Archive for the ‘Philosophie’ Category

3654: Mathias Döpfner in der Krise

Dienstag, November 23rd, 2021

Der Vorstandsvorsitzende von Springer, Mathias Döpfner, 58, steht in der Gefahr, als Vorsitzender des „Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger“ (BDZV) (seit 2016) abgewählt zu werden (Basisinformationen in Wilfried Scharf: Grundzüge der Kommunikationspolitik des BDZV, sozialwissenschaftliche Diplomarbeit, Göttingen 1972). Grund dafür ist eine SMS an einen Schriftsteller,  in der Döpfner behauptet hatte, der „Bild“-Chefredakteur sei der letzte und einzige Journalist, der noch „mutig gegen den neuen DDR-Obrigkeitsstaat“ in Deutschland aufbegehre. Viele Zeitungsverleger sahen dadurch ihre Branche verunglimpft und forderten den Rücktritt Döpfners. Sollte er abberufen werden, müsste eine BDZV-Delegiertenversammlung einen Nachfolger wählen.

Döpfner studierte Germanistik und Musikwissenschaft und arbeitete seit 1982 als Musikkritiker für die FAZ. Er wechselte zu Gruner & Jahr und wurde Chefredakteur der „Wochenpost“ und der „Hamburger Morgenpost“. 1996 wurde er Chefredakteur der Springer-Zeitung „Die Welt“, 1999 Vorstandsmitglied bei Springer und 2001 Vorstandsvorsitzender. Eine glänzende Karriere. Döpfner verkaufte die „Berliner Morgenpost“, das „Hamburger Abendblatt“ und die „Hörzu“ und investierte massiv in Internetgeschäfte. Mit großem Erfolg! 2019 holte er den US-Finanzinvestor KKR als gleichberechtigten Partner an Bord. Bei Springer gibt es keine Rücktrittsforderungen. Döpfner besitzt 22 Prozent der Anteile und übt 45 Prozent der Stimmrechte aus. Friede Springer schätzt Döpfner sehr und und hat ihn zu ihrem De-facto-Erben gemacht (Caspar Busse, SZ 23.11.21).

3653: Markus Anfang ist nicht mehr Trainer von Werder Bremen.

Montag, November 22nd, 2021

Die Verträge des Fußballtrainers Markus Anfang, 47, und seines Assistenten Florian Junge mit Werder Bremen sind aufgelöst. Grund ist ein Ermittlungsverfahren der Bremer Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Nutzung eines gefälschten Zertifikats. Der Impfstatus von Anfang war letztlich ungeklärt. Werder Bremen hatte ihn zunächst gestützt, konnte daran aber wegen einer „anderen Sachlage“ nicht mehr festhalten. Finanzvorstand Klaus Filbry sprach von einer „sehr klaren Indizienlage“. Anscheinend hat Markus Anfang den Klub, seine Fans und die Öffentlichkeit belogen. Werder Bremen hat einen enormen Imageschaden („Werder-Familie“), einen sportlichen und finanziellen Schaden erlitten.

Wie der Fall Kimmich zeigt, kann dadurch der deutsche Fußball schwer geschädigt werden.

Klaus Filbrich: „Für uns ist die Akte Markus Anfang geschlossen.“ (Thomas Hürner, SZ 22.11.21)

3652: Cem Özdemir sollte Bundesminister werden.

Sonntag, November 21st, 2021

Da beißt die Maus keinen Faden ab. Am Ende von Koalitionsverhandlungen stehen auch Personalentscheidungen. Die Ampel-Verhandler haben sich dabei bisher fast vorbildlich zurückhaltend benommen. Gut und weiter so!

Das Problem war ja wieder die FDP. Allein wenn wir an die törichten Behauptungen von Marco Buschmann zur Corona-Pandemie denken.

Nun habe ich das Gerücht gehört, dass Annalena Baerbock Außenministerin werden soll. Liebe Freunde von den Grünen, bei all euren Verdiensten, ihr habt doch bei der Bestimmung der Spitzenkandidatin gesehen, welche Auswirkungen solche Formelkram-Entscheidungen haben. Kommt zur Vernunft!

Die Grünen haben ja hervorragende Kandidaten. Zum Beispiel unseren Schwaben Cem Özdemir, einen bewährten Realo. Der sollte auf jeden Fall Bundesminister werden. Das bringt Leistung. Constanze von Bullion (SZ 20./21.11.21) schreibt dazu: „Doch es gibt Widerstände. Bekäme Realo Özdemir das Ressort Verkehr, müsste der Parteilinke Anton Hofreiter weichen, etwa aufs Feld Landwirtschaft. Das Problem mit der Vielfalt wäre dann gelöst, das Gleichgewicht der Geschlechter und Parteiflügel womöglich gestört.“ Ja, wenn man stets nach Quoten geht, kommt nichts Gutes dabei heraus. Aus Grünen-Kreisen höre ich die Ablehnung von Cem Özdemir. Ja, meine Freunde, dann ist euch nicht zu helfen. Verspielt nicht alle Möglichkeiten.

Nebenbei: Es hat auch in der vergangenen, von der großen Koalition getragenen Regierung gute Minister gegeben: z.B. Angela Merkel (CDU) und Hubertus Heil (SPD). Versager waren Andreas Scheuer und Horst Seehofer (beide CSU).

3651: Die SPD kann ihr Verhältnis zur Bundeswehr verbessern.

Sonntag, November 21st, 2021

In den letzten Jahrzehnten war die Bundeswehr geprägt von Skandalen. Anscheinend gibt es bei den Ampel (SPD, Grüne, FDP)-Verhandlungen kein großes Begehren nach dem Verteidigungsministerium. Der Freiherr von und zu Guttenberg (CSU), Ursula von der Leyen (CDU) und Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) wirkten als schlechte Minister. Bei der SPD war das einmal anders. Ich kann dies selbst gut beurteilen, weil ich in den sechziger Jahren in der Armee als Panzeroffizier gedient habe. Nie stimmte ich mit sozialdemokratischer Politik mehr überein als seinerzeit. Es war die Zeit von Willy Brandt, Helmut Schmidt, Hans Apel, Georg Leber und Peter Struck. Als Bundeskanzler hat Helmut Schmidt den NATO-Doppelbeschluss durchgesetzt.

Traditionell musste die SPD ihr prinzipiell schlechtesa Verhältnis zur Armee erst korrigieren, bevor es so weit kommen konnte. Das Verhältnis änderte sich erst langsam seit 1955. „Aber kaum eine andere Partei hat sich – aus dieser Erfahrung heraus – so verdient um die Nachkriegsarmee gemacht wie die SPD.“ (Mike Szymanski, SZ 20./21.11.21) Die Bundeswehr wurde zur Einsatzarmee. Frauen kamen dazu. Und Kasernen wurden nicht mehr nach Nazi-Generälen benannt. „Die SPD trug oft Verantwortung für die Bundeswehr, wenn sie besser wurde. Das sicherte ihr zugleich Rückhalt unter Soldaten.“

Gegenwärtig ist das Verhältnis der SPD zur Bundeswehr eher ablehnend-kritisch. Wie das der ganzen Gesellschaft. Die Mützenich-SPD hat bis vor kurzem Kampf-Drohnen abgelehnt. Das sollte wohl Friedenspolitik sein. Die mögen die Lukashenkos und Putins besonders gerne. Aber die SPD hat jetzt die Chance, ihr Verhältnis zur Bundeswehr (einem notwendigen Übel) nachhaltig zu verbessern. Wenn sie das Verteidigungsministerium übernimmt.

3650: Oswalt Wiener ist tot.

Samstag, November 20th, 2021

Mit 86 Jahren ist der Künstler und Philosoph Oswalt Wiener (1935-2021) an einer Lungenentzündung gestorben. Schon 1960 hatte er mit

„Die Verbesserung von Mitteleuropa. Roman“

ein Buch vorgelegt, das allen Regeln des Betriebs widersprach. Es war ein Sprachexperiment. Wiener war schon in Wien in Skandale verwickelt, wo er sich mit Friedrich Achleitner, Konrad Bayer und Gerhard Rühm als Neo-Dadaist beim Jazz präsentierte. Oder mit Otto Mühl und Günter Brus provozierte. 1968 publizierte er „Kunst und Revolution“. Einigen Rezipienten dämmerte es, dass Oswalt Wiener viel weiter dachte. Er musste Österreich verlassen und ging nach West-Berlin. Dort wurde er ein legendärer Kneipenwirt, studierte mit 50 Mathematik. Von 1992 bis 2004 gab er in Düsseldorf sein Wissen als Kunstprofessor weiter. Er machte den „homo sapiens“ lächerlich. Als einer der Ersten hatte er die Sinnlosigkeit der Welt begriffen.

3649: Es ist zum Heulen

Freitag, November 19th, 2021

Der Chef des Robert-Koch-Instituts, Prof. Dr. Lothar Wieler, spricht von 400 unvermeidbaren Corona-Todesfällen täglich in der nächsten Zeit und von „schlimmen Weihnachten“. „Daran ist nichts mehr zu ändern.“

Werner Bartens (SZ 9.11.21) kommentiert das: „Behaupten Politiker wie Markus Söder dreist, Wissenschaftler hätten die Bedrohung nicht kommen sehen, ist das unverschämt. Lassen sich 15 Millionen Erwachsene noch immer nicht impfen, ist das unverantwortlich und verdient keinerlei Rücksicht. Beides ist schlichtweg: zum Heulen.“

3647: Netzagentur stoppt Nord Stream 2.

Mittwoch, November 17th, 2021

Die Bundesnetzagentur stoppt die Zertifizierung Nord Stream 2. Sie ist die Voraussetzung für die Inbetriebnahme. Wichtige Bedingungen innerhalb des deutschen Rechts seien nicht erfüllt. Es geht um 54 der insgesamt 1.240 Kilometer. Rechtlich müssen Netz und Betrieb getrennt sein. Die Firma darf nicht unter dem Einfluss derer stehen, die das transportable Gut erzeugen. Der Betreiber muss mehr sein als eine Briefkastenfirma, er muss eigenes Personal haben, eine unabhängige Geschäftsführung und einen Aufsichtsrat. Die Nord Stream 2 AG sitzt im schweizerischen Zug und gehört dem Gazprom-Konzern. Theoretisch könnte die Firma Nord Stream illegal in Betrieb nehmen. Dann gibt es Sanktionen (Michael Bauchmüller, Paul-Anton Krüger, SZ 17.11.21).

Die Grünen haben Nord Stream 2 stets abgelehnt. Aus energiepolitischen und außenpolitischen Gründen. Angela Merkel (CDU) und die SPD haben immer daran festgehalten (gemeinsam mit so unverdächtigen Russen-Lobbyisten wie Gerhard Schröder). Die mecklenburg-vorpommersche SPD mit Manuela Schwesig, die gerade eine Koaltion mit der Linken eingegangen ist (toll !), befürwortet Nord Stream 2. Damit beschwört sie die Gefahr der energiepolitischen Abhängigkeit von Diktator Wladimir Putin herauf.

Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Nord Stream 2 ist nicht mehr aufzuhalten.

3646: Nouripour kritisiert Merkel für Gespräch mit Lukaschenko.

Mittwoch, November 17th, 2021

Der außenpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Omid Nouripour, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihr Telefonat mit dem weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko wegen der völkerrechtswidrigen Schleusung von Migranten an die polnische, lettische und litauische Grenze scharf kritisiert. Sie habe damit die Nicht-Anerkennung Lukaschenkos als legitimer Präsident untergraben. Zustimmung erhielt Merkel von der CSU, SPD und FDP (Daniel Brössler, SZ 17.11.21).

3645: Von der Leyen kritisiert Glasgower Klimakonferenz.

Mittwoch, November 17th, 2021

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die Ergebnisse der Klimakonferenz in Glasgow kritisiert. Das Resultat sei angesichts der drängenden Herausforderungen „gerade mal ein Zwischenschritt und nicht der große Erfolg“. Beim Wirtschaftsgipfel der SZ war sie als Eröffnungsrednerin per Video zugeschaltet. Sie bezeichnete es als Enttäuschung, dass bei den Verhandlungen der weltweite „Kohleausstieg nur zu einem Kohleabbau verwässert worden ist, und zwar in allerletzter Minute“. Zudem würden die Industrieländer arme Staaten beim grünen Umbau der Wirtschaft nicht ausreichend finanziell unterstützen. Europa habe seine Versprechen erfüllt, andere wie

Indien, China und Russland

aber nicht. Von der Leyen verteidigte die ambitionierten Klimaziele der EU und die umstrittene Ausweitung des Emissionshandelssystems auf Heizen und Verkehr. Dies würde von 2026 an die

Preise für Benzin, Gas und Heizöl

erhöhen, was viele Regierungen für gefährlich hielten (BFI, SZ 16.11.21).

3644: Andrea Tandler soll dem CSU-Gesundheitsministerium Masken angeboten haben.

Mittwoch, November 17th, 2021

Die Münchener PR-Unternehmerin Andrea Tandler soll am 3. März 2020 dem von der CSU geführten bayerischen Gesundheitsministerium Masken der Schweizer Firma Emix angeboten haben. Zum Preis von 8,90 Euro pro Stück. Aber nur unter der Voraussetzung, dass dieses Angebot angenommen und die Hälfte des Kaufpreises vorausgezahlt werde.

Andrea Tandler ist die Tochter des ehemaligen CSU-Generalsekretärs Gerold Tandler. Sie hat mit dem Deal angeblich Millionen verdient.

Die CSU hat’s halt mit den Masken.

(Markus Grill, Klaus Ott, Jörg Schmitt; SZ 17.11.21)