Archive for the ‘Wissenschaft’ Category

3645: Von der Leyen kritisiert Glasgower Klimakonferenz.

Mittwoch, November 17th, 2021

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die Ergebnisse der Klimakonferenz in Glasgow kritisiert. Das Resultat sei angesichts der drängenden Herausforderungen „gerade mal ein Zwischenschritt und nicht der große Erfolg“. Beim Wirtschaftsgipfel der SZ war sie als Eröffnungsrednerin per Video zugeschaltet. Sie bezeichnete es als Enttäuschung, dass bei den Verhandlungen der weltweite „Kohleausstieg nur zu einem Kohleabbau verwässert worden ist, und zwar in allerletzter Minute“. Zudem würden die Industrieländer arme Staaten beim grünen Umbau der Wirtschaft nicht ausreichend finanziell unterstützen. Europa habe seine Versprechen erfüllt, andere wie

Indien, China und Russland

aber nicht. Von der Leyen verteidigte die ambitionierten Klimaziele der EU und die umstrittene Ausweitung des Emissionshandelssystems auf Heizen und Verkehr. Dies würde von 2026 an die

Preise für Benzin, Gas und Heizöl

erhöhen, was viele Regierungen für gefährlich hielten (BFI, SZ 16.11.21).

3642: Südwest-Grüne beantragen Ausschluss Boris Palmers.

Dienstag, November 16th, 2021

Der Landesvorstand der Grünen in Baden-Württemberg hat in einem 33-seitigen Antrag offiziell den Parteiausschluss des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer gefordert. Der Antrag wurde der Kreisschiedskommission und Palmers Anwalt, Rezzo Schlauch, zugestellt. In einem Facebook-Beitrag hatte Boris Palmer den früheren deutschen Fußballnationalspieler Dennis Aogo als „Neger“ bezeichnet, was als rassistisch gilt. Palmer beteuerte, dass seine Äußerung ironisch gemeint gewesen sei.

Der Grünen-Landesvorstand sagt: „Durch seine seit Jahren auftretenden Provokationen hat Boris Palmer vorsätzlich und erheblich gegen die Grundsätze sowie gegen die Ordnung unserer Partei verstoßen.“ „Boris Palmer nutzt vor allem die Themen der Einwanderungs-, Flüchtlings- und Menschenrechtspolitik dazu, sich Äußerung um Äußerung weiter von der Linie unserer Partei zu entfernen.“ „Er hat unserer Partei mit seinen populistischen und destruktiven Äußerungen schweren Schaden zugefügt. Für jemanden, der mit Rassismus kokettiert und Ressentiments schürt, ist bei uns kein Platz.“

Die nächste Oberbürgermeisterwahl in Tübingen findet im Herbst 2022 statt (SZ 16.11.21).

3640: Russland: Institut zur Aufklärung des Stalinismus schließt.

Montag, November 15th, 2021

Das „Memorial“, Russlands älteste Nichtregierungsorganisation, ein Institut zur Aufklärung des Stalinismus (1929-1955) wird geschlossen. Dafür müssen Vorwände gefunden werden. Die dort arbeitenden Journalisten, Anwälte und Wahlbeobachter gelten neuerdings als „ausländische Agenten“. Der russische Staat enthauptet gleichsam die Zivilgesellschaft. Verletzt würden quasi die „Interessen nationaler Sicherheit“. Der russische Staat beansprucht ein nationales Geschichtsmonopol. Freiheit gibt es da nicht. Wladimir Putin ist der Chefhistoriker. Die Erben von NKWD und KGB frohlocken. Folter im Strafvollzug und die Ukraine-Invasion dürfen nicht mehr kritisiert werden. Dafür sind gerade kürzlich in Karelien, nahe der finnischen Grenze, stalinistische Massengräber entdeckt worden (frs., FAZ 13.11.21).

3639: Kampfgockel Kubicki

Montag, November 15th, 2021

Die FDP ist nun einmal dabei bei den Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Und damit auch solche Sprücheklopfer wie Wolfgang Kubicki. Jetzt hat er für sich herausgefunden, dass zu keinem Zeitpunkt der Pandemie eine Überlastung des Gesundheitssystems gedroht habe. „Das eine ist ja, nichts zu kapieren und auch noch stolz darauf zu sein. Etwas ganz anderes ist es, auf dieser Basis nun Gesetze zu machen.“ (Detlef Esslinger, SZ 15.11.21) Esslinger sieht Kubicki als „Kampfgockel“.

„Und wie die Lage jetzt ist, das berichten so viele Chefärzte und Intensivmediziner: Sie haben kaum noch freie Betten, sie weisen Patienten ab und verschieben Krebsoperationen. Kubicki (und andere) lehnen ferner 2G ab, mit der Begründung, auch von Geimpften gehe doch ein Infektionsrisiko aus. Ja, stimmt – aber nicht das Risiko, die Intensivstationen zu überfüllen. Dort landen fast nur die Ungeimpften.“

„Die bisherige Bundesregierung und die meisten Landesregierungen haben es in Tateinheit mit den Ungeimpften zugelassen, dass die Katastrophe hereingebrochen ist. Nun geht es darum, bitte schnell die richtigen Sachentscheidungen zu treffen und die richtigen Signale zu setzen. Das richtige Signal wäre, die ‚epidemische Notlage‘ zu verlängern; alles andere würde vom Publikum verstanden als das, was es nicht sein darf: Entwarnung.“

3637: Deutschland hat die Pandemie romantisch unterschätzt.

Samstag, November 13th, 2021

Im Sommer 2021 wurde in Deutschland der Umgang mit der Pandemie immer sorgloser, in der Politik und bei den Menschen. Masken trug man nicht, und die Leute nutzten vollgestopfte Busse und Bahnen. Das tun sie heute noch. Und die verqueren Impf- und Maskengegner treiben alle in die Defensive. Was für ein Schwachsinn.

Das Ganze weithin auf dem Boden einer Geisteshaltung, wo die deutschen Romantiker die Richtung vorgegeben hatten: Weg vom Trubel der Städte, der Politik, hin in die sinn- und zweckfreie, eben romantische Erfahrung. Der Wald ist Balsam für die Seelen, und man soll der Natur ihren Lauf lassen. Darin der Narzissmus als Zelebration. Nur Wenige stellten sich die Frage, ob das Leben in der Republik nicht doch gewisse Implikationen habe. Ob nicht der einzelne Bürger um Staatsbürger zu sein, ein wenig Arbeit für andere verrichten müsse. Anscheinend ließ das der provinzialisierte Diskurs schon gar nicht mehr zu.

Anders als in Frankreich, wo Präsident Emmanuel Macron erklärte: „Wir sind eine Nation der Wissenschaft, der Aufklärung, die Nation von Louis Pasteur!“ Schon Jean-Paul Sartre hatte erklärt, dass es ihm nun mal wichtiger sei, ein Buch fertigzustellen, als lange indifferent vor sich hin zu leben. „Der Geist gestaltet die Natur und nicht umgekehrt.“ In Frankreich haben wir die Impfpflicht für Heilberufe, einen verbindlichen einheitlichen Sanitätspass und insgesamt eine deutliche und nachvollziehbare Linie. Das schaffen die deutschen Romantiker nicht. „Es ist unerträglich, dieses tödliche Zaudern des Staates.“ (Nils Minkmar, SZ 10.11.21)

3636: Steuerschätzung: Bis 2025 179 Milliarden Euro mehr in der Kasse

Freitag, November 12th, 2021

Der amtlichen Steuerschätzung nach werden Bund, Länder und Kommunen bis 2025 179 Milliarden Euro mehr in der Kasse haben. „Die nächste Bundesregierung kann auf einer soliden Haushalts- und Finanzpolitik aufbauen.“ (Olaf Scholz, gegenwärtiger Finanzminister, SPD) Der Bund wird der Prognose zufolge 11,7 Milliarden Euro mehr einnehmen, insgesamt 305,4 Milliarden. In den Folgejahren soll es ähnlich gut weitergehen. Bei den Bundesländern fällt das Plus am höchsten aus. Grund zum Optimismus gibt vor allem der erwartete wirtschaftliche Aufschwung nach Ende des Pandemie-Tiefs. Gegenwärtig wird er noch von Lieferengpässen und Corona-Folgen gedämpft (SZ 12.11.21).

3635: Frage

Donnerstag, November 11th, 2021

Soll eine Krebspatientin nicht operiert werden, weil ein Ungeimpfter das Bett belegt ?

3633: EKD versucht, sexuelle Gewalt in der Kirche aufzuarbeiten.

Dienstag, November 9th, 2021

Vor zwölf Jahren wurde der massenhafte sexuelle Missbrauch in der evangelischen Kirche bekannt. Die EKD hatte sich 2018 auf der Synode in Würzburg einen Elf-Punkte-Plan gegen sexualisierte Gewalt gegeben. Der Sprecher des Beauftragtenrats der EKD, Bischof Christoph Meyns (Braunschweig), sagte jetzt: „Ich bin zutiefst bestürzt darüber, dass in meiner Kirche so etwas möglich war und ist. Ich bin zutiefst betroffen über das Unrecht, das Menschen entgegen allem, wofür wir stehen, im Kontext von Kirche und Diakonie angetan wurde.“

Inzwischen gibt es Meldestellen in den Landeskirchen, eine zentrale Anlaufstelle bei der EKD, Anerkennungskommissionen und Anerkennungszahlungen. Betroffene kritisieren allerdings, es sei bisher viel zu wenig geschehen. „Eine gründliche Aufarbeitung muss passieren, sonst bleibt alles nur hohles Geklingel.“ Mit dem

Märchen vom Einzelfall.

Nach der Meinung Betroffener kann sich die Kirche nicht selbst aufarbeiten, sondern bedarf der unabhängigen Hilfe von außen.

Den Betroffenenbeirat gibt es nach inneren Querelen nicht mehr, er war praktisch gespalten. Das ehemalige Beiratsmitglied Katharina Kracht über Bischof Meyns: „Ich erlebe immer wieder, dass er über das Leid und den Schmerz redet. Aber dass es eine Verantwortung seiner Organisation gibt, das ist bei ihm nicht angekommen.“ Kerstin Claus, Mitglied im Betroffenenrat des Unabhängigen Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, fordert die EKD auf,

Vernetzung der Betroffenen

zu ermöglichen. „Bis heute wird – wenn Täternamen bekannt werden – in Gemeinden nicht aktiv nachgeforscht, ob der Täter vielleicht auch woanders auffällig wurde.“ Bischof Meyns hat inzwischen eine Verschärfung der kirchlichen Disziplinarmaßnahmen in Fällen von sexueller Gewalt gefordert. (Annette Zoch, SZ 9.11.21)

3632: Juden haben in Europa keine Verbündeten.

Montag, November 8th, 2021

Der britische Schriftsteller und Komiker David Baddiel, dessen Mutter als deutsche Jüdin 1939 nach Großbritannien flüchten musste, hat ein Buch über linken Antisemitismus geschrieben:

Und die Juden? („Jews don’t count.“). München (Hanser) 2021, 136 S., 18 Euro.

Darin gebärdet sich Baddiel illusionslos und hoffnungslos. Bei den Linken in Europa hätten Juden keine Verbündeten. Anna Prizkau hat David Baddiel für die FAS (7.11.21) interviewt:

FAS: Sprechen wir über deutsche Mörder: Was fühlen Sie, wenn Sie aus dem Fenster ihres Hotels (in Berlin, W.S.) schauen auf das Land, in dem ihre Mutter geboren wurde und viele ihrer Verwandten ermordet worden sind?

Baddiel: Um ehrlich zu sein, denke ich darüber nach, mir die deutsche Staatsbürgerschaft zu holen, die meine Großeltern und meine Mutter mal hatten.

FAS: Wegen des Brexits?

Baddiel: Es hat natürlich alle möglichen seelischen, politischen, sozialen Gründe. Aber ja, auch weil ich nicht in dieser verdammt langen Schlange stehen kann. Ich hasse, hasse, hasse den Brexit. Er ist so unglaublich unjüdisch.

FAS: Warum ist denn der Brexit unjüdisch?

Baddiel: Weil Juden Immigranten sind. Sie mussten immer umherziehen und fliehen. Sie hassen geschlossene Grenzen. … Wo sind die Verbündeten der Juden? Und ja, es gibt keine! Wir sind ausgeschlossen und einsam.

 

3631: Warnung der CDU vor einer Urwahl

Sonntag, November 7th, 2021

Urwahl hört sich so demokratisch an. In der Weimarer Republik haben wir damit ja allerdings schlechte Erfahrungen gemacht. Nun will die CDU diese Methode anwenden, nachdem die letzten beiden Parteivorsitzenden,

Annegret Kramp-Karrenbauer und Armin Laschet,

gescheitert sind. Beide wurden von der Partei nicht entschieden genug unterstützt. Sie ist zerrissen. Und Wähler verabscheuen nichts so sehr wie zerstrittene Volksparteien. Hier kommen wir auf das Problem bei Urwahlen:

Die Parteimitglieder repräsentieren nicht die Wähler.

Bei der CDU stehen sich Traditionalisten und Modernisierer (teilweise hasserfüllt) gegenüber. Angela Merkel hat alles verschlammt. Das macht es jetzt schwierig. Es droht die Gefahr der weiteren rasanten Talfahrt. Die CDU sollte sich daran erinnern, was sie in Baden-Württemberg für schlechte Erfahrungen mit Urwahlen gemacht hat. 44,2 Prozent bei der Landtagswahl 2006. 17 Prozent heute. Gratulation.

„Die Urabstimmung zerstörte Freundschaften, spaltete Kreisverbände, vor allem zwischen der traditionalistischen Landtagsfraktion und dem Landesvorsitzenden Strobl herrschte zwischen 2011 und 2021 selten Frieden. In der Frage, wie mit den Grünen umzugehen sei, fanden die Traditionalisten und die Modernisierer um Strobl bis zum Ende der ersten grün-schwarzen Legislaturperiode Anfang dieses Jahres keinen Konsens.“

(Rüdiger Soldt, FAS 7.11.21)