1988 erschienen Salman Rushdies „Satanische Verse“. Daraufhin ordnete der Ayatollah Chomeini eine Fatwa an, nach der Rushdie ermordet werden sollte. Jetzt wurde in Chautauqua im US-Bundesstaat New York auf einer Bühne ein Mordanschlag auf Rushdie von einem 24-Jährigen verübt. Der Schriftsteller wurde in den Hals gestochen. Er soll eine Auge verloren haben, seine Leber ist beschädigt, und er wird in einer Klinik künstlich beatmet. Der Täter ist festgenommen worden (SZ 13./14./15.8.22).
Archive for the ‘Kunst’ Category
3983: Mordanschlag auf Salman Rushdie
Samstag, August 13th, 20223968: Nochmals neue Berater für die Documenta
Dienstag, August 2nd, 2022Nachdem nochmals antisemitische oder potentiell antisemitische Objekte auf der Documenta aufgetaucht sind, teilten die Gesellschafter (Stadt Kassel, Land Hessen) mit, dass nun nochmals Berater zur Klärung der Lage berufen worden sind. Sieben an der Zahl. Sie sollen „bei der Analyse möglicher weiterer antisemitischer Bildsprache und Sprache sowie bereits als antisemitisch identifizierten Werken beraten“.
Den Vorsitz übernimmt Nicole Deitelhoff (Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung). Weitere Mitglieder sind: Marion Ackermann (Staatliche Kunstsammlungen Dresden), Julia Bernstein (Professorin an der Frankfurt University of Applied Sciences), die Psychologin und Verhaltenswissenschaftlerin Marina Chernivsky, der Historiker Peter Jelavich (Johns Hopkins University), der Rechtswissenschaftler Christoph Möllers (Humboldt Universität Berlin) sowie der Historiker Facil Tesfaye (Universität Hongkong) (CAG, dpa, SZ 2.8.22).
Kurze Nachbemerkung W.S.: Anscheinend also hat die Documenta bis hierhin nicht sorgfältig genug gearbeitet. Ist es eigentlich denkbar, dass es Kreise und Kräfte gibt, die an den gegenwärtigen Turbulenzen ein Interesse haben ?
3960: Abbruch der Documenta gefordert
Freitag, Juli 29th, 2022Nach dem Auftauchen neuer antisemitischer Exponate auf der Documenta wird nun der Abbruch der Ausstellung gefordert.
Vom Zentralrat der Juden in Deutschland und von der FDP.
Der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, meinte: „So offenen Antisemitismus auf deutschem Boden, das hätte ich mir 2022 nicht vorstellen können.“ Das Plakat der indonesischen Künstlergruppe Taring Padi hatte Juden in übler Manier als widerliche Ausbeuter gezeigt. Nun fordern die Gesellschafter der Documenta, das Land Hessen und die Stadt Kassel, die neuen umstrittenen antisemitischen Kunstwerke „bis zu einer angemessenen Kontextualisierung“ aus der Ausstellung zu nehmen. Ebenso die Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne). Josef Schuster: „Dass diese Documenta wirklich bis zum 25. September laufen kann, erscheint kaum mehr vorstellbar. … Diese Documenta wird als antisemitische Kunstschau in die Geschichte eingehen.“ (Annette Zoch, SZ 29.7.22)
3959: Neue antisemitische Stücke auf der Documenta
Donnerstag, Juli 28th, 2022Auf der Documenta sind neue antisemitische Bilder aufgetaucht. „Ein Bild zeigt einen roboterartigen Soldaten mit Davidstern auf dem Helm, der einen erschrockenen Jungen an den Kopf greift. Im Hintergrund sind Arme und Beine erkennbar, die schlaff aus dem Boden ragen – wohl ein Massengrab. Auf einem anderen Bild nimmt eine Frau einem Soldaten mit Hakennase und einem Davidstern auf dem Helm ihr Knie in den Bauch.“ (Jörg Häntzschel, SZ 28.7.22) Die „Kunstwerke“ stammen von einer algerischen Gruppe aus dem Jahr 1988. Geschäftsführer Alexander Fahrenholz teilte mit, dass eine Frau schon vor drei Wochen auf die Stücke aufmerksam gemacht habe. Behörden und Documenta-Leitung seien aber zu dem Schluss gekommen, dass „es nicht um die Diffamierung von jüdischen oder vermeintlich jüdischen Personen geht“. Deswegen liegen die Stücke im Fridercianum weiter öffentlich aus. Leider sei die Besucherin, die darauf aufmerksam gemacht habe, nicht informiert worden. Fahrenholz: „Was ich in den Bildern gesehen habe, waren nur die israelischen Soldaten, die möglichst unsympathische Darstellung von militärischer Gewalt gegen die, an deren Seite sich die algerischen zeichner fühlten.“ Nun soll es einen erklärenden Text zu dem Vorgang geben. Die Serie „Guernica Gaza“ und die Pro-Palästina-Filme von Subversive Film sind beide noch auf der Documenta zu sehen.
3950: Alexander Fahrenholtz ist neuer Documenta-Geschäftsführer.
Dienstag, Juli 19th, 2022Alexander Fahrenholtz ist am Montag zum neuen Documenta-Geschäftsführer bestimmt worden. Die Gesellschafter seien froh, einen so erfahrenen und renommierten Kulturmanager gefunden zu haben, hieß es. Er werde seine Aufgabe bereits am 19.7.2022 übernehmen. Sein Vertrag sei bis zum 30.9. befristet. Fahrenholtz war an der Realisierung der Documenta 9 beteiligt und Verwaltungsdirektor der Kulturstiftung des Bundes. Der Bund soll wieder in den Aufsichtsrat der Documenta einziehen (SZ 19.7.22).
3948: Documenta-Chefin Angela Schormann wird entlassen: endlich.
Montag, Juli 18th, 2022Der Documenta-Aufsichtsrat hat beschlossen, die Leiterin der Ausstellung, Angela Schormann, zu entlassen. Wegen des antisemitischen Kunstwerks „People’s Justice“ der indonesischen Künstlergruppe Taring Padi und der mangelnden Aufklärung der Vorgänge. Die Aufarbeitung wurde verschleppt. Es war wohl viel Dilettantismus im Spiel. Nach Meinung des Aufsichtsrats handelte es sich um eine „klare Grenzüberschreitung“. Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) hat der Entscheidung zugestimmt. Ebenso Grüne und FDP. Der kulturpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Helge Lindt, sprach von einem „überfälltigen Befreiungsschlag aus einem Teufelskreis von Missmanagement und Misskommunikation“.
So weit, so gut.
Aber reicht das? Für den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, kommt die Entscheidung viel zu spät. „Es sind noch sehr viele Schritte zu gehen.“ Nach Meinung des Documeta-Aufsichtsrats soll die Aufklärung „wissenschaftlich begleitet“ werden. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, nutzte Schormanns Absetzung für eine Ausweitung des Bundestagsbeschlusses gegen die anti-israelische Boykottbewegung BDS.
Schormann hatte wohl bis zum Schluss die Unterstützung von Kassels OB, Christian Geselle. Ohnehin lässt die SPD hier Unklarheiten über ihre Haltung zu. Eine Rolle scheint der „postkolonialistische Ansatz“ in der Kunst gespielt zu haben. In dem Beschluss des Aufsichtsrats werden keine Namen genannt, obwohl die Probleme seit mindestens einem Monat bekannt sind. Wahrscheinlich weiß man noch keine. Kein gutes Zeichen. Schormann hatte ihr Verhalten stets mit der „Kunstfreiheit“ begründet. Eine Kaschierung von Verantwortungslosigkeit (Sonja Zekri, SZ 18.7.22; Jörg Häntzschel, SZ 18.7.22).
Immerhin: eventuell kann trotz des Versagens Einzelner die Documenta insgesamt gerade noch einmal gerettet werden. Hoffen wir es!
3943: Johannes Willms ist tot.
Mittwoch, Juli 13th, 2022Johannes Willms ist tot, einer der hervorragendsten Journalisten der Bundesrepublik. Er wurde 74 Jahre alt. Er war Redaktionsleiter des ZDF-Magazins „Aspekte“ und ein Anhänger von Karl Poppers Idee der „offenen Gesellschaft“. Ein Feuilletonist und Anti-Spießer. Interesse an Geschichte und Literatur war für ihn selbstverständlich. Mit politischer Korrektheit hielt er sich nicht lange auf, weil er an das Wichtige heranwollte. Willms hat das
„Literarische Quartett“
erfunden, das uns heute noch mit Sigrid Löffler, Marcel Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek klar vor Augen steht. Willms machte dadurch Literatur gesellschaftsfähig. Von 1993 bis 2000 war er Feuilleton-Chef der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ). Populäre Kultur, klassische Rezensionen und poltisches Feuilleton bildeten die soliden Stanbeine der Berichterstattung. Willms hatte wenig Interesse für Ansätze und Methoden, bei ihm standen die Inhalte im Mittelpunkt. Der Frankreich-Kenner hat viele Bücher über unseren westlichen Nachbarn geschrieben und dazu beigetragen, dass das gegenseitige Verständnis stieg (Alexander Gorkow/Nils Minkmar, SZ 13.7.22).
3939: Meron Mendel: Entweder Frau Schormann übernimmt Verantwortung, oder sie gibt sie ab.
Montag, Juli 11th, 2022In einem Interview mit Jörg Häntzschel (SZ 11.7.22) sagt Meron Mendel, der Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, über die Documenta folgendes:
SZ: Manche erklären nach den Fehlern der Documenta den gesamten Postkolonialismsu für desavouiert.
Mendel: Es ist weniger das Scheitern einer philosophischen Denkrichtung, sondern das Scheitern des Dialogs zwischen bestimmten Denkrichtungen und Perspektiven. Es zeigt, dass sich innerhalb der deutschen Gesellschaft unversöhnliche Lager gegenüberstehen. Die einen, nicht nur Menschen aus dem globalen Süden, auch Künstler aus dem Westen, sehen sich als Opfer, beklagen, dass Zionismus und der Staat Israel die Deutschen kontrollieren. Die anderen sagen, mit Leuten aus Indonesien kann man nichts anfangen, das sind alles Antisemiten. Diese Gruppen sind in ihren Echokammern hermetisch eingeschlossen.
…
SZ: Kurz nach Ihrem Rückzug hat Hito Steyerl erklärt, sie ziehe ihre Werke von der Documenta ab. Wie kann es jetzt weitergehen?
Mendel: Ohne Struktur in der Organisation sind alle guten Ideen zum Scheitern verurteilt. Frau Schormann steht vor der Wahl. Entweder übernimmt sie die Verantwortung, oder sie gibt sie ab.
3938: Moralischer Bankrott der Documenta-Verantwortlichen
Samstag, Juli 9th, 2022Die Documenta-Verantwortlichen, allen voran Geschäftsführerin Sabine Schormann, haben zuerst antisemitische Machwerke zugelassen. Dann zu spät beseitigt. Nun behindern sie die Aufarbeitung des Skandals. Der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, ein israelisch-deutscher Pädagoge, hatte angeboten, die anderen Kunstwerke der Ausstellung auf weitere Problemfälle zu überprüfen. Mit ihrer Antwort hielt Frau Schormann ihn so lange hin, bis er sich zurückzog (Kia Vahland, SZ 9./10.7.22).
Die Documenta ist gescheitert.
Hoffentlich ist sie nicht insgesamt gefährdet.
Bitte gehen Sie nicht zur Documenta. Sie würden damit die Falschen unterstützen.
3935: Woody Allens vorläufig letzter Fim „Rifkin’s Festival“ erscheint.
Freitag, Juli 8th, 2022Jahrtehntelang erschien von Woody Allen pro Jahr ein Film. Darunter künstlerisch und ökonomisch hoch erfolgreiche Titel wie „Der Stadtneurotiker“, „Manhattan“, „Hannah und ihre Schwestern“, „Matchball“. Bis sich in der letzten Zeit dem Zeitgeist gemäß die Kampagne von Mia Farrow (seit 1992) durchsetzte. Danach hat Allen die gemeinsam Adoptivtochter Dylan missbraucht. Bewiesen ist nichts. In der HBO-Dokumentation „Allen v. Farrow“ wurden Akzente pro Farrow gesetzt.
Allens vorläufig letzter Film „Rifkin’s Festival“ war bereits 2019 fertig, fand aber zunächst keinen Verleiher. Und er zeigt ein Problem, das es in all den Jahren bei Allen nie gegeben hatte: Die Schauspieler sind nicht alle erstklassig. Während sie früher Allen dankten, wenn er sie besetzte, und für eher geringe Gagen spielten, so hatte Allen stets ein Starensemble am Start, genügen dieses Mal die Schauspieler nicht durchgängig höchsten Anforderungen. Sie vermitteln das Gefühl, dass Allen selbst nicht so richtig Bock hatte, als er sich seine Story ausdachte. So können Schmutzkampagnen wirken. Letzte Woche kündigte Woody Allen in einem Instagram-Interview mit Alec Baldwin an, der sich demonstrativ auf Allens Seite gestellt hatte, dass er noch einen Film, seinen letzten, machen werde (David Steinitz, SZ 7.7.22).
Darauf warte ich.