Archive for the ‘Medien’ Category
Dienstag, August 29th, 2023
Ich erinnere mich an einige Fimnachmittage im Göttinger „Stern“ oder „Sternchen“, für die ich mich in den siebziger Jahren freimachen konnte. Zu Filmen mit Robert de Niro (geb. 1943) oder von Martin Scorsese. Manchmal war ich der einzige Gast. So bei „Hexenkessel“ (1973) oder „Taxi Driver“ (1976). Der große Kino-Metaphysiker der Gewalt, Martin Scorsese, brauchte dazu Robert de Niro. Dessen ungeheure Arroganz und Intensität waren unersetzlich. Heute nicht mehr, wo er 80 Jahre alt wird, aber das liegt nicht an de Niro, sondern an den modernen Filmen.
De Niro verkörperte schon in jenen Filmen den Typus des weißen Manns, der Indigene bekämpft. Die Linken mögen ihn deswegen nicht. Er wirkt nicht fortschrittlich genug. Dafür wahrhaftig. So auch in „Raging Bull“ (1980), wo er den Mittelgewichtler Jake La Motta verkörpert, dem er zwei Jahre vor dem Film auf den Pelz und in die Wohnung rückte. De Niro lernte Boxen. Und wir Boxfans erkannten, dass das gelang. Schon viele große Hollywood-Schauspieler hatten Boxer gespielt, aber Robert de Niro übertraf sie alle. Er wurde Weltmeister (der Schauspielkunst). Vielleicht hat er nicht so viel Charisma wie andere Schauspieler, aber versiegelt sich in seine Rollen. So bei „Meine Braut, ihr Vater und ich“ (2000). De Niro verkörperte weithin den Zorn der städtischen, besitzlosen Klassen. Wie gut; denn den Linken heute fällt dazu ja nicht allzu viel ein (Philipp Bovermann, SZ 17.8.23).
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Montag, August 28th, 2023
Der Lyriker Wolf Wondratschek ist 80 Jahre alt geworden. Früher war er angriffslustig. Sein erster Gedichtband
„Früher begann der Tag mit einer Schusswunde“ 1969
war für uns Gedichtefans ein Paukenschlag. Wondratschek war ein Popstar der Lyrik. Er bekam große Vorschüsse. Als er von einem Verleger einen Koffer voller Geld verlangte, warf der ihn raus. Der Filmproduzent Bernd Eichinger kaufte ihm ein einziges Gedicht ab, das über die Frau ging, die beide liebten. Am Ende verkaufte Wolf Wondratschek seinen letzten Roman an einen Wiener Privatmann, Auflage ein Exemplar. Volker Weidermann schreibt dazu: „Mir hat Wondratschek vor ein paar Jahren im einzigen Zimmer im Hotel Savoy in Berlin, in dem man rauchen darf, diesen Roman nacherzählt. Das war eines der schönsten Erlebnisse, die ich als Literaturkritiker hatte.“ (Zeit, 17.8.23)
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Sonntag, August 27th, 2023
Die Brics-Staaten der wichtigsten Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika haben beschlossen, ihren Bund zum 1.1.2024 um die Staaten Argentinien, Ägypten, Äthiopien, Iran, Saudi Arabien und die Vereinigtren Arabischen Emirate zu erweitern. Sie wollen ihrem Block dadurch größeres Gewicht verleihen (SZ 25.8.23).
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Samstag, August 26th, 2023
Der Münchener Soziologe Armin Nassehi, 63, ist für seinen Realismus bekannt. Auf die Frage des Interviewers Max Hägler (Zeit 10.8.23)
„Aber wir müssen doch eigentlich morgen bereits alles geändert haben, um Firmen zu halten, das Klima zu retten, das Vertrauen wiederherzustellen.“
antwortet er:
„Ihre Frage impliziert, wir hätten die Wahl, könnten das Tempo einer gesellschaftlichen Veränderung bestimmen. Aber das lässt sich kaum beschleunigen. Es wird dauern, weil der Wahrnehmungsschock erstaunlich groß ist und so viel gleichzeitig zu ändern ist. Zumal deutlich wird, dass diese demografisch nicht gerade juvenile Gesellschaft eher träge und konservativ ist. Da helfen auch striukte moralische Aufforderungen nicht, wie Linke zu oft glauben. Wenn wir das nicht berücksichtigen, dann fliegt uns die Demokratie auseinander.“
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Samstag, August 26th, 2023
Die Axel Springer SE und ihr ehemaliger „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt haben sich überraschend außergerichtlich geeinigt und darüber Vertraulichkeit vereinbart. So kommt vieles nicht ans Tageslicht. Reichelt war 2021 wegen Vorwürfen des Machtmissbrauchs entlassen und dann verklagt worden. Daraufhin hatte er dem Verleger der „Berliner Zeitung“, Holger Friedrich, pikante interne Informationen aus dem Haus Springer übermittelt. Wohl peinlich für den Vorstandschef Mathias Döpfner. Der hatte noch sehr lange engen Kontakt zu Reichelt gehalten. Der ehemalige „Bild“-Chef erhob Widerklage. Reichelt bedauerte nun sein Verhalten. Springer sieht seine Kernanliegen erreicht. Es soll also schnellstmöglich ohne großes Aufsehen der Streit beigelegt werden. Vielleicht wurden die Springer-Juristen zurückgepfiffen. Und vermutlich darf Julian Reichelt seine zwei Millionen Euro Abfindung behalten (Anna Ernst, SZ 23.8.23).
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Samstag, August 26th, 2023
Der Bergarbeitersohn und Lyriker Reiner Kunze (geb. 1933) machte zunächst eine ordentliche DDR-Karriere. Abitur, Eintritt in die SED, Studium der Philosophie und Publizistik an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Als wissenschaftlicher Assistent wurde er dort aber schon 1959 „konterrevolutionärer Umtriebe“ bezichtigt. 1959 war „Vögel über dem Tau“ erschienen, 1969 „sensible wege“. 1976 erschienen die „Wunderbaren Jahre“, Reiner Kunzes wichtigsates Werk. Dafür wurde er aus dem DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen, sein SED-Parteibuch hatte er bereist 1968 zurückgegeben.
In seinem Kölner Konzert 1976 sang Wolf Biermann „Selbstporträt für Reiner Kunze“. Biermann wurde nicht mehr reingelassen, Kunze wanderte 1977 aus. Lebt seither in der Gegend von Passau. 1977 hatte ihm Heinrich Böll die Laudatio zur Verleihung des Büchner-Preises gehalten. 1990 erschien unter „Deckname ‚Lyrik'“ Reiner Kunzes Stasi-Geschichte. Dabei wurde klar, dass er von Ibrahim Böhme, dem zeitweiligen SPD-Star ausgespäht worden war. Deutsache Geschichte im 20. Jahrhundert. Reiner Kunze hat sich in seiner Lyrik stets von Rose Ausländer und Paul Celan leiten lassen. Er feiert seinen 90. Geburtstatg (Lothar Müller, SZ 16.8.23).
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Freitag, August 25th, 2023
Fünf Männer und eine Frau sind vom Amtsgericht Tiergarten wegen Landfriedensbruchs, Beleidigung von Polizisten und Zeigen des Hitlergrußes am 29. August 2020 beim Sturm auf das Reichstagsgebäude zu Geldstrafen verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hat 346 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Meistens gegen Unbekannt. 89 Personen wurden ermittelt. Überwiegend Rechtsextremisten und sogenannte Reichsbürger (SZ 25.8.23).
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Donnerstag, August 24th, 2023
Der Bund, das Land Bayern un die Stadt München haben sich auf die Gründung einer gemeinnützigen Anton Fliegerbauer-Stiftung geeinigt. Benannt nach dem Polizisten, der 1972 beim palästinensischen Terroranschlag auf die Olympischen Spiele getötet wurde. Damit soll Kindern und Jugendlichen in Not geholfen werden. Das Stiftungskapital errechnet sich nach dem 28 Millionen Euro, die 2022 den Hinterbliebenen der elf israelischen Getöteten zur Verfügung gestellt wurden. Also gut 2,5 Millionen Euro pro Opfer (SZ 24.8.23)
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Samstag, August 5th, 2023
Der deutsche Fußball befindet sich in einer Krise. Aber nicht nur der. Früher, als die Welt noch in Ordnung zu sein schien, hatten wir Goldpferde und Schwimmstars wie Franziska van Almsick, Michael Groß und Britta Steffen. Wir waren das Land der Ruderer. Die Krise hat viele Ursachen. Es geht auch um Sportförderung und Trainingskonzepte. Vor allem aber darum, dass die jungen Leute in ihrer Freizeit anderen Werten folgen. Der Spitzensport hat an Attraktivität verloren. Die Deutschen wollen keine Olympischen Spiele mehr im eigenen Land, was mir sehr vernünftig erscheint. Bonzen wie Gianni Infantino und Thomas Bach werden in Deutschland verachtet. Zu Recht. Dann ist die Krise tatsächlich ja gar nicht so schlimm (Holger Gertz, SZ 5./6.8.23).
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Mittwoch, August 2nd, 2023
Die Bronzeplastik einer nackten Frau, der sogenannten „Primavera“ (italienisch: Frühling), des Künstlers Fritz During ist aus dem Foyer der Universität Flensburg entfernt worden. Beantragt hatte das der Gleichstellungs- und Diversitätsausschuss. Inzwischen steht dort ein regenbogenfarbenes Fragezeichen. Der Asta hat im Sinne der Kunstfreiheit beantragt, die Plastik wieder aufzustellen. Eine Petition dafür haben mittlerweile über 2.000 Menschen unterzeichnet.
Die Gleichstellungsbeauftragte der Universität Flensburg fragt, ob eine nackte Frau im Foyer der Universität richtig aufgestellt sei. Der Akademische Senat, in dem auch Studenten vertreten sind, war mit der Angelegenheit nicht befasst. Das Präsidium der Universität hat inzwischen das Fach Kunst um eine Stellungnahme gebeten. Das empfiehlt, „die Plastik (eine solide künstlerische Arbeit ihrer Zeit und ihres Entstehungskontextes)“ zwar weiterhin auf dem Gelände der Universität auszustellen, „aber einen weniger zentralen Ort dafür zu wählen“. Nach der Sommerpause fällt die Entscheidung. Zur Zeit steht die Plastik im Büro des Hausmeisters (Gernot Knödler, taz 28.7.23).
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