Archive for the ‘Medien’ Category

4479: Roman Deininger erläutert uns die Wählerstrukturen.

Sonntag, September 10th, 2023

Der SZ-Journalist Roman Deiniger hat wesentlich an der Aufklärung der Aiwanger-Affäre (Freie Wähler) mitgewirkt. Und er kennt die Wählerstrukturen in Deutschland und speziell in Bayern genau. Darüber informiert er uns. Ich vereinfache und numeriere:

1. Die westliche Gesellschaft ist gekennzeichnet von Säkularisierung und Individualisierung. Das macht es den Volksparteien schwer, soweit es sie noch gibt.

2. Die CSU ist in Deutschland die letzte Volkspartei mit Ergebnissen um 40 Prozent.

3. Intwischen haben wir eine Bruchlinie zwischen Stadt und Land.

4. Das äußert sich einmal in den „Kosmopoliten“, welche die Veränderung wollen, und den „Heimatbewahrern“.

5. Der CSU ist es bisher gelungen, den gesellschaftlichen Wandel in Bayern von der Agrar- zur Industriegesellschaft zu moderieren.

6. Markus Söder konnte sich von Anfang an nicht recht zwischen „Kosmopoliten“ und „Heimatbewahrern“ entscheiden. Deswegen schwankt er so.

7. Inzwischen haben sich überall materielle und kulturelle Verlustängste breitgemacht.

8. Die Flüchtlingskrise 2015 hat nicht zu ausreichender Integration geführt. Dazu kommen die Wirtschaftskrise, die Energiekrise und der russische Vernichtungskrieg in der Ukraine.

9. Mit der Gelassenheit und der Systemtreue der Bundesdeutschen ist es vorbei.

10. Wahrscheinlich wäre eine schwarz-grüne Koalition die einzige, die vermitteln könnte zwischen „Kosmopoliten“ und „Heimatbewahrern“.

11. Bisher wollen 92 Prozent der CSU-Wähler an einer Koalition mit den Freien Wählern festhalten.

12. Deutschland ist aber noch weit entfernt von einer gesellschaftlichen Spaltung wie in den USA.

13. Aiwangers Flugblatt-Affäre könnte aber zu einem Katalysator für die Spaltung werden.

14. Vor diesem Hintergrund muss man Charlotte Knoblochs Bemerkung sehen, durch Söders Entscheidung, Aiwanger nicht zu kündigen, sei eine „noch größere Katastrophe“ verhindert worden.

15. Markus Söder hat opportunistisch entschieden. Aus heißer Angst und kühler Abwägung. Damit hat er verhindert, dass die Volkspartei CSU den Weg des Zerfalls geht (SZ 9./10.9.23).

4478: Fehlbesetzung in Margarethe von Trottas Bachmann-Film

Sonntag, September 10th, 2023

In Margarethe von Trottas Film „Ingeborg Bachmann, Reise in die Wüste“ empfand ich Ronald Zehrfeld als Max Frisch als eine Fehlbesetzung. Ganz im Gegensatz zu seiner Partnerin Vicky Krieps als Ingeborg Bachmann.

4476: Hans-Uklrich Klose ist gestorben.

Freitag, September 8th, 2023

Einer der fähigsten sozialdemokratischen Politiker nach 1945 ist gestorben, Hans-Ulrich Klose. Im Alter von 86 Jahren. Das Vertriebenenkind aus Breslau studierte Jura und wurde sehr früh Erster Bürgermeister Hamburgs. Er gewann 1978 die absolute Mehrheit. Klose war ein freier Geist und begründete darauf seine Autorität. Er ging auch für die SPD schwierige Probleme an. Ein guter Redner, aber kein „lauter Typ“. Bisweilen schaute er spöttisch auf den eigenen Betrieb. Die Hamburger SPD konnte ihm nicht überall folgen. Klose wurde Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und hatte Mühe, die Abgeordneten auf Linie zu halten. Es gab erste Auflösungserscheinungen. Ab 1994 wirkte Hans-Ulrich Klose als Außenpolitiker wie ein Elder Statesman, wurde Vizepräsident des Bundestags. Ausgleich fand er in künstlerischer Betätigung. Er malte und schrieb Gedichte. Ein großer Verlust (Jan Bielicki, SZ 8.9.23).

4475: Bischof zu Schmerzensgeld verurteilt

Donnerstag, September 7th, 2023

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann ist vom Arbeitsgericht Trier zur Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 Euro verurteilt worden. Er hatte in einer Videokonferenz im März 2022 den Klarnamen einer wegen Missbrauchs traumatisierten Angestellten des Bistums Trier genannt. Damit seien ihre Persönlichkeitsrechte verletzt worden. Das Bistum Trier teilte mit, dass Bischof Ackermann den Betrag zahlen werde. Eine gütliche Einigung im Vorfeld der Entscheidung war gescheitert (SZ 7.9.23).

4473: Attacke auf den Yad Vashem-Leiter Dani Dayan

Dienstag, September 5th, 2023

Die orthodox-religiösen Mitglieder der israelischen Regierung scheuen vor nichts zurück. Jetzt hat Bildungsminister Joav Kisch in einem Brief dem Vorsitzenden der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, Dani Dayan, Missmanagement vorgeworfen. Wahrscheinlich will man ihn loswerden. Ein Grund dafür scheint die Verstimmung von Netanjahus Frau Sara darüber gewesen zu sein, dass beim diesjährigen Holocaust-Gedenktag eine Sängerin aufgetreten war, die zuvor die Regierung wegen des geplanten Justizumbaus kritisiert hatte. Oppositionsführer Jair Lapid bezeichnete den Brief des Bildungsministers als weiteren Tiefpunkt der Regierungspolitik. In dem Brief wird eine Politikerin als mögliche Nachfolgerin Dayans genannt. 120 Holocaust-Forscher aus aller Welt haben die israelische Regierung aufgefordert, Dayan weiter seine Arbeit machen zu lassen (Peter Münche, SZ 5.9.23).

4471: Bundeszentrale für politische Bildung wird behindert.

Montag, September 4th, 2023

Dass die AfD die Bundeszentrale für politische Bildung bekämpft, versteht sich von selbst, sie bekämpft ja die Demokratie. Nun aber werden die Mittel für die Bundeszentrale vom Bundesinnenministerium Nancy Faesers (SPD) um rund ein Fünftel gekürzt, 20 Millionen Euro. Das ist Schwachsinn. Und höchst gefährlich. Der Präsident der Bundeszentrale, Thomas Krüger (SPD) dazu: „Es gibt nur eines, das auf die Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung.“ Die fehlenden Mittel der Bundeszentrale fehlen vor allem im Osten. Den Feinden der Demokratie wird der Boden bereitet. Meron Mendel, der Leiter der von der Bundszentrale geförderten Bildungsstätte Anne Frank, Frankfurt: „Wenn man Aufklärung, die Orientierung an Fakten und Wissenschaft, das Vermitteln von Reflexionsfähigkeit für einseitig hält, ist politische Bildung einseitig.“ (Peter Laudenbach, SZ 10.8.23)

4469: Matthias Sammer: „Der deutsche Fußball liegt am Boden.“

Samstag, September 2nd, 2023

Matthias Sammer war und ist ein sehr erfolgeicher Fußballer. Als Spieler, Trainer und Sportdirektor. DDR-Meister, deutscher Meister, Europameister, Champions-League- und Weltpokalsieger. Als Trainer wurde er mit Borussia Dortmund Meister. Als DFB-Sportvorstand (2006-2012), als Sportvorstand des BC Bayern (2012-2016). Zur Zeit berät er die Geschäftsführung des BVB. In einem Interview mit Moritz Kielbassa und Christof Kneer (SZ 2./3.9.23) macht er sehr erhellende Angaben über den deutschen Fußball. Ich kürze und numeriere hier:

1. „Es muss jetzt was passieren.“

2. „Wir sind in der größten Krise, die der deutsche Fu0ball in der jüngeren Vergangenheit erlebt hat.“

3. Die Deutschen sind Weltmeister im Ausredensuchen.

4. „Unser Anspruch ist Weltspitze.“

5. Davon sind wir überall weit entfernt.

6. So wie heute Manchester City unter Pep Guardiola haben früher die Deutschen gespielt.

7. Jede Fußballmannschaft braucht vor allem eins, nämlich eine Hierarchie. Die haben wir zur Zeit nicht.

8. Flache Hierarchien sind im Fußball falsch.

9. „Der deutsche Fußball hat komplett seine Identität verloren.“

10. „Unsere Tugenden waren unter anderem doch immer: wir waren körperlich sehr stark, wir waren top in Eins-gegen-Eins-Duellen, egal ob offensiv oder defensiv. Und wir wollten immer gewinnen.“

11. Wir hatten Mittelstürmer wie Seeler, Gerd Müller, Hrubesch, Klose.

12. Eines Tages haben wir nur noch in Systemen gedacht, nicht an die Stärke des einzelnen Spielers.

13. „… das Gesetz des Leistungsports besagt, dass die Entwicklung nicht stehen bleibt und die großen Leitlinien deshalb alle zwei, drei jahre überprüft und, wenn nötig, angepasst werden müssen. Und das haben wir überhaupt nicht mehr gemacht. Deshalb stehen wir jetzt da, wo wir stehen.“

14. „Für mich ist der deutsche Fußball nicht mehr der deutsche Fußball.“

15. Positive Veränderungen gehen nur über Personen.

16. Wir brauchen neue Leute an der Spitze.

17. „Deshalb finde ich die Wahl des Sportdirektors entscheidend für die Zukunft des deutschen Fußballs.“

18. Der muss ein Siegertyp sein, ein Anführer.

19. „Einer, der vernetzt denken kann und auch kein Problem damit hat, sich mal unbeliebt zu machen.“

20. „Sami (Khedira) war mein Vorschlag. Der hat sich bei Real Madrid durchgesetzt, er war sechs Jahre bei Juventus. Er war Kapitän der U-21-Europameister 2009, er wurde 2014 Champions-League-Sieger und Weltmeister. Der hat Qualitäten, die kannst du nicht lernen – die musst du haben. Er ist einfach ein Winner-Typ. Verstehen Sie es richtig. nicht er hat sich beworben. Ich habe ihm gesagt: Du bist genau der Richtige, du musst das machen.“

21. „Meine Idee war ein Modell mit Sami, Hannes Wolf und mir.“

22. „… ich nehme mir schon die Freiheit zu sagen: was bisher beschlossen wurde, ist zu wenig. Es fehlt an Inhalt und Struktur, und es fehlt vor allem ein Anführer.“

23. „Ist es denn nicht die Aufgabe des DFB oder der Vereine, die Guten und Motivierten zu finden? Khedira. Aber zum Beispiel auch Per Mertesacker und Mario Gomez haben mir den Glauben an diese Generation gegeben.“

24. „Was man jetzt noch tun kann? Ich nenne mal drei Punkte, die mir spontan einfallen: 1. ab sofort einen ‚Stamm-Kader‘ festlegen, also etwa 15, 16 Spieler, die fix sind. … 2. eine Hierarchie von mindestens drei Führungsspielern festlegen und ebenfalls öffentlich benennen, 3. in der Spielanlage eine Einfachheit herstellen, die der Mannschaft Sicherheit gibt.“

25. „Ich maße mir aufgrund meiner Geschichte schon an, zu sagen, dass ich weiß, wie Leistung und möglicher Erfolg organisiert werden kann.“

26: „Und wenn Sie mich nach einer Mitarbeit fragen: Da muss man einfach nur miteinander reden.“

W.S.: Also eine Selbstbewerbung mit großem Gewicht !

4466: Es ist noch was zu retten.

Donnerstag, August 31st, 2023

Es sieht nicht gut aus in Deutschland. Bei den Parteien, in der Wirtschaft, bei Verbänden, in vielen Medien. 24 Prozent der Menschen meinen, die Regierung betrüge das Volk. Viele Bürger haben kein Vertrauen mehr in die Politik. Jeder Fünfte denkt rechtspopulistisch. Es gibt einen großen Widerwillen gegen alles, was als fremd oder anders erscheint. Ca. 20 Prozent würden AfD wählen. Es kann einem schlecht werden.

Trotzdem darf die freie Gesellschaft nicht die Flinte ins Korn werfen. Wir müssen mit allen im Gespräch bleiben. Auch wenn uns das schwerfällt. Die Menschen müssen das Gefühl zurückgewinnen, dass wir ihnen zuhören und sie nicht vorab verurteilen. Leichter gesagt als getan. Natürlich. Aber es bleibt uns nichts anderes übrig. Es muss sichergestellt werden, dass nicht über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden wird. Die Bundesregierung hat etwa bei der Gasumlage und beim Heizungsgesetz schlecht gehandelt. Sie frustriert viele. Das darf so nicht bleiben. Wir haben zu viel zu verlieren. Und davon ist noch etwas zu retten. Vergessen wir das nicht! (Christoph Koopmann, SZ 31.8.23)

4464: 14 Jahre Haft für IS-Rückkehrerin

Mittwoch, August 30th, 2023

In München ist eine islamistische Extremistin acht Jahre nach dem Tod durch Verdursten bei einem jesidischen Mädchen dafür zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Diese Entscheidung fiel im Wiederaufnahmeverfahren. Der Bundesgerichtshof hatte ein früheres Urteil wegen der Höhe des Strafmaßes zurückverwiesen (SZ 30.8.23).

4463: Ermittlungen gegen Till Lindemann eingestellt

Mittwoch, August 30th, 2023

Die Genralstaatsanwaltschaft Berlin hat die Ermittlungen gegen den „Rammstein“-Sänger Till Lindemann (und die „Casting-Direktorin Alena M.) wegen des Verdachts von Sexualdelikten und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz eingestellt. Die Ermittlungen hätten „keine Anhaltspunkte dafür erbracht, dass der Beschuldigte gegen deren Willen sexuelle Handlungen an Frauen vorgenommen, diesen willensbeeinflussende oder ausschaltende Substanzen verabreicht oder gegenüber minderjährigen Sexualpartnerinnen Machtgefälle ausgenutzt hat, um diese zum Geschlechtsverkehr zu bewegen.“ Die Beschuldigungen waren von „unbeteiligten Dritten“ vorgetragen worden. Anscheinend haben es mehrere betroffene Frauen vorgezogen, anonym zu bleiben. Lindemann sagte: „Ich danke allen, die unvoreingenommen das Ende der Ermittlungen abgewartet haben.“ (Lena Kampf, SZ 30.8.23)