Archive for the ‘Wissenschaft’ Category

2526: Anita Lasker-Wallfisch bekommt den Deutschen Nationalpreis.

Mittwoch, September 4th, 2019

Die 94-jährige Anita Lasker-Wallfisch hat den (mit 30.000 Euro dotierten) Deutschen Nationalpreis für ihren Einsatz gegen das Vergessen und den wiederaufflammenden Antisemitismus bekommen. Seit dem Ende der achtziger Jahre kommt sie immer wieder aus London nach Deutschland, um über das Schicksal der europäischen Juden zu sprechen. Sie war Häftling in Auschwitz und Bergen-Belsen. Ihre Eltern wurden ermordet. Ihre Schwester Renate (spätere Lasker-Harpprecht) traf sie in Auschwitz-Birkenau wieder. Die Schwestern gehörten zum berühmten Auschwitz-Orchester.

Schon im April 1945 hatte die junge Anita Lasker-Wallfisch vor einem BBC-Mikrofon in Bergen-Belsen erstmals über die Massenvernichtung der Juden gesprochen. Sie beschrieb, wie die Juden in Auschwitz in Gruben verbrannt wurden. „Ich habe alles mit eigenen Augen gesehen. Die Auschwitzer Häftlinge – die wenigen, die geblieben sind – fürchten alle, dass die Welt nicht glauben wird, was dort geschehen ist.“

Lasker-Wallfisch hatte schon 2018 im Deutschen Bundestag gesprochen. In ihrer aktuellen Rede warnte sie vor dem wieder aufflammenden Antisemitismus. „Judenhass ist wieder legitim. Die Wurzeln des Antisemitismus blühen in einer intoleranten, misanthropischen Gesellschaft, in der wir leider leben.“ Sie selbst habe ihren Eid, Deutschland nie wieder zu betreten, Ende der achtziger Jahre gebrochen. „Ich weiß heute, wie sinnlos Hass ist, mit dem man sich letzten Endes selbst vergiftet.“ (Benjamin Emonts, SZ 4.9.19)

2525: Was ist bürgerlich?

Dienstag, September 3rd, 2019

1. Eine Fähigkeit der AfD besteht darin, sich selbst im Gespräch zu halten. Das ist gute Propaganda. So versucht Gustav Seibt (SZ 3.9.19), eine Grenze zwischen der AfD und dem Bürgertum zu ziehen. Und ich schreibe dem hier auch noch hinterher.

2. Tatsächlich wird die AfD zu einem Drittel von Arbeitern gewählt.

3. Und die alte Bundesrepublik war eine „nivellierte Mittelstandsgesellschaft“ (Helmut Schelsky), auch wenn die Linken das nie begriffen haben.

4. Nach Heinz Bude haben die 68er die „Verbürgerlichung“ der Bundesrepublik erst vollendet. Das trifft zu.

5. Der davon geprägte Bürger fährt Rad, kauft regionale Lebensmittel, strebt ein klimaneutrales Haus an, ist überwiegend gut ausgebildet, „kosmopolitisch“ (was gut zum Exportweltmeister Deutschland passt), muss sich als „Elite“ beschimpfen lassen. Dabei war ich immer stolz darauf, zu einer geistigen Elite gezählt zu werden.

6. In dem Begriff Bürgertum werden der Wirtschaftsbürger (Bourgeois) und der Staatsbürger (Citoyen) zusammengeführt.

7. Sie werden charakterisiert durch „Werte“.

8. Dazu zählen u.a.: korrektes Auftreten, gute Manieren, Verlässlichkeit, Sparsamkeit, Einhalten von Absprachen. Seibt zählt noch „eheliche Treue“ dazu (hier bin ich skeptisch).

9. Heinrich Detering, unser Göttinger Germanist, erkennt in der Sprache der AfD ihre Un-Bürgerlichkeit. Wer einer türkisch-stämmigen Deutschen mit „Entsorgung“ drohe, gleiche „zum Verwechseln Bandenmitgliedern, die es ihren Opfern erst mal so richtig zeigen, sie dann erledigen und schließlich entsorgen“.

10. Die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ), kein links-grünes Sympathisantenblatt, stellt zum AfD-Sprachgebrauch folgendes fest: „Der Evangelische Kirchentag? Eine ’schizophrene Irrsinnsveranstaltung‘. Angela Merkel? Eine ins ‚linksgrüne Lager abgedriftete Kanzlerdarstellerin‘. Die CDU-Chefin? ‚Meinungsdikatorin AKK‘. So geht das ohne Unterlass. Die Kommunikation der AfD erinnert an eine vollgeschmierte Klowand. Nichts daran ist bürgerlich.“

2523: Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg sind glimpflich ausgegangen.

Montag, September 2nd, 2019

In Brandenburg ist die SPD die stärkste Partei geblieben. In Sachsen die CDU. Gut so. Wahrscheinlich sind diese Ergebnisse nur durch „Leihstimmen“ zu erklären, weil einige besonders bedachte Wähler auf jeden Fall verhindern wollten, dass die AfD stärkste Kraft im Landtag wird. Die FDP ist in beiden Fällen draußen. Damit werden wir leicht fertig. Die Ministerpräsidenten Woidke (SPD) und Kretschmer (CDU) haben sich im Wahlkampf bravourös geschlagen.

Wir dürfen aber die Lage nicht falsch einschätzen.

Die Wählerinnen und Wähler in Ostdeutschland sind „rückständig“. Dazu passt die AfD. Sie ist inhaltlich vielfältig: Nationalkonservative, Nationalisten, Rassisten, Rechtsextremisten und weitere. Die AfD ist gegen den Westen, russlandfreundlich und leugnet den Klimawandel.

Bei der Bildung von bürgerlichen Koaltionen gegen die AfD macht die CDU Probleme. Sie hat Schwierigkeiten, sich mit Grünen und Linken zusammenzutun. Das ist das Problem der CDU.

2522: Kopftuch-Verbot in der Grundschule mit der Verfassung vereinbar

Sonntag, September 1st, 2019

Der Tübinger Verfassungsrechtler Martin Nettesheim stellt in einem Rechtsgutachten für die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes fest, dass ein Kopftuchverbot für Schülerinnen unter viezehn Jahren mit der Verfassung vereinbar sei. Es würde weder die Religionsfreiheit der Kinder beeinträchtigen noch ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Erziehungsrechte der Eltern sein. „Gesetzgeberische Erziehungsziele lassen es zu, in der Schule äußere Manifestationen mit religiöser Konnotation durch noch nicht glaubensreife Kinder zu unterbinden.“

Damit stellt sich Nettesheim gegen den wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestags, der 2017 dekretierte, dass ein Kopftuchverbot für Schülerinnen „wohl nicht zulässig wäre“. Inzwischen haben CDU-Bundestagsabgeordnete ein weiteres Gutachten bestellt, das im Herbst vorgelegt werden soll. Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes setzt sich für die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung von Frauen ein. Ein Kopftuchverbot sollte für alle weiblichen Menschen unter 18 Jahren gelten. Kinderverschleierung sei ein Phänomen des islamischen Fundamentalismus, „das auf frühe Indoktrination und gegen die verfassungsmäßig garantierte Gleichberechtigung der Geschlechter zielt.“ Nettesheim sagt, dass das Grundgesetz es erlaube, „dass der Gesetzgeber Schule als Raum konzipiert, in dem Manifestationen partikularer Lebensformen zurückgedrängt werden, um Offenheit zu schaffen.“

Nettesheim stellt klar: Das Kopftuch in der Schule zu verbieten, aber andere religiös konnotierte Kleidung wie eine Kipa zu erlauben, sei problematisch (Paul Munzinger, SZ 30.8.19).

2521: Nationaltät von Tatverdächtigen nennen ?

Freitag, August 30th, 2019

Das CDU-geführte Nordrhein-Westfalen hat eine Initiative gestartet, dass künftig in der Berichterstattung die Nationalität von Tatverdächtigen genannt werden soll. Sie fand ein geteiltes Echo. Die meisten anderen Bundesländer verwiesen auf den Pressekodex des Deutschen Presserats (Zusammenschluss von Verlegern und Journalisten), in dem es heißt, dass die Nationalität eines Tatverdächtigen nur dann genannt werden darf, wenn „ein begründetes öffentliches Interesse“ daran besteht. Der Pressekodex habe sich bewährt. Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) meinte, es führe nicht zu Transparenz, die Nationalität des Tatverdächtigen zu nennen. „Genau so wenig berichtet die Polizei über Kleidung, Haarfarbe oder Größe der Tatverdächtigen. Es sei denn, diese Angaben sind relevant.“ (SZ, epd 29.8.19)

2519: Emil Julius Gumbel nannte uns die richtigen Zahlen.

Donnerstag, August 29th, 2019

Das Universitätsmuseum Heidelberg zeigt eine Ausstellung über den Mathematiker und Statistiker

Emil Julius Gumbel (1891-1966).

Der Wissenschaftler war der Mann, der uns schon früh die richtigen Zahlen über die politischen Morde und andere Verbrechen in der Weimarer Republik nannte. Nur fand er nicht überall Gehör. Die Ausstellung verfolgt Gumbels Lebensweg mit Fotos, Kurzbiografien, persönlichen Dokumenten und Akten. In der Heidelberger Professorenschaft, die in der Mehrheit liberalkonservativ geprägt war, fand Gumbel für seine Anklagen gegen die deutschnationale Reaktion und den Nationalismus wenig Anklang. Als er 1966 im New Yorker Exil starb, widmete ihm nur der Sozialdemokrat Willi Eichler (1896-1971) einen Nachruf (Rudolf Walther, taz 20.8.19).

Gumbel war im Ersten Weltkrieg als Soldat Pazifist geworden. Er schloss sich dem „Bund Neues Vaterland“ um Eduard Bernstein, Ernst Reuter und Rudolf Breitscheid an. Zu dem Kreis gehörten auch Albert Einstein, der Historiker Hans Delbrück und die Frauenrechtlerin Helene Stöcker. Am 19. Dezember 1918 druckte Kurt Tucholsky in der „Weltbühne“ Gumbels „Rede an Spartacus“, in der er für die parlamentarische Demokratie und gegen die Diktatur des Proletariats eintrat, ein Vorbild für uns alle.

Und dann gab uns Gumbel die Zahlen über die politischen Morde in der Weimarer Republik. Vier Jahre nach Kriegsende 354 Morde von rechten Tätern und 22 vvon linken. Wobei die rechten Täter eine einzige lebenslange Strafe bekamen, insgesamt 90 jahre Haft und 730 Mark Buße für 27 Verurteilte. Die 22 linken Täter bekamen drei lebenslange Strafen und 248 Jahre Haft.

2516: Ostdeutsche, Polen und Ungarn waren nicht nur Opfer.

Dienstag, August 27th, 2019

Der polnische Philosoph Andrzej Leder zeigt in seinem Buch

Polen im Wachtraum. Die Revolution 1939-1956 und ihre Folgen. Osnabrück 2019, 256 S., 28 Euro,

dass die meisten Polen im zweiten Weltkrieg nicht nur Opfer waren. Das überträgt Adam Soboczynski in seiner Rezension (Die Zeit 15.8.19) auf die Ostdeutschen und die Ungarn. Ich bringe hier nur drei Soboczynski-Zitate:

„Die wenigsten Polen, …, arbeiteten aktiv an der Judenvernichtung der Nazis mit, aber der lange tradierte und internalisierte Antisemitismus sowie der blanke Neid auf die rege Handelstätigkeit des jüdischen Bürgertums ließen das Verbrechen wie die wundersame Erfüllung eigener furchtbarer Wünsche erscheinen. Leder greift hier auf den psychoanalytischen Begriff der

Interpassivität

zurück. Die eigene Empfindung wird delegiert und der sadistische Furor der Gewalttäter mitgenossen, was sich später in Scham und Verdrängung niederschlägt.“

„Und doch wählte man – … – das Bewusstsein, ein hilfloser Spielball der Geschichte zu sein. Und tut dies Leder zufolge auch heute noch. Sich notorisch benachteiligt zu fühlen, ist in Ostdeutschland, Polen oder Ungarn ungebrochen populär.“

„Wer die für viele Westdeutsche so rätselhafte Mentalität der Ostdeutschen begreifen will, muss – wie es Leder am Beispiel der Polen tat – auch ihre Lebenslügen ins Visier nehmen. Die Gesellschaften des Ostens waren nicht nur Opfergemeinschaften, die sie heute bequemerweise sein wollen. Der neue Mensch übernahm aufstiegswillig die Posten, die Wohnungen und das Inventar der Vertriebenen und der Ermordeten.“

(Vgl. Götz Aly: Hitlers Volksstaat!)

2515: Die ostdeutsche Seele bleibt verwundet.

Montag, August 26th, 2019

Vor den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg (1.9.19) und in Thüringen (27.10.19) sind Analysen des Befindens der Ostdeutschen beliebt. Sie werden fleißig rezensiert. So z.B. von Tim Schanetzky (SZ 26.8.19) im Fall von

Ilko-Sascha Kowalczuk: Die Übernahme. Wie Ostdeutschland Teil der Bundesrepublik wurde. München (Beck) 2019, 319 S., 16,95 Euro.

Kowalczuk ist ein Kenner des Umbruchs von 1989/90 und ein Experte für die Geschichte der DDR. Auch bei ihm ist die deutsche Geschichte seit 1989 ein „Kampfmittel“. Es wird weiter um die Deutungshoheit gekämpft. Kowalczuk widmet sich z.B. der Treuhand. Sie wird für viele Ungerechtigkeiten verantwortlich gemacht, die frühere DDR-Bürger in der Bundesrepublik erleben mussten. Aber stimmt das überhaupt? Kowalczuk stellt darauf ab, dass sich die Ostdeutschen vielfach von

Populisten

angesprochen fühlten. Zunächst von Helmut Kohl („Blühende Landschaften“), dann von der PDS, schließlich der Linkspartei und heute von der AfD. Die Filetstücke der DDR-Wirtschaft wie die Banken, Versicherungen und die Stromversorgung seien ohnehin schnell in das Eigentum ihrer West-Besitzer gelangt. Durch Elitenaustausch, geschichtspolitischen Streit, wirtschaftliche Übernahme und die soziale Katastrophe der Massenarbeitslosigkeit sei zügig

„der Ostdeutsche“

konstruiert worden. Es habe in Ostdeutschland einen Zwang zur Mobilität gegeben, wie ihn die alte Bundesrepublik nie gekannt habe.

„Auch war in der DDR im Gegensatz zum Westen kein Platz für eine Auseinandersetzung mit dem Holocaust, gab es dort weiter Nationalismus und Antizionismus als Staatsdoktrin.“ Das alles wird überwiegend aus der Geschichte der DDR erklärt. Für die Zeit von 1989 bis heute mangele es an einem „analytischen Gerüst“. Dabei gerät hin und wieder aus dem Blick, dass „der Westen“ sich ebenfalls grundlegend wandelt. Das bleibt bei Kowalczuk „eine Randerscheinung und erstarrt im Klischee“.

Kowalczuk geht so weit zu behaupten, der Westen habe dem Osten systematisch die Anerkennung verweigert, auch dort, wo ein symbolisches Miteinander einfach zun haben gewesen sei, etwa bei der Revision des Grundgesetzes. Das trifft natürlich nur dann zu, wenn man eine entsprechende Revision für angebracht gehalten hat.

Das ist bei mir nicht der Fall.

In seinem Buch gelangt Kowalczuk zu dem Schluss, dass Anerkennung nicht gewährt wird, sondern erkämpft werden muss. Ja also: dann kämpfen wir eben weiter. Auch wenn neuerdings die AfD im Spiel ist.

Was Kowalczuks Buch fehlt, aber im Kern unverzichtbar ist, ist der Blick auf die Selbstverantwortung der Ostdeutschen, wie er im Beitrag von Udo Knapp (hier unter Nr. 2511) zentral vorkommt. Selbstverständlich hatten die Ostdeutschen am Beginn der Nachkriegszeit (1945-1953) die größten Probleme mit den Nazis und den Stalinisten. Und sie hatten keine Hilfe dabei, sich davon zu lösen. Das darf aber keine Ausrede dafür sein, dass es dann bis 1989 keine Demokratisierung und Modernisierung gegeben hat. Die Folgen sehen wir jetzt.

 

2513: „Spiegel“ kündigt Matthias Geyer.

Samstag, August 24th, 2019

Matthias Geyer war von 2006 bis 2019 Chef des Gesellschaftsressorts des „Spiegels“. Er hatte ursprünglich, gemeinsam mit Ullrich Fichtner, in die Chefredaktion aufrücken sollen. Daraus wird nun nichts. Er ist gekündigt worden. Er war ein Förderer des Fälschers Claas Relotius. Geyer wehrt sich vor dem Arbeitsgericht gegen seine Kündigung (wei, FAZ 24.8.19; E. Britzelmeier/C. Lipkowski, SZ 24./25.8.19).

2512: dpa – 70 Jahre alt

Freitag, August 23rd, 2019

Es gibt sie noch, die zuverlässigen Nachrichtenvermittler, auch wenn sie nicht fehlerfrei sind. Dazu zählt, nicht zuletzt, die „Deutsche Presse Agentur“ (dpa). Mit Sitz in Hamburg und dem Newsroom in Berlin. Die Agentur wird 70 Jahre alt. Gegründet wurde sie unter der Ägide der anglo-amerikanischen Nachrichtenprinzipien der Objektivität und der Trennung von Nachricht und Meinung. Seinerzeit neu in Deutschland.

Heute gibt es die klassischen Gatekeeper nicht mehr. Das sagt auch der dpa-Chefredakteur Sven Gösmann, früher Chefredakteur der „Rheinischen Post“: „Aber die ‚Tagesschau‘, der Deutschlandfunk oder wir sind natürlich immer noch gewaltige gesellschaftliche Verstärker, hinter denen sich auch mancher mit trüben Absichten verstecken möchte. Da schmerzt jeder Fehler, da hilft jede aufklärerische Leistung.“

Im dpa-Newsroom (150 m lang) arbeiten allein 370 Mitarbeiter im Schichtbetrieb. Und weltweit hat dpa noch weit mehr feste Mitarbeiter. Das dpa-Angebot ist breit gefächert und teilweise hoch spezialisiert. Im „Basisdienst“ sendet die Nachrichtenagentur jährlich fast 200.000 Meldungen. Die dpa gehört 180 Medien, vor allem Verlagen und Zeitungen. Sie zahlen nach Auflage. Die Abonnenten vertrauen auf die Zuverlässigkeit von dpa. Fehler verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Andere nach den gleichen Prinzipien wie dpa weltweit agierende Nachrichtenagenturen sind Reuters (britisch), „Agence France Press“ (afp) und „Associated Press“ (AP) (US-amerikanisch). Von Russland und China und deren Followern kommen demgegenüber Propaganda und Agitation (Daniel Bouhs, taz 17.(18.8.19).

Im Zeitalter der Online-Medien und der Fake-News gehen die Erlöse seriöser Nachrichtenagenturen zurück. Das ist bei dpa auch bei den fremdsprachigen Auslandsdiensten der Fall. Eine große Gefahr. Aber der Verfall der Kenntnisse über gute Nachrichtenarbeit geht heute wesentlich weiter. Gestern habe ich im Fernsehen zum ersten Mal einen Ostdeutschen gesehen und gehört, der meinte: „Die Tagesschau ist heute wie die Aktuelle Kamera.“ Das kann ich als jemand beurteilen, der über einen Vergleich der beiden Fernseh-Nachrichtensendungen 1980 promoviert hat. Es ist der reine Schwachsinn.