Archive for the ‘Medien’ Category

4511: Deutsch-polnisches Verhältnis auf dem Tiefpunkt

Dienstag, Oktober 3rd, 2023

Nach 1990 wollten Deutschland und Polen eine echte Aussöhnung. Die europäische Einigung sollte unter dem Druck des Freiheitsstrebens der mittel- und osteuropäischen Staaten zustandekommen. Es gab den Glauben an eine gemeinsame und glückliche Zukunft. Heute sieht alles ganz anders aus: Unverständnis, Misstrauen, echte Feindseligkeit. In der PIS-Propaganda ist Oppositionsführer Donald Tusk ein „deutscher Agent“. Die Rechten in Polen haben Ängste vor Deutschland schon immer als zentralen Propagandapunkt benutzt. Das findet kein Ende. Polen hetzt gegen Migranten, erteilt aber gegen Schmiergeld Arbeitsvisa. Das deutsch-polnische Verhältnis ist auf einem Tiefpunkt. Dazu kommt, dass viele Deutsche nicht wissen, mit welchem Terror Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg in Polen gewütet hat. Hier muss politische Bildung noch manche Lücken schließen. Berlin ist dafür der richtige Ort (Daniel Brössler, SZ 2./3.10.23).

4507: Beate Zschäpe nicht im Aussteigerprogramm

Samstag, September 30th, 2023

Das Aussteigerprogramm Sachsen hat der NSU-Terroristin Beate Zschäpe die Aufnahme verweigert. Dafür sei es noch zu früh. Nähere Angaben gab es dazu nicht. Gedacht ist das Aussteigerprogramm für solche Häftlinge, die sich aus dem Einflussbereich extremistischer Gruppen lösen wollen und einen Neustart in der Gesellschaft planen. Zschäpe war 2018 nach fünfjähriger Prozessdauer als Mittäterin an den NSU-Morden zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Oberlandesgericht München stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine Entlassung nach 15 Jahren so gut wie ausgeschlossen. Zschäpe sitzt – die Untersuchungshaft eingeschlossen – bereits zwölf Jahre im Gefängnis (SZ 30.9.23).

4503: Christian Thielemann neuer Generalmusikdirektor an der Staatsoper Unter den Linden

Donnerstag, September 28th, 2023

Christian Thielemanns, 64, Berufung als Nachfolger Daniel Barenboims zum Generalmusidirektor an die Staatsoper Unter den Linden in Berlin hat in der Hauptstadt Jubel ausgelöst. Der neue Chef verfügt über ein starkes Ego. Und manchmal polarisiert er auch Publikum, Musiker und Mitarbeiter. An einigen Stätten seiner Tätigkeit war sein Abgang nicht ganz unproblematisch: Dresden, Bayreuth, Salzburg. Die Berliner Philharmoniker entschieden sich für Kirill Petrenko.

An einem weltweit so beobachteten Haus wie der Staatsoper Unter den Linden ist das nicht ganz unheikel. Intendanten, Sänger, Regisseure und Repertoire müssen aufeinander abgestimmt werden. Die Angriffe auf Hochkultur-Institutionen haben zugenommen. Thielemann brillierte bisher mit hochromantischen deutschen Opern. Die Aufführungen glichen bisweilen mystischer Beschwörung der Klänge. Kritiker bemängelten manchmal die große Lautstärke, die „Marschseligkeit“ und die langsamen Tempi. In aller Welt werden gegenwärtig eher sehr junge Dirigenten bevorzugt. Es muss ein neues, ungebildeteres Publikum gewonnen werden. Richard Wagner und Richard Strauss sind da nur zwei Bausteine.

Sehr wichtig ist dabei neue Berliner Staatsopernintendantin Elisabeth Sobotka. Wahrscheinlich steht ihr Programm für die ersten Jahre ja bereits. Das muss dann mit Thielemann abgestimmt werden. Sehr wichtig ist dabei natürlich auch die Berliner Politik. Es kommt stark auf den neunen Kultursenator Joe Chialo (CDU) an. Es wird sich bald zeigen, ob Thielemann in Berlin einen konservativen Weg beschreitet wie in Wien oder Mailand oder einen zukunftsorientierten wie in New York und München. Hoffentlich kommt es zu einem konstruktiven Zusammenspiel aller Beteiligten. Das wäre für uns als Hörer das Beste (Reinhard J. Brembeck, SZ 28.9.23).

4502: Keine Gebühr für Klimakleber

Mittwoch, September 27th, 2023

Nach einem Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts in einem Eilverfahren darf die Berliner Polizei von Klimademonstranten, die sich auf der Straße festgeklebt haben, vorerst keine Gebühren mehr für deren Ablösung verlangen. Dafür gebe es keine gesetzliche Grundlage. Das Geld muss alsbald zurückgezahlt werden (SZ 27.9.23).

4500: Meloni kritisiert Bundesregierung.

Dienstag, September 26th, 2023

In einem Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zeigt sich die italienische Ministerpräsidentin Girogia Meloni verwundert darüber, dass die Bundesregierung zivile Seenotrettungsdienste im Mittelmeer finanziell untersatützden will. Wie es ein Beschluss des Bundestags vorsieht. Frau Meloni betrachtet das als Einmischung in innere italienische Angelegenheiten. Das erste Geld, jeweils zwischen 400.000 und 800.000 Euro, soll bald ausgezahlt werden (SZ 26.9.23).

4499: Bischofsskulptur wird entfernt.

Sonntag, September 24th, 2023

Vor dem Essener Dom wird die Skulptur von Kardinal Franz Hengsbach, der 1991 gestorben ist, entfernt. Weil er sexuellen Missbrauch getrieben hat. Das hat das Domkapitel beschlossen. Dompropst Thomas Zander kündigte zudem an, dass stattdessen ein Gedächtnisort für die Opfer sexuellen Missbrauch eingerichtet wird. Bischof Franz-Josef Overbeck hat sich in einem Brief an alle Gemeinden für eigenes Fehlverhalten bei der Aufarbeitung des Missbrauchs von Kardinal Hengsbach entschuldigt (SZ 23./24.9.23).

4496: Kritik am Porto

Donnerstag, September 21st, 2023

Scharf kritisiert hat der DHL-Vorstandsvorsitzende, Tobias Meyer, die Ablehnung der von der Post gewünschten Portoerhöhung durch die Bundesnetzagentur. Er stellte

Bedingungen für die weitere Briefzustellung.

Die Inflation sei höher als in der Planung, die Kosten dramatisch gestiegen, der Ertrag gesunken. „Es stellt sich schon die Frage: Ist von den Regulierern und der Politik überhaupt gewünscht, dass wir das Briefgeschäft weiter betreiben und hier investieren?“

Das Briefgeschäft in Deutschland hat nur noch einen kleinen Anteil am gesamten DHL-Umsatz, der Konzern hatte zuletzt den Zusatz ‚Deutsche Post‘ aus dem Firmennamen gestrichen. (SZ 21.9.23).

Da haben wir es, der Superstaat Deutschland baut weiter ab.

4495: Julian Nagelsmann neuer Bundestrainer

Mittwoch, September 20th, 2023

Julian Nagelsmann wird neuer Bundestrainer. Er hat sich inzwischen bereits einmal mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFB-Sportdirektor Rudi Völler getroffen. Das ist hauptsächlich ein Glücksfall. Das Risiko ist geringer, weil die letzten Leistungen der deutschen Fußballnationalmannschaft zu schlecht waren. Mit 36 Jahren ist Nagelsmann der jüngste Bundestrainer. Und er ist stark genug, auf Rudi Völlers Ratschläge zu hören, der kürzlich ja gezeigt hat, dass er schnell etwas bewegen kann.

Große Spiele hat Nagelsmann erfolgreich mit dem FC Bayern in der Chamions League bestritten. Diejenigen, die ihn entlassen hatten. Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic, sind inzwischen längst abserviert. Und wenn Nagelsmann nicht immer gleichmäßig gute Ergebnisse hatte, so hat ihn sein Nachfolge, Thomas Tuchel, bereits entlastet, weil der auch nicht immer gleichmäßig gute Ergebnisse hatte (Claudio Catuogno, SZ 20.9.23).

4493: „Finger weg vom Englischunterricht.“

Montag, September 18th, 2023

Die Iglu-Studie von 2021 ergab, dass jeder vierte Grundschüler in Deutschland nicht die Mindeststandards im Lesen erfüllte. Darufhin schlug der ehemalige Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, vor, in der Grundschule Engliusch und Informatik abzuschaffen. Davor kann nur gewarnt werden. Wir können das Problem nicht durch die Verlängerung der Lernzeit lösen. Auch nicht durch die Abschaffung anderer Fächer. Es gibt keinen wissenschaftlich erwiesenen Zusammenhang zwischen dem frühen Fremdsprachenlernen und schwachen Leseleistungen. Fremdsprachenlernen und das Kennenlernen anderer Kulturen gehören zu den Basics in der Grundschule. Privat und beruflich ist Englisch unersetzlich. Fremdsprachenlernen vermittelt zudem zentrale Kriterien wie Toleranz, Offenheit und Respekt. Darüberhinaus sind die ökonomischen Gründe für das Englischlernen nicht zu unterschätzen (Stefanie Frisch/Julia Reckermann, Die Zeit 7.9.23).

4491: Eritrea-Festival: Ausschreitungen

Montag, September 18th, 2023

Auf einem Eritrea-Festival in Stuttgart ist es zu heftigen Ausschreitungen gekommen. 200 Demonstranten haben Teilnehmer und Polizisten mit Gegenständen beworfen und geschlagen. 27 Polizisten sind dabei verletzt worden. 227 der 228 Festgenommenen wurden wieder freigelassen (SZ 18.9.23).