Daniel Ellsberg hat 1971 die Pentagon-Papers geleakt und damit gezeigt, dass mehrere US-Regierungen die Bevölkerung über den Vietnamkrieg belogen hatten. Hauptgegner Ellsbergs waren Präsident Richard Nixon und sein Außenminister Henry Kissinger. Der Vietnamkrieg war bereits verloren. Davon hat sich die damalige US-Administration nicht mehr erholt. Ellsberg ist nun im Alter von 91 Jahren gestorben.
Archive for the ‘Wissenschaft’ Category
4372: Erster Whistleblower ist gestorben.
Sonntag, Juni 18th, 20234371: 17. Juni 1953
Sonntag, Juni 18th, 2023Am 17. Juni 1953 demonstrierten Hundertausende von Bügerinnen und Bürgern der DDR gegen die Erhöhung der Arbeitsnormen und für Freiheit, Demokratie und die Wiedervereinigung Deutschlands. Sie waren damals schon so weit. Es war der Geist von 1989. Die DDR hing zurück. Sie ließ den Aufstand von Sowjetpanzern und der DDR-Sicherheit blutig niederschlagen. Es gab 55 Tote. Tausende wurden verhaftet und in den Knast gesteckt. Es dauerte noch 36 Jahre bis zum Ende der DDR. Die Nachfolger der damaligen T 34 sind heute im Vernichtungskrieg gegen die Ukraine eingesetzt.
4370: Breiter Konsens bei Sterbehilfe
Freitag, Juni 16th, 2023In die Debatte über die künftige Sterbehilfe in Deutschland kommt Bewegung. Zwei Gruppen von Bundestagsabgeordneten, die bisher unterschiedliche Vorstellungen hatten, präsentierten einen gemeinsamen Entwurf. Dieser sieht vor, dass Ärzte Medikamente zur Selbsttötung verschreiben dürfen, wenn die Patienten volljährig sind und eine Beratung absolviert haben. Im Juli könnte im Bundestag abgestimmt werden (SZ 14.6.23).
4369: Frances Haugen warnt vor den Wirkungen von sozialen Medien auf Kinder.
Freitag, Juni 16th, 2023Die ehemalige Facebook-Produktmanagerin Frances Haugen warnt vor den Auswirkungen sozialer Medien auf Kinder und Jugendliche. „Da erreichen wir demnächst einen kritischen Punkt. Die Suizidraten für Kinder und Jugendliche gehen in den USA steil nach oben.“ Die US-Gesundheitsbehörde CDC ermittelte, dass der Anteil der Mädchen im Teenageralter, die schon mit Suizidgedanken gespielt hätten, von 2011 bis 2021 von 19 auf 30 Punkte gestiegen sei. Der oberste Gesundheitsbeamte des Landes hat Ende Mai 2023 soziale Medien zum Gesundheitsrisiko erklärt. Das geschehe selten, so Haugen. Etwa als publiziert wurde, dass Zigaretten Krebs verursachten, dass Sicherheitsgute Leben retteten, dass Stillen für Babys gesund sei. Frances Haugen hatte im Sommer 2021 Tausende Dateien aus der Facebookzentrale (heute: Meta) geschmuggelt (SZ 13.6.23).
4365: New York im Rauch der kanadischen Waldbrände
Freitag, Juni 9th, 2023New York und große Teile der US-Ostküste sind in den Rauch der außer Kontrolle geratenen kanadischen Waldbrände geraten. In New York wird Mundschutz dagegen auf den Straßen verteilt. Die Luftqualität ist so schlecht wie noch nie zuvor. Besserung wird frühestens am Wochenende erwartet. Gouverneurin Kathy Hochschul sagte: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass das eine Weile dauert.“ (SZ 9.6.23)
4364: Das Unbewusste steuert unser Gewicht.
Donnerstag, Juni 8th, 2023Der Neurobiologe Stephan Guyenet hat das Buch „The Hungry Brain“ geschrieben. Im Interview mit Barbara Vorsamer (SZ 20./21.5.23) äußert er sich klipp und klar.
„Körpergewicht wird zu oft moralisch aufgeladen, zu viele Menschen sind der Meinung: Ah, da ist jemand dick, diese Person hat keine Selbstkontrolle und lässt sich gehen. Diese Art der Verurteilung ist unfair, denn die Gehirne von Menschen mit Übergewicht funktionieren anders,
und das wiederum ist vor allem genetisch bedingt.
Zwillingsstudien belegen, dass der Einfluss der Gene auf das Körpergewicht bei etwa 70 Prozent liegt.“
„Der präfrontale Kortex, also der Teil unseres Gehirns, der Menschen von den meisten Tieren unterscheidet, ist tatsächlich ziemlich anpassungsfähig. Doch je tiefer wir in das Gehirn gehen, desto weniger beweglich wird es, bis wir im Stammhirn sind, wo es vor allem fest verdrahtete Verbindungen gibt. Grundfunktionen wie
Herzschlag, Atmung, Verdauung
werden von hier gesteuert, bewusst regulieren können wir da wenig. Auch das Gefühl, satt zu sein, kommt aus dem Stammhirn. Dort sammeln sich zahlreiche Informationen aus dem Magen, dem Darm, dem Blutkreislauf und geben irgendwann dem bewussten Teil des Gehirns das Signal: Es reicht. Aber bis zu diesem Punkt passiert alles unbewusst, weswegen wir daran nichts ändern können, auch nicht durch Weiterbildung oder Psychotherapie.“
4363: Gunnar Hinck: Die DDR bleibt umstritten.
Mittwoch, Juni 7th, 2023Gunnar Hinck hat 2007 das Buch „Eliten in Ostdeutschland“ veröffentlicht. Jetzt beschäftigt er sich (taz 3.-9.6.23) mit den gerade publizierten Trotzbüchern Dirk Oschmanns „Der Osten: eine westdeutsche Erfindung“ und Katja Hoyers „Diesseits der Mauer“. Es herrscht offenbar weiter großer Gesprächsbedarf über den Arbeiter- und Bauernstaat DDR. Wirkungsvoll sind die beiden Trotzbücher, weil sie nicht differenzieren. Oschmann findet es beispielsweise empörend, dass Franziska Giffey 2018, als sie Familienministerin wurde, als Quotenfrau bezeichnet wurde. So sieht man es heute noch in ostdeutschen Kleingärten und Kantinen. Es ist dort nicht gelungen, individuelle Lebenserfahrungen mit dem diktatorischen DDR-Staatsrahmen zu verbinden. Geredet wird von flächendeckenden Kitas und der „wirtschaftlichen Unabhängigkeit“ der Frauen. Verschwiegen wird der Verfall der Altbauten und die Wohnungsnot.
Die Ostdeutschen möchten sich ihr eigenes Leben nicht von anderen entwerten lassen. Wer sich in einem FDJ-Ferienlager zum ersten Mal verliebt hat, vergisst darüber gerne, dass die FDJ eine Zwangsorganisation des Staates war. Vergessen werden die gesundheitlichen Schäden in Chemiekombinaten und die Stasi-Haft. Die Erinnerung richtet sich auf das kommode Leben bei genügendem Opportunismus. „Die DDR war ein Gefängnis für sehr viele, aber wer aus sogenannten einfachen Verhältnissen kam, mitmachte und funktionierte, konnte Karrierewege einschlagen, die ihm in der frühen Bundesrepublik wahrscheinlich verwehrt geblieben wären.“
Diejenigen DDR-Bürger, die in staatsnahen Berufen gearbeitet haben, erlebten die Wiedervereinigung häufig als beruflichen Abstieg. Nicht zur Kenntnis genommen wurde der relativ stabile Sozialstaat. Die aus dem Westen in die neuen Bundesländer kommenden Führungskräfte wurden oft als arrogantes Pack identifiziert. So kam es schnell zur Resignation. Die Arbeit der Treuhandanstalt wurde nicht verstanden. Nötig wäre auch ein inner-ostdeutsches Gespräch über die bisher weithin beschwiegenen Konflikte in der DDR. „Wer als Kind von SED-Kadern Auslandserfahrungen machen konnte, hatte in der Bundesrepublik bessere Startchancen als der renitente Akademiker, der in der DDR mit Hilfsarbeiterjobs bestraft wurde.“ Und solange die unterschiedlichen Post-DDR-Milieus in ihren abgeschotteten Diskursblasen sitzen bleiben, wird es keine Besserung geben.
W.S.: Gunnar Hinck hat in Göttingen Sozialwissenschaften studiert, darunter auch Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.
4361: Henri Kissinger 100
Dienstag, Juni 6th, 2023Hundert Jahre alt ist der US-amerikanische Politiker geworden, von dem viele Analytiker glauben, er habe großen Einfluss auf die Weltpolitik gehabt: Henri Kissinger. Geboren in Fürth/Bayern, promoviert über Fürst Metternich. Und von 1969 bis 1977 Sicherheitsberater des US-Präsidenten Richard Nixon, dann dessen Außenminister. Er galt und gilt als „Erzrealist“, womit auch eine große Portion Zynismus gemeint sein dürfte. Er hat den Vietnam-Krieg ausgeweitet und in Chile Pinochet an die Macht verholfen. Alles im vorgeblichen Interesse der USA. Gebildet hatte er sich an Immanuel Kant und solchen Sozialwissenschaftlern wie Oswald Spengler und Arnold Toynbee. Metternich sah er durchaus kritisch. Kissinger ist auch mitverantwortlich für die falsche Russland-Politik des Westens (Stefan Kornelius, SZ 27./28.5.23).
4360: EKD-Vorsitzende rät Kirche zu mehr Mut.
Dienstag, Juni 6th, 2023Die Ratsvorsitzende der EKD, Annette Kurschus, hält es für falsch, wenn sich das Christentum möglichst „niedrigschwellig“ präsentiert. Gerade angesichts abnehmender Mitgliederzahlen. Die Kirche müsse Profil zeigen und „mutiger werden“. Auf dem Evangelischen Kirchentag werden ab Mittwoch 100.000 Menschen erwartet (SZ 6.6.23).
4359: Bundespräsident und Wahlrechtsreform
Dienstag, Juni 6th, 20231. Die Verkleinerung des Bundestags, der jetzt 736 Abgeordnete hat, auf die vorgesehene Zahl von 598 Abgeordneten ist sehr richtig.
2. Wie das geschieht, ist umstritten. CSU und Linke haben den Bundespräsidenten aufgefordert, das Gesetz nicht zu unterschreiben.
3. Die Linke wäre ohne die Grundmandatsklausel jetzt schon nicht mehr im Bundestag. Sie hatte die 5-Prozent-Hürde nicht geschafft und es nur mit drei Direktmandaten hinbekommen.
4. Der CSU könnte es passieren, dass sie alle 46 Mandate in Bayern gewinnt und trotzdem keinen Abgepordneten in den Bundestag entsendet.
5. Diese beiden Mängel allein beschädigen das Gesetz schwer.
6. Frank-Walter Steinmeier hat sich für die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre und die Verlängerung der Legislaturperiode ausgesprochen. Beim Wahlrecht ist er nicht so klar.
7. Sollte der Bundespräsident das Gesetz unterzeichnen, landet es vor dem Bundesverfassungsgericht (Robert Roßmann, SZ 6.6.23).