Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

3540: Michel Barnier will französischer Präsident werden.

Sonntag, August 29th, 2021

Er hat die EU bei den Brexit-Verhandlungen mit Großbritannien zusammengehalten. Seriös, entschlossen, erfolgreich, Michel Barnier, 70. Nun will er französischer Präsident werden. Ein guter Kandidat. Er stellt eine Alternative dar zu Macron, der große Reden hält, an die sich die Franzosen dann nicht halten. Barnier hat sehr, sehr viele EU-Erfahrungen. Er beklagt zu viel Bürokratie, zu viel Naivität und zu viel Deregulierung. Sein kollektiver und respektvoller Führungsstil, heute beinahe entscheidend, verspricht Aussichten auf Erfolg für die ganze EU. Mit Deutschland kann Barnier sich arrangieren, sofern Deutschland konstruktiv mitwirkt.

Der konservative Politiker ist, zum Glück, sicherheitspolitisch ehrgeizig. Er will das französische Militärbudget auf 3 Prozent steigern. Sehr richtig! Für eine begrenzte Zeit will Barnier die französischen Grenzen schließen, damit die Einwanderungs- und Asylpolitik neu formuliert werden kann. Dazu stellt er ein Referendum im Mai 2022 in Aussicht. Der frühere Landwirtschafts- und Außenminister setzt auf Verlässlichkeit. Er saß im EU-Parlament, war zweimal EU-Kommissar. 1992 hatte er gemeinsam mit Jean-Claude Killy die Olympischen Winterspiele in seiner Heimatsatdt Albertville organisiert (Michalela Wiegel, FAZ 28.8.21).

3539: Georg Stefan Troller wird 100.

Freitag, August 27th, 2021

Einer der Großen im deutschen Journalismus, der am 10. Dezember 1921 in Wien geborene Georg Stefan Troller, wird bald 100 Jahre alt. Wer sich je einmal auf seine Präsentationen eingelassen hatte, stand fortan in seinem Bann, auch dem seiner Stimme. Er bestimmte das „Pariser Journal“ beim WDR und „Personenbeschreibung“ beim ZDF in den sechziger und siebziger Jahren. Im Vorlauf zu seinem Geburtstag wurde Troller von seinem Freund, dem Schriftsteller Peter Stefan Jungk, der in Paris lebt, in seinem Landhaus in der Normandie interviewt (Literarische Welt, 14.8.21).

Jungk: Ich weiß, du bist kein Freund der Psychoanalyse. Was sagt dir deine Selbstanalyse?

Troller: Ich habe mein Leben lang versucht, ein neuer Mensch zu werden – Transformation, Wandlung – das war mein Um und Auf. Ich wollte nicht der kleine, verhasste typische Jude sein, den man auf der Straße anspucken konnte. Dazu gehört, dass ich nie mit jüdischen Frauen geschlafen habe, die ich als meine Schwestern empfand, oder als mich selbst.

Jungk: Dein Vater hatte etwas Despotisches an sich, scheint mir.

Troller: Man durfte vor ihm nie von Sexualität sprechen. Als er mich einmal mit einem Buch von Sigmund Freud erwischte, es war „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten“, hat er mir das Buch aus der Hand gerissen: „Wir befassen uns nicht mit diesem Schmutzzeug.“ Dabei ging es doch bloß um jüdische Witze.

Jungk: Deine Stimme macht ja 50 Prozent der Wirkung aus!

Troller: Das wollte ich nie wahrhaben. Aber es war wirklich so, dass meine Texte, mein Kommentare, meine Interview-Fragen ihr eigenes Gewicht einbrachten. Ich hatte seinerzeit in der Schule bei „Faust“-Lesungen im Klassenzimmer das Gretchen zu lesen, weil meine Stimme so mädchenhaft klang. Und dann kam ich nach Amerika, arbeitete als erstes in einem Konfektionsladen, und da gab es viele schwarze Frauen. Eine von ihnen sagte zu mir: „Oh Mister – Ihre Stimme ist so schön! Sie sollten zum Radio gehen!“ Das war das erste Mal, dass ich so etwas zu hören bekam.

Jungk: Aber du hast diese Gefühle nie mit deiner jüdischen Herkunft verbunden?

Troller: Das Judentum hat mich immer etwas fremd gelassen. Das heißt nicht, dass ich mich zu einer anderen Religion bekehrt hätte, aber zu einer Art Pantheismus. Alles ist göttlich. Auch die menschliche Seele. Ich glaube allerdings nicht an Seelenwanderung, das kann ich mir nicht vorstellen. Wir haben unsere Chance gehabt in dieser Welt. Das Göttliche mitgespürt zu haben, ist es schon wert, gelebt zu haben. Es war schön, wenn Mutter einem nachrief, als man mit den Männern zur Synagoge ging: „Bet‘ dir alles Gute aus!“ Das ist doch ergreifend.

3538: Erich Kästners „Fabian“ im Film

Donnerstag, August 26th, 2021

Erich Kästner (1899-1974) hat nicht nur „Emil und die Detektive“ (1929) geschrieben und „Das doppelte Lottchen“ (1949), sondern auch „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“ (1931) (in der geschärften Version: „Fabian oder der Gang vor die Hunde“). Hier gibt er mehr von sich selber preis. Eine große Portion Realitätssinn und Bitterkeit ist typisch für Erich Kästner. Er stand für die „innere Emigration“ und musste sich etwa von Walter Benjamin für seine „linke Melancholie“ tadeln lassen, wobei wir nicht genau wissen, welcher Melancholie sich Benjamin selbst verpflichtet sah, als Kommunist wahrscheinlich der sowjetischen, die konnten wir dann bis 1991 noch genießen. Und tatsächlich hat Erich Kästner (unter dem Pseudonym Berthold Bürger) den „Münchhausen“ (1942) mit Hans Albers geschrieben, einen Film der Nazi-Propaganda. Alles nicht so einfach.

Erich Kästner hat nicht gewollt, dass sein „Fabian“ verfilmt wurde, so hat es Regina Ziegler geschildert, die so erfolgreiche Filmproduzentin, deren Mann Wolf Gremm (geb. 1942) 1980 den ersten „Fabian“ (mit Hans-Peter Hallwachs) herausbrachte. 2021 ist Dominik Grafs (geb. 1952) „Fabian“ erschienen, ein ganz anderer Film und doch auch Kästners Geist verpflichtet. Dieser war politisch relativ illusionslos. Sein Roman hatte keinen Plot und schilderte doch das Scheitern eines aufgeklärten männlichen Zeitgenossen vom Ende der zwanziger Jahre. Ungebunden, sexuell sehr aktiv und politisch illusionslos. Er ist bei Kästner, Gremm und Graf kein Held (Elmar Krekeler, Die Welt 7.8.21).

Erich Kästner hat gesagt, dass jeder Tag für den, der ihn erlebt, das Sitzen in einem verkehrten Zug in die falsche Richtung bedeutet. Und weil es so viele Möglichkeiten gebe, und sich nur eine als Tatsache zeige, verwirkliche sich das Unwahrscheinliche. Kein hoffnungsfroher Optimismus. Aber falsch? Dominik Grafs Film ruft viel Gegenwärtiges auf. „Mein Gefühl war, es sollte ein Film sein, in dem man das Pflaster von Charlottenburg spürt, den Staub auf den Steinen, die Hitze und den Zigarettenrauch in den Kneipen.“ Nach Katja Nicodemus (Die Zeit, 5.8.21) spielt Tom Schilling den Fabian so, als sei er ein Blitzableiter, der nicht merke, dass er selbst getroffen sei. Das ist Erich Kästners gnadenloser Blick. Unabhängig von allen Ideologien und Beschönigungen der Welt. Neben Tom Schilling werden einige großartige Schauspieler wie Saskia Rosendahl, Albrecht Schuch, Meret Becker, Joachim Nimtz und Jeanette Hain ihren Rollen vollkommen gerecht. Der Film charakterisiert Berlin ähnlich wie „Babylon Berlin“ (Volker Kutscher) oder „Weltpuff Berlin“ (Rudolf Borchardt). Und der Regisseur sagt schließlich: „Die Stadt Berlin enthält im Film alle Zeiten, auch die Katastrophe, die geschehen wird und noch nicht geschehen ist.“ Das ist spannend.

3537: Jonathan Lethem über Berlin

Mittwoch, August 25th, 2021

Wieland Freund interviewt in der Literarischen Welt“ (7.8.21) den US-amerikanischen Schriftsteller Jonathan Lethem  über Berlin. Der sagt:

„Berlin hat eine mythische Kraft, nur leider wird die Stadt vor allem mit Filmen über Nazis assoziiert. Die habe auch ich zuerst kennengelernt, aber dann kamen ‚Emil und die Detektive‘, ‚Cabaret‘, ‚Berlin, Alexanderplatz‘. Das war verlockend, aber in der Vorstellung vermischt es sich natürlich mit dem, was nachher kam – fast wie in einem blödsinnigen Moralitätenspiel: Wenn du es zu bunt treibst, kommen die Nazis. Was ich sagen will: Man hat immer schon von Berlin geträumt, bevor man dort ankommt. Kennengelernt habe ich dann eine Stadt, die einerseits sehr 21. Jahrhundert ist, und in der man andererseits das Gefühl nicht los wird, auf einem Vulkan aus Geschichte zu stehen.“

3536: Peter Fleischmann ist tot.

Mittwoch, August 25th, 2021

Der Filmregisseur Peter Fleischmann ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Er war zuletzt völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Seine besten Filme sind „Herbst der Gammler“ (1967) und „Jagdszenen in Niederbayern“ (1969). Fleischmann war kein so selbstgefälliger Darsteller wie Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Volker Schlöndorff und Werner Herzog. Er sprach einen harmlos wirkenden pfälzischen Dialekt. Studiert hatte er in München und Paris und bei der „Nouvelle Vague“ (als Assistent von Jacques Rozier) gelernt. Seine erfolgreichen Filme wirkten unangestrengt und zogen uns dadurch gerade in ihren Bann. „Herbst der Gammler“ ist ein Dokumentarfilm, der glaubwürdig den Traum von der Freiheit verkörpert. „Jagdszenen in Niederbayern“ beruht auf einem Theaterstück von Martin Sperr. Es zeigt uns das verstockte Spießertum vom Dorf, auch wenn darin Angela Winkler und Hanna Schygulla spielen (Claudius Seidl, FAZ 14.8.21; Hans-Georg Rodek, Die Welt 14.8.21).

3535: SPD führt.

Mittwoch, August 25th, 2021

Erstmals seit 15 Jahren liegt die SPD bei einer Wahlumfrage von Forsa mit 23 Prozent vor CDU/CSU mit 22 Prozent (Grüne 18, FDP 12, AFD 10, Linke 6). 22 Prozent sind für die Union der schlechteste Wert, den Forsa jemals berechnet hat. Nach dem Sieg von Armin Laschet (CDU) über Markus Söder (CSU) bei der Wahl zum Unions-Kanzlerkandidaten lag die Union im April 2021 aber schon einmal bei 22 Prozent. Die Zahl der Nichtwähler und Unentschlossenen liegt mit 26 Prozent so hoch wie noch nie (SZ 25.8.21).

3534: Gedenken an Peter Fechter

Dienstag, August 24th, 2021

Am 17. August 1962 wurde Peter Fechter bei dem Versuch erschossen, gemeinsam mit seinem Kollegen Helmut Kubeik die Berliner Mauer zu überwinden. Eine Stunde ließen die DDR-Grenzer ihn in seinem Blut liegen, bis sie ihn bargen. West-Berliner Polizisten durften ihn nicht bergen. Auch die US-Amerikaner am Checkpoint Charlie unternahmen nichts. Kurz darauf war er tot.

Lange Zeit erinnerte ein schlichtes Holzkreuz an die Tötung. 1999 schuf Karl Biedermann eine Stele, die vom Axel-Springer-Verlag gestiftet wurde. Hier versammeln sich in jedem Jahr am 13. August Berliner Bürger und Politiker, um seiner zu gedenken. In diesem Jahr waren das u.a. die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), der Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), Bürgermeisterin Ramona Pop (Grüne) sowie die Spitzenkandidaten im Wahlkampf, Bettina Brasch (Grüne), Franziska Giffey (SPD) und Kai Wegner (CDU). Für den Springer Verlag war Vorstand Jan Bayer anwesend, für die Linke Petra Pau.

Peter Fechters Schwester sagte 2021: „Die Wochen vor dem 13. August waren aber aufgrund vieler Fluchten in den Westen schon angespannt. Bevor wir in den Sommerurlaub fuhren, schärften wir unseren Nachbarn ein: ‚Wir türmen nicht, wir fahren wirklich nur in den Urlaub.‘ Damals kam es vor, dass staatliche Stellen Wohnungen aufbrachen, leerräumten und neu vergaben, wenn Mieter längere Zeit nicht auftauchten.“ (mh, Die Welt 16.8.21)

3533: Herfried Münkler 70

Dienstag, August 24th, 2021

Prof. Dr. Herfried Münkler ist einer der wichtigsten Politikwissenschaftler in Deutschland. Vielleicht der wichtigste. Er wird 70 Jahre alt. Zu seinen vielen Publikationen fügt er mit

Marx, Wagner, Nietzsche. Welt im Umbruch. Berlin (Rowohlt) 2021; 720 S.; 34 Euro

eine relativ dicke Schwarte hinzu (Alexander Cammann, Die Zeit 12.8.21). Er behandelt darin drei Revolutionäre der bürgerlichen Epoche. Sie werden selten zusammen gesehen und in einem Atemzug genannt.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) schreibt über Münkler (FAZ 14.8.21): „Münkler nimmt nicht nur die Wissenschaft in die Pflicht, sondern fordert uns alle – indem er sich für die deliberative Demokratie starkmacht. Indem er auf den öffentlichen Prozess des Nachdenkens und Abwägens pocht. Indem er den Bürgern zumutet, sich zu informieren, zu lernen und die eigene Urteilskraft zu entwickeln – auch aus Sorge, dass die Demokratie sonst von ihren Wurzeln her austrocknen könne. Der Wissenschaftler argumentiert als verantwortungsbewusster Citoyen, der die besonderen Herausforderungen der Deutschen in ihrer Mittellage im Blick hat – noch so ein Begriff, den der Wissenschaftler im öffentlichen Diskurs wieder fruchtbar gemacht hat. Denn Deutschlands geografische Position in der Mitte Europas erfordert laut Münkler eine ‚kluge Bürgerschaft‘. Es zeichnet ihn aus, dass er selbst dazu seit Jahren einen Beitrag leistet.“

In einem Interview mit Ralph Bollmann (FAS 8.8.21) antwortet Herfried Münkler auf die Frage

Gibt es ein Zurück hinter diese Entzauberung der Welt?

„Die Idee des Fortschritts, die das 19. und 20. Jahrhundert angetrieben hat, ist aufgrund begrenzter Ressourcen an ein Ende gekommen. Selbst der späte Marx beschäftigte sich mit ökologischen Fragen, Wagner stellte die Idee des Weltenbrands ins Zentrum, und Nietzsche schuf die Figur des letzten Menschen. Alle drei hatten einen Blick dafür, dass das Projekt der materiellen Ausbeutung der Erde endlich ist – und dass es eine Dimension der Selbstzerstörung hat.“

3532: H.A. Winkler über die Fehler des Westens in Afghanistan

Montag, August 23rd, 2021

Der Historiker Prof. Dr. H. A. Winkler, 82, ein Sozialdemokrat, der bis 2007 Geschichte an der Humboldt-Universität in Berlin gelehrt hat, gibt Marc Reichwein in einem Interview (Lit. Welt 21.8.21) Auskunft über die Fehler des Westens in Afghanistan.

Lit. Welt: Zwanzig Jahre lang gaben sich die westlichen Länder der Illusion hin, in Afghanistan Menschenrechte und Demokratie aufzubauen. Dann werden die Truppen abgezogen, und im Handstreich sind die Taliban wieder an der Macht. Wie bewerten Sie die Situation?

Winkler: Es ist ein Desaster für den gesamten transatlantischen Westen. Die Irrtümer der ersten Stunde rächen sich. Die Annahme, man könne ein sehr stark von islamistischen Fundamentalismus geprägtes Land wie Afghanistan binnen weniger Jahre in eine westliche Demokratie verwandeln, war naiv. Insbesondere das Nation Building war eine Illusion. Im Nachhinein wäre es vernünftig gewesen, die Intervention in Afghanistan nach der militärischen Ausschaltung von al-Quaida abzuschließen. Für das Debakel sind alle westlichen Nationen verantwortlich, an erster Stelle die USA. Es ist bestürzend zu sehen, wie die amerikanischen Geheimdienste, das Pentagon und das unter Trump ausgedünnte State Department sich in der Analyse vertan haben. Auch Biden muss sich vorwerfen lassen, die aktuelle Situation falsch eingeschätzt zu haben. …

Die deutsche Beteiligung am Engagement der NATO in Afghanistan war ebenso gerechtfertigt wie das deutsche Nein zur Beteiligung an dem völkerrechtlich nicht legitimierten Krieg in Irak. Bei solchen Entscheidungen kommt es darauf an, vom Ende her zu denken, also die voraussehbaren Konsequenzen, Kosten und möglichen Entwicklungen einzukalkulieren. Deswegen kann jede Entscheidung über einen Auslandseinsatz der Bundeswehr nur von Fall zu Fall getroffen werden. Der Fall Afghanistan unterstreicht die Notwendigkeit einer systematischen Abwägung möglicher Folgen eines westlichen Engagements.

Lit. Welt: Von postkolonialistischen Autoren wird die singuläre Stellung des Holocaust in der deutschen Gedenkkultur zunehmnend infragegestellt und als „Katechismus“ der Deutschen kritisiert. Wie nehmen Sie die Debatte wahr?

Winkler: Die verstärkte Beschäftigung mit den deutschen Kolonialverbrechen, vor allem dem Völkermord an den Herero und Nama auf dem Gebiet des heutigen Namibia, ist dringend notwendig. Nur: Vergleichbares gab es auch bei anderen Kolonialmächten, die später keine Entwicklung zu einem radikalfaschistischen System genommen haben, sondern Demokratien blieben. Die Ermordung der europäischen Juden, die Zentraltatsache der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, ist kein Genozid unter anderen.

3531: Plagiatsvorwürfe gegen Franziska Giffeys Masterarbeit

Montag, August 23rd, 2021

Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch, Professor für Sprachwissenschaften an der FU Berlin, untersucht die Masterarbeit von Franziska Giffey (SPD). Er hat auf 26 Seiten gefunden, dass Giffey 62 mal nicht korrekt zitiert hat. Sie hatte ihre Masterarbeit 2005 an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin (FHVR) geschrieben. Das ergänzt die langen Debatten um ihre Dissertation, die Giffey von der FU aberkannt worden ist. Stefanowitsch hat zunächst (vermutlich wegen der Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus) einen Zwischenbericht vorgelegt. Bisher seien auf einem Drittel der Seiten Plagiate festgestellt worden.

Die Rechtsanwaltskanzlei, die Franziska Giffey vertritt, teilte mit, dass Frau Giffey ihre Masterarbeit „nach bestem Wissen und Gewissen gefertigt“ habe. Die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) als Nachfolgeorganosation der FHVR teilte mit, dass die geltende Frist von fünf Jahren abgelaufen sei und es deswegen keine Prüfung mehr gebe. Franziska Giffey, die frühere Bundesfamilienministerin, ist Landesvorsitzende und Spitzenkandidatin der SPD im Wahlkampf um das Berliner Abgeordnetenhaus (FAZ 21.8.21).