Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

3232: Trans-Community gegen J.K. Rowling

Montag, Januar 18th, 2021

Die „Harry Potter“-Schreiberin J.K. Rowling ist eine Weltbestseller-Autorin. Seit einiger Zeit wird sie hasserfüllt von der Trans-Community bekämpft. Denn sie hatte sich über den Ausdruck „people who menstruate“ mokiert. Es könne auch weiterhin von „Frauen“ die Rede sein. Außerdem verteidigte Rowling die konventionellen Zutrittsbestimmungen für Damentoiletten.

Unerhört?

Jetzt ist Rowling mit ihrem Krimi „Böses Blut“, den sie unter dem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlicht hatte, wieder ins Visier der Trans-Community geraten. Dabei handelt es sich um den fünften Teil einer 2013 begonnenen Krimiserie. Darin muss der Privatdetektiv Cormoran Strike einen 40 Jahre alten Fall aufklären. Der Roman umfasst über 1.200 Seiten. Verdächtig ist der heterosexuelle Serienkiller Dennis Creed, der in Frauenkleidern auftritt und sehr rational agiert. Von einem Crossdresser oder einer Transfrau kann keine Rede sein.

Für den „Daily Telegraph“ besteht allerdings Rowlings Moral darin, dass einem Mann in Frauenkleidern niemals zu trauen sei. Auf Twitter gab es die entsprechenden Reaktionen: Rowling sei eine Ratte und eine transphobe Bitch. Ihr neuer Roman zeige die Skrupellosigkeit, mit der sie Trans-Personen in Gefahr bringe. Und das nur, um mehr Bücher zu verkaufen (Ronald Düker, Die Zeit 7.1.21).

3231: Renate Harpprecht gestorben

Montag, Januar 18th, 2021

Sie hatte Auschwitz überlebt. Die 1924 in eine jüdischen Familie in Breslau geborene Renate Lasker. Ihre Eltern, der Vater Rechtsanwalt, die Mutter Violinistin, wurden 1942 deportiert und ermordet. Renate Lasker musste ins Zuchthaus, weil sie für französische Kriegsgefangene Reisepapiere gefälscht hatte. 1943 kam sie nach Auschwitz, wo sie ihre jüngere Schwester Anita, eine Cellistin, wiedertraf. Das hat ihr womöglich das Leben gerettet; denn als Mitglied des berühmten „Mädchenorchesters“ wurde Anita Lasker besser versorgt als andere KZ-Insassen. Als die Rote Armee 1944 Auschwitz näherrückte, wurden die Schwestern mit anderen ins KZ Bergen-Belsen gebracht. Hier befreite sie die britische Armee 1945. Und Renate Lasker nahm sich vor, „dass ich mir nicht den Rest meines Lebens von Hitler diktieren lasse“. Die Schwestern Lasker gingen nach London schworen sich, nie wieder deutschen Boden zu betreten, wozu es dann aber später doch kam.

Renate wurde Journalistin und arbeitete für die BBC. Schließlich sogar für den WDR in Köln. Dann berichtete sie für das ZDF aus Washington. Sie heiratete den Journalisten Klaus Harpprecht, den Thomas-Mann-Biografen und Willy Brandts Redenschreiber. Die letzten Jahrzehnte ihres Lebens wohnten die Harpprechts (Klaus starb 2016) in einem kleinen Ort in Südfrankreich. Und Renate Harpprecht wurde eine gefragte Expertin für das Leben in einem NS-Vernichtungslager. Alles gestattete sie sich und anderen, nur keine Sentimentalität! „Auschwitz erlaubt keine Altmänner-, keine Altweiberrührung.“ Renate Harpprecht ist im Alter von 96 Jahren gestorben (Matthias Nass, Die Zeit 7.1.21).

3230: Armin Laschet CDU-Vorsitzender: Aussicht auf Wahlsieg !

Sonntag, Januar 17th, 2021

Die Wahl von Armin Laschet zum CDU-Parteivorsitzenden verspricht der Union (CDU und CSU) den Machterhalt am 26. September 2021 bei der Bundestagswahl, falls Laschet Kanzlerkandidat wird. Er steht für Integration der Unionsparteien, Kontinuität der Politik der Bundesregierung und Erfolg. Und er kann mit den Grünen. Markus Soeder müsste den Bayern-Malus überwinden. Und Friedrich Merz hat ja nun genug verloren. Wie er auf die Idee gekommen ist, sich als Wirtschaftsminister vorzuschlagen, ist mir schleierhaft.

Armin Laschet hatte die Stichwahl knapp mit 521 zu 466 gegen Friedrich Merz gewonnen. Am Freitag muss die Wahl durch Briefwahl bestätigt werden. Laschet hatte in seiner Bewerbungsrede gesagt, es gelte „Klartext zu sprechen, aber nicht zu polarisieren“. Und er fügte hinzu: „Die Geschichte der CDU war meistens erfolgreich, wenn auch der CDU-Vorsitzende bereit war, Kanzlerkandidat zu sein.“ Am 14. März gibt es für die CDU nicht aussichtsreiche Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Im Südwesten hat die Partei die falsche Kandidatin und in Rheinhessen hat Malu Dreyer (SPD) sich eine Aura aufgebaut, die kaum zu schlagen ist. Da muss Armin Laschet aufpassen. Paul Ziemiak bleibt CDU-Generalsekretär (Konrad Schuller, Frank Pergande, FAS 17.1.21).

3229: Nord Stream 2 kann weitergebaut werden.

Samstag, Januar 16th, 2021

Die Bauarbeiten an der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 können weitergehen. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie genehmigte am Freitag, dass an der direkten Gasverbindung von Russland nach Deutschland bis Ende Mai weitergebaut werden darf. Eigentlich herrscht zwischen Herbst und Sommer aus Naturschutzgründen ein Baustopp. Die Arbeiten könnten aber mit begrenzten Eingriffen und unter Wahrung des Vogelschutzes erfolgen. Im vergangenen Jahr hatte sich der Bau wegen Sanktionsdrohungen der USA verzögert (FAZ 16.1.21).

3228: Fatih Akin lobt die klassischen Medien.

Freitag, Januar 15th, 2021

Fatih Akin ist einer der am höchsten ausgezeichneten deutschen Filmregisseure. 2004 erhielt er für „Gegen die Wand“ den Goldenen Bären der Berliner Filmfestspiele, 2017 den Golden Globe für „Aus dem Nichts“. Nun hat er einen Werbefilm für die „taz“ (taz.de/keine angst) gedreht. Deswegen hat Lena Kaiser ihn interviewt (taz, 9./10.1.21).

taz: Fatih, du hast deinen ersten Werbefilm überhaupt für die taz gemacht. Aus welcher Überzeugung heraus?

Akin: Ich lese mich gerade durch das Werk von Jaron Lanier und war erschrocken, wie wenig Leute ihre Informationen noch aus den klassischen Medien, also geprüften Organen wie Zeitungen beziehen. Immer mehr Leute nutzen soziale Medien, in denen die Algorithmen getrimmt sind. So entstehen Blasen. Wenn du googelst, die Erde ist flach, und dir das ein paar mal reinziehst, gibt dein Computer dir mehr davon. So wird Wahrheit etwas Individuelles. Das widerspricht meiner Überzeugung, und ich wollte aktiv etwas gegen diese Entwicklung tun. So kam mir die Idee zu dem Werbespot.

taz: Inwiefern haben sich die Macht der Bilder und die Mittel der Manipulation bis heute weiterentwickelt?

Akin: Die Macht der Bilder war immer groß. Was sich verändert hat, ist, dass man die Bilder sofort mit der ganzen Welt teilen kann. Im Fall von George Floyd ist das natürlich positiv – eine Straftat wird augenblicklich bezeugt und dient der ganzen Welt als Beweis. Es kann aber genau so gut in einem anderen Fall negativ sein. Außerdem lassen sich Bilder heute viel leichter manipulieren. Mit einer Morphing-App kann man Gesichter auf Bildern tauschen, und das wird technisch immer besser, so dass man es nicht mehr erkennen kann. Das überfordert uns auf jeden Fall.

taz: Auch die gedruckten Zeitungen sind in Bedrängnis geraten, weil es immer weniger Leser*innen gibt und das Vertriebssystem an seine Grenzen stößt. Siehst du da Parallelen zum Kino?

Akin: Der größte Unterschied ist, dass man eine Zeitung – sei’s auf Papier oder in der App – allein liest. Im Kino bist du gemeinsam. Ich lese immer noch Bücher und nicht auf dem Kindle. Das habe ich nicht gelernt und muss es auch nicht, solange es noch Bücher gibt.

3227: Norbert Röttgen gegen Koalition mit der FDP

Donnerstag, Januar 14th, 2021

Der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Norbert Röttgen, hat sich gegen eine Koalition der Union mit der FDP ausgesprochen. „Auf eine Partei, die mal Lust hat zu regieren und dann wieder nicht, kann man sich nicht verlassen. Das sind unsichere Kantonisten, auf die ich nicht setzen würde.“ Die FDP habe „ein historisches Versagen zu verantworten, indem sie sich nach zwei großen Koalitionen einem neuen Anfang und der Regierungsverantwortung verweigert hat“. Das ist eine Absage des CDU-Außenpolitikers an ein Jamaika-Bündnis (Union, Grüne, FDP) oder ein schwarz-gelbes Bündnis. Erst kürzlich hatte die FDP sich für eine Jamaika-Koalition ausgesprochen.

Um so heftiger sind Reaktionen aus der FDP. Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP im Bundestag, Marco Buschmann, hält Röttgen vor, dass er die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2012 „krachend vergeigt“ habe und später von Angela Merkel als Umweltminister entlassen worden sei. Röttgens Vorgehen sei „taktisch unglaublich dumm“, so Buschmann, im Wettkampf um den CDU-Vorsitz habe er sich damit „ein Stück weit aus dem Spiel genommen“. In der Union würde es nicht gerne gesehen, dass man sich „perspektiv- und alternativlos an die Grünen ketten möchte“. Der FDP-Generalsekretär, Volker Wissing, wirft Norbert Röttgen „Habeckisierung“ der Union vor (Daniel Brössler, SZ 14.1.21).

Hier haben wir es mit dem Fall zu tun, dass Norbert Röttgens Einschätzung der FDP zwar treffend ist, ihn selbst im Rennen um den CDU-Vorsitz aber schwächt, weil es bei der FDP immer sein kann, dass sie die 5 Prozent erreicht.

3226: Die Angst vorm Impfen ist kulturell tief verwurzelt.

Donnerstag, Januar 14th, 2021

Peter Paul Rubens (1577-1640) malte (um 1630), wie Achilles von seiner Mutter Thetis in den Fluss Styx getaucht wird, ohne dass Wasser an seine Ferse gelangt. Sie blieb deshalb seine Achillesferse. Bei Honoré Daumier (1808-1879) zwickt dem entsetzten Kind sogar noch ein Flusskrebs in die Nase. Und bei Siegfrieds Bad im Drachenblut blieb in der Größe eines Lindenblatts Platz frei. Alles Bilder von Impfschäden. Es geht dabei weniger um Medizin als um Kultur. Können auf diese Art nicht Autismus, plötzlicher Kindstod, Krebs und Alzheimer in die Welt kommen? Ja, manchmal wird das Vokabular des Militärs bemüht, da wo „Abwehrkräfte gestärkt“ werden sollen. Hier werden Aversionen gegen das Impfen deutlich. Anglikanische Bischöfe sprachen von „Injektionen von Sünde“. Die gespritzten Stoffe waren „Hexengebräu“.

Der Begriff der „Herdenimmunität“ rührt daher, dass Edward Jenner (1749-1823) versuchsweise ahnungslose Bauernkinder mit Kuhblattern infizierte. Das Volk sozusagen wie eine Kuhherde auf dem Weg zur Schlachtbank. „Herdenimmunität“ impliziert auch „Herdenmentalität“. Und da sind wir schon bei den gegenwärtigen „Querdenkern“. Kurz vor Bram Stokers „Dracula“, 1880, wurde in England vor dem „Vaccination Vampire“ gewarnt. Karl Marx (1818-1883) hatte die vampirische Natur des Kapitals beschworen. Bei den Impfgegnern geht es heute um „antikapitalistische“ und „libertäre“ Impulse. Weniger um die Sache selbst.

Und wenn Susan Sontag (1933-2004) verlangt hatte, Krankheiten als Krankheiten zu behandeln und nicht als kulturelle Metaphern, so hat sie sich bis heute damit nicht durchgesetzt. Mehr denn je ist „Schulmedizin“ ein Schimpfwort. Und die „Ganzheitlichkeitspropheten“ sehen im Krebs nur einen „Boten“. Die „Homöopathie“ kommt ohne medizinische Evidenz aus, dafür sind ihre Thesen von hoher Poesie. Lange Zeit hat sich die Schulmedizin selbst in Bildern ausgedrückt und in Mythen verkörpert. Da brauchen wir uns über die aktuelle Impfgegnerschaft nicht zu wundern. Obwohl sie regelmäßig unbegründet ist und in vielen Fällen von tödlichem Ausgang begleitet wird (Peter Richter, SZ 12.1.21).

3225: Impfpflicht würde Impfgegner stärken.

Mittwoch, Januar 13th, 2021

Es wäre wünschenswert, dass sich viele Menschen gegen Covid-19 impfen lassen. Zum Beispiel gibt es seit März 2020 das Masernschutzgesetz. Danach dürfen nur Kinder in den Kindergarten oder in die Schule, die gegen Masern geimpft sind. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Dennoch gibt es bei uns immer noch viele Menschen, gerade

aus dem Umkreis der Grünen und Linken,

die wegen angeblicher Nebenwirkungen das Impfen ablehnen. Dabei wird auch viel Unsinn über mögliche Nebenwirkungen verbreitet. Nein, das Erbgut wird nicht verändert. Und die Bundesregierung unterwirft sich nicht dem Diktat der skrupellosen Pharmaindustrie. Es ist erstaunlich und bedauerlich, dass die Skepsis

auch für viele Pflegekräfte in Alten- und Pflegeheimen

gilt. In der Grippesaison 2016/2017 ließen sich gerade einmal 40 Prozent von ihnen impfen, 61 Prozent der Ärzte, 33 Prozent des Pflegepersonals. Sie riskieren ja nicht nur ihre eigene Gesundheit, sondern gerade auch die ihrer Schutzbefohlenen. In den vergangenen Monaten haben sie nicht nur getröstet, gepflegt, Medikamente, Essen und frische Wäsche gebracht, sondern

manchmal auch den Tod.

Eine geimpfte Pflegekraft fällt nicht krankheitsbedingt wochenlang aus, sondern kann sich um die Alten und zu Pflegenden kümmern. Im Vergleich zu Masern ist die Covid-19-Erkrankung wesentlich gefährlicher. Gegenwärtig gibt es beim Impfen dagegen erstaunlich wenig Nebenwirkungen. Langfristige Komplikationen (die nie ganz auszuschließen sind) sind nach dem, was wir bisher wissen, nicht zu erwarten.

Trotzdem sollte keine Impfpflicht angeordnet werden; denn sie verstärkt nur die Gruppe der Impfgegner. Überzeugen, aufklären, zum Vorbild werden, immer und immer wieder – das ist der richtige Weg (Sebastian Beck, SZ 13.1.21; Werner Bartens, SZ 13.1.21)

3224: Regulierung sozialer Medien

Mittwoch, Januar 13th, 2021

Twitter hat den Account von Donald Trump gesperrt. Das ist einerseits politisch hocherfreulich, andererseits verfassungspolitisch gefährlich. Denn die sozialen Medien dürfen nicht allein entscheiden, was zu sperren ist. Dazu bedarf es eines Gesetzes. Wie Angela Merkel es bereits angemerkt hat.

In der EU soll es den Digital Services Act (DSA) und den Digital Markets Act (DMA) geben. Das erste Gesetz regelt, wie sich Plattformen verhalten sollen, wenn auf ihren Seiten verbotene Inhalte geteilt werden. Das zweite betrifft die Wettbewerbschancen kleiner Firmen. Weil Portugal die Ratspräsidentschaft in der EU übernommen hat, betonte der portugiesische Wirtschaftsminister Pedro Siza Vieira: „Wenn wir jetzt keine Regeln finden, damit die digitalen Märkte sich entwickeln können, werden wir das bereuen.“

Fachleute glauben, dass dann, wenn es bereits Regulierungsgesetze gegeben hätte, kein Sturm auf das Kapitol möglich gewesen wäre. Die EU ist der Schmerzpunkt der Digitalkonzerne. Als Australien Google und Facebook regulieren wollte, drohten diese, sich aus dem Land zurückzuziehen. Das könnten sie sich bei der EU wegen deren wirtschaftlicher Größe gewiss nicht erlauben (Karoline Meta Beisel, Jannis Brühl, SZ 13.1.21).

3223: FBI befürchtet bei Amtseinführung Joe Bidens Gewalt.

Mittwoch, Januar 13th, 2021

Das FBI befürchtet bei der Vereidigung Joe Bidens am 20. Januar zum US-amerikanischen Präsidenten Gewalt in allen 50 Bundesstaaten. Biden selbst zeigte sich unbeeindruckt: „Ich habe keine Angst, den Eid im Freien abzulegen.“ In Washington werden am 20. Januar zur Verstärkung 10.000 Nationalgardisten erwartet. Ggf. nochmals 5.000 Soldaten. Als Trumps Anhänger am 6. Januar nach Aufforderung durch den Präsidenten das Kapitol stürmten, starben fünf Menschen (SZ 13.1.21).