Archive for the ‘Medien’ Category

3977: Patricia Schlesinger (RBB) zurückgetreten

Dienstag, August 9th, 2022

Patricia Schlesinger ist nicht mehr ARD-Vorsitzende und nicht mehr Intendantin des RBB. Sie erklärt das mit einer Kampagne gegen sie. Das sehen andere ganz anders. Wie üblich in solchen Fällen. Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt gegen Schlesinger, ihren  Ehemann Gerhard Spörl und den ehemaligen Vorsitzenden des RBB-Verwaltungsrats Wolf-Dieter Wolf wegen Untreue. Gerüchten zufolge wird gegenwärtig über eine Abfindung von Schlesinger verhandelt. Ein RBB-Sprecher: „Die Details der Vertragsauflösung werden gerade verhandelt, wir bitten um Verständnis, dass wir aus arbeitsrechtlichen Gründen keinen Einblick in laufende Verfahren geben können.“

Im Raum stehen eine Gehaltserhöhung, Parkettfußboden für das Dienstzimmer, Wandbegrünung, die Vermittlung von Beraterverträgen, und die vielfach zitierten Massagesitze in einer Dienstlimousine. Und vieles andere mehr. Die Verhandlungen zu Schlesingers Dienstvertrag wurden anscheinend alleine von dem damaligen RBB-Verwaltungsrats-Vorsitzenden Wolf-Dieter Wolf geführt. Er hat Schlesingers Ehemann Gerhard Spörl bei der Messe Berlin für das Mediencoaching empfohlen.

Ganz egal, was die Untersuchungen des Falls und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben, Frau Schlesinger hat ARD und ZDF bereits jetzt schweren Schaden zugefügt und dazu beigetragen, den Ruf des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu gefährden. Höchst gefährlich in diesen von Rechtspopulisten mitbestimmten Tagen (Aurelie von Blazekovic/ Claudia Tieschky, SZ 9.8.22; Katharina Riehl, SZ 9.8.22).

3976: Werbung, die krank macht, verbieten !

Sonntag, August 7th, 2022

Wenn es um etwas so Lustvolles wie Essen und Trinken geht, kann Werbung gefährlich werden. Einer Adipositas-Epidenie ist schwerer beizukommen als einer Covid-Pandemie. Falsche Ideen von dem, was gut, lecker und tröstlich ist, kommen in der Werbung vor. Das verursacht immense Kosten und Leid. Da können breite Werbeverbote für ungesunde Produkte helfen.

So haben britische Wissenschaftler in einer Studie festgestellt, dass der Stopp der Junk-Food-Reklame in Londoner Verkehrsmitteln, der seit 2019 gilt, 100.000 Fälle von Übergewicht verhindert haben könnte. Verglichen wurde das Einkaufsverhalten in London mit dem auf dem flachen Land. Auch die Ampelkoalition will mit einem Werbeverbot für Junk-Food in Fernseh-Kindersendungen tätig werden. Kinder, die Fast-Food-Werbung sehen, essen doppelt so häufig Fast-Food wie andere Kinder. Sie sind dadurch adipositas-gefährdet. „Werbung für ungesunde Produkte muss als das erkannt werden, was es ist: ein gefährliches Virus, das sich in die Köpfe setzt und Menschen krank machen kann.“ (Christina Berndt, SZ 6./7.8.22)

3975: Wir sollten Nancy Pelosi dankbar sein.

Samstag, August 6th, 2022

Der Besuch Nancy Pelosis in Taiwan hat bei uns erstaunlich viel Kritik hervorgerufen. Natürlich insbesondere bei den Linken und Rechten, die schon im Fall Putin völlig danebengelegen hatten. Nämlich damit, dass man ja natürlich einen solchen Herren Dikatator nicht unnötig reizen dürfe. Das nähme der eventuell krumm und griffe zu wirtschaftlichen Sanktionen oder zum Krieg. Unsere Pazifisten haben bereits die Kapitulation vorgeschlagen. Furchtbar, wenn solche Kräfte mal an die Regierung kommen sollten.

Wohin ein solches Denken führt, das sehen wir gerade am russischen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine. Ähnlich in China. Die diktatorische Volksrepublik China erhebt Anspruch auf Taiwan seit 1949. Bisher hat sie sich noch nicht getraut anzugreifen. Aber der Angriff steht auf der Tagesordnung. Xi Ying Ping hat gegenwärtig schlechte Wirtschaftsdaten. Das müsste doch den letzten Optimisten in Berlin und Paris, in Washington und London die Augen geöffnet haben.

So bitter es auch ist: gegen die Diktaturen in Russland und China bedarf es der Aufrüstung (Claus Hulverscheidt, SZ 6./7.8.22).

3974: Abschaffung der Rundfunkgebühr in Frankreich

Freitag, August 5th, 2022

Der französische Senat hat der Abschaffung der Rundfunkgebühr zugestimmt. Von Emmanuel Macrons Seite ist das ein Zugeständnis an die Rechte. Wie in Deutschland hasst sie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und seine Unabhängigkeit. Künftig soll der französische Rundfunk über die Mehrwertsteuer finanziert werden. Er ist billiger als in Deutschland: 138 Euro pro Jahr. In Deutschland: ca. 220 Euro. In Deutschland ist die Abschaffung der Rundfunkgebühr nicht so einfach wie Frankreich; denn hier müssen sich ja 16 Bundesländer erst einigen.

Die Rechte will überall die Privatisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Sie kommt mit dessen Unabhängigkeit nicht klar. Diese Unabhängigkeit gründet sich gerade auf die Rundfunkgebühr. „Der bisherige Beitrag hat die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunjs symbolisiert und garantiert, das wird jetzt in Frage gestellt.“ Schon jetzt spart der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Frankreich. Das bringt Risiken für die Qualität mit sich (Kathrin Müller-Lancé, SZ 4.8.22).

3973: Referendum in Kansas: Pro Abtreibung

Freitag, August 5th, 2022

Der US-Supreme Court hatte dekretiert: „Wir geben die Autorität, Abtreibung zu regeln, an das Volk und seine gewählten Vertreter zurück.“ In Kansas hat nunmehr ein Referendum dazu stattgefunden: pro Abtreibung. Kansas wählt konservativ. Es ist den abtreibungsfeindlichen Gegenden Texas, Oklahoma und Mississipi benachbart. Mit ca. 60 Prozent haben die Wähler in Kansas für die Abtreibung gestimmt (Meredith Haaf, SZ 4.8.22).

Es ist wohl doch noch nicht alles verloren.

3971: Schröder (SPD) steht zu Putin.

Donnerstag, August 4th, 2022

In einem „Stern“-Interview scheut der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bei der Propagierung von Putins Politik nicht vor dreisten Lügen zurück: „Der Kreml will eine Verhandlungslösung.“ Schröder sieht keinen Anlass, sich von Putin zu distanzieren. „Aber würde eine persönliche Distanzierung von Wladimir Putin wirklich irgendjemandem etwas bringen?“ Gerhard Schröder ist dafür, die Ostsee-Pipeline Nordstream 2 in Betrieb zu nehmen (SZ 4.8.22).

Schröder frappiert immer wieder mit brutalem Zynismus. Die Schiedskommission des Unterbezirks Hannover will demnächst über einen Parteiausschluss entscheiden.

3968: Nochmals neue Berater für die Documenta

Dienstag, August 2nd, 2022

Nachdem nochmals antisemitische oder potentiell antisemitische Objekte auf der Documenta aufgetaucht sind, teilten die Gesellschafter (Stadt Kassel, Land Hessen) mit, dass nun nochmals Berater zur Klärung der Lage berufen worden sind. Sieben an der Zahl. Sie sollen „bei der Analyse möglicher weiterer antisemitischer Bildsprache und Sprache sowie bereits als antisemitisch identifizierten Werken beraten“.

Den Vorsitz übernimmt Nicole Deitelhoff (Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung). Weitere Mitglieder sind: Marion Ackermann (Staatliche Kunstsammlungen Dresden), Julia Bernstein (Professorin an der Frankfurt University of Applied Sciences), die Psychologin und Verhaltenswissenschaftlerin Marina Chernivsky, der Historiker Peter Jelavich (Johns Hopkins University), der Rechtswissenschaftler Christoph Möllers (Humboldt Universität Berlin) sowie der Historiker Facil Tesfaye (Universität Hongkong) (CAG, dpa, SZ 2.8.22).

Kurze Nachbemerkung W.S.: Anscheinend also hat die Documenta bis hierhin nicht sorgfältig genug gearbeitet. Ist es eigentlich denkbar, dass es Kreise und Kräfte gibt, die an den gegenwärtigen Turbulenzen ein  Interesse haben ?

3964: Bei Audi wird gegendert.

Sonntag, Juli 31st, 2022

Bei Audi gibt es seit 2021 einen Genderleitfaden. Gegen den hatte ein Mitarbeiter geklagt, der allerdings bei VW arbeitet. Er störte sich an Genderformen wie dem Unterstrich (_). Er forderte, dass Audi ihm keine Mails, Mailanhänge und Präsentationen mit Gender-Gaps mehr zusenden solle – und bei Verstößen 100.000 Euro. Das wies das Ingolstädter Landgericht zurück.

In den meisten Fällen gehen einschlägige Klagen gerade in die andere Richtung. Frauen und nicht-binäre Personen empfinden es etwa als Zumutung beim generischen Maskulinum nur mitgemeint, aber nicht genannt zu werden. Das Gericht sah keine Persönlichkeitsrechte des Klägers als verletzt an. Ebenso keinen Verstoß gegen das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Der Kläger will erst einmal die ausführliche Urteilsbegründung abwarten. Er schließt weitere Schritte nicht aus.

Audi begrüßt das Urteil. Nach einer Umfrage des Ifo-Instituts gab 2021 jedes dritte Unternehmen an zu gendern. Von den 40 DAX-Konzernen antwortete im Juni 2022 jedes vierte Unternehmen, es verfüge über verbindliche Regeln zur genderneutralen Sprache (Christina Kunkel, SZ 30./31.7.22; Meredith Haaf, SZ 30./31.7.22).

3962: Der CSU geht es schlecht.

Samstag, Juli 30th, 2022

In Bayern finden im Frühjahr 2023 Landtagswahlen statt. Dem sieht die CSU mit gemischten Gefühlen entgegen. Sie hat in der letzten Zeit zu viele Fehler gemacht. Am schlimmsten war der Kandidatenkampf zur Bundestagswahl 2021. Man stelle sich einmal vor, dass Markus Söder Bundeskanzler geworden wäre. Gott schütze uns vor so viel Mist auf einmal.

Bayern benötigt im Durchschnitt mehr russisches Gas als andere Bundesländer. Außerdem ist die Anlieferung von Flüssiggas per Schiff aus Übersee nicht möglich. Und die Hochspannungsleitungen, um Windenergie aus dem Norden Deutschlands nach Bayern zu transportieren, hat Söders Vorgänger Horst Seehofer systematisch verhindert. Der hat mindestens so viele Fehler gemacht wie Markus Söder. Die CSU wollte die Windenergie gar nicht. Sie wollte (und will ?) keine Windräder. Dort gilt die sogenannte 10H-Regel, d.h. dass der Abstand eines Windrades zu Wohngebäuden mindestens das Zehnfache der Höhe der Anlage betragen muss.

Das wirkte wie ein Verbot.

Und es wurden dort ja auch keine Windräder genaut. So ist sie nun mal, unsere CSU. Dazu kommt, dass der wichtigste Gasspeicher für Bayern in Österreich liegt und ziemlich leer ist. Nun wollen sich die Österreicher selber dort anschließen. Gegen Bayern.

Da fallen Herrn Söder zwei Lösungsansätze ein: 1. Atomkraftwerke, 2. Fracking in Niedersachsen (Caspar Busse, SZ 28.7.22).

Ja, dann gewinnt mal schön eure Landtagswahl in Bayern.

3961: Hannover 96 feuert Martin Kind.

Freitag, Juli 29th, 2022

Hannover 96 hat den Geschäftsführer Fußball, Martin Kind, gefeuert. „Mit sofortiger Wirkung“. Nun war Kind nicht nur Geschäftsführer, sondern Mehrheitsgesellschafter. Ein langer Rechtsstreit droht. Kind ist ein erklärter Gegner der 50+1-Regelung, die den Einfluß von Investoren wie ihm selbst begrenzen soll. 2019 hatte sich die Vereins-Opposition gegen Kind durchgesetzt und den ehemaligen Fanbeauftragten Sebastian Kramer zum Vorsitzenden gewählt. Der Profi-Fußballbetrieb ist ausgegliedert und wird von Martin Kind, Gregor Baum und dem Drogerieunternehmer Dirk Roßmann bestimmt. Die haben das Geld.

Teile des Vereins versuchen seit längerem energisch, sich von Geldgeber Kind zu lösen. Vereins-Ikone Dieter Schatzschneider: „Wenn dieser Vorstand jetzt die Profis übernimmt, ist das das Ende des Profifußballs von Hannover 96.“ Dem haben der ehemalige Trainer Peter Neururer und der Ex-Tennisprofi Nicolas Kiefer zugestimmt. Nachfolgekandidat ist der ehemalige DFL- und St. Pauli-Geschäftsführer Andreas Rettig (Felix Haselsteiner, SZ 29.7.22).

Auf Hannover 96 kommen schwere Zeiten zu.