Archive for the ‘Medien’ Category

4440: Peter Ramsauer (CSU) rechnet mit Angela Merkels (CDU) Kanzlerschaft ab.

Mittwoch, August 2nd, 2023

Die CSU hat uns in den Jahren zwischen 2009 und 2021 drei schlechte Verkehrsminister beschert: Peter Ramsauer, Alexander Dobrindt und Andreas Scheuer. Nun meldet sich ersterer zu Wort. Mit einer – aus seiner Sicht – vernichtenden Kritik der Kanzlerschaft von Andrea Merkel (CDU). Dabei hat er sich zunächst bezogen auf eine Aussage des früheren chinesischen Machthabers Deng Xiaoping: „Wenn man die Fenster zu weit aufmacht, kommt auch viel Ungeziefer mit rein.“ (Franz-Josef Strauß hatte sich noch auf „Ratten und Schmeißfliegen“ beschränkt.).Davon hat sich Ramsauer inzwischen distanziert.

Aber er zählt den Atomausstieg und die Flüchtlingspolitik zu den“katastrophalsten politischen Fehlern der damaligen Bundeskanzlerin“. Die AfD-Politiker müssten „Merkel ein Denkmal setzen, weil die AfD ihre parlamentarische Existenz ausschließlich der Politik von Angela Merkel zu verdanken hat“. Ramsauer möchte die Zuwanderung bereits an den EU-Außengrenzen stark beschränken. „Diese unselige Entwicklung in Deutschland haben wir ausschließlich Angela Merkel zu verdanken.“ (Peter Fahrenholz; SZ 2.8.23)

W.S.: Andrea Merkels Kanzlerschaft hat tatsächlich scharfe Kritik verdient. Wegen ihrer falschen Russland-Politik.

4439: Zum Umgang mit der AfD

Dienstag, August 1st, 2023

1. Die AfD trägt weder im Bund noch in den Ländern Regierungsverantwortung, in den Kommunen nur marginal.

2. Wir dürfen

a) ihre Themen nicht übernehmen,

b) sie nicht normalisieren und

c) ihnen nicht den Alleinvertretungsanspruch bei den Unzufriedenen überlassen.

3. Die AfD ist gegen alles, das funktioniert, das „System“, „die da oben“.

4. Die AfD kapriziert sich auf Migration, Integration, Religionsfreiheit und Sicherheit.

5. Die AfD will die EU zerschlagen.

6. Die AfD lehnt die „Elite“ ab: Politik ab Landesebene, Journalismus ab Großstadt und in der Wirtschaft alles, was oberhalb von Familienbetrieben angesiedelt ist.

7. Einige wählen die AfD nur deshalb, weil sie die einzige Partei ist, die nicht mit den Grünen zusammenarbeitet.

8. Die AfD lehnt alles ab, das nach „Multikulti“ riecht.

4436: Russische Sportler sollten bei Olympia nicht starten.

Montag, Juli 31st, 2023

Im IOC ist der Präsident, Thomas Bach aus Deutschland, ein Helfer und Unterstützer des Kriegsverbrechers Wladimir Putin (Russland). Bisher konnten Ukrainer durch ein Dekret der eigenen Regierung an internationalen Sprtwettkämpfen nicht teilnehmen, wenn Russen dabei waren. Dadurch haben sie sich selbst geschadet. Nun werden Russen und Belarussen bald zu den Olympischen Spielen in Paris zugelassen. Da dürfen Ukrainer dann auch teilnehmen. Das Ganze ist lachhaft. Der Putin-Freund Thomas Bach lässt den internationalen Sport moralisch vor die Hunde gehen. Er schützt das Staatsdoping-Land Russland und behindert die Ukraine (Johannes Knuth, SZ 28.7.23).

4433: Martin Walser ist tot.

Samstag, Juli 29th, 2023

Im Alter von 96 Jahren ist in seiner Heimat am Bodensee der deutsche Schriftsteller Martin Walser gestorben. Er war einer der größten deutschen Schriftsteller nach 1945. Und der streitlustigste. Er hat viele Kontroversen ausgelöst und über 50 Bücher geschrieben. Einige davon wohl zu viel. Walsers Spezialität war das deutsche Seelenleben. Zugleich war er ein messerscharfer Intellektueller.

Zu seinen wichtigsten Werken gehören: „Ehen in Philippsburg“ (1957), „Ein fliehendes Pferd“ (1978), „Dorle und Wolf“ (1987), „Die Verteidigung der Kindheit“ (1991), „Ein springender Brunnen“ (1998), „Ein liebender Mann“ (2008).

Martin Walser trat schon für die Vereinigung Deutschlands ein, als das unter Intellektuellen noch als dégoutant galt. Er nahm kein Blatt vor den Mund. So auch nicht bei seiner Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 1998. Da betonte er, dass Auschwitz nicht als „Drohroutine“, „Moralkeule“, „Lippengebet“ verwandt werden dürfe. Und zog einen Sturm der Entrüstung auf sich. Meine Kollegin, Prof. Dr. Martina Thiele, Universität Tübingen, und ich haben in unserer Analyse geschrieben (Deutsche Studien Heft 142, 1999, S. 147-208):

Walsers Gegner versuchen, „Walser als jemanden zu entlarven, der schon immer nationalistisch, spießig und überheblich gewesen ist. Walsers Eintreten für die nationale Einheit zu einem Zeitpunkt, in dem der Gedanke daran als revanchistisch galt, seine Laudatio auf Victor Klemperer und nun die Friedenspreisrede haben diese Kritiker in iher Ablehnung bestärkt. Andere Gegner gestehen Walser seine politischen Überzeugungen bis zu einem gewissen Punkt zu, sie verreißen sein literarisches Werk. So stellt Marcel Reich-Ranicki im ‚Literarischen Quartett‘ am 14.8.1998 fest: ‚Aber Erzählen kann er ums Verrecken nicht.'“ (S. 198)

Reich-Ranicki nahm Martin Walser sich dann in seinem Roman „Tod eines Kritikers“ (2002) vor. Auch das erweckte Abscheu und Entsetzen. Am literarischen Rang Walsers ändert es nichts.

4431: Kardinal droht lange Haft.

Donnerstag, Juli 27th, 2023

Im Strafprozess um den verlustreichen Immobilien-Deal des Vatikans in London droht dem angeklagten Kardinal Giovanni Angelo Becciu eine längere Haftstrafe. Sieben Jahre und drei Monate Haft sind beantragt. Der Prozess läuft seit 2021. Dem Kardinal wird neben der Investition in eine Luxusimmobilie Amtsmissbrauch und Vereuntreuung vorgeworfen. Er hat stets sein Unschuld betont. Es sind neun weitere Personen angeklagt (SZ 27.7.23).

4430: Ist Wandern rassistisch ?

Mittwoch, Juli 26th, 2023

In einem Beitrag über Cancel Culture schreibt Hilmar Klute (SZ 26.7.23):

„In der ‚Neuen Zürcher Zeitung‘ stand neulich, dass nun auch das Wandern als rassistisch gelte, weil sich schwarze Menschen aus Sorge vor Übergriffen ja nicht in den Wald trauen würden.“

W.S.: Wenn es Menschen gibt, die das wirklich glauben, wessen ich mir nicht sicher bin, dann haben die tatsächlich einen Knall.

4427: Brigitte Reimann wäre heute 90.

Dienstag, Juli 25th, 2023

Vor 50 Jahren ist Brigitte Reimann an Krebs gestorben. Tragisch. Kaum ein Schriftsteller hat so viel Privates von sich preisgegeben wie diese lebenslängliche Sozialistin: Abstürze, Affären, Beziehungen, Dreiecksverhältnisse, vier Ehen, Leidenschaft, Begehren, Trennungen. Reimann war Mitglied in der Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft (DSF) und in der FDJ. Die 1933 Geborene bejubelte anfangs wie alle, die publiziert werden wollten, den Stalinismus.

Dann wurde sie auf den „Bitterfelder Weg“ gezwungen, auf dem die Werktätigen die „Höhen der Kultur“ erstürmen sollten. Reimann kam ins Lausitzer Braunkohlekombinat „Schwarze Pumpe“, schliff Ventile und gab Schreibkurse. Schriftstellerin hatte sie von Anfang an werden wollen. Das Gesundbeten und die Schönfärberei der SED-Propaganda gingen ihr stark auf die Nerven. Der Leiter der Kulturkommission der SED, Kurt Hager, lobte sie für ihre Fähigkeit, ein „sozialistisches Lebensgefühl“ zu vermitteln, ohne die Schwierigkeiten unter den Tisch fallen zu lassen.

Brigitte Reimanns Hauptwerk „Franziska Linkerhand“ erschien posthum 1974. Darin sagt Franziska: „Wir haben gelernt, den Mund zu halten, keine unbequemen Fragen zu stellen, einflussreiche Leute nicht anzugreifen, wir sind ein bisschen unzufrieden, ein bisschen unehrlich, ein bisschen verkrüppelt, sonst ist alles in Ordnung.“ In diesem Roman spürt man schon den Vorgriff auf die ausländerfeindlichen Übergriffe in Hoyerswerda nach dem Mauerfall. Als junge Frau hatte sich Brigitte Reimann von der Stasi anwerben lassen. Insofern konnte sie kundig über „Republikflucht“, die für sie nicht in Frage kam, und Spitzelkultur schreiben. Sie selbst wurde zum Gegenstand mehrerer „operativer“ Vorgänge. Jemand wie Brigitte Reimann fehlt in unserer Literatur (Danilo Scholz, SZ 21.7.23).

4420: Walter Ulbricht – der Protagonist des deutschen Kommunismus

Mittwoch, Juli 19th, 2023

Auf Befehl Josef Stalins kam Walter Ulbricht schon im April 1945 wieder zurück nach Deutschland („Gruppe Ulbricht“). Ilko-Sascha Kowalczuk widmet ihm eine ausführliche Biografie:

Walter Ulbricht. Der deutsche Kommunist (1893-1945). München 2023, 1.006 S., 49,99 Euro.

Der Autor ist bestrebt, dem Protagonisten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, aber manches ließ sich wohl nicht geraderücken. Ulbricht wurde Erster Sekretär des ZK der SED und damit der entscheidende Mann nach 1945. Für die brutale Niederschlagung des Volksaufstands vom 17. Juni war er ebenso verantwortlich wie für den Bau der Mauer  am 11. August 1961. 1971 wurde er von Erich Honecker entmachtet und starb 1973. Kowalczuk stellt in seinem ersten Band Ulbrichts Leben bis 1945 dar.

Als junger Tischler in Leipzig wurde Ulbricht für seine Intelligenz und sein Organisationstalent bekannt. In der 1918/19 gegründeten KPD stand er zunächst in der zweiten Reihe. Nach dem Scheitern eines gewaltsamen Aufstandsversuchs 1923 wurde deutlich, dass die Partei damals bereits Erschießungslisten für den Fall der Machtübernahme führte. Schon in den zwanziger Jahren wirkte Ulbricht in Moskau, kam 1929 zurück. 1933 blieb nichts anderes als das Exil. In dem gewann er den Machtkampf gegen Willi Münzenberg, der 1940 unter ungeklärten Verhältnissen ums Leben kam. In der Sowjetunion war Ulbricht für die Bearbeitung deutscher Kriegsgefangener zuständig. Der großen „Tschistka“ (Säuberung) Ende der dreißiger Jahre, in der viele deutsche Kommunisten ermordet oder nach Sibirien (wie bei Putin) deportiert wurden, entging Ulbricht. Er hatte das Vertrauen Stalins gewonnen. Um dann nach 1945 um so unerbittlicher zu herrschen (Daniel Siemens, SZ 17.7.23).

4419: Georg-Büchner-Preis für Lutz Seiler

Mittwoch, Juli 19th, 2023

Den Georg-Büchner-Preis 2023 bekommt der Schriftsteller Lutz Seiler. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung teilte mit, Seiler habe als Lyriker und Romancier zu einer unverwechselbaren Stimme gefunden. 2014 hatte Seitler für „Kruso“ schon den Deutschen Buchpreis bekommen, 2020 für „Stern 111“ den Preis der Leipziger Buchmesse (SZ 19.7.23).

4418: Linke nominiert Carola Rackete.

Dienstag, Juli 18th, 2023

Für die Europawahl 2024 nominiert die deutsche Linke die parteilose Seenotretterin und Umweltschützerin Carola Rackete. Sie stehe für die Verbindung von Klima- und Klassenpolitik. Rackete wurde 2019 dadurch bekannt, dass sie trotz Verbots mit der „Seawatch 3“ mit aus Seenot geretten Flüchtlingen Lampedusa angesteuert hatte. Rackete engagiert sich für Klimagerechtigkeit und Migration. Sollte sie gewählt werden, möchte sie in den Umweltausschuss. Neben Rackete kandidieren der Parteivorsitzende Martin Schirdewan sowie Özlem Demirel und der Sozialmediziner Gerhard Trabert. Er ist seit mehreren Jahren mit einem „Arztmobil“ unterwegs und behandelt wohnungslose Menschen kostenlos (Saladin Salam, SZ 18.7.23).