Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

3373: Michel Foucault: Welchen Einfluss hat die Pädophilie auf sein Werk ?

Donnerstag, April 22nd, 2021

In Frankreich ist es in intellektuellen Kreisen üblich, Privates nicht in die Öffentlichkeit zu bringen. Das gilt als Ausweis der Reife und Toleranz. Es erstreckt sich auch auf sexuelle Vorlieben. So galt André Gide (1869-1951) als größter französischer Schriftsteller. Er war pädophil. 1947 erhielt er den Literatur-Nobelpreis. Er soll Paul Claudel geantwortet haben: „Ich habe es mir nicht ausgesucht, so zu sein.“ Einem zeitgenössischen Philosophen der ersten Linie, Alain Finkielkraut, war es vorbehalten, diese französische Tradition, den großen Schriftstellern ihre Sünden zu vergeben, zu kritisieren.

Neuerdings nun ist der Philosoph Michel Foucault (1926-1984) in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Er gilt als der meistzitierte französische Philosoph. In seinem schon beinahe unüberschaubar umfangreichen Werk stellt er „Machtbeziehungen“ in den Mittelpunkt („Die Geburt der Klinik“, „Wahnsinn und Gesellschaft“, „Die Ordnung der Dinge“, „Archäologie des Wissens“, „Überwachen und Strafen“). Foucault gilt als Überwinder von 1968 und als Begründer der „Los-von-Marx-Theologie“, als Post-Strukturalist. Er hat das Regime der Mullahs in Persien ab 1979 gelobt. Von 1970 bis zu seinem Tod an Aids 1984 hat Foucault am Collège de France geforscht und gelehrt. 1989 hat Didier Eribon seine Biografie veröffentlicht.

Interessierten unter uns war Foucault als pädophil bekannt. Von 1966 bis 1969 war er Gastprofessor in Tunis. Dort hat er anscheinend seine Neigung exzessiv ausgelebt. In seinem Spätwerk („Der Gebrauch der Lüste“, „Die Geständnisse des Fleisches“) spielte die Pädophilie (bei Foucault „Liebe zu Jungen“) eine überragende Rolle. Ein britischer Rezensent bezeichnete Foucault als „Prophet der Päderasten“. 1977 hat Foucault gemeinsam mit Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und Jacques Derrida eine Petition unterzeichnet, die das Mindestalter für einvernehmliche sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen und Jugendlichen auf unter fünfzehn gesenkt wissen wollte. Nach alter Art wird Foucaults Verhalten gerechtfertigt (wie das auch Hartmut von Hentig bei Gerold Becker getan hatte): „Foucault war kein Pädophiler, sondern er wurde von den Knaben verführt.“ 1978 hatte Foucault behauptet, dass Kinder gut einschätzen könnten, ob sie einvernehmlichen Sex wollten oder nicht.

Nun haben sich Kundige zu Wort gemeldet. Einmal die Pariser Literaturprofessorin Tiphaine Samorault, die eine Biografie über Foucaults Freund und Liebhaber Roland Barthes geschrieben hat. Sie sagt: „Die Vorwürfe sind glaubwürdig, was Foucaults Ausnutzung der Kinderprostitution in Nordafrika betrifft, und der aktuelle Kontext macht diese sogenannten Enthüllungen spektakulär.“

Die Enthüllungen stammen u.a. von der Journalistin Chantal Charpentier, die 1969 mit einem Freund Foucault in Tunesien besucht hatte. „Foucault behandelte die Kinder … auf demütigende Art. Foucault führte sich wie ein Kolonialist auf, und ich möchte mir nicht vorstellen, wie er sexuell mit den Jungen des Dorfes umging.“

Wie Foucault mit den tunesichen Jungen umging, schildert der französische Essayist und Unternehmer Guy Sorman, der Foucault ebenfalls 1969 besucht hatte. Er kaufte „kleine Jungs in Tunesien .., unter dem Vorwand, dass sie Recht auf einen Orgasmus hätten. Er verabredete sich mit ihnen auf dem Friedhof von Sidi Bou Said, im Mondlicht, und vergewaltigte sie auf den Gräbern.“ „Ich glaube, es ist wichtig, zu wissen, ob ein Autor ein Schweinehund ist oder nicht … und diese Dinge mit kleinen Kindern waren schändlich. Die Frage nach ihrem Einverständnis wurde gar nicht gestellt.“ Als Kinderficker war Michel Foucault gewiss ein Experte für „Machtbeziehungen“.

Manche Blätter in Frankreich berichten auffällig wenig über Foucaults Sexualleben. Wahrscheinlich weil sie ahnen, wie sehr die Pädophilie Teil seines Werks und Denkens ist. Foucault vergötterte die Antike, in der die Knabenliebe hoch im Kurs stand. Ein großer Teil seiner Zivilisationskritik setzt erst ein mit dem Christentum, dem er Unterdrückung der Sexualität (Jungfräulichkeit, Ehe etc.) vorwarf. Michel Foucault war ein prominenter Teil des Sextourismus französischer Intellektueller in die ehemaligen Kolonien (eine Form des Kolonialismus). „Es ist wichtig, darüber zu reden“, sagt Tiphaine Samorault. „Es gibt keine Ungerechtigkeit, die nicht aufgedeckt gehört.“ (Georg Blume, Zeit 8.4.21; Willi Winkler, SZ 9.4.21).

3372: Bundesrepublik Deutschland: Rückfall bei der Pressefreiheit

Mittwoch, April 21st, 2021

Auf der „Rangliste der Pressefreiheit 2021“ von „Reporter ohne Grenzen“ ist Deutschland von Rang elf auf Platz 13 zurückgefallen. Grund ist die zunehmende Gewalt auf Demonstrationen gegen Corona-Schutzmaßnahmen. Verantwortlich sind dafür Rechtsextreme, Querdenker und Esoteriker. Mindestens 65 mal ist in diesem Zusammenhang massive Gewalt gegen Journalisten geübt worden. Zudem wurden Journalisten bedrängt, beleidigt und bedroht und teils massiv an der Arbeit gehindert.

Auf der Querdenken-Demonstration in Leipzig am 7. November 2020 gab es Todesdrohungen. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert deswegen mehr Schutz für Berichterstatter auf Demonstrationen. Der Deutsche Presserat hatte der Innenminister-Konferenz einen eigenen Vorschlag vorgelegt. Daran waren Zeitungs- und Zeitschriftenverleger, Gewerkschaften, öffentlich-rechtlicher und privater Rundfunk beteiligt.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) forderte ein entschiedenes Vorgehen der Polizei bei Straftaten und eine konsequente strafrechtliche Verfolgung der Täter. Die Deutsche Polizeigewerkschaft verurteilte Angriffe auf Medienschaffende auf das Schärfste. Laut „Reporter ohne Grenzen“ ist die Lage der Pressefreiheit nur noch in zwölf Ländern „gut“. In 73 von 180 Ländern werde unabhängiger Journalismus weitgehend oder vollständig blockiert, in 59 ernsthaft behindert (Aurelie von Blazekovic, SZ 21.4.21).

3371: Fritz Güntzler, Göttingen, gehört zu den Verlierern im Unions-Machtkampf.

Dienstag, April 20th, 2021

Der Göttinger CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler hatte sich für den bayerischen Ministerpräsidenten als Unions-Kanzlerkandidaten ausgesprochen (vgl. hier 3360). Er gehört damit zu den Verlierern im unionsinternen Machtkampf.

3370: Armin Laschet Kanzlerkandidat

Dienstag, April 20th, 2021

Armin Laschet ist vom CDU-Bundesvorstand mit 31 Stimmen (67,39 %), bei neun Gegenstimmen (19,56 %) und sechs Enthaltungen (13,04 %) zum Kanzlerkandidaten der Union gewählt worden (vgl. meine Prognose unter 3355).

3369: Thomas Schmid: Der Holocaust war kein Kolonialverbrechen.

Montag, April 19th, 2021

1. Thomas Schmid (Zeit 8.4.21) widerspricht Michael Rothberg und Jürgen Zimmerer, die behauptet hatten, der Holocaust sei ein kolonialistisches Verbrechen.

2. Zu Recht habe das „Team Habermas“ im Historikerstreit 1986 Ernst Nolte widersprochen, der den Holocaust in den Windschatten des Archipel Gulag habe stellen und damit relativieren wollen.

3. Noltes Gegner hätten allerdings den Fehler gemacht, einen  Vergleich zwischen dem Holocaust und dem Archipel Gulag verbieten zu wollen. „Ein Fehler war das, weil für die Auseinandersetzung mit Geschichte der Vergleich nun einmal unersetzlich ist.“

4. „Im Holocaust .. wurden Juden allein deswegen ermordet, weil sie Juden waren. Dieser Wille der Deutschen, ein ganzes Volk auszulöschen, ist einmalig in der Geschichte. So blutig und mörderisch der Kolonialismus auch war – Ziel war nicht die Vernichtung um der Vernichtung willen. Deswegen ist der Holocaust singulär. Er war ein antisemitischer Genozid.“

5. Adolf Hitler habe zwar den Osten unterwerfen, aber nie ein Kolonialreich errichten wollen.

6. So autoritär die Traditionen im deutschen Kaiserreich auch gewesen seien, es könne keine direkte Linie vom Massenmord an den Herero und Nama zum Holocaust gezogen werden.

7. Es wäre sonst im übrigen kaum erklärbar, dass die Deutschen den Holocaust begangen hätten und nicht die Franzosen oder Belgier, die eine viel längere und brutalere Kolonialgeschichte gehabt hätten als die Deutschen.

8. „Man fragt sich, warum gut bestallte Professoren in solch tiefe Schubalden greifen und ganz ungehemmt falsche Behauptungen in die Welt setzen. Es mag daran liegen, dass sie eine eigenartige Form von Wissenschaft betreiben: eine dem Zeitgeist verpflichtete.“

9. Wer an der Einzigartigkeit des Holocaust festhält, verteidigt nach Rothberg und Zimmerer automatisch die Herrscherstellung der Weißen.

10. In der heutigen Zeit des Generalverdachts gegen den weißen Mann und die weiße Frau stellt man – in den USA und bei uns – den Holocaust gerne hinter den Kolonialismus.

11. Der „Westen“ hat der Welt die Elektrizität, das Penicillin, das Auto und die Menschenrechte beschert. Er hat aber auch große Teile der Welt in Abhängigkeit gebracht und in ihrer Entwicklung gehemmt. Der Ausweg aus dieser Misere kann jedoch nicht in der Abkehr vom Westen bestehen. Sondern in dem selbstkritischen, aber auch selbstbewussten Verfolgen seiner Prinzipien.

12. Eine Welt der freien und gleichen Staaten kann es nicht geben, wenn wir uns abwenden vom Universalismus. Er gehört unabdingbar zur europäisch-amerikanischen Moderne.

3368: Annalena Baerbock ist Kanzlerkandidatin der Grünen.

Montag, April 19th, 2021

Damit haben wir nun mit Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) zwei respektable Kanzlerkandidaten. Der Kandidat von CDU und CSU ist durch das Unions-Procedere schwer beschädigt.

3367: CDU/CSU: gestört und verwirrt

Montag, April 19th, 2021

1. CSU-Kanzlerkandidaten haben bisher für die Union eine Wahlniederlage verbürgt: 1980 Franz-Josef Strauß, 2001 Edmund Stoiber.

2. In den aktuellen unionsinternen Machtkämpfen haben einige Wort gehalten: z.B. Armin Laschet und Friedrich Merz. Markus Söder hat sein Wort gebrochen, nachdem er versprochen hatte, dem Votum der CDU zu folgen.

3. Dass gekränkte Wahlverlierer wie Norbert Röttgen (er verlor gegen Hannelore Kraft in NRW 2012) sich für Markus Söder aussprechen, schadet diesem.

4. Dass in ihrer Not Reiner Haseloff (Sachsen-Anhalt) und Tobias Hans (Saarland) Armin Laschet in den Rücken fallen, ist ein Signal der Unzuverlässigkeit.

5. Dass die einzige Vertreterin der Berliner Christdemokraten im CDU-Präsidium, Monika Grütters, dort für Armin Laschet plädiert, obwohl am gleichen Tag das Berliner CDU-Präsidium für Markus Söder votiert, lässt sehr tief blicken.

6. Für Laschet plädiert haben der

schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther,

die Frauen-Union und

die Sozialausschüsse.

Gegen ihn die Junge Union.

7. Insgesamt wirkt die Union im Ganzen schwer gestört und verwirrt. Sie sollte die nächste Wahlperiode in der Opposition verbringen, um wieder zu Kräften und zur Vernunft zu kommen.

3366: OLG München urteilt gegen Alfred Sauter (CSU).

Montag, April 19th, 2021

In der Maskenaffäre hat das OLG München einen sogenannten Vermögensarrest gegen den ehemaligen bayerischen Justizminister Alfred Sauter (CSU) verhängt. In Höhe von ca. 1,2 Millionen Euro. Das bedeutet, die Justiz hat bei ihm Vermögen sichergestellt. Er steht unter Korruptionsverdacht (SZ 19.4.21).

3365: Vor 500 Jahren: Luther vor dem Reichstag in Worms

Sonntag, April 18th, 2021

Am 17. und 18. April 1521 trat Martin Luther vor dem Reichstag in Worms auf. In der Kluft eines Augustinermönchs mit Ledergürtel und ungewöhnlich großer Tonsur:

„Wenn ich nicht durch Schriftzeugnisse oder einen klaren Grund widerlegt werde – denn allein dem Papst oder den Konzilien glaube ich nicht, da es fest steht, dass sie häufig geirrt und sich auch selbst widersprochen haben, so bin ich durch die von mir angeführten Schriftworte bezwungen. Und solange mein Gewissen durch die Worte Gottes gefangen ist, kann und will ich nichts widerrufen, weil es unsicher ist und die Seligkeit bedroht, etwas gegen das Gewissen zu tun.“

Dem hat die lutherische Propaganda später noch angefügt:

„Ich kan nicht anderst/hier stehe ich/Got helff mir/Amen.“

Das wurde das Credo der Reformation. Auf dem Rückweg von Worms ließ der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise Luther zu seiner Sicherheit und zum Schein festnehmen und auf die Wartburg bringen, wo er die Bibel übersetzte.

3364: Grüne überlegen Boykott der Winterspiele 22 in Peking und der Fußball-WM 22 in Katar.

Samstag, April 17th, 2021

Die menschenrechtspolitische Sprecherin der Grünen im Deutschen Bundestag, Margarete Bause, empfiehlt dem Hohen Hause, sich zu den Olympischen Winterspielen in Peking zu äußern. Deutsche Politiker sollten sich nicht zur Staffage für chinesische Propaganda machen lassen. Bause verweist auf die mehr als eine Million uigurischer Muslime und die chinesischen Aggressionen gegen Hongkong und Taiwan und benennt gezielt deutsche Sponsoren. Die Abgeordnete Claudia Roth erklärt, sie habe sich schon von den Olympischen Spielen 2008 in Peking eine neue Pressefreiheit in China erhofft. Das sei wohl eine „romantische Vorstellung“ gewesen. Die Grünen wollen erreichen, dass sich auch Sportler selbst zur Lage der Menschenrechte vor Ort äußern dürfen.

Ähnlich unmöglich wie die Winterspiele 2022 in Peking ist die Fußball-WM in Katar 2022. Nach einem Bericht des „Guardian“ sind dort seit der WM-Vergabe 6.500 Gastarbeiter gestorben. Inzwischen soll es in dem Emirat leichte Verbesserungen geben, einen Mindestlohn und die Abkehr vom

Kafala-System,

das manche Beobachter mit sklavenähnlichen Verhältnissen vergleichen. Der Abgeordnete Peter Heidt (FDP) zeichnete allerdings kein rosiges Bild von den Verhältnissen in Katar. Das Kafala-System sei noch gar nicht richtig abgeschafft. Es bestehe die Gefahr, dass Reformen nach einer Großveranstaltung schnell wieder verpufften (Johannes Knuth, SZ 16.4.21).

W.S.: Alle genannten Großveranstaltungen (auch die Spiele in Tokio) sind politisch-moralisch so verrottet, dass sie abgesagt werden sollten. Nur das IOC glaubt noch an seine eigene Propaganda von den sauberen Spielen.