Archive for the ‘Medien’ Category

4347: Entscheidung über Picasso-Gemälde vertagt

Montag, Mai 29th, 2023

Der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags hat seine Entscheidung darüber vertagt, ob Pablo Picassos „Madame Soler“ (1903) als Raubkunst-Fall vor die Limbach-Kommission gelangt. Gemalt hatte es Picasso während seiner blauen Periode. Erworben hatte es der in Berlin lebende jüdische Bankier Paul von Mendelssohn-Bartholdy. Nach Hitlers Machtergreifung 1933 hatte er es an den Kunsthändler Justin Thannhauser verkauft, der es 1964 an den Freistaat Bayern abgab. Sein Wert wird auf 100 Millionen Euro geschätzt.

Mendelssohns Erben hatten sich direkt an den Bayerischen Landtag gewandt. Einer von ihnen, der Historiker Julius H. Schoeps, hatte im letzten Jahr ein 200 Seiten starkes Buch mit dem Titel „Umgang des Freistaates Bayern mit einem spektakulären NS-Raubkunstfall“ veröffentlicht. Darin kritisiert Schoeps das in der Tat befremdliche Blockieren Bayerns. Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) hat sich dafür ausgesprochen, „endlich den Weg dafür freizumachen, dass die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen einer Anrufung der Beratenden Kommission zustimmen. Das ist nun wirklich überfällig.“ Dagegen verlangt Bayern vom Bund „eine verlässliche gesetzliche Grundlage“. Picassos „Madame Soler“ wird im Picasso-Jahr 2023 nicht gezeigt (Catrin LOrch, SZ 25.5.23).

4346: Die Behandlung des Antisemitismus im heutigen Polen

Montag, Mai 29th, 2023

Obwohl es in Polen hervorragende Historiographinnen gibt wie Barbara Engelking, wird eine kritische historische Forschung in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg in Polen zunehmend verhindert. Engelking hat vor zwanzig Jahren an der Polnischen Akademie der Wissenschaften ein Zentrum für Holocaust-Forschung gegründet. Ihre Forschung wird vom polnischen Staat nicht mehr voll unterstützt. Das ist nicht der erste Versuch polnischer Populisten, die Geschichte ihres Landes vor noch so seriöser Kritik abzuschirmen.

Der bekannteste Fall ist der des polnisch-amerikanischen Historikers Jan T. Gross, der 2001 ein Buch über das Massaker von Jedwabne publiziert hatte. Dort hatten im Sommer 1941 nach dem Abzug der sowjetischen Besatzer in Gegenwart der Deutschen Polen ihre jüdischen Nachbarn ermordet und sich deren Hab und Gut bemächtigt. Der damalige Staatspräsident Alexander Kwasniewski hatte sich 60 Jahre danach dafür an einem neu eingerichteten Mahnmal entschuldigt. Unter dem Einfluss der populistischen PIS wurde dann der geschichtspolitische Rückwärtsgang eingelegt. Eine 2006 verabschiedete „Lex Gross“ drohte jedem mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren, der die „polnische Nation“ der Teilnahme an kommunistischen oder nationalsozialistischen Verbrechen bezichtigte. 2018 unterzeichnete Präsident Andrzej Duda ein Holocaust-Gesetz, das alle mit Strafe bedroht, die Polen Schuld oder Mitschuld an Nazi-Verbrechen anlasten (Norbert Frei, SZ 26.5.23).

4345: Sophie Passmann lobt die Kunst des „Zuhausebleibens“.

Sonntag, Mai 28th, 2023

Als besonders weltläufig gilt in Deutschland häufig der, der weite Reisen macht, bis ans Ende der Welt, das von der Tourismus-Industrie gerade als sehr angesagt bezeichnet wird. Da leben viele Putin-Unterstützer. Sophie Passmann (Zeit 11.5.23), meint, dass manchmal auch das Zuhausebleiben im abgedunkelten und gekühlten Wohnzimmer seine Reize haben kann. Auch da können wir uns die Bratwürste der Grill-Community vorstellen. Zu Hause ist manchmal die Sehnsucht abwesend. Und deswegen geht es uns dort besonders gut. Übrigens ist Kultur dort gar nicht abwesend. Ich kann sehr konzentriert ein ganzes Album anhören. Oder die Filme eines Regisseurs betrachten. Ja, ein Buch lesen, ohne alle paar Seiten das Handy zu ergreifen. „Und dann kann man sich freuen. Über das Alleinsein. Und über den Sommer, den man mit Kultur verbracht hat. Ganz ohne Bahnfahrten.“

4344: Friedrich Merz ist BVB-Fan.

Samstag, Mai 27th, 2023

In einem Interview mit Boris Herrmann, Nicolas Richter und Robert Roßmann (SZ 27./28./29.5.23) äußert sich Friedrich Merz auch zum Fußball.

SZ: Und nun zum Sport: Markus Söder hat gesagt, Dortmund sei zu doof, um Meister zu werden.

Merz: Ich muss es Markus Söder und den Leserinnen und Lesern der „Süddeutschen Zeitung“ leider sagen: Die Wahrscheinlichkeit, dass Borussia Dortmund am Samstag deutscher Meister wird, ist groß:

SZ: Sie sind doch nicht etwa ein Erfolgsfan?

Merz: BVB-Fan! Was denn sonst? Ich bin seit vielen Jahren Mitglied bei Borussia Dortmund, ich war zehn Jahre in den Aufsichtsgremien und werde am Samstag selbstverständlich im Stadion sein.

SZ: In welcher Montur?

Merz: In Schwarz-Gelb mit BVB-Schal natürlich.

4343: Kurbjuweit neuer „Spiegel“-Chefredakteur

Samstag, Mai 27th, 2023

Dirk Kurbjuweit, 60, wird neuer „Spiegel“-Chefredakteur. Der insbesondere durch seine Zurückhaltung bekannte Steffen Klusmann, 57, verlässt das Haus. Er war immer mit dem Fahrrad gekommen. Schwierig gewesen war die Zusammenführung der alten Heft-Belegschaft mit der Online-Redaktion. Mit 274 Unterzeichnern hatte sich mehr als die Hälfte der Redaktion für Klusmann ausgesprochen. Nur die Geschäftsführung war mit ihm insgesamt nicht mehr einverstanden. Er war viereinhalb Jahre Chef. Der große Bruch waren (vor Klusmanns Inthronisation) die Fälschungen von Claas Relotius gewesen. Davon erholt sich kein Blatt so schnell. Medienanwalt Christian Schertz zu Klusmann: „In seiner Amtszeit wurden zunehmend Grundsätze journalistischer Sorgfaltspflicht missachtet und reißerische Geschichten veröffentlicht.“ (Philipp Bovermann, Anna Ernst, SZ 27./28./29.5.23).

4342: Münchener Professor droht juristischer Ärger.

Freitag, Mai 26th, 2023

Ein Münchener Professor (LMU) für Journalismus schreibt für die „Querdenker“-Zeitschrift „Demokratischer Widerstand“. Da liegen eventuell dienstrechtliche Verstöße vor. Der bayerische Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) sagte daraufhin, dass an bayerischen Hochschulen „kein Platz für extremistisches Gedankengut“ sei. In diesem Fall wird das jetzt, auch mit Hilfe des Verfassungsschutzes, geklärt. Im März hatten die Gründer des „Demokratischen Widerstands“ mitgeteilt, dass Michael Meyen Herausgeber und Kolumnist werde. Die Herausgeberschaft hat er nach zwei Ausgaben wieder aufgegeben. In der Zeitschrift war die Corona-Impfkampagne als „Injektionsgenozid“ bezeichnet worden. Er stammt aus einer kommunistischen Familie aus Rügen (damals DDR) (Sebastian Krass, SZ 26.5.23).

4341: 1.700 neue Beamte für Ampelkoalition

Freitag, Mai 26th, 2023

Das Bundeskanzleramt und die 15 Bundesministerien haben seit Ende 2021 1.710 zusätzliche Beamtenstellen geschaffen. Die meisten davon im Wirtschaftsministerium von Robert Habeck (Grüne) mit 249. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler stieg die Personalzahl in Bundesministerien auf 30.200 Angestellte und Beamte. 2012 waren es noch 18.500 Stellen gewesen. Seit 2012 haben sich die Beamtenzahlen um 82 Prozent vermehrt (SZ 26.5.23).

4340: Mitarbeiter-Schreiben für den „Spiegel“-Chefredakteur Steffen Klusmann

Freitag, Mai 26th, 2023

274 Mitarbeiter des „Spiegels“ haben sich in einem Brief bestritten, dass es im Hause den Wunsch gebe, den Chefredakteur Steffen Klusmann abzusetzen. Anscheinend hatte vorher der Vorsitzende der Mitarbeiter KG, die 50,5 Prozent der Anteile hält, Markus Brauck, harte Kritik an KLusmann geäußert. Klusmann war es gelungen, die Onlineredaltion und die Belegschaft des gedruckten Magazins zu vereinigen. Er hatte im Januar 2019 den Chefposten nach den Betrügereien von

Claas Relotius

übernommen. Anscheinend gibt es Dissonanzen zwischen der Chefredaktion und der Geschäftsführung (Laura Hertreiter, SZ 26.5.23).

4339: Razzia gegen „Letzte Generation“

Donnerstag, Mai 25th, 2023

170 Beamte durchsuchten am Mittwoch Wohnungen und Geschäftsräume der Klimaschutzgruppe „Letzte Generation“ in sieben Bundesländern. Der Tatvorwurf: Bildung bzw. Unterstützung einer kriminellen Vereinigung. Eine Spendenkampagne zur Unterstützung weiterer Straftaten soll 1,4 Millionen Euro erbracht haben. Zwei Verdächtige stehen im Verdacht, im April 2022 versucht zu haben, die Öl-Pipeline Triest-Ingolstadt zu sabotieren. Bundesinnenministerin Nancy Faeser: „Die heutigen Maßnahmen zeigen, dass der Rechtsstaat sich nicht auf der Nase herumtanzen lässt. Polizei und Justiz nehmen Straftaten nicht hin, sondern handeln – so wie es ihre Pflicht ist.“ (SZ 25.5.23)

4338: DFL: Milliardendeal geplatzt

Donnerstag, Mai 25th, 2023

Nur 20 von 36 Klubs der DFL (erste und zweite Bundesliga) wollen das Zwei-Milliarden-Investment eines Groß-Investors. Elf waren dagegen, fünf haben sich enthalten. Die haben Angst. Damit ist der Groß-Deal geplatzt. Es gab ein stark unterschiedliches Abstimmungsverhalten zwischen erster und zweiter Bundesliga. Vermutlich erodiert nun die Zentralvermarktung. Die Vereine müssen sich jetzt jeweils auf die eigene Wertschöpfung besinnen. Was das heißt, lässt sich bei einer Klublandschaft vom FC Bayern München bis zum SV Elversberg nur erahnen. DFL-Interimsvorstand Axel Hellmann (Eintracht Frankfurt) unterstrich, dass eine „Asymmetrie der Risikoverteilung“ künftig vom vermögenden Teil der Klubs nicht toleriert würde. DFL-Präsident Hans-Joachim Watzke (Borussia Dortmund) warnte vor einer „hemmungslosen Verschuldung“ (Thomas Kistner, SZ 25.5.23).

Die Entscheidung ist falsch. Kluges Investment entscheidet. „Warme Gefühligkeit“ (wie bei den Ultras) ist nicht tragfähig. „Nicht im richtigen Leben, nicht einmal im Fußball.“