Archive for the ‘Uncategorized’ Category

3840: Mehr Frauen im Journalismus

Freitag, April 29th, 2022

Eine Studie der Journalstinneninitiative „Pro Quote“ hat ergeben, dass sich die Lage für Frauen im Journalismus stark verbessert hat. Bei den Öffentlich-Rechtlichen liegt der Frauenanteil bereits bei 50 Prozent. Den „Frauenmachtanteil“ kann man ermitteln, wenn man die Zahl der Journalistinnen mit ihrer Position multipliziert (Gewichtung). An der Spitze liegen der RBB mit 57,4 Prozent und die DW mit 50,8 Prozent. Im Durchschnitt beträgt der Frauenmachtanteil bei den Öffentlich-Rechtlichen 43,4 Prozent. Das Auswahlprinzip besteht darin, dann, wenn eine Frau gleich gut qualifiziert ist, diese einzustellen. Nur in den Sportredaktionen ist der Frauenanteil im Durchschnitt noch nicht höher als zwischen zehn (10) und 15 Prozent. Für die Studie hatten private Rundfunksender keine Daten zur Verfügung gestellt (Jörg Häntzschel, SZ 29.4.22).

3839: Angela Merkel schweigt zu ihren Fehlern.

Donnerstag, April 28th, 2022

Angela Merkel (CDU) war sechzehn Jahre Bundeskanzlerin. Sie trägt die Hauptverantwortung der in dieser Zeit begangenen politischen Fehler. Aber sie schweigt dazu, wie es zu ihr passt. U.a. hat sie 2008 den Nato-Beitritt der Ukraine verhindert. Auf die Dauer wird ihr Schweigen nicht reichen. Das weiß insbesondere Friedrich Merz (CDU). Der Bundespräsident (früher SPD) hat seine Fehler bereits eingeräumt. Der Russen-Lobbyist und frühere Bundeskanzler (SPD) ist dazu nicht in der Lage. Angela Merkel muss vor allen Dingen erklären, warum es in ihrer Amtszeit keine Waffenhilfe für die Ukraine gab. Und warum nach der Annektion der Krim 2014 noch Nord Stream 2 beschlossen wurde. Sie war wohl doch zu eng mit Putin. Jetzt den Rücktritt von Manuela Schwesig (SPD) zu verlangen, wie die Springer-Presse es tut, ist zu billig (Nico Fried, SZ 28.4.22).

3838: Der „Kicker“ in der Nazi-Zeit

Donnerstag, April 28th, 2022

2020 wurde der „Kicker“ 100 Jahre alt, konnte sein Jubiläum aber wegen der Corona-Pandemie nicht begehen. Über die wichtigste deutsche Fußball-Zeitschrift liegt jetzt eine Studie vor:

Lorenz Pfeiffer/Henry Wahlig (Hrsg.): Einig. Furchtlos. Treu. Der ‚Kicker‘ im Nationalsozialismus – eine Aufarbeitung. Göttingen (Die Werkstatt) 2022, 432 S., 39,90 Euro.

Darin wird erneut deutlich, dass der Sport „nach 1945 große Probleme hatte, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen“. Es habe „kollektive Amnesie“ geherrscht. Der „Kicker“ war tief verstrickt in den Nationalsozialismus. Und das obwohl sein Gründer

Walther Bensemann

Jude war und ein „Aushängeschild einer weltoffenen liberalen Sportauffassung“. Er floh 1932 nach Montreux, wo er ein Jahr später starb.

Sein Nachfolger Hans-Jakob Müllenbach als „Hauptschriftleiter“ nach dem „Schriftleitergesetz“ trimmte das Blatt auf Nazi-Linie. Es erschienen Jubeltexte über SA-Aufmärsche. Bald wurde nicht mehr über den englischen Fußball berichtet. Hitlers Überfall auf Polen 1939 feierte die Zeitschrift unter dem Titel „Einig. Furchtlos. Treu“. Der Göttinger Publizist Bernd Beyer hatte die Aufklärung über den „Kicker“ 2003 mit einer Bensemann-Biografie begonnen. Er ist in der Studie vertreten. Für ihn ist es erstaunlich, „in welcher Geschwindigkeit das Erbe Bensemanns von einem strammen NS-Kurs und untertänigen Lobhudeleien aus der feder Müllenbachs abgelöst wurde“.

(Christof Ruf, SZ 27.4.22)

 

 

3837: Dietmar Bartsch bleibt Linken-Fraktionschef.

Mittwoch, April 27th, 2022

Der Fraktionsvorstand der Linken im Bundestag wird zunächst nicht neu gewählt. Das teilte der Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch mit, der gemeinsam mit Amira Mohamed Ali die Fraktion leitet. „Es gibt aus meiner Sicht dafür auch keinen Grund.“ Der Parteivorstand wird nach dem Rücktritt von Susanne Hennig-Wellsow Ende Juni neu gewählt. Ob die noch im Amt befindliche Co-Vorsitzende Janine Wissler, an der scharfe Kritik geübt wird, dann wieder kandidiert, ist noch offen. Die Linke befindet sich nach schlechten Wahlergebnissen in der Krise (SZ 27.4.22).

3836: EKD hat Probleme mit der Aufarbeitung sexueller Gewalt.

Mittwoch, April 27th, 2022

Die EKD hat ein neues Modell der Betroffenheitsbeteiligung beschlossen: das „Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt“. Sprecher ist der Braunschweiger Landesbischof Christoph Meyns. Der alte Betroffenenbeirat wurde aufgelöst. Dort gab es massiven Streit. „Ziel des neuen Beteiligungsforums ist die verbindliche Mitwirkung von Betroffenen an Entscheidungen und Maßnahmen zum Schutz vor und zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt.“ Dort sitzen Betroffene direkt mit Kirchenvertretern an einem Tisch. Katharina Kracht gehörte dem alten Beirat an: „Ich bin praktisch aus dem Betroffenenbeirat rausgeschmissen worden. Das macht die EKD mit kritischen Betroffenen.“ Sie wurde nicht mehr eingeladen. Sie kritisiert, dass sechs von acht Betroffenen in einem Dienst- oder Anstellungsverhältnis bei einer Landeskirche stehen. „Es ist absolut fragwürdig, wie es so zu unabhängigen Entscheidungsprozessen kommen soll.“ Die Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Kerstin Claus, äußerte sich skeptisch zu den Bemühungen der EKD (Annette Zoch, SZ 26.4.22).

3835: Das Problem ist die SPD.

Dienstag, April 26th, 2022

Kein ernstzunehmender Analytiker bezweifelt, dass die Ukraine, um sich gegen den russischen Vernichtungskrieg wehren zu können, „schwere Waffen“, also vor allem Kampfpanzer (Leo 1), Schützenpanzer (Marder), Patrouillenfahrzeuge (Dingo), Mannschaftstransporter (Fuchs), Brückenleger (Biber) und Räumpanzer (Büffel) benötigt. Außer bei der SPD. Dort hängt ein großer Teil der Partei noch der veralteten und widerlegten These an, dass der Nachkrieg friedlicher werde, je weniger man liefere. Für die SPD-Vorsitzende Saskia Esken steht Panzerlieferung „derzeit nicht zur Debatte“. „Für Wartung und Reparatur sind Ersatzteile notwendig, die wir nicht mitliefern können, und es sind auch Monteure nötig.“

Ja, unsere Montagespezialisten von der SPD.

Grüne und FDP sind für Panzerlieferungen. Minister Robert Habeck wünscht sich, „dass Deutschland sich in der Stärke der Einheit der letzten Tage und Wochen wieder zusammenfindet und auch geschlossen und gemeinsam der Bundestag abstimmen kann“. Die Grünen-Vorsitzende Bianca Lang bemüht sich, eine Hand Richtung Union auszustrecken und den Toni Hofreiter zu bändigen. Das ist die richtige Politik. Was möchte eigentlich Olaf Scholz?

(Constanze von Bullion, Nico Fried, Paul-Anton Krüger. SZ 26.4.22)

3834: Michael Buback: 33 von 34 RAF-Verbrechen sind ungeklärt.

Sonntag, April 24th, 2022

Michael Buback habe ich kennengelernt als Tennisspieler bei Punktspielen seines Vereins SV Eddigehausen mit meinem, SV Groß Ellershausen-Hetjershausen, zwei Vereinen aus Vororten Göttingens, in der Bezirksliga des Niedersächsischen Tennisverbands. Er war ein sehr guter und erfolgreicher Spieler und gewann seine beiden Einzel und Doppel (in zwei Spielzeiten) gegen unsere besten Spieler. Außerdem war er sehr bescheiden und freundlich und allseits beliebt. Er war damals  (bis 2012) Professor für Technische und Makromolekulare Chemie an der Universität Göttingen.

Sein Vater, der Generalbundesanwalt Siegfried Buback; wurde am 7. April 1977 in Karlsruhe von der RAF ermordet.

Geklärt ist der Mord bis heute nicht, obwohl auch Michael Buback sich für die Aufklärung sehr eingesetzt hatte. Das bekräftigt er in einem Interview mit Detlef Esslinger (SZ 23./24.4.22). Bis heute hat Michael Buback zwei Bücher darüber geschrieben: „Der zweite Tod meines Vaters“ (2008) und „Der General muss weg“ (2020, gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth). Die für den Mord verurteilten Knut Folkerts, Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt waren überhaupt nicht am Tatort. Die Tat wurde von zwei Mördern auf einem Motorrad begangen. Möglicherweise war es für die Bundesrepublik Deutschland besser, dass überhaupt offiziell Mörder verurteilt wurden.

Michael Buback verdächtigt Verena Becker als Täterin. Haarspuren aus ihrer Haarbürste sind mit einer Haarspur aus einem Motorradhelm von der Tat identisch. Sie besaß die Tatwaffe und hatte bei ihrer Verhaftung bei sich einen Schraubenzieher, wie er als einziges Werkzeug aus dem Bordset des Tatmotorrads fehlte.

Aber Verena Becker war Informantin des Verfassungsschutzes.

Insofern war es wohl das kleinere Übel, andere als Täter zu benennen. Ermordet wurden der Dresdener Bank-Chef Jürgen Ponto und der Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer.

Michael Buback sagt: „Übrigens, von den 34 der RAF zugerechneten Verbrechen sind 33 nicht aufgeklärt. Bei der einen Ausnahme war kein Ermittlungswaufwand nötig – weil Frau Ponto Tat und Täter vom Nebenzimmer aus sah. Diese Häufung finde ich besorgniserregend.“

 

3833: Vergewaltigungen werden meistens nicht befohlen.

Freitag, April 22nd, 2022

Christina Berndt interviewt angesichts des Krieges in der Ukraine in der SZ (9./10.4.) den Neuropsycholgen Thomas Elbert, der an der Universität Konstanz über die Psychologie der Gewalt in Kriegen forscht.

SZ: Vergewaltigungen erscheinen als spezielle Form von Gewalt, mit der man demütigen, Familien zerstören und womöglich gar den Genozid befördern will. Ist so etwas von oben geplant?

Elbert: Vergewaltigungen gibt es in jedem Krieg. Aber sie werden meist nicht von oben befohlen. Wir haben in unseren Studien Leute, die im Krieg vergewaltigt haben, gefragt, ob ihnen ihr Commander das befohlen hat. Aber es hieß meistens, die Commander hätten es nur toleriert. Vergewaltigungen scheinen bei jungen Männern, die unter Stress stehen, keine Befriedigung in sozialen Beziehungen finden, sexuell depriviert sind und bei denen die Hemmschwellen ohnehin schon niedergerissen sind, eher die Regel zu sein als die Ausnahme.

3832: Rücktritt der Linken-Vorsitzenden

Donnerstag, April 21st, 2022

Der Rücktritt der Linken-Vorsitzenden Susanne Henning-Welsow, einer erfahrenen und bewährten Politikerin, hat auch private Gründe. Ihren achtjährigen Sohn. Aber nur am Rande. Im Kern ist es eine Kapitulation vor der Partei in einer existentielken Krise der Partei. Die hat schwerste Wahlniederlagen im Bund und im Saarland erlitten. Die meiste Kraft verwenden die Mitglieder für den internen Machterhalt. Ost und West haben nie zusammengefunden. Nun kann sich die Partei, viele alte Kommunisten, nicht auf die Beurteilung

Wladimir Putins

einigen. Es kommen Sexismus-Vorwürfe hinzu, gegen die Janine Wissler, die andere Vorsitzende, in Hessen nicht vorgegangen sein soll. Die Partei braucht dringend eine Erneuerung, um eine klare Linie zu finden. Aber davor herrscht Angst, weil nicht mehr genug Sitze gewonnen wurden (Moritz Baumann/Philipp Saul, SZ 21.4.22; Jens Schneider, SZ 21.4.22)-

W.S.: Wäre es eigentlich schade, wenn die Linke verschwinden würde?

3831: Joschka Fischer: Wir müssen erwachsen werden.

Mittwoch, April 20th, 2022

In einem Interview mit Peter Unfried (taz 16./17./18.4.22) spricht Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) über unsere Gegenwart. Er sagt:

„Wir lebten in einer Welt umgeben von Freunden. Wir bedrohten niemanden mehr, uns bedrohte niemand mehr. Das war eine

große Illusion.

Zudem hat der Aufstieg Chinas große Nachfrage nach deutschen Industrieprodukten, Autos, Maschinen, etcetera. gebracht. Das hat uns vergessen lassen, dass das alte Technologien des 20. Jahrhunderts sind. Wir haben 30 Jahre eine Illusion gesponnen, und die ist jetzt geplatzt. Breite Teile der Gesellschaft haben unter dem Pandemieschock gemerkt: hey, warum sind wir nicht in der Lage, eine normale digitale Struktur zu entwickeln, was ist aus den deutschen Unternehmen in diesen Bereichen geworden? Wir müssen jetzt

im Schnellgang erwachsen werden,

und dafür werden wir einen Preis bezahlen. Die historisch bedingte Auszeit ist beendet.“