Archive for the ‘Wissenschaft’ Category

3482: Kolonialismus nicht gegen Holocaust ausspielen !

Freitag, Juli 9th, 2021

1. Dass der Holocaust (mit sechs Millionen ermordeter Juden und weiterer Opfer) in deutscher Verantwortung liegt, ist völlig unbestreitbar.

2. Konrad Adenauer hatte das 1952 gegenüber Israel voll anerkannt und daraus seine Wiedergutmachungspolitik abgeleitet.

3. Der Eichmann-Prozess in Israel 1961 und der Auschwitz-Prozess in Frankfurt Mitte der sechziger Jahre haben viel zur Aufklärung beigetragen.

4. Marvin Chomskys Hollywood-Soap Opera „Holocaust“ hatte 1979 in Deutschland große Wirkung entfaltet. Unabhängig von seiner künstlerischen Qualität.

5. Richard von Weizsäcker hatte 1985 die deutsche Verantwortung für alle Deutschen erklärt.

6. Angela Merkel hatte Israels Schicksal sogar zur deutschen Staatsräson erhoben.

7. Dem steht es nicht entgegen, den Völkermord an den Herero und Nama am Anfang des 20. Jahrhundert als solchen anzuerkennen. Zu fragen ist doch allenfalls, ob es da nicht eine geistige und politische Verbindung gibt.

8. Ich erinnere mich daran, dass noch in den achtziger Jahren Shantychöre aus Norddeutschland, u.a. einer aus Bremen-Vegesack, Lustreisen nach Namibia unternahmen und dabei das kaiserliche Afrika feierten.

9. Nicht unbekannt ist auch, dass das Vereinigte Königreich, Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien, die Niederlande und manche andere ebenfalls Kolonialmächte waren. Das ändert an der deutschen Verantwortung gar nichts.

10. Probleme ergeben sich daraus, dass Israel zunehmend die Zwei-Staaten-Theorie ablehnt und Iran Israel bedroht.

11. Bekannt ist der ambivalente Antisemitismus von BDS und anderen Organisationen.

12. Selbstverständlich ist jeglicher Rassismus, nicht zuletzt der gegen Muslime, vollständig abzulehnen.

13. Die Ablehnung von „Eliten“ durch Rechtspopulisten ist, bei näherer Betrachtung, antisemitisch fundiert. Gemeint sind meistens die US-amerikanischen und israelischen Eliten.

3481: Bericht zum Stand der deutschen Einheit

Freitag, Juli 9th, 2021

Es wurde der Bericht zum Stand der deutschen Einheit erstattet. Dabei verschärfte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), nochmals seine Kritik an AfD-Wählern. Sie hätten Schwierigkeiten mit der Demokratie. „Aber es kann doch nicht die Reaktion der Politik sein, dass sozusagen als Dank für rechtsradikales Wählerverhalten noch eine besonders liebevolle Ansprache gewählt wird.“ Bei den AfD-Politikern handle es sich um solche, „die diese Demokratie und diese freiheitliche Grundordnung abschaffen wollten“.

„Unser Land ist seit der Wiedervereinigung substanziell vorangekommen.“ Gleichwertige Lebensverhältnisse, Prosperität und gesellschaftlicher Zusammenhalt, „diese Attribute treffen auf immer mehr Regionen in den neuen Bundesländern zu“. Unterschiede seien auch nicht nur durch die Teilung und den Umbruch nach der Vereinigung zu begründen. Die Wirtschaftskraft im Osten betrage 81 Prozent des Bundesdurchschnitts. Die Arbeitslosenquote lag im Osten 2020 im Durchschnitt bei 7,6 Prozent, im Westen bei 5,6 Prozent. Es müssten noch mehr Bundesbehörden und Forschungseinrichtungen in strukturschwache Regionen verlegt werden. Die Städtebauförderung laufe in den neuen Bundesländern sehr gut (Jens Schneider, SZ 8.7.21).

3479: Ernst-Wilhelm Händler über die Rolle von Schriftstellern

Dienstag, Juli 6th, 2021

Ernst-Wilhelm Händler, geb. 1953, ist studierter Philosoph und hat lange Jahre das Familienunternehmen in Regensburg geführt. Seit Mitte der neunziger Jahre veröffentlicht er Romane und Essays. 2003 wurde „Wenn wir sterben“ auf der SWR-Bestenliste als das beste Buch des Jahres ausgezeichnet. In einem Interview mit Thomas E. Schmidt (Die Zeit 24.6.21) spricht er über die aktuelle Rolle von Schriftstellern.

Zeit: Das heißt auch, es gibt für den Autor keine stabile Rolle mehr, weder als Morallehrer noch als Verstörer.

Händler: Nein, überhaupt nicht mehr. Es gibt viele Rollen. Da ist der Typ, der immer gute Figur macht – die Spitze der Pyramide bildet der Bestsellerautor in der Talkshow. Ein anderes Rollenmodell ist für die Älteren: Es besteht eigentlich nur darin, schlechte Laune zu verbreiten.

Zeit: Also Kulturkritik.

Händler: Schlechte Laune als Kulturkritik verkleidet. Mit ist der publizistische Erfolg von Botho Strauß nicht erklärbar – wie man sich auf Carl Schmitt berufen kann, bleibt mir ein Rätsel. Carl Schmitt war der widerlichste von allen Nazi-Intellektuellen. …

3477: Deutschland lässt die afghanischen Helfer der Bundeswehr (2001-2021) im Stich.

Montag, Juli 5th, 2021

Dass Deutschland die zahlreichen afghanischen Helfer der Bundeswehr (Fahrer, Köche, Übersetzer usw.) und ihre Familien im Stich lässt und sie nicht nach Deutschland holt, ist ein riesiger politisch-moralischer Skandal. Sollte es dabei bleiben, dann handelte es sich um eine grundlegende und umfassende Bankrotterklärung, die unserem Gemeinwesen fast prinzipiell den Boden (Menschenrechte, Grundgesetz, Rechtsstaat etc.) entzieht. Die genannten Kräfte sind nunmehr den für ihre Humanität bekannten Taliban ausgeliefert und mit dem Tode bedroht (Tobias Matern, SZ 5.7.21).

Nebenbei wird zudem klar, dass die Linken (KPD-AO, KPD-ML, KBW, KB, DKP und pazifistischer Taumel) die 1979 dem sowjetischen Überfall auf Afghanistan innerlich zugestimmt hatten, nun ihre moralische Kompetenz unterstreichen. Dabei hatten sie allen kommunistischen Repressionen nach 1945 zugestimmt (17. Juni 1953 in der DDR, die Volksaufstände in Polen und Ungarn 1956, Niederschlagung des Prager Frühlings 1968, sowjetischer Überfall auf Afghanistan 1979). Heute verurteilen sie die völkerrechtswidrige russische Annektion der Krim 2014 nicht. Dadurch sind sie moralisch diskreditiert. Und für eine deutsche Außenpolitik nicht zu gebrauchen. Heute gehören ihre Reste zu der Linken, den Grünen und der SPD.

3476: Allianz-Konzernchef fordert höhere Erbschaftssteuer.

Montag, Juli 5th, 2021

Allianz-Chef Oliver Bäte hat sich für eine höhere Erbschaftssteuer ausgesprochen. „Das wäre sinnvoll, bevor man andere Steuern erhöht.“ Auch Ausnahmen und Freibeträge „würde ich mir genau ansehen“. Bäte begründete den Vorstoß damit, dass Vermögensanhäufungen im Moment vor allem über Erbschaften stattfinden (SZ 5.7.21).

3475: Annalena Baerbock hat Sätze von Joschka Fischer übernommen.

Montag, Juli 5th, 2021

Plagiatsjäger Stefan Weber (Salzburg) hat 29 Plagiatsfragmente bei Annalena Baerbock nachgewiesen. Darunter auch Sätze von Joschka Fischer.

Fischer (2020): „Dieses Projekt war nie energiepolitisch, sondern immer geopolitisch motiviert seitens Russlands. Das Ziel war die Umgehung der Ukraine und Osteuropas, nicht Gaslieferungen nach Westeuropa.“

Baerbock (2021): „Diese Pipeline war seitens Russlands nie energiepolitisch, sondern immer geopolitisch motiviert. Das Ziel ist die Umgehung der Ukraine und Osteuropas, es sind nicht die Gaslieferungen nach Westeuropa.“

Die 29 Plagiatsfragmente bestehen fast durchgehend nur aus einzelnen Sätzen oder Satzteilen, die Baerbock offenbar übernommen hat, ein Großteil davon aus dem „Spiegel“ (Roland Preuss, SZ 5.7.21).

3474: Neuer ZDF-Intendant muss weiter modernisieren.

Sonntag, Juli 4th, 2021

Der neue ZDF-Intendant, Norbert Himmler, hat als Programmdirektor schon gut mit dem alten, Thomas Bellut, zusammengearbeitet. Er hat die erste Welle der Digitalisierung  geleitet. So kommt es, dass das ZDF in vielem moderner und technisch weiter wirkt als manche ARD-Anstalt. Man traut dem ZDF eine weitere Modernisierung zu.

Seit Jahren versuchen die Öffentlich-Rechtlichen, außerhalb eines Programms mit festen Sendezeiten ein jüngeres Publikum zu erreichen. ZDF-Kultur und ZDF-Neo sind gute Beispiele. Der neue Intendant muss möglichst diejenigen überzeugen, die das öffentlich-rechtliche System abschaffen wollen. Er muss sparen, braucht mehr Frauen in Spitzenpositionen. Das ZDF-Programm muss in der Mediathek und auf Social Media zu finden sein. Wenn das klappt, ist die leicht lächerliche Begleitmusik etwa aus dem Hause Springer bedeutungslos, die ohnehin einen ziemlich kläglichen Journalismus kaschiert (Claudia Tieschky, SZ 3./4.7.21).

3473: Amsterdams Bügermeisterin entschuldigt sich für Sklavenhandel.

Samstag, Juli 3rd, 2021

Amsterdams grüne Bürgermeisterin Femke Halsema hat sich für die Beteiligung der niederländischen Hauptstadt am Sklavenhandel (1578-1863) entschuldigt. „Es ist an der Zeit, das große Unrecht der kolonialen Sklaverei in die Identität unserer Stadt einzumauern – mit einer großzügigen und bedingungslosen Anerkennung.“ Die Hälfte der 139 Bürgermeister aus besagter Zeit amtierte zugleich als Direktor der Kolonialgesellschaft. Die Niederlande profitierten vom Handel mit Sklaven.

Linda Nooitmeer vom Nationalen Institut für die niederländische Sklavereigeschichte: „Mit einer Entschuldigung wird die Tatsache anerkannt, dass Sklavenhandel ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit war.“ Dadurch wird die Tür zu möglichen Entschädigungszahlungen geöffnet. Meistens kommt es dazu aber nicht. Eine Mehrheit der Niederländer lehnt eine solche Geste ab (Thomas Kirchner, SZ 3./4.7.21).

3472: Documenta 15 findet planmäßig 2022 statt.

Samstag, Juli 3rd, 2021

Die Documenta 15 findet planmäßig vom 18. Juni bis 25. September 2022 in Kassel statt. Das gab Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) bekannt. Vorher war wegen der Corona-Pandemie über eine Verschiebung nachgedacht worden. Zur Begründung verwies Geselle auf die „gesellschaftspolitische und kulturelle Verantwortung“, die mit der Documenta verbunden seien. Es gehe darum, ein Zeichen für „Hoffnung, Zuversicht, Glauben und Liebe“ zu geben.

Mit ihrem auf Teilhabe und Gemeinschaft gerichteten Konzept gehöre die Documenta genau in diese Zeit. Geselle kündigte an, dass sich die Gesellschafter um die Deckung der Mehrkosten für höhere Sicherheitsanforderungen und geringere Teilnehmerzahlen kümmern würden. Die Documenta-Kuratoren gaben bekannt, spätestens im September 2021 die Liste der 53 Künstlerinnen und Künstler bekannt zu geben, die eingeladen würden (Ingo Abend, SZ 3./4.7.21).

3471: Steinmeier: Für Zwei-Staaten-Lösung

Samstag, Juli 3rd, 2021

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich bei seinem Israel-Besuch, der erfreulich freundschaftlich verlief, für eine Zwei-Staaten-Lösung ausgesprochen. Dabei stellt er es außer Frage, dass die palästinensischen Raketenangriffe auf Israel „nicht hinnehmbar“ seien. Israel müsse sich verteidigen können. Aber zu einer Zwei-Staaten-Lösung sähe er bisher keine Alternative. Das tat er, obwohl sein Freund, der israelische Präsident Reuven Rivlin, zu den ersten gehört hatte, die eine Föderation in einem einzigen Staat Israel präferiert hatten. Ein Treffen Steinmeiers mit dem künftigen israelischen Präsidenten Isaac Herzog stand auf dem Plan (Stefan Braun, SZ 2.7.21).