Archive for the ‘Medien’ Category

4937: Iris Radisch über den Niedergang der USA

Dienstag, August 13th, 2024

Iris Radisch hat sich bei dem Fernseh-Treffen der beiden US-Präsidentschaftskandidaten und Tattelgreisen gegruselt (Zeit 1.8.24). Sie nimmt Zuflucht in der Literatur. Weil John Updike und David Foster Wallace schon tot sind, bezieht sie sich auf Richard Fords „Valentinstag“. Sie schreibt:

„Er passt perfekt zum amerikanischen Niedergangsgeschehen. Der Fordsche Serienheld Frank Ascombe (74) und sein Sohn Paul (47), fahren in einem alten, kaum noch fahrtüchtigen Wohnmobil durch Minnesota. Ziel sind die überlebensgroß in den Berg gehauenen amerikanischen Präsidenten am Mount Rushmore in South Dakota. Es ist eine letzte Reise. Ein beeindruckendes Sinnbild für den Zerfall der Vereinigten Staaten in ihrer bewährten maskulinen Felsgestalt. Die Männer sprechen bereits in der Vergangenheitsform voneinander. Der Sohn ist auf den Tod erkrankt, das Sprechen und das Laufen fallen ihm so schwer wie dem amerikanischen Präsidenten. Das Land, in dem die Söhne vor den Vätern sterben, ist ein nicht mehr endendes Gewerberandgebiet, in dem man nahezu alles kaufen und mieten kann, aber nicht leben.“

4936: Olympia in Paris – eine gelungene Show

Montag, August 12th, 2024

Wenn wir den Wert einer Gesellschaft nach gewonnenen Olympiamedaillen und Spitzenplätzen bemessen würden, dann lägen wir ziemlich falsch. Viel wichtiger sind

Bildung, Wirtschaftswachstum, soziale Gerechtigkeit, Tarifgerechtigkeit, Musik und Literatur.

Trotzdem dürfen wir nicht einfach die Augen schließen. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), Thomas Weikert, und sein Leistungssportdirektor, Olaf Tabor, haben ein sehr sachliches Fazit gezogen. Mit Lob und Tadel. Wenn wir mehr Erfolge wollen, müssen wir mehr Geld ausgeben. Wollen wir das?

Deutschland hat sein Ziel, unter die ersten zehn Staaten der Welt zu kommen, noch einmal knapp erreicht. Das muss nicht immer so bleiben.

Hier die Rangliste: 1. USA, 2. China, 3. Japan, 4. Australien, 5. Frankreich, 6. Niederlande, 7. Großbritannien, 8. Südkorea, 9. Italien, 10. Deutschland (Claudio Catuogno, SZ 12.8.24; Sebastian Winter, SZ 12.8.24).

Unter den ersten Zehn sind außer China neun Staaten aus dem „Westen“. Manche wollen sich damit beruhigen. Aber das wäre der falsche Ansatz.

In Deutschland fehlt es an Nachwuchsförderung im Sport, an Trainern, viele Trainer werden schlecht bezahlt, an Sportstätten. Es soll ein neues Sportfördergesetz geben, in dem eine Sportagentur sämtliche Steuerungsfunktionen übernimmt. Ja, wenn wir das wollen? Wahrscheinlich wäre eine dritte Sportstunde pro Woche in der Schule wichtiger. Mehr Sport in Kindergärten und Kitas. Sport hat seine Funktion, Kitt für die Gesellschaft zu sein, nicht verloren. Er ist insofern ganz und gar förderungswürdig. Aber nicht im internationalen Betrugs- und Dopingsport. Darauf können wir locker verzichten. Das Versagen der WADA und der nationalen Anti-Doping-Agenturen schreit zum Himmel. Die Welt will betrogen werden.

Olympia in Paris war eine große und gelungene Show. Schauen Sie bitte aber auch auf die politischen Verhältnisse in Frankreich. Wie sieht die noch zu bestimende neue Regierung aus?

4933: Die Ampel ist fertig.

Sonntag, August 11th, 2024

Die Ampelkoalition in Berlin findet kaum noch zueinander. Claus Hulverscheidt (SZ 10./11.8.24) schreibt:

„Im Kern ist dieser Streit gar kein juristischer. Der Kern ist, dass sich diese Koalition politisch überlebt hat und keine Basis mehr findet. Das hat zur Folge, dass stets bis zur letzten Sekunde gefeilscht wird, nur um dann ein Ergebnis zu präsentieren, das handwerkliche Mängel aufweist, sofort wieder zerredet wird oder eben erst juristisch überprüft werden muss. Nicht die Prüfung selbst ist dabei das Problem – im Gegenteil, sie ist absolut sinnvoll. Nur müssten die Gutachten eingeholt werden, bevor Kanzler und Finanzminister ihre Beschlüsse zum Haushalt der Öffentlichkeit präsentieren. Dafür allerdings bräuchte es eine funktionierende, vertrauensvoll zusammenarbeitende Bundesregeirung.“

4932: Drei Landtagswahlen in Ostdeutschland.

Samstag, August 10th, 2024

In Thüringen, Sachsen und Brandenburg finden demnächst Landtagswahlen statt. Dazu macht der Ost-Historiker Ilka-Sascha Kowalczuk sehr gut erklärende Bemerkungen (taz 27.7.-2.8.24).

1. An der Freiheitsrevolution von 1989 hat sich in der DDR zunächst nur eine Minderheit beteiligt.

2. Die Mehrheit kam erst mit der D-Mark.

3. Mit den Wahlen vom 18. März 1990 wurden dann die Wirtschafts-, Sozial- und Rechtsordnung der Bundesrepublik übernommen.

4. Die DDR-Bürger kauften ihre eigenen Produkte nicht mehr, sondern wollten VW und Mercedes fahren.

5. Der neue Osten ist keine westdeutscher Erfindung, sondern eine Folge der wirtschaftspolitisch vernünftigen Entscheidungen der Ostdeutschen.

6. Bundeskanzler Helmut Kohl versprach „blühende Landschaften“.

7. Die ehemaligen DDR-Bürger merkten nun, dass das Leben in einer freien Gesellschaft viel anstrengender ist als in einer Diktatur, wo alles seine Ordnung hat.

8. Die ehemaligen DDR-Bürger mussten nun eigene Entscheidungen treffen.

9. Die ersten aus dem Westen stammenden Ministerpräsidenten agierten dementsprechend: Kurt Biedenkopf (CDU) und Bernhard Vogel (CDU).

10. Die ehemaligen DDR-Bürger bevorzugten einen starken Staat.

11. Hier knüpfen heute die AfD und das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ an. Frau Wagenknecht ist eine Kommunistin mit autoritären Zügen.

12. Ihre Nähe zu Russland und China ist kein Zufall.

13. Wahrscheinlich kommt dabei eine „Diktatur der Mehrheit“ heraus, vor der im 19. Jahrhundert bereits John Stuart Mill und Alexis de Tocqueville gewarnt hatten.

14. Die DDR will kaum einer zurück, die Mehrheit bevorzugt eine DDR, wie sie erinnert wird, einen starken und autoritären Staat.

15. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass dies bald zu einer gesamtdeutschen und gesamteuropäischen Realität werden könnte.“

16. Vielen Ostdeutschen ist kaum bewusst, dass Freiheit wichtiger ist als Frieden.

4930: Puigdemont ist verschwunden.

Freitag, August 9th, 2024

Der konservative katalanische Separatistenfüher Carles Puigdemont, der seit 2017 im belgischen Exil gelebt hatte, ist nach seiner Rede vor ca. 3000 Anhängern in Barcelona verschwunden. Der Polizei entwischt. Gegen ihn besteht noch ein Haftbefehl. Inzwischen ist der Sozialist Salvador Illa zum Präsidenten Kataloniens gewählt worden. Der ist kein Separatist. Die Gegenleistung Spaniens besteht in der Gewährung weitgehender finanzieller Autonomie für Katalonien. Puigdemont ist ein Mann von gestern, geeignet für den Untergrund (Patrick Illinger, SZ 9.8.24).

4929: Caster Semenya will Leichtathletik-Präsidentin werden.

Freitag, August 9th, 2024

Die zweimalige 800 m-Olympiasiegerin Caster Semenya (Südafrika) will Präsidentin des Leichtathletik-Weltverbandes World Athletics (WA) werden. „Ich arbeite an meiner Kandidatur für die Präsidentschaft. Ich fordere gerne Leute heraus, die sich nicht um die Rechte von Athleten kümmern.“ Das Problem bei Semenya selbst während ihrer aktiven Zeit war, dass man nicht wusste, ob sie Frau oder Mann war. Sie hatte permanent einen zu hohen Testosteronwert. Das gibt es bei sogenannten XY-Frauen, die weibliche Geschlechtsteile, aber zu viele XY-Chromosomen aufweisen. Mit Medikamenten sollte die Südafrikanerin ihren Testosteronspiegel unter einen Schwellenwert senken, damit sie über 800 m startberechtigt sein würde. Die letzte Amtszeit des derzeitigen WA-Präsidenten, Sebastian Coe (Großbriannien), endet 2027 (SZ 9.8.24).

4927: Bundeswehr bereitet sich darauf vor, Deutsche aus Nahost zu evakuieren.

Donnerstag, August 8th, 2024

Die Bundeswehr ist darauf vorbereitet, Deutsche aus Nahost zu evakuieren. Wegen der möglichen Eskalation dort. Auf dem Fliegerhorst Wunstorf werden Flugzeuge und Soldaten bereitgehalten. Auch die Marine bereitet sich auf Evakuierungen vor. Aus Libanon, Iran und Israel. Iran und die Hisbollah hatten Vergeltung für die Tötung zweier Hamas-Führer angekündigt. Die USA senden Kriegsschiffe und Flugzeuge in die Region. In israelischen Medien werden indes Forderungen nach einem Präventivschlag laut (SZ 7.8.24).

4924: Finanzminister Bayaz sieht „großes Problem“ bei Migration.

Montag, August 5th, 2024

Der baden-württembergische Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) hat seine Partei aufgefordert, klarer zum Thema Migration Position zu beziehen. Es brauche mehr Einwanderung von Fachkräften, andererseits müsse die illegale Migration eingedämmt werden. „Anzuerkennen, dass es ein großes Problem gibt, wäre ja schon mal das Signal an die Bevökerung: Wir haben verstanden.“ Beim Thema Klimaschutz müssten die Grünen „auch unbequeme Wahrheiten“ aussprechen (SZ 5.8.24).

4923: Gefangenenaustausch – moralisch eklig, menschlich richtig

Sonntag, August 4th, 2024

Der Gefangenenaustausch zwischen dem Westen und Russland ist eklig. Weil auch der russische Tiergarten-Mörder Wadim Krasikow freikam, ein Agent der russischen Inlandsgeheimndienstes FSB, wie inzwischen zweifelsfrei von Moskau bestätigt wurde. Die Kritik daran ist verständlich. Befürchtet werden Nachfolgetaten. Aber seit wann kümmert sich Russland um Moral? Im Gegenteil sperrt es Menschen aus dem Westen mit konstuierten Vorwürfen ein, um genügend „Material“ für Austausche parat zu haben. Russland wollte seinen Mann freibekommen. Und wir unsere unschuldig eingesperrten Landsleute und russische Widerständler.

Üblicherweise werden sie in russischer Haft allmählich ermordet. Der bekannteste Fall war jetzt Wladimir Kara-Mursa, auf den schon zwei Giftanschläge verübt worden waren. Russische Staats-Agenten verfügen quasi über unbegrenzte Ressourcen. Auch deswegen war der Austausch richtig. Olaf Scholz (SPD) ist zu loben. Das Leben von Menschen zählt mehr als Prinzipien des Rechtsstaats (Detlef Esslinger, SZ 3./4.8.24).

4922: Thomas Kistner: Olympischer Sport ist „schlimmer denn je“.

Freitag, August 2nd, 2024

Der langjährige SZ-Sportchef Thomas Kistner, der für seine Seriuosität bekannt ist, unterzieht den olympischen Sport einer kritischen Prüfung (SZ 2.8.24). Er kommt zu einem bestürzenden Ergebnis: Es ist schlimmer als je zuvor. Klar, die Seine ist zu dreckig. Aber aus Paris bekommen wir ja tagtäglich die schönen Bilder von Inklusion, Diversität und Weltfrieden. Die meisten davon sind gelogen. Kistner gibt in seinem Kommentar auch einzelne schlagende Beispiele. Etwa von der marokkanischen Boxerin Imane Khelif, bei der bei der letzten WM nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte, ob sie eine Frau ist. In Paris gab ihre italienische Gegnerin Angela Carini nach 46 Sekunden auf. Wegen zu starker Schmerzen. Oder das Beispiel von den 23 gedopten chinesischen Schwimmern 2021, die von einem Hotelessen infiziert worden sein wollten, obwohl gar nicht alle von ihnen im Hotel gewesen waren. Usw.

Die nächsten Olympischen Spiele sollen im „Westen“ stattfinden und nicht mehr nur in Verbrecherstaaten wie Russland und China: Italien, Frankreich, USA, Australien. Ob das nützt? Das Doping wird von Welt-Anti-Doping-Agentur Wada nicht wirklich ernsthaft bekämpft. Nichts beschädigt den vorgesehenen Vorbildcharakter der Olympischen Spiele mehr als Betrug. Das ist bei Fifa und Uefa zwar genau so, hilft uns aber nicht. Und das IOC unter Thomas Bach verteidigt seine Machtpositionen. Immerhin haben sich Bach und der russische Kriegsverbrecher Wladimir Putin zerstritten. Der plant nun eigene Konkurrenzspiele mit den Brics-Staaten. Dann gilt die Blaupause von russischen Staatsdoping und vom chinesischen Großbetrug. Kennen wir ja alles schon. Bei der Aufklärung der olympischen Misere sind sogar die Whistleblower gefährdet. Die von Sotschi 2014 wurden an Russland verraten. Der chinesiche will nicht mit der Wada reden. Verständlicherweise.

Fazit: Bitte keine deutsche Olympia-Bewerbung. Dadurch würden auch wir noch weiter in den Sumpf gezogen.