Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

1165: Anzeige für Merkel

Samstag, Februar 20th, 2016

In der großen Krise Europas und im Angesicht des Desasters der europäischen Flüchtlingspolitik erscheint in der „Welt“ (20.2.16) eine halbseitige Anzeige

für Angela Merkel.

Die Federführung dabei hatte die frühere Direktorin des NDR-Funkhauses Hannover, Lea Rosh. Heute hätten die Menschen in der Welt keine Angst mehr vor Deutschland. Die Anzeige bezieht sich ausdrücklich auf die Rede der Germanistin

Ruth Klüger („Weiter leben.“)

im Deutschen Bundestag: „Das war der Hauptgrund, warum ich mit großer Freude Ihre Einladung angenommen … habe, … über die früheren Untaten sprechen zu dürfen, hier, wo ein gegensätzliches Vorbild entstanden ist … mit dem bescheiden anmutenden und dabei heroischen Wahlwort: Wir schaffen das“.

Schließlich: „Frau Bundeskanzlerin, wir wünschen Ihnen Kraft und Erfolg für die kommenden Verhandlungen. Europa, dieses neue Deutschland und die Flüchtlinge brauchen Sie!“

Unterzeichner der Anzeige sind u.a. der Pianist, Dirigent und Opernintendant Daniel Barenboim, die Fernsehmanagerin Christiane zu Salm, die Schriftsteller Clemens Schick und Herta Müller, der Geiger Daniel Hope, der Berlinale-Direktor Dieter Kosslick, der Historiker Eberhard Jäckel, die Schauspieler Edgar Selge und Franziska Walser, die Theaterintendanten Frank Baumbauer und Jürgen Flimm, die Filmregisseurin Jeanine Meerapfel, der Filmproduzent Nico Hofmann und andere.

Darüber freue ich mich.

1164: Am meisten Wettbetrug beim Tennis

Freitag, Februar 19th, 2016

Knapp drei Viertel der vom Manipulationsverdacht überschatteten Sportwetten kommen aus dem Tennis. Das bestätigte die ESSA (Sports Betting Integrity) der BBC. Die in Brüssel ansässige Firma wird von Buchmachern aus ganz Europa informiert, wenn auffällig hohe Einsätze auf bestimmte Wetten vorliegen. In 73 von 100 gemeldeten Fällen handelt es sich 2015 um Tennis-Matches. Daraufhin ist im Profi-Tennis eine Task Force mit dem Namen „Independent Review Panel“ (IRP) eingerichtet worden. Sie soll der seit Jahren bestehenden „Tennis Integrity Unit“ (TIU) zuarbeiten (SZ 19.2.16).

1163: Erkenntnisse über Ernährung: gleich seit der Antike

Freitag, Februar 19th, 2016

Eva Barlösius ist Professorin für Soziologie an der Universität Hannover. Sie forscht seit Jahren zum Thema Essen. Von ihr stammen die Bücher

„Soziologie des Essens“

und

„Dicksein“.

Susanne Schäfer und Martin Spiewak haben sie für die „Zeit“ (4.2.16) befragt.

Zeit: Viele denken heute intensiv über ihre Ernährung nach: Darf ich Doppelrahm nehmen, ist das auch wirklich bio? Kennen Sie das selbst auch?

Barlösius: Nein. Ich mache mir keine Gedanken und esse eigentlich alles. Die Ernährungsforschung kann ja heute gar nichts grundsätzlich anderes sagen als das, was man in der Antike schon wusste: Man sollte

abwechslungsreich und mäßig

essen. Wesentlich mehr ist nicht gesichert.

1161: Frauenverbände kritisieren Muslim-Staatsvertrag.

Mittwoch, Februar 17th, 2016

Bremen und Hamburg haben mit Muslim-Verbänden Staatsverträge abgeschlossen, deren Ziel es ist, Muslimen einschließlich den Alewiten die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben zu erleichtern und die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung zu ermöglichen. Mit den Kirchen gleichgestellt werden sie dadurch nicht, weil diese Körperschaften öffentlichen Rechts sind, die Beamte beschäftigen und für die der Staat Steuern einzieht. M.E. muss diese Privilegierung der Kirchen unbedingt beibehalten werden.

Die niedersächsischen Frauenverbände Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros (LAG) und der Landesfrauenrat kritisieren nun den in Niedersachsen vorgesehenen Vertrag.

1. werde dadurch die Bedeutung der Religion erhöht und damit die Integration erschwert,

2. seien die türkisch-islamische Union (Ditib) und der Landesverband der Muslime (Schura) keine repräsentativen Vertreter aller Muslime. Sie seien keine anerkannten Religionsgemeinschaften im Sinne des Grundgesetzes.

Nach dem vorliegenden Vertragsentwurf würde sich Niedersachsen verpflichten, muslimische Feiertage ins Gesetz aufzunehmen. Muslimische Seelsorger sollen Zugang zu Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Gefängnissen bekommen. Die Muslim-Verbände bekämen über fünf Jahre jährlich 100.000 Euro zum Aufbau von Geschäftsstellen. Weitere Rechte wie das Tragen des Kopftuchs und Gebetsräume in Schulen ergeben sich aus Sicht der rot-grünen Landesregierung aus der Rechtsprechung (Gernot Knödler, taz 11.2.16).

M.E. laden Gebetsräume in den Schulen zur Okkupation durch strenggläubige Muslime ein. Und das Kopftuch ist ein Symbol gegen die Gleichberechtigung von Frau und Mann. M.E. kommen von den Muslim-Verbänden und den muslimischen Seelsorgern zu wenig Signale für das Grundgesetz und die Gleichberechtigung der Frauen. Im Gegenteil: meistens sind ihre wichtigsten Vorhaben das Kopftuch, die Nichtteilnahme muslimischer Mädchen an Klassenfahrten, besondere Schwimmzeiten für muslimische Frauen in Schwimmbädern etc. Und die Väter und Brüder passen auf die Moral der muslimischen Frauen auf. Rückständig, veraltet, bildungsfeindlich, im Widerspruch zu den Menschenrechten.

1160: „Über Ingeborg Bachmann wird noch viel geschrieben werden.“

Montag, Februar 15th, 2016

Ingeborg Bachmann (1926-1973) war Zeit ihres Lebens eine von Männern umschwärmte Dichterin und Frau. Helmut Böttiger nennt sie sogar „die Sphinx der neueren Literaturgeschichte“ (SZ 15.2.16). Die „Dunkelheiten des Bachmann’schen Privatlebens“ rufen heute noch immer wieder Neugier und Klatsch hervor. In den Fünfzigern war sie die „junge lyrische Göttin“, nachdem sie 1953 den Preis der Gruppe 47 erhalten hatte. In den Sechzigern in Rom wurde sie zur „geheimnisvoll sich verschließenden Dichterin“, heute ist sie eine berühmte „feministische Ikone“. Im feministischen Diskurs erscheint Ingeborg Bachmann häufig als Opfer ihrer Männer. So z.B. von

Paul Celan (1920-1970)

und

Max Frisch (1911-1991).

Manches Aufschlussreiche wissen wir aus Briefwechseln, wobei ausgerechnet der mit Max Frisch bisher nicht publiziert ist. Eine gute Quelle ist aber

Herzzeit. Ingeborg Bachmann – Paul Celan. Der Briefwechsel. Mit Briefwechseln zwischen Paul Celan und Max Frisch sowie zwischen Ingeborg Bachmann und Gisèle Celan-Lestrange. Frankfurt am Main (Suhrkamp) 2008, 399 S.

In dieser Situation erscheint nun das Buch des US-amerikanischen Germanisten Joseph McVeigh

Ingeborg Bachmanns Wien 1946-1953. Berlin (Insel) 2016, 313 S., 24,95 Euro.

McVeigh ist sehr gut informiert, seine Hauptquelle sind Ingeborg Bachmanns Briefe an ihren Entdecker, Förderer und Geliebten Hans Weigel (1908-1991). Weigel, der als Jude von 1938 bis 1945 in die Schweiz emigiert war, wurde nach 1945 in Wien zum entscheidenden Förderer junger Literatur und zum „Strippenzieher“. Unrühmlich finde ich z.B., dass ihm Anfang der Fünfziger ein Boykott der Stücke Brechts auf sämtlichen Wiener Bühnen gelungen war.

Bachmann hatte Weigel als junge Journalistin bei einem Interview kennengelernt. Sie schrieb ihm „enthusiastische Liebesbriefe“. Beispielsweise als Weigel für kurze Zeit in New York war, sie werde ihm nach seiner Rückkehr „gleich meine gefestigte Lebensanschauung ins Gesicht schleudern oder besser ins Gesicht küssen und gar nicht abwarten, ob Du willst oder nicht“.

Ingeborg Bachmann hatte „Nachlass-Angst“. In ihren Briefen spreche sie zu viel private Details an. „Irgendein so windiger, wichtigtuerischer Dissertant“ werde das später entdecken und darüber schreiben, sie sei „ein zweiundzwanzigjähriges, völlig amoralisches, minderwertiges Geschöpf, deren unerquickliche schamlose Affairen aus dem Briefwechsel Mai bis August 1948 hervorgehen“.

So etwas lesen viele von uns am liebsten.

Selbstverständlich ist meine Beschreibungsweise feministisch nicht korrekt; denn eine so große Dichterin wie Ingeborg Bachmann können wir natürlich nicht aus der Perspektive ihrer Liebhaber verstehen.

Aber als eine Perspektive unter mehreren kommt diese Sicht doch in Frage. Oder nicht?

1159: Hüther über Modernisierung

Freitag, Februar 12th, 2016

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, Michael Hüther, erläutert uns gesellschaftliche Modernisierung (Die Zeit 21.1.16):

„Seit der Jahrtausendwende hat sich – jenseits der öffentlich dominierenden Agenda 2010 – in einer relativ engen Zeitspanne ein gesellschaftspolitischer Paradigmenwechsel vollzogen. Er speist sich aus einer Vielzahl gesetzlicher Änderungen sowie politischer Initiativen und ist in der Gesamtheit weit mehr als deren Addition. Es ist eine schleichende Revolution, bislang unbemerkt und versteckt in Einzelthemen. Im Zuge des Flüchtlingszustroms zeigt sich diese grundlegend veränderte gesellschaftliche Disposition. Die Reformen entsprangen zwar keiner umfassenden Agenda, sondern sehr konkreten Anlässen und spezifischen Motiven. Dennoch haben sie einen gemeinsamen Nenner: eine Modernisierung des gesellschaftlichen Lebens, die mehr Potenziale, mehr Offenheit und mehr Vielfalt schafft.

Die Arbeitswelt wird auch deswegen bunter, weil die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften weit vorangeschritten ist, die Diskriminierung von Lebensentwürfen sanktioniert wird und die Inklusion Behinderter in das Beschäftigungssystem rechtlich weiter gefördert wird. Auch das reflektiert die veränderten unternehmerischen Anforderungen sowie eine größere Akzeptanz unterschiedlicher Lebensstile. Die gestiegene Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren hat die gesellschaftliche Realität verändert, Deutschland steht besser da als die meisten anderen OECD-Mitgliedsländer.

Die Modernisierung der Gesellschaft hat nicht nur längst begonnen. Sie ist bereits sehr weit fortgeschritten und hat zugleich eine elementare ökonomische Bedeutung bekommen. Eine Gesellschaft, die den Wandel annimmt und sich dabei öffnet, verschafft wirtschaftlichem Handeln bessere Standortbedingungen. Eine solche Gesellschaft passt zum marktwirtschaftlichen Rhythmus. Die ökonomischen Effekte und die verteilungspolitische Stabilisierung der gesellschaftlichen Mitte haben den Wandel trotz seiner tabubrechenden Qualität durchsetzbar gemacht. Mit der Flüchtlingskrise kommt der Test auf Robustheit: Halten wir aus, was wir verändert haben?“

1158: Den Massenmedien vertrauen ?

Freitag, Februar 12th, 2016

1. Nach einer aktuellen Untersuchung von Carsten Reinemann, Professor für Kommunikationswissenschaft an der LMU München, geht das Vertrauen in die Massenmedien (Presse, Radio, Fernsehen) keineswegs zurück (SZ 11.2.16).

2. Gering ist das Vertrauen bei einer kleinen, sehr radikalen Gruppe.

3. In den einschlägigen Gesetzen wird von den Massenmedien verlangt, dass die europäische Integration gefördert wird und dass die Menschenwürde geachtet bleibt.

4. Je mehr Medienfreiheiten in einem Staat gewährleistet werden, desto höher ist das Misstrauen gegenüber den Massenmedien.

5. Durch das Internet und die Social Media werden stärker radikale Positionen vertreten.

6. Das Misstrauen ist bei denen groß (z.B. bei Teilen des Immobilienkapitals), die annehmen, dass ihre persönlichen Interessen nicht gewahrt werden.

7. Die relativ geringe Stärke rechtsextremer Parteien und Gruppierungen in Deutschland wurde zeitweilig mit der Existenz der „Bild“-Zeitung begründet, die sich in der Flüchtlingsfrage aber für die Migration positioniert hat.

8. Zu den „Grenzschließern“ zählen neue Medien wie „Compact“, Online-Portale wie „Kopp“ und „Politically Incorrect“ und zum Teil Presseorgane wie „Focus“, „Junge Freiheit“ und „Cicero“. Dort verkündet u.a. der ehemalige Sannyasin und „deutsche Herrendenker“ Peter Sloterdijk: „Wir haben das Lob der Grenze nicht gelernt.“ (Micha Brumlik, taz 2.2.16; Aram Lintzel, taz 9.2.16; Herfried Münkler, Die Zeit 11.2.16)

9. Viele Menschen hatten bis vor kurzem den Eindruck, in unserer Gesellschaft seien alle ziemlich gleich, nun müssen wir lernen, dass es eine große Vielfalt der Meinungen gibt.

10. Das ist für uns kein Grund, uns alle an den rechten Rand der Gesellschaft zu bewegen.

Der Liberale Carl Christian von Weizsäcker sagt: „Die vollkommen freie Bewegung von Gütern, Produktionsfaktoren, Geld und, am allerwichtigsten überhaupt, Menschen ist ein wesentlicher Bestandteil der traditionellen libertären Philosophie.“ (Ulf Poschardt, Die Welt 30.1.16).

1157: An Luther scheiden sich die Geister.

Freitag, Februar 12th, 2016

2017 kommt mit Martin Luther (1483-1546) ein dicker Brocken in unser Bewusstsein. Natürlich nur bei denen, die das zulassen wollen. Denn Luther hat auch heute noch sehr viele Verächter und Feinde. Kürzlich gab es sogar einen Streit um den Ablasshandel, von dem ich dachte, dass der nun doch eindeutig zuzuordnen sei. Weit gefehlt. Vermutlich wird das Lutherjahr 2017 deswegen die

konfessionelle Abgrenzung

befördern und nicht den ökumenischen Dialog. Luther wird heute einerseits (in Rom) noch als

Ketzer

gesehen, andererseits als

Mitbegründer der westlichen Zivilisation und Moderne.

Dazu gibt es auch aus Rom zahlreiche Beiträge, was unmittelbar daran erinnert, dass Luther mit den römischen Verhältnissen wenig vertraut war. Das gilt heute wohl auch für viele Protestanten.

Der Historiker Heinz Schilling hat 2012 sein Luther-Buch „Rebell in einer Zeit des Umbruchs“ publiziert. Er ist ein anerkannter Fachmann. In seiner Rezension des Buchs von

Volker Reinhardt: Luther, der Ketzer. Rom und die Reformation. München (C.H. Beck) 2016

gelangt er insgesamt zu einem positiven Urteil, ohne kritische Punkte zu übersehen (SZ 11.2.16).

„Im Resultat bietet ‚Luther, der Ketzer‘ ein bedrückendes Panorama beidseitigen Fehlverhaltens und bewusst herbeigeführter Konfrontation, die Europa auf Generationen hin in ein dem islamischen Fundamemtalismus unserer Tage vergleichbares Inferno von Gewalt, Blut und Tränen versinken ließ. Das alles ist überzeugend dargestellt und entspricht (leider) der historischen Realität. Indes, dass der ‚Blick zurück in eine konfliktträchtige Vergangenheit‘, wie er hier geworfen wird, zugleich die Voraussetzung dafür bietet, ‚ sich heute zwischen den Kirchen und Nationen zu verständigen‘, muss bezweifelt werden.“

Für Schilling tritt, sofern man dafür aufnahmebereit ist, hinter allen Schwächen und Verfehlungen das geistig-intellektuelle Ringen um die Grundlagen humaner Existenz hervor. Ist es nicht Luthers größtes Verdienst, gezeigt zu haben, dass der Wert des Individuums nicht an seiner Leistung bemessen werden darf?

1156: Der Kampf gegen hohe Ticketpreise

Mittwoch, Februar 10th, 2016

In England treffen sich Vertreter aller 20 Premier League-Vereine, die in der Football Supporters Federation (FSF) organisiert sind, um die hohen Ticketpreise zu bekämpfen. Ein „normaler“ Arbeiter kann die nämlich nicht mehr bezahlen. Beim Spiel FC Liverpool gegen AFC Sunderland verließen aus Protest Tausende von Zuschauer in der 77. Minute das Stadion an der Anfield Road, um gegen die angekündigte Erhöhung der Ticket-Preise zu protestieren.

Beim FC Arsenal etwa kostet ein Ticket bis zu 126 Euro (umgerechnet), eine Jahreskarte ab 1315 Euro (umgerechnet). Die teuerste Karte für ein Heimspiel von Bayern München kostet 70 Euro. Der „Telegraph“ rechnet vor, dass bei Manchester United die Preise seit 1990 um 350 Prozent gestiegen sind. Dabei erlösen die Klubs der Premier League im Durchschnitt nur noch knapp 20 Prozent ihrer Einnahmen durch Ticketing.

Gegen die Proteste haben sich vor allem die vier Londoner Klubs FC Arsenal, FC Chelsea, Tottenham Hotspur und West Ham United ausgesprochen sowie der FC Liverpool, Manchester United und Manchester City (SZ 10.2.16).

1155: Boris Palmer (Grüne) ist skeptisch.

Dienstag, Februar 9th, 2016

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) ist für die „Welt“ (6.2.16) von Claudia Kade zur Flüchtlingspolitik interviewt worden.

Welt: Ein Schwimmbadverbot in Nordrhein-Westfalen, die Idee eines Discoverbots in Freiburg – sind wir doch nicht mehr so offen, wie wir dachten?

Palmer: Deutschland macht insgesamt einen rasanten Wandel durch. Ich kann nachvollziehen, dass Diskothekenbetreiber besorgt sind um ihr Geschäft, wenn die jungen Frauen wegbleiben, und dass in Schwimmbädern manchen Menschen mulmig wird, wenn in großer Zahl junge Männer auftauchen, die in ihrer Heimat noch nie eine Frau im Bikini gesehen haben. Ich war skeptisch gegenüber der Euphorie zu Beginn des massiven Flüchtlingszuzugs im vorigen Sommer, weil ich den Kater fürchtete, den wir jetzt haben. Wir müssen aufpassen, dass das Pendel nicht in Richtung Fremdenfeindlichkeit ausschlägt.