regiert, im Nahen Osten ein Krieg tobt und die Deutschen Angst vor einem Atomkrieg haben, dann glauben wir, dass wir in den 2020er Jahren sind. Aber die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren auch nicht besser. Und nie gab es eine größere Gefahr von einem Atomkrieg als 1983. Es tobte der Krieg zwischen Iran und Irak, der Bürgerkrieg im Libanon, die Sowjetunion überfiel Afghanistan und der Falklandkrieg beherrschte viele Gemüter.
In den neunziger Jahren gab es den Bürgerkrieg in Ruanda, den Tschetschenienkrieg und die Massenmorde auf dem Tianmen-Platz in China. Francis Fukuyamas Buch vom „Ende der Geschichte“ wurde korrigiert von Samuel Huntintons „Kampf der Kulturen“. Kein Jahrzehnt hat sich je entspannt zurückgelehnt. Aus Angst vor Gewalt. Es gibt nicht nur Peter Thiels These vom Ende der Geschichte, sondern schon 1918 erschien Oswaltd Spenglers „Der Untergang des Abenlands“. Die auf diese Bücher folgenden Jahrzehnte bewiesen jeweils das Gegenteil. Die 30er brachten uns Radio und Fernsehen, die Kernphysik, Antibiotica, Luftfahrt, Kunstsoffe, das Kino, Jazz, Bauhaus, Modernismus, Entkolonisierung und das Frauenwahlrecht.
Die fünfziger Jahre brachten uns die Raumfahrt, Computer, die Antibabypille, die Entdeckung der DNA, den globalen Finanzmarkt. Heute haben wir die private Raumfahrt, neue Impfstoffe, die künstliche Intelligenz, Solar- und Windenergie, Smartphones. Die Ängste vor dem Untergang bringen uns stets
Gegenmaßnahmen.
Und Optimisten erzielen je bessere bessere Ergebnisse als Pessimismus. Angst erzeugt Lähmung, den sogenannten
Kassandra-Effekt.
Phänomene der Umeltzerstörung lösten sehr viele Gesetze aus, die die Ozonschicht retteten. Die Luft in den meisten westlichen Großstädten ist heute sauberer als 1850. Die Nato verbrachte Jahrzehnte damit, sich auf den Atomkrieg mit der Sowjetunion vorzubereiten und und trug so dazu bei, dass der gar nicht kam. Gefährlich sind für uns gesellschaftliche Polarisierung, wirtschaftlicher Abschwung und verfassungsrechtliche Verwundbarkeit. Dafür müssen wir gewappnet ein. Und die Demokratie muss gestärkt werden, auch wenn das nur allmählich geht. Aber unsere Ängste müssen wir überwinden. Mit Anstrengung und Geduld. Sie sind nämlich völlig normal. „Statt darüber zu klagen, was alles schiefgehen kann, müssen wir handeln, damit es nicht schiefgeht.“ (Florence Gaub, SZ 3./4./5.4.26)
Florence Gaub ist Politiwissenschaftlerin und Forschungsdirektorin bei der Nato in Rom.
5686: Ehegattensplitting ist beliebt.
Samstag, April 4th, 2026Finanzmininister Lars Klingbeil (SPD) hat den Vorschlag gemacht, das 1958 eingeführte Ehegattensplitting abzuschaffen. Dadurch würden binnen kurzem zehntausende von Vollzeitstellen besetzt. Kanzlerantsminsiter Thorsten Frei (CDU) hat Klingbeil widersprochen. Das Ehegattensplitting stabilisiere Ehe und Familie und die Gesellschaft. Wenn Frauen nicht arbeiteten sei das weniger eine steuerliche Frage als ein Reflex auf die familiären Verhältnisse. Für die Abschaffung des Ehegattensplittings gibt es gegenwärtig keine politische Mehrheit, auch nicht unter den Anhängern der Koalitionsparteien CDU/CSU und SPD (Robert Roßmann, SZ 2./3./4.4.26).
5683: Wolf beißt Frau in Hamburg-Altona.
Mittwoch, April 1st, 2026Mitten in Hamburg-Altona in der Nähe eines Einkaufszentrums hat ein Wolf eine ältere Frau ins Gesicht gebissen. Das ist das erste Mal seit der Wiederansiedlung der Wölfe Ende der neunziger Jahre. Der Wolf zog weiter in die Innenstadt, wo er schwimmend in der Binnenalster von der Polizei mit einer Schlinge gefangen wurde. Er wurde in ein Wildgehege gebracht. Die ältere Frau wurde nach kurzer Behandlung aus der Klinik entlassen (SZ 1.4.26).
Die meisten von Ihnen ahnen schon, welche Behandlung des Wolfs ich für richtig gehalten hätte.
5679: US-Gericht: Meta und Youtube machen süchtig.
Freitag, März 27th, 2026Ein US-gericht in Kalifornien hat entschieden, dass Meta und Youtube süchtig machen und psychische Schäden verursachen können. Nun müssen beide Firmen insgesamt sechs Millionen Dollar Schadensersatz und Strafen an die 20-jährige Klägerin aus Kalifornien bezahlen. Es drohen hunderte weiterer Klagen. Die verurteilten Firmen gehen in die Berufung (SZ 27.3.26).
5678: Alexander Kluge ist tot.
Donnerstag, März 26th, 2026Im Alter von 94 Jahren ist der Autor und Filmemacher Alexander Kluge gestorben. Er war der Inspirator und Miverfasser des Oberhausener Manifests 1962 und hatte großen Einfluss auf den „neuen deutschen Film“. Kluge stammte aus Halberstadt und hatte Jura studiert. 1972 veröffentlichte er mit Oskar Negt „Öffentlichkeit und Erfahrung“, in dem umfassend die deutsche Öffentlichkeit reflektiert wird. Kluge arbeitete zeitweise eng mit dem Regisseur Edgar Reitz zusammen. Wichtige Filme von Kluge sind „Abschied von gestern“ (1966), „In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tode“ (1974), „Deutschland im Herbst“ (1978) (gemeinsam mit Volker Schlöndorff, Rainer Werner Fassbinder und Edgar Reitz), „Die Patriotin“ (1979). In einigen von Kluges Filmen spielt sein Schwester Alexandra mit.
5674: Hasnain Kazim: Ein Paradebeispiel für gelungene Integration
Mittwoch, März 25th, 2026Ein Musterbeispiel für gelungene Integration haben wir mit Hasnain Kazim vor uns, der 1974 geboren ist. Das zeigt sein neues Buch
Der Islam und ich. Was mich meine Familie, meine norddeutsche Heimat und mein Leben in muslimischen Ländern gelehrt haben, München 2026 (Penguin Random House) 2026, 228 Seiten,
Darin refelktiert Kazim sein Leben, auch als Journalist. Derzeit ist er Auslandskorrespondent in Wien und lebt mit seiner Familie dort. Vorher war er, u.a. für den „Spiegel“ Korrespondent im Nahen Osten, in Pakistan und in Afghanistan. Aufgewachsen ist Kazim in einem Dort im Alten Land bei Hamburg. In einem Interview mit Joachim Käppner (SZ 21./22.3.26) gibt er Auskunft. In seiner Jugend hat er neben Abgrenzung auch viel positive Zuwendung durch seine Dortnachbarn erfahren. 1994 ging Kazim zur Bundeswehr. Den deutschen Journalismus hat er gelernt und gut kennengelernt. Seine schiitischen Eltern, die 16 Jahre auf die deutsche Staatsbürgerschaft hatten warten müssen, traten zum Christentum über. Am Islam schätzt Kazim das soziale Leben, die Gemeinschaft. Er tritt dezidiert für die Religionsfreiheit ein und neigt selber zur evangelischen Kirche. Kazim argumentiert sehr differenziert und sieht darin einen Grund, weshalb er von manchen abgelehnt wird.
Ich finde, dass Hasnain Kazim ein großartiges Beispiel für gelungene Integration ist.
5668: Bluttests bei Schwangeren
Sonntag, März 22nd, 2026Eine fraktionsübergreifende Gruppe von Bundestagsabgeordneten schlägt Bluttests für Schwangere auf ein Down-Syndrom des Kindes vor. Das dient der genaueren Beobachtung. Stephan Pilsinger (CSU) sagt: „Was ursprünglich als gezielte Untersuchung gedacht war, entwickelt sich zunehmend zu einem flächendeckenden Screening.“ Der Testbefund sei aber keine Diagnose, sondern eine Wahrscheinlichkeitsaussage. Seit 2022 kann das von der Krankenkasse bezahlt werden. So will man zu belastbaren Daten kommen (SZ 21./22.3.26).
5666: Mehr Rechenzentren in Deutschland
Donnerstag, März 19th, 2026Minister Carsten Wildberger (CDU) hat mitgeteilt, dass Deutschland wesentlich mehr Rechenzentren benötigt. Der Datenstandort Deutschland muss ausgebaut werden. Bis 2030 soll die Leistung von nationalen Rechenzentren gegeüber 2025 mindestens verdoppelt werden. Die Kapazitäten für künstliche Intelligenz sollen vervierfacht werden. Behindert wird das Projekt durch zu hohe Strompreise in Deutschland (SZ 19.3.26).
5664: Mahnmal für SED-Opfer
Mittwoch, März 18th, 2026Mehr als dreißig Jahre nach dem Ende der SED-Diktatur soll in Berlin ein Mahnmal für die Opfer errichtet werden. Am Dienstag startet ein internationaler Wettbwerb für die künstlerische Gestaltung: „Denkmal zur Mahnung und Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Diktatur in Deutschland“. Das Denkmal soll im Spreebogenpark zwischen Bundesknzleramt und Bundestag stehen. Das geht auf einen Bundestags-Beschluss zurück. Ein Preisgericht entscheidet im November über den Siegerentwurf. Der Bau ist für 2027/28 geplant (SZ 18.3.26).