Archive for the ‘Wissenschaft’ Category

2953: Viele Mediziner können nicht gut kommunizieren.

Mittwoch, Juli 22nd, 2020

1. Im normalen Klinikalltag hapert es häufig mit der Kommunikation.

2. Insbesondere, wenn schwierige oder schlechte Nachrichten zu überbringen sind.

3. Grundregeln: Funkgerät aus/ keine Monologe/ Pausen von mindestens drei Sekunden/ Stille aushalten/ Blickkontakt halten/ Emotionen zulassen.

4. Sich am Ende des Gesprächs versichern, dass der Patient jetzt nicht alleine ist.

5. Nicht vorgaukeln, dass die Chemotherapie den Krebs heilt.

6. Schlechte Kommunikation kann für den Patienten verheerende Folgen haben: Depression, Ablehnung der Therapie, Suizidgedanken.

7. Unzulängliche Kommunikation ist ein Behandlungsfehler.

8. Als Gründe werden in Zeiten der Fallpauschalen genannt: Zeitmangel, ökonomische Vorgaben.

9. „Je schneller ich mit dem Fall fertig bin, desto mehr hat die Klinik verdient.“

10. Besonders häufig unter Burn-out leiden Onkologen ohne kommunikative Kompetenz.

11. Voraussichtlich ab 2025 sollen alle Medizinstudenten im Staatsexamen eine praktische Prüfung in Kommunikation absolvieren.

12. Bisher sind Kommunikations-Trainings die Ausnahme.

13. Sinnvoll wären solche Kommunikations-Kurse in der Facharztausbildung und als Pflichtfortbildung.

14. Gute Kommunikation ist eine Leistung, die honoriert werden kann.

15. Am Ende bringt gute Kommunikation ökonomische Vorteile (Ilka aus der Mark, SZ 18./19.7.20).

2952: So viel Kirchensteuer wie nie zuvor

Dienstag, Juli 21st, 2020

Die katholische und die evangelische Kirche erhielten 2019 trotz sinkender Mitgliederzahlen so viel Kirchensteuer wie nie zuvor: 12, 7 Milliarden Euro. Davon 6,76 die katholische und 5,95 die evangelische Kirche. Das ist ein Anstieg von 2,4 Prozent im Vergleich mit 2018 (1,8 Prozent die katholische, 2,7 Prozent die evangelische Kirche). Für das laufende Jahr rechnen beide Kirchen mit starken Einbrüchen auf Grund der von der Corona-Pandemie verursachten Wirtschaftskrise (SZ 21.7.20).

2949: Europa muss sich selbst verteidigen (können).

Sonntag, Juli 19th, 2020

Angesichts der EU-Haushaltsberatungen hat eine Gruppe von europäischen Abgeordneten unter Führung der ehemaligen französischen Ministerin Hélène Conway-Mouret, des außenpolitischen Sprechers der SPD im Bundestag, Nils Schmid, und des ehemaligen polnischen Außenministers, Radoslaw Sikorski, gefordert, die europäischen Verteidigungsanstrengungen zu erhöhen, weil auf die USA in der NATO kein Verlass mehr ist.

1. Bisher sind die Ausgaben für Verteidung in der EU von 13 Milliarden Euro über sieben Jahre auf etwa 6 Milliarden Euro vermindert worden.

2. Für Themen wie Resilienz (Widerstandsfähigkeit) und öffentliche Gesundheit bekommt man in der EU leichter Geld als für Verteidigung.

3. Die Corona-Gesundheitskrise kommt zu den bereits gegebenen Bedrohungen dazu. Eine besondere Instabilität besteht an den Grenzen Europas.

4. Russland setzt sein aggressives Auftreten (Ukraine, Krim, Syrien u.a.) fort. Gegen Europa sind besonders Desinformationskampagnen und Cyberangriffe gerichtet.

5. Die Gesundheitskrise hat die Konfrontation zwischen den USA und China verschärft.

6. Die USA haben ihre Rolle als weltweite Führungsmacht aufgegeben und vernachlässigen die Sicherheit Europas.

7. „In diesem Zusammenhang ist die Fähigkeit der Europäer, sich selbst zu verteidigen, dringlicher denn je geworden.“ (Die Welt, 18.7.20)

Ergänzung W.S.: Die deutschen Grünen und Linken haben das noch nicht erkannt. Sie betreiben eine falsche Verteidigungspolitik.

2948: Universalismus versus Identitätspolitiken

Sonntag, Juli 19th, 2020

Mark Siemons unternimmt in der FAS (19.7.20) den Versuch, angesichts des um Rassismus tobenden Kampfes unter Intellektuellen und Publizisten eine brauchbare Unterscheidung zwischen Universalisten und Identitätspolitikern vorzunehmen. Das bringe ich in meine Kategorien und meine Sprache:

1. Angeblich wird der Universalismus (der Menschenrechte) vertreten von alten, heterosexuellen, weißen Männern, welche die Macht nicht abgeben wollen.

2. Angesichts der Unterdrückung von Menschengruppen darauf zu bestehen, dass wir vorgeblich alle gleich sind, bedeutet die Beibehaltung der Unterdrückung.

3. Wer den Rassismus bekämpfen will, muss die Perspektive derjenigen einnehmen, die dem Rassismus ausgesetzt sind.

4. Zugleich ist offensichtlich, dass sich selbst die antiuniversalistische Identitätspolitik einem zutiefst universalistischen Antrieb verdankt, dem Ziel, allen Menschen gleiche Rechte zu sichern.

5. Wenn die „Identität“ zum Selbstzweck wird, besteht die Gefahr der Re-Essenzialisierung.

6. In „Harper’s Magazine“ haben 153 prominente Intellektuelle beklagt, dass „auch moralische Einstellungen und politische Bekenntnisse“ gestärkt würden, „die jede offene Debatte und das Aushalten von Differenzen zugunsten einer ideologischen Konformität schwächen“.

7. Zu den Unterzeichnern gehören Noam Chomsky (* 1928) und Salman Rushdie (* 1947).

8. Anscheinend gibt es zwischen dem Universalismus der Redefreiheit und dem identitätspolitischen Machtkampf um Sprecherrollen keine Vermittlung mehr.

9. Die Universalisten sagen: „Schlechte Ideen besiegt man, indem man sie entlarvt, durch Argumente und Überzeugungsarbeit, nicht durch den Versuch, sie zum Schweigen zu bringen oder sie wegzuwünschen.“

10. In Deutschland ist die „tageszeitung“ (taz) gespalten in junge (unter 40) Identitätspolitiker und alte (über 40) Verfechter der Solidarität (Universalismus).

11. Für die Jüngeren ist die wichtigste Frage: Wer spricht?, für die Älteren: Wer hat recht?

12. Der herrschaftsfreie Diskurs wird durch die in ihm enthaltenen Machtkategorien angefochten.

13. Der Universalismus wurde vom Poststrukturalismus eines Michel Foucault (1926-1984) und eines Jacques Derrida (1930-2004) bekämpft.

14. Dadurch kam es zu einer Veränderung der Blickrichtung weg vom selbstbestimmten, souveränen Subjekt namens „Mensch“ hin zu anonymen Strukturen.

15. Der Begründer der „Cultural Studies“, Stuart Hall (1932-2014), hat darauf hingewiesen, dass die Identitäten schließlich zugunsten eines „Gemeinsamen“ wieder dekonstruiert werden müssen.

Kommentar W.S.: Als alter, heterosexueller, weißer Mann habe ich praktisch keine Chance. Ich bleibe rettungslos in dem alten, menschenrechtlich (1776) fundierten Universalismus befangen.

2946: Für einen klimastabilen Mischwald: mehr Abschüsse

Freitag, Juli 17th, 2020

Wer einen klimastabilen Mischwald will, muss den Bestand an Reh- und Rotwild verringern. Dazu bedarf es einer Novellierung des Bundesjagdgesetzes mit Mindestabschussquoten. Die 340.000 Jäger schießen jährlich über eine Million Rehe. Das ist zu wenig. Denn der Verbiss geht weiter. Insbesondere Eichen, Buchen und andere Laubbäume werden hochgradig verbissen. Manchmal bleiben nur hüfthohe Krüppelbäume. Und die Jäger wollen nicht mehr schießen, sie warten lieber auf den kapitalen Bock.

Schon Horst Stern forderte in „Sterns Stunde“ am Weihnachtsabend

1971

einen klar verstärkten Abschuss, um den Wald zu schützen. Er erntete einen Shitstorm (Maike Rademaker, taz 30.6.20).

2945: Milde Strafen für G 20-Randalierer

Freitag, Juli 17th, 2020

Viele von uns erinnern sich noch gut an die geballte Kriminalität beim G 20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017. Über 200 vermummte Randalierer setzten an der Elbchaussee Autos in Brand, ließen Fensterscheiben zersplittern und Pyrofackeln lodern. 19 Autos wurden zerstört, 19 weitere schwer beschädigt. Es ist ein Schaden von gut einer Million Euro entstanden. Sechs Menschen wurden verletzt.

Wer die jetzt ergangenen Urteile für fünf Männer liest, reibt sich die Augen. Vier Angeklagte kamen mit Bewährungsstrafen und Arbeitsleistungen davon. Nur einer wurde wegen schweren Landfriedensbruchs in Tateinheit mit Beihilfe zur Brandstiftung, gefährlicher Körperverletzung und wegen tätlicher Angriffe auf Vollstreckungsbeamte zu drei Jahren Gefängnis verurteilt (Dennis Fengler, Die Welt 11.7.20).

Sehr milde Urteile. Die Täter gehören zu einem internationalen, mobilen Mob, der von Gewalttat zu Gewalttat zieht. Linkes Gesindel. Armer Rechtsstaat.

2943: Frauen erhalten die Literaturpreise.

Donnerstag, Juli 16th, 2020

Dazu schreibt Felix Stephan (SZ 16.7.20):

„Der Ingeborg-Bachmann-Preis ging an die 80-jährige Helga Schubert, der Georg-Büchner-Preis an die 82-jährige Lyrikerin Elke Erb, der Sigmund-Freud-Preis an die die Historikerin Ute Frevert, der Johann-Heinrich-Merck-Preis an die Kritikerin Iris Radisch, der Heinrich-Heine-Preis an die Kritikerin und Buchhändlerin Rachel Salamander, der Joseph-Breitbach-Preis an die Jüngste im Bunde, die 1982 geborene Nora Bossong.“

„Themen und Wahrnehmungswelten, die lange als weiblich und damit kulturfern galten, sind längst hochkulturfähig. Dadurch ändert sich auch der Blick auf Gesamtwerke älterer Autorinnen, die nun rückwirkend ausgezeichnet wurden. Ute Frevert etwa ist berühmt geworden mit ihren Arbeiten zur Geschichte der Gefühle, Helga Schubert machte immer wieder ihr Dasein als Mutter zum Thema ihrer Erzählungen, Iris Radisch und Rachel Salamander behaupteten sich in der westdeutschen Literaturkritik jahrzehntelang in einer männlichen Hegemonie, Elke Erbs Gedichte werden heute vor allem von Jüngeren gelesen. Überfällig ist jede einzelne dieser Auszeichnungen.“

2942: Hessischer Polizeipräsident zurückgetreten

Mittwoch, Juli 15th, 2020

Wegen Drohmails, in denen interne Daten aus hessischen Polizeicomputern verwendet wurden, ist der hessische Polizeipräsident Udo Münch zurückgetrteten. Er hat eingeräumt, seit März davon gewusst zu haben, dass entsprechende Drohmails gegen die Fraktionsvorsitzende der hessischen Linken, Janine Wissler, versandt wurden. Innenminister Peter Beuth erklärte, Münch habe die Verantwortung für Versäumnisse übernommen, für die er nicht allein verantwortlich sei.

Inzwischen gibt es einschlägige Drohmails gegen die Kabarettistin Idil Baydar. Das sei „ungeheuerlich“, erklärte Beuth. Er habe sich in den vergangenen Tagen ein „komplett neues Bild über die Problematik der Drohschreiben“ verschafft. Baydar hat vor der hessischen Polizei Angst. Sie habe erst durch einen Journalisten von der Abfrage im Polizeicomputer erfahren. „Ich weiß nicht, aus welcher Ecke jetzt irgendjemand kommt, der mir irgendetwas antun würde. Und des Weiteren wüsste ich nicht einmal, ob die Polizei das auch aufklärt, selbst wenn mir was passieren würde.“ (Matthias Drobinski, SZ 15.7.20).

2941: Mehr Rücksicht auf Familien und Kinder

Mittwoch, Juli 15th, 2020

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung fordert für den Fall einer zweiten Corona-Welle im Herbst 2020, die Belange von Familien und insbesondere von Kindern stärker in den Blick zu nehmen. 11,1 Millionen Kinder und Jugendliche waren in der Krise von Kita- und Schulschließungen betroffen. Das Institut hat in einer großen Studie vorgestellt, vor welche Herausforderungen das Familien stellt (SZ 15.7.20).

2939: Kindesmissbrauch soll gespeichert bleiben.

Dienstag, Juli 14th, 2020

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat nach der CSU gefordert, den Straftatbestand Kindesmissbrauch nicht mehr aus dem polizeilichen Führungszeugnis verurteilter Täter zu löschen. Opferverbände signalisierten ebenfalls Zustimmung. Rörig sagte, aus seiner Sicht sei bei diesem Thema das Schutzinteresse der Kinder wichtiger als Resozialisierungsinteresse der Täter (SZ, 14.7.20).