Archive for the ‘Literatur’ Category

2879: Spike Lee analysiert und betet.

Samstag, Juni 6th, 2020

Der bekannte US-Regisseur Spike Lee, geb. 1957, gehört zum „New American Cinema“ der achtziger und neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts („Do the Right Thing“ 1988, „Malcom X“ 1992, „Inside Man“ 2006, „Kobe Doin‘ Work“ 2009, „BlacKkKansman“ 2018). Sein Thema ist der Rassismus und speziell die Diskriminierung von Afroamerikanern. So sieht er in den Überschwemmungen in New Orleans in Folge des Hurrikans Catrina keine Naturkatastrophe, sondern eine Kette von menschlichem Versagen auf Grund von Rassismus. Noch vor der Ermordung von George Floyd hat Rüdiger Sturm Spike Lee für die SZ (6./7.6.20) interviewt.

SZ: Warum sind die Wunden dieser Spaltung nie verheilt? Und wäre das überhaupt möglich?

Lee: Wenn Sie wissen wollen, warum die Wunden nicht verheilen, müssen Sie sich anschauen, wie die USA entstanden sind. Dieses Land verdankt seine Existenz der Tatsache, dass man den Ureinwohnern ihr Land weggenommen und viele Menschen versklavt hat. Das war der Anfang und ist bis heute der Grund, warum die USA so mächtig geworden sind. Mich stört es, wenn heute von Gründervätern gesprochen wird – diese weißen Männer, sie hielten Sklaven. Wenn das die Entstehungsgeschichte eines Landes ist, dann stimmt doch etwas nicht. George Washington, der erste Präsident der Vereinigten Staaten, besaß 123 Sklaven. Amerikanische Ureinwohner wurden in Konzentrationslager gesperrt. Diese Anfänge begleiten uns bis heute.

SZ: Eine Welt, in der Afroamerikaner noch immer in Gefahr sind – und wie Bürger zweiter Klasse behandelt werden.

Lee: Absolut! Gerade erst wieder hat die große Pandemie wieder die Ungerechtigkeiten unseres Gesundheitssystems offengelegt. Die Todesrate unter Schwarzen ist viel höher als bei allen anderen. Wenn wir daraus nichts für die Zukunft lernen und etwas ändern, sind diese Menschen umsonst gestorben. Dass diese Lektion nicht umsonst ist, dafür bete ich, das ist meine Hoffnung.

Bei seinen Gegnern gilt Spike Lee als Italiener-Hasser. Er verfüge über reichlich negative Stereotype gegenüber Franzosen, Hispanics, Koreanern und Juden. Ja, als Antisemit gilt Spike Lee auch.

2877: Rainer Werner Fassbinder 75

Mittwoch, Juni 3rd, 2020

Am 31. Mai wäre Rainer Werner Fassbinder 75 Jahre alt geworden. Ich vermisse das Rauschen im deutschen Blätterwald und kann es mir nicht erklären. Der Schauspieler, Regisseur und Produzent Fassbinder leidet möglicherweise immer noch an seinem Schmuddelimage (gestorben ist er am 10. Juni 1982 mit nur 37 Jahren in einem Drogen-Exzess). Künstlerisch aber war er der Größte. In 15 Jahren hat er 40 Filme, zwei Fernsehserien und drei Kurzfilme abgeliefert. Dazu kommen sehr viele Theaterproduktionen. Wir sind ungefähr gleich alt, und ich habe Fassbinder immer wegen seiner Kreativität beneidet. Am bekanntesten ist hier gewiss „Der Müll, die Stadt und der Tod“ (nach einem Roman von Gerhard Zwerenz 1975), in dem ein „jüdischer Immobilienspekulant“ vorkommt, der nach Ignaz Bubis modelliert sein soll. Nach energischen Protesten des jüdischen Establishments wurde das Stück als antisemitisch deklariert und nicht aufgeführt.

Fassbinder hatte keine glückliche Jugend (bis 15 lebte er bei seiner Mutter in München, dann bei seinem Vater in Köln) und keine abgeschlossene künstlerische Ausbildung. Er begann in München am „Action-Theater“ (gemeinsam mit Hanna Schygulla). 1969 brillierte er in Volker Schlöndorffs Fernsehfilm „Baal“ (Bertolt Brecht), heute noch äußerst sehenswert. Fassbinder übernahm das „Antitheater“ und lieferte seine ersten künstlerisch eigenwilligen Filme ab („Liebe ist kälter als der Tod“ 1969, „Katzelmacher“ 1969). Sein Vorbild war der in Hollywood mit seinen Melodramen sehr erfolgreiche Douglas Sirk (der im Nazi-Film als Detlef Sierck gestartet war). Fassbinders sehr schnelle Arbeitsweise wurde unterstützt von seinem „Clan“ (u.a. Irm Hermann, Barbara Valentin, Günther Kaufmann, Gottfried John, Wolfgang Schenck, Ulli Lommel, Katrin Schaake).

Es folgte Film auf Film: „Götter der Pest“ (1969), „Warum läuft Herr R. Amok?“ (1970), „Niklashauser Fahrt“ (1970), „Warnung vor einer heiligen Nutte“ (1971), „Händler der vier Jahreszeiten“ (1971), „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ (1972), „Acht Stunden sind kein Tag“ (1972-1973, fünf Folgen), „Angst essen Seele auf“ (1974), „Fontane Effi Briest“ (1974), „Mutter Küsters Fahrt zum Himmel“ (1975), „Ich will doch nur, dass ihr mich liebt“ (1975), „Bolwieser“ (1976), eine Episode in „Deutschland im Herbst“ (1978), „Berlin Alexanderplatz“ (1980, 14 Folgen), „Lili Marleen“ (1980), „Lola“ (1981), „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ (1982).

Rainer Werner Fassbinder legte im Privatleben nicht allzu großen Wert auf Angepasstheit. Er lebte mit Frauen und Männern zusammen. Seine letzte Partnerin, Juliane Lorenz, seine Cutterin, beerbte Fassbinders Eltern und gründete die Rainer Werner Fassbinder-Stiftung, die nach und nach alle künstlerischen Hervorbringungen Fassbinders erwarb und bald ein Monopol besaß. 2019 überließ Juliane Lorenz fast den gesamten Nachlass dem „Fassbinder Center“ in Frankfurt am Main, das zu einer Forschungs- und Begegnungsstätte des deutschen Nachkriegsfilms ausgebaut werden soll.

2875: Horst Krüger über M. R.-R.

Dienstag, Juni 2nd, 2020

Zum einhundertsten Geburtstag von Marcel Reich-Ranicki ist die Literaturflut natürlich groß. Altes und Neues. Über Reich-Ranickis Temperament schreibt der Schriftsteller Horst Krüger:

Es war damals „fast beängstigend, Unruhe, Leidenschaft, Energie beflügelte das Gespräch. Es hielt ihn nicht im Sessel. Er lief durch das Zimmer, kampfeslustig. Er redete dauernd. Er war im höchsten Maße erregt. Und das Komische war: Der Grund seiner Erregung war nicht Konrad Adenauer, nicht die deutsche Wiederbewaffnung, auch nicht die Atombombe, worüber sich damals die westdeutschen Intellektuellen erregten. Der Grund seiner Erregung war –

die deutsche Literatur.“

(Jens Bisky, SZ 2.6.20)

2874: Wie gehen wir mit Verschwörungstheorien um ?

Dienstag, Juni 2nd, 2020

Unter Nr. 2846 „Wie funktionieren Verschwörungstheorien?“ habe ich hier am 12.5.20 bereits geschrieben. Mittlerweile ist erschienen:

Pia Lamberty/Katharina Nocun: Fake Facts – Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen.

Quentin Lichtblau (SZ 2.6.20) befragt Katharina Nocun.

SZ: Wie beginnt man so ein Gespräch?

Nocun: Ein guter Weg sind Fragen: Woher hast du das? Wieso glaubst du das? Inwiefern hältst du diese Quelle für vertrauenswürdig? Auch wichtig ist die Frage: Wie geht es dir eigentlich?

SZ: Einfach, um Interesse zu zeigen?

Nocun: Genau. Menschen verfallen Verschwörungsmythen oft in Phasen großer persönlicher Unsicherheit. Wenn man es schafft, auf der rein menschlichen Ebene einen Zugang zu finden, ist es für den Betroffenen vielleicht weniger attraktiv, sich in Verschwörungsmythen zu flüchten. Viele Verschwörungsmythen haben allerdings auch einen klar

antisemitischen oder rassistischen

Hintergrund, da braucht es bei allen Verständigungsversuchen eine rote Linie.

2872: Clint Eastwood 90

Montag, Juni 1st, 2020

Die Filmlegende Clint Eastwood wird 90 Jahre alt. Er ist die Ikone des wortkargen Cowboys (tatsächlich ist er stark schwerhörig). In über 70 Filmen hat er mitgespielt. Seit langem ist er auch als Regisseur, Produzent und Komponist (er komponierte u.a. die Musik für „A Million Dollar Baby“ , 2004, mit Hillary Swank, für den er seinen dritten und vierten Oscar bekam), erfolgreich tätig. Die ersten beiden Oscars hatte er für „The Unforgiven“ (1992) erhalten. Viele können Eastwood nicht verzeihen, dass er ein republikanischer Politiker ist, der Donald Trump gewählt hat.

Seinen Durchbruch schaffte Eastwood mit „Für eine Handvoll Dollar“ (1964) und „Für ein paar Dollar mehr“ (1965). Es folgten „Zwei glorreiche Halunken“ (1966) und „Coogans großer Bluff“ (1968). Von 1971 bis 1976 erschienen „Dirty Harry“ I bis III. Zwischen den schon genannten mit dem Oscar für den besten Film und die beste Regie ausgezeichneten Filmen 1992 und 2004 beeindruckten „Die Brücken am Fluss“ (1995). Clint Eastwood ist bis heute rastlos tätig. 2009 hatte er für sein Lebenswerk die „goldene Kamera“ bekommen (Patrick Bahners, FAZ 30.5.20; SZ 30./31.5./ 1.6.20)

Iris Berben berichtet: „Als ich im Jahr 2009 in Kapstadt den Film ‚Kennedys Hirn‘ von Henning Mankell drehte, hatte ich meine zweite nicht erlebte ‚Begegnung‘ mit Ihnen (Clint Eastwood). Ich stieg im Hotel, in dem ich während der Dreharbeiten wohnte, gemeinsam mit meinem Lebensgefährten in den Fahrstuhl. Meinen Blick fest auf meinen Partner gerichtet, beobachtete ich die drei anderen Männer im Aufzug nicht. Beim Verlassen sagte mein Partner zu mir: Du weißt schon, wer jetzt gerade dicht gedrängt neben dir stand? Clint Eastwood, Morgan Freeman und Matt Damon …“

 

2871: Irm Hermann ist tot.

Sonntag, Mai 31st, 2020

Sie gehörte (neben Margit Carstensen, Hanna Schygulla, Ingrid Caven) zu den großen Fassbinder-Schauspielerinnen. Eine Schauspielausbildung hatte sie nicht absolviert, als sie 1965 als Sekretärin beim ADAC zu Fassbinder kam. Sie wurde gleich seine erste Muse und Lebenspartnerin. Seit 1968 arbeitete sie mit am „Antitheater (neben Peer Raben, Hanna Schygulla, Kurt Raab und Harry Baer). Gekennzeichnet durch eine hohe Stimme und als geeignete Präsentatorin des Kleinbürgertums, bei dem sich allerdings Abgründe auftaten.

Einige der ersten markanten Fassbinder-Filme von Hermann waren „Liebe ist kälter als der Tod“ (1969), „Katzelmacher“ (1969), „Händler der vier Jahreszeiten“ (1971), „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ (1972) und „Angst essen Seele auf“ (1973). Sie galt als Fassbinders Geschöpf wie ihr Gegentyp Hanna Schygulla. Aber ihr Potential ging weit darüber hinaus. Sie bekam den Bundesfilmpreis 1971 und heiratete 1975 den Autor Dietmar Roberg, mit dem sie zwei Söhne bekam. 1980 spielte sie in „Berlin Alexanderplatz“ und „Lili Marleen“. Gefragt war sie auch bei Regisseuren wie Hans W. Geißendörfer, Reinhard Hauff und Werner Herzog. Für ihre Rolle als Mitgefangene Sophie Scholls in Percy Adlons „Fünf letzte Tage“ (1983) bekam sie den Deutschen Filmpreis. Sie wirkte in einigen Filmen des Enfant terribles, Christof Schlingensief, mit und gelangte an Frank Castorfs Berliner Volksbühne. Dort glänzte sie in einigen Stücken Christoph Marthalers. 2016 erhielt sie einen umjubelten Abschied. Nun ist Irm Hermann gestorben (Christine Dössel, SZ 29.5.20).

2869: Marcel Reich-Ranicki wird 100.

Sonntag, Mai 31st, 2020

Am 2. Juni 2020 wird Marcel Reich-Ranicki 100 Jahre alt. Das Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) widmet ihm dann eine „Spezialausgabe“. Es sind neue Bücher über Reich-Ranicki erschienen. U.a. Volker Weidermann: Das Duell – Die Geschichte von Günter Grass und Marcel Reich-Ranicki. Köln (K & W) 2020, 320 S., 22 Euro.

Die FAZ (30.5.20) bringt Auszüge aus dem Tagebuch von Volker Hage (zuerst FAZ, dann „Zeit“ und „Spiegel“). Darin heißt es am 29.9.1983: „R-R ein gewidmetes Exemplar meiner Frisch-Monographie auf den Schreibtisch gelegt. Er dankt und gibt sich verschwörerisch: ‚Sagen Sie es niemandem und schreiben Sie es nicht, was ich Ihnen jetzt sage. Max Frisch ist ein zweitrangiger Schriftsteller. Aber unter den zweitrangigen ist er der Beste.'“

Der Briefeschreiber Reich-Ranicki ist weniger bekannt. Da ist noch manches zu erwarten. Die FAS (31. Mai 2020) bringt sechs Briefe. U.a. einen an Martin Walser (24. April 1986). Da heißt es: „Ihre Postkarte vom 21. April habe ich erhalten. Ich darf annehmen, dass das von Ihnen ausgewählte Gedicht von Peter Hamm (‚Niederlagen‘) zu den Höhepunkten des poetischen Werks dieses Autors gehört. Nun werden also die Leser das Niveau der Lyrik von Hamm genau erkennen können. Zugleich wird ihr Beitrag allen ihren literarischen Geschmack deutlich machen. Dass ich dieses Gedicht für miserabel halte und in ihm keine einzige Zeile finde, die ich als poetisch bezeichnen könnte, braucht Sie nicht im geringsten zu stören. Ich halte zu meinem Wort. …“

2865: Unterläuft unsere Sprechweise den Gender-Fortschritt ?

Mittwoch, Mai 27th, 2020

Aufgeklärte Menschen wissen seit eh und je, dass unsere Sprache sehr wichtig ist. Aber nicht nur ihr Stil und ihr Inhalt, sondern gerade unsere Sprechweise selbst. Es ist bekannt, dass es viele befremdete, wenn Elias Canetti über seine Romane mit seiner

dünnen Fistelstimme

sprach oder aus ihnen las. Eigentlich waren Frauen und Männer dabei, sich stimmlich anzunähern. „In Ländern, in denen die Emanzipation besonders weit fortgeschritten ist, zum Beispiel in Skandinavien, sprechen Frauen besonders tief.“ (Darüber schreibt Martin Hecht in der „Zeit“ vom 14.5.20.)

Nun bekommen wir es mit einer Gegenbewegung zu tun. Sie interessiert sich nicht für Politik oder Schönheit, sondern stammt aus der Werbung. Und da zählen nur verkaufte Produkte und Dienstleistungen oder Wählerstimmen. Quietschende weibliche Stimmen klingen für viele emotional und erotisch. Das männliche Pendant dazu kommt möglichst tief und kernig daher. Anscheinend kann Werbung (auch in den Medien) so erfolgreich sein. Die so inszenierte Sprache zeigt „die Sehnsucht nach der traditionellen binären Ordnung zwischen den Geschlechtern, dem starken, kraftvollen und auch stimmlich markanten Mannsbild und dem süßen, schutzbedürftigen Weibchen“. Dahinter steht ein Frauenbild, „das Frauen als Mädchen präsentiert, die süß, goldig und ungefährlich sind – und als Gegenpart einen Retter und Helden brauchen“.

Sprachwissenschaftler beobachten einen Trend zu mehr infantil-weiblicher Piepsigkeit und männlichem Brummsprech in Nachmittagsserien, im Spielfilm, in Videospielen und in der Werbung. Das geht in eine Richtung, „in der Frauen wieder sexy-feminin rüberkommen wollen, während die klassische Virilität von den männlichen Sprechern wiederentdeckt wird“. In der Synchronisation kommen beim Eindeutschen von Serien und Spielfilmen statt Profis alter Schule vermehrt Akteure zum Einsatz, die das Sprechen in Crashkursen gelernt haben. „Ausgebildete Stimmen“ gelten zunehmend als zu glatt und distanziert. Es setzt sich allmählich die Sprechweise durch, in der verkauft und aufgeschwatzt wird.

Früher waren die Chefrhetoriker Priester und Pastoren. Sie waren von der Kanzel zu hören. Ihnen folgte das Sprechtraining in Schauspielschulen. Heute (ungefähr seit den sechziger Jahren) tritt mehr „Launigkeit“ in den Vordergrund, mehr die Persönlichkeit des Akteurs. Wahrscheinlich manifestiert sich im medialen Sprechen eine regelrechte Geschlechter-Restauration. „Im Buhlen um die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts inszenieren die Teilnehmer vermehrt Weiblichkeit oder Männlichkeit. Und dann piepst und brummt es eben wie in der Fernsehwerbung.“

Falls es stimmt, dass die Gegenbewegung in der Sprechweise eher unserer unbewussten Triebstruktur entspricht, dann hat das gender-bezogene Modernisieren kaum eine Chance. Wäre das schlimm?

2864: Sie war „Solo Sunny“.

Mittwoch, Mai 27th, 2020

Die 1945 in Osterode im Harz geborene Schauspielerin Renate Krößner ist gestorben. Sie spielte in Konrad Wolfs „Solo Sunny“ (1980), einem der großen Erfolge des DDR-Films, und gewann dafür den Silbernen Bären. Der Film missfiel der DDR-Kultusbürokratie. Renate Krößner bekam keine Rollen mehr. 1985 ging sie in den Westen. Hier setzte sie ihre Karriere in „Liebling Kreuzberg“ und im „Tatort“ fort (SZ 27.5.20).

2858: Rundfunkbeitrag: moderat erhöhen

Freitag, Mai 22nd, 2020

Auf Vorschlag der unabhängigen „Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ (KEF) soll der haushaltsbezogene Rundfunkbeitrag von 17,50 Euro auf 18,36 Euro pro Monat erhöht werden. Das liegt unterhalb der Inflationsrate und soll ab 1. Januar 2021 gelten. Dadurch würde die Leistung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als Informationsgeber und Kommentator gewürdigt, die sich besonders in der Corona-Krise gezeigt hat. Dem haben im März bereits 15 Bundesländer zugestimmt. Außer Sachsen-Anhalt. Für Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) wurde zu wenig gespart und Ostdeutschland kam nicht genug vor.

Das sind wahrscheinlich nur Vorwände. Tatsächlich haben die Landtagswahlen 2019 in Sachsen, Brandenburg und Thüringen nur knappe Siege der demokratischen Parteien über die AfD ergeben. Und die AfD hasst den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Gerade weil er unabhängig ist. Die AfD will ihn abschaffen. Und Reiner Haseloff (CDU) begeht hier den Fehler, der in Ostdeutschland so häufig gemacht wird: den der Überanpassung an die AfD. Da wählen die Menschen lieber gleich das Original.

Der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow (WDR) hat bis 2028 Einsparungen von mehr als einer Milliarde Euro angekündigt. BR-Intendant Ulrich Wilhelm stört sich an der Verknüpfung der politischen Forderung eines Bundeslandes mit dessen Zustimmung zur Beitragsanpassung. Das hatte das Bundesverfassungsgericht bereits 1994 als verfassungswidrig erklärt (Anika Blatz, SZ 22.5.20). Das Problem ist wieder mal die CDU in Ostdeutschland (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt). Wahrscheinlich gibt es dort noch zu viele Liebhaber des alten DDR-Staatsfunks (Propaganda, Agitation, Organisation des sozialistischen Aufbaus).