Der NDR hat sich mit dem angeblich dokumentarischen Film „Lovemobil“ der Filmemacherin Elke Lehrenkrauss blamiert, in dem das Leben von Straßen-Prostituierten teilweise nach-inszeniert, fiktionalisiert und dadurch tatsächlich gefälscht wurde. Dadurch wird die Glaubwürdigkeit des ganzen öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ARD und ZDF) in Deutschland diskreditiert. Und die ist heute angesichts von Donald Trumps Lügen und der AfD wichtiger als je zuvor.
Der Regisseur Thomas Frickel schreibt dazu in der FAZ (3.4.21): „Die medienpolitische Dimension ihres Vorgehens hat Elke Lehrenkrauss, die Regisseurin des inkriminierten Films, weder bedacht noch verstanden, und der Versuch, den Betrug am Publikum mit Verweisen auf zu knappe Finanzen, Kunstfreiheit und Produktionsdruck schönzureden, macht nichts besser.“ Heute sehne sich das Publikum mehr als jemals zuvor nach Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit.
Tatsächlich haben sich Theorie und Praxis des Dokumentarfilm mühsam entwickelt in der Filmgeschichte bei
Robert Flaherty, John Grierson, Dsiga Vertov, Joris Ivens und Richard Leacock.
Es waren anfangs nicht zuletzt technische Probleme, die zu bewältigen waren. In den zwanziger Jahren gab es beispielsweise die Diskussion darüber, dass Joris Ivens für seinen Film „Borinage“ eine Arbeiterdemonstration wiederholen ließ, weil die zunächst gemachten Aufnahmen zu dunkel waren.
Klarheit in den Diskurs brachten dann Autoren wie
Klaus Wildenhahn: Über synthetischen und dokumentarischen Film. Zwölf Lesestunden. Berlin 1973 und
Bernward Wember: Wie informiert das Fernsehen? Ein Indizienbeweis. München 1976,
die beide selbst auch Dokumentarfilme drehten. Sie waren scharf in der Analyse und hart in ihren Anforderungen an Dokumentarfilmer, aber argumentativ überzeugend. Sie nutzten die neuen technischen Möglichkeiten der beweglichen Kameras. „Man darf keine Antworten in der Tasche haben – sonst lohnt sich die Reise nicht.“ Sie verlangten – zu Recht – die Ergebnisoffenheit der dokumentarischen Bemühungen.
Nur eines hatten sie noch nicht verstanden, was uns der Konstruktivismus klar vor Augen führt:
Alles, was gesagt wird, ist von jemand gesagt.
Hier von Wilfried Scharf aus Göttingen. Das dürfen wir nicht verwechseln mit dem Einsatz von Fake-News zur Machterringung und zum Machterhalt. So sehr ein naiver Begriff von Objektivität unangebracht erscheint, so falsch wäre der Verzicht auf die Objektivitätsforderung in den Massenmedien.