Archive for the ‘Medien’ Category

3364: Grüne überlegen Boykott der Winterspiele 22 in Peking und der Fußball-WM 22 in Katar.

Samstag, April 17th, 2021

Die menschenrechtspolitische Sprecherin der Grünen im Deutschen Bundestag, Margarete Bause, empfiehlt dem Hohen Hause, sich zu den Olympischen Winterspielen in Peking zu äußern. Deutsche Politiker sollten sich nicht zur Staffage für chinesische Propaganda machen lassen. Bause verweist auf die mehr als eine Million uigurischer Muslime und die chinesischen Aggressionen gegen Hongkong und Taiwan und benennt gezielt deutsche Sponsoren. Die Abgeordnete Claudia Roth erklärt, sie habe sich schon von den Olympischen Spielen 2008 in Peking eine neue Pressefreiheit in China erhofft. Das sei wohl eine „romantische Vorstellung“ gewesen. Die Grünen wollen erreichen, dass sich auch Sportler selbst zur Lage der Menschenrechte vor Ort äußern dürfen.

Ähnlich unmöglich wie die Winterspiele 2022 in Peking ist die Fußball-WM in Katar 2022. Nach einem Bericht des „Guardian“ sind dort seit der WM-Vergabe 6.500 Gastarbeiter gestorben. Inzwischen soll es in dem Emirat leichte Verbesserungen geben, einen Mindestlohn und die Abkehr vom

Kafala-System,

das manche Beobachter mit sklavenähnlichen Verhältnissen vergleichen. Der Abgeordnete Peter Heidt (FDP) zeichnete allerdings kein rosiges Bild von den Verhältnissen in Katar. Das Kafala-System sei noch gar nicht richtig abgeschafft. Es bestehe die Gefahr, dass Reformen nach einer Großveranstaltung schnell wieder verpufften (Johannes Knuth, SZ 16.4.21).

W.S.: Alle genannten Großveranstaltungen (auch die Spiele in Tokio) sind politisch-moralisch so verrottet, dass sie abgesagt werden sollten. Nur das IOC glaubt noch an seine eigene Propaganda von den sauberen Spielen.

3363: Olympia 2022 in Tokio absagen ?

Samstag, April 17th, 2021

Der Generalsekretär der japanischen Regierungspartei denkt über eine Olympia-Absage nach. Kann man ein Weltsportfest mit Zehntausenden Menschen in der Pandemie verantworten? Das IOC und seine Finanziers wollen die Spiele. Könnten Teilnehmende das Coronavirus von den Spielen in ihre teilweise bitterarmen Heimatländer tragen? Eine Mehrheit der Japaner will die Spiele nicht. Und die Infektionszahlen steigen. Dafür ist Japans Gesundheitssystem nicht gut vorbereitet. Schlechte Voraussetzungen für die Spiele (Thomas Hahn, SZ 16.4.21).

Sagt sie ab!

3361: Reiner Haseloff fällt Armin Laschet in den Rücken.

Freitag, April 16th, 2021

Die sachsen-anhaltinische CDU hat sehr wenig Mitglieder. Die stehen weit rechts, dicht bei der AfD. Das hat sich deutlich bei der von dort verhinderten Erhöhung der Rundfunkgebühren von 17,50 auf 18,18 Euro gezeigt.

Im Juni sind in Sachsen-Anhalt Landtagswahlen.

Jetzt fällt der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, Mitglied des CDU-Präsidiums, Armin Laschet in den Rücken. „Leider geht es jetzt nur um die harte Machtfrage: Mit wem haben wir die besten Chancen?“ Es gehe „nicht um persönliche Sympathie, Vertrauen oder Charaktereigenschaften.“ Es helfe „nichts, wenn jemand nach allgemeiner Überzeugung absolut kanzlerfähig ist, aber dieses Amt nicht erreicht, weil die Wählerinnen und Wähler ihn nicht lassen.“

Die Äußerung kommt einer eindeutigen Parteinahme für Söder gleich (Stefan Braun/Robert Rossmann, SZ 16.4.21).

Reiner Haseloff geht es also nicht um Vertrauen oder Charaktereigenschaften.

Mir schon! Wir sehen hier wieder die Folgen von

40 Jahren DDR.

Die Ossis haben’s noch nicht gelernt und brauchen Zeit. Die rechtskonservative CSU mit damals guten Verbindungen zu Victor Orban hat 2018 die bayerischen Landtagswahlen krachend verloren. Heute umarmt Söder Bäume und lässt sich an Bienenstöcken fotografieren. Reiner Opportunismus! Solchen Leuten können wir nicht über den Weg trauen. Mit Söder als Spitzenkandidat kriegt die Union meine Stimmen nicht.

Noch ein Wort zu Umfragen, auf die wir natürlich alle schauen: 2017 lag Martin Schulz (SPD) dabei teilweise weit vor Angela Merkel (CDU). Das Ergebnis der Bundestagswahl ist bekannt.

3355: Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet

Dienstag, April 13th, 2021

Präsidium und Vorstand der CDU haben sich hinter Armin Laschet gestellt. Markus Söder wurde nicht gerufen. Damit ist Laschet der Unions-Kanzlerkandidat. Noch stören Söder und die CSU, aber die Union insgesamt hat noch die Chance, den Kandidaten Laschet geschlossen und überzeugend zu unterstützen bis zur Bundestagswahl am 26. September. Laschet verbreitet keine Begeisterung und kein Gefühl des Aufbruchs, aber er kann wahrscheinlich mit den Grünen oder der SPD. Markus Söder kann bayerischer Ministerpräsident bleiben, er ist nicht geschwächt (Nico Fried, SZ 13.4.21).

Wenn wir uns fragen, wie hat Söder die Corona-Krise für Bayern gemanagt, dann heißt unsere Antwort: sehr schlecht! Da brauchen  wir ja nur die einschlägigen Daten anzuschauen.

3354: Caroline Fourest hat Angst.

Montag, April 12th, 2021

Die französische Feministin Caroline Fourest (vgl. hier 3316: Caroline Fourest über linke Sprach- und Gedankenpolizei) bekennt in einem Interview mit Georg Blume (Zeit 31.3.21), dass sie Angst hat vor den Umtrieben in der linken Identitätspolitik:

1. „Ich komme .. von der Linken, einer universalistischen, laizistischen, demokratischen Linken. Aber ich habe es heute mit einer dogmatischen, fanatischen Linken zu tun, die sich mit religiösen Fundamentalisten zusammentut.“

2. „Zum Beispiel in Brüssel, als ich gegen das Tragen des Ganzkörperschleiers sprach. Linksextremistische und islamistische Gruppen störten gemeinsam die Veranstaltung und forderten meine ’symbolische Steinigung‘.“

3. „In den USA und Kanada hat die studentische Jugend eine Radikalität entwickelt, die keinen Widerspruch mehr duldet. Mehr noch: Widerspruch wird von ihr als Demütigung und Beleidigung empfunden, sodass man der Person, die widerspricht, das Wort verbietet.“

4. „Es gibt weltweit einen neuen Totalitarismus, der sowohl von rechts wie von links kommt.“

5. Geht es nach ihm, „dürfen Künstler nicht mehr Bilder gegen den Rassismus malen, wenn sie weiß sind. Das ist Wahnsinn.“

6. „Ich komme ja vom dekonstruktivistischen Feminismus. Jacques Derrida, der Vater der Dekonstruktion, hat mich inspiriert. Natürlich müssen wir auch heute noch die Mechanismen des Patriarchats dekonstuieren. Natürlich müssen wir weiter die Überreste des kolonialen Unterbewusstseins dekonstruieren.“

7. „In den USA ist im Namen der Religionsfreiheit alles erlaubt. In Frankreich glauben wir, dassv wir unsere Freiheit vor jeder religiösen Einflussnahme schützen müssen. Der religiöse Puritanismus in den USA ist bis heute eine nicht versiegende Quelle identitären Denkens.“

3353: Sahra Wagenknecht über die Lifestyle-Linke.

Montag, April 12th, 2021

Sahra Wagenknecht ist mit 61 Prozent der Stimmen zur Spitzenkandidatin der Linken in Nordrhein-Westfalen für die Bundestagswahl nominiert worden. In ihrem neuen Buch „Die Selbstgerechten“ (Campus) rechnet sie mit den Lifestyle-Linken (wie Wagenknecht sie nennt) ab. Die FAS (11.4.21) hat ihr Gelegenheit gegeben, ihre zentralen Positionen darzustellen. Das muss uns nicht beunruhigen. Zufall ist es womöglich doch nicht. Ich versuche, Wagenknecht adäquat darzustellen, aber nicht immer wörtlich:

Zum Lifestyle gehört es heute, Zigeunersauce Paprikasauce ungarische Art zu nennen. Immanuel Kant und Jean-Jacques Rousseau erscheinen als Rassisten. Es geht heute auf der Linken nicht mehr zuerst um Gerechtigkeit, soziale Sicherheit und das Aufbegehren gegen die oberen Zehntausend. Hautfarbe, Religion und Lebensweise stehen im Zentrum. „In Reinform verkörpern die grünen Parteien dieses lifestyle-linke Politikangebot.“ Viele tun so, als seien Nationalstaaten Auslaufmodelle und sie selbst Weltbürger. Leistung, Fleiß und Anstrengung erscheinen als uncool.

„Papas kleines Vermögen und Mamas Beziehungen geben zumindest so viel Sicherheit, dass sich auch längere unbezahlte Praktika oder berufliche Fehlschläge überbrücken lassen.“ Texte werden heute nach unziemlichen Wörtern durchsucht, Sternchen gesetzt. Wir nehmen Begriffe wie Cis-Frauen für weibliche Mitbüger, die keine Transsexuellen sind. Geschätzt werden Fremdsprachenkenntnisse und biologisch einwandfreie Ernährung. Das Ganze ist häufig gepaart mit der Selbstzufriedenheit des moralisch Überlegenen. Nicht wohl gelitten sind die, „die eher im kleinstädtischen Umfeld leben und die Zutaten für ihren Grillabend schon deshalb bei Aldi holen, weil das Geld bis zum Monatsende reichen muss.“

Verbreitet ist ein Mangel an Mitgefühl. Und der kleine Mann schätzt es nicht, „wenn ihm Leute Verzicht predigen, denen es im Leben noch nie an etwas gefehlt hat. Und über Zuwanderung als große Bereicherung für unsere Gesellschaft möchte man nicht ausgerechnet von Freunden des Multikulturalismus belehrt werden, die genau darauf achten, dass das eigene Kind eine Schule besucht, in der es mit anderen Kulturen nur im Literatur- und Kunstunterricht Bekanntschaft macht.“

2016 im US-Wahlkampf bezeichnete Hillary Clinton potentielle Trump-Wähler als „Ansammlung von Erbärmlichen“. „Wenig sympathisch macht den Lifestyle-Linken natürlich auch, dass er fortwährend eine offene, tolerante Gesellschaft einfordert, selbst aber im Umgang mit abweichenden Sichten oft eine erschreckende Intoleranz an den Tag legt, die sich mit der äußersten Rechten durchaus messen kann.“ „Wer vom Kanon ihrer Denkgebote abweicht, ist für Linksliberale daher auch kein Andersdenkender, sondern mindestens ein schlechter Mensch, wahrscheinlich sogar ein Menschenfeind oder gleich ein Nazi.“ (Sahra Wagenknecht, FAS 11.4.21)

Boris Herrmann (SZ 12.4.21) sieht in Wagenknechts Buch eine „Kriegserklärung“. Sie liefere ihr „Gegenprogramm“ gleich mit. Wagenknecht: „Die linken Parteien haben ihre frühere Wählerschaft im Stich gelassen.“ „Die Identitätspolitik läuft darauf hinaus, das Augenmerk auf immer kleinere und immer skurrilere Minderheiten zu richten, die ihre Identität jeweils in irgendeiner Marotte finden, durch die sie sich von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden und aus der sie den Anspruch ableiten, ein Opfer zu sein.“ Sahra Wagenknecht bekunde Sympathie für die „couragierte Sozialpolitik“ der PiS, die Gelbwesten-Proteste und die Stürmer des Reichstagsgebäudes.

Nachbemerkung W.S.: Sahra Wagenknecht bedauert den Stimmenverlust der Linken. Im Wesentlichen kritisiert sie den Opportunismus der Grünen.

3352: Müssen wir Philip Roth canceln ?

Sonntag, April 11th, 2021

Im Zusammenhang mit einer Biografie über ihn ist in den USA die Debatte aufgekommen, ob wir den großen US-Erzähler und -Romancier Philip Roth (1933-2018) canceln müssen. Von ihm haben wir nicht nur „Der menschliche Makel“ (2000), sondern auch „Goodbye, Columbus“ (1959), „Portnoys Beschwerden“ (1969), „Mein Leben als Mann“ (1974), „Mein Leben als Sohn“ (1991), „Sabbaths Theater“ (1995), „Mein Mann, der Kommunist“ (1998) und die „Short Novels“ (2006-2010).

In seinen Büchern beschäftigte sich Philip Roth mit den Nachkommen europäischer Juden in den USA. Er schrieb häufig autobiografisch. Die meisten seiner Protagonisten sind Männer, Juden und Schriftsteller. In „Portnoys Beschwerden“ ging Roth ungezügelt obszön vor und sezierte das Leben eines Psychotherapie-Patienten. Harold Bloom hielt „Sabbaths Theater“ für Roths größtes Werk. Den Literaturnobelpreis hat er trotzdem nicht bekommen. Als den 2016 Bob Dylan erhalten hatte, sagte Philip Roth, im nächsten Jahr würden ihn Peter, Paul and Mary kriegen.

Was Roth bei den Fans der politischen und sexuellen Korrektheit zu schaffen macht, ist sein angeblicher Lebenstraum „Tagsüber in der Bibliothek, nachts bei den Frauen“. Roths Freund Steven Zipperstein, Professor für jüdische Kultur und Geschichte in Stanford, der ebenfalls eine Roth-Biografie vorbereitet, sagt im Interview mit Sarah Pines (Literarische Welt 10.4.21), dass er Roth bescheinigt habe: „Ich glaube, du liebst Frauen zu sehr.“ Das scheint heute gar nicht mehr erlaubt zu sein.

Auf Roths Beerdigung 2018 sprachen Frauen. Seine Ex-Frau Claire Bloom, eine Schauspielerin, hatte in ihrer Autobiografie „Leaving a Doll’s Hause“ (1996) versucht, Philip Roth als spießigen Choleriker darzustellen. Die Frauen in Roths Büchern sind außergewöhnlich stark. Steven Zipperstein: „Roth ist als Autor zu überragend, um irrelevant zu werden.“

3350: AfD beschließt Austritt aus der EU.

Sonntag, April 11th, 2021

Auf ihrem Parteitag hat die AfD den Austritt Deutschlands aus der EU beschlossen. Dieser Schwachsinn bedarf des Kommentars nicht.

3349: Merkel fordert Putin zum Truppenabzug auf.

Sonntag, April 11th, 2021

Russland hat an der Grenze zur Ukraine wieder Truppen zusammengezogen. Eine erneute russische Aggression droht. Deshalb hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Wladimir Putin aufgefordert, die russischen Soldaten abzuziehen (SZ 9.4.21).

3348: Erste Brexit-Folge: Massive Gewalt in Nordirland

Samstag, April 10th, 2021

Als eine der ersten Brexit-Folgen haben wir jetzt in Nordirland wieder so massive Gewalt wie vor dem Karfreitags-Abkommen. Hinter uns liegt eine gute Zeit des Austauschs und des Handels zwischen Irland und Nordirland. Die Grenze spielte dabei kaum noch eine Rolle. Das Absurde an den Vorgängen ist, dass die meisten Haupt-Gewalttäter Brexit-Gegner sind, welche die neuen Handelsgrenzen beklagen.