Archive for the ‘Medien’ Category

3586: Die Union liegt am Boden.

Samstag, Oktober 9th, 2021

Dazu schreibt Jasper von Altenbockum (FAZ 9.10.21):

„Zur gespenstischen Lage der Union gehört vor allem dies: Die CDU ist nicht nur Opfer ihrer selbst, sondern Spielball der CSU. Die Schmutzeleien gegen Laschet sind ein Tiefpunkt in der Geschichte dieser Zweierbeziehung. Das wird das Verhältnis beider Parteien dauerhaft belasten.

Es ist nun schon der zweite Anlauf für eine Merkel-Nachfolge, der kläglich scheitert. In beiden Fällen fand sich das jeweils unterlegene Lager mit der Niederlage nur schwer oder gar nicht ab. Laschet befand sich am Ende in einer ausweglosen Lage. Seine Wahl brachte neue Enttäuschungen, die nach der Nominierung zum Kanzlerkandidaten quer durch die Partei gingen. Es gab nicht mehr nur das Merz-Lager, das Röttgen-Lager, das Spahn-Lager, die Anhänger Kramp-Karrenbauers, Anhänger und Gegner Angela Merkels, sondern auch noch die Söderianer. Die Laschet-Anhänger waren, eingeschüchtert durch Umfragewerte, auf verlorenem Posten.

… Die Kontrolle übernimmt nun wieder der Wahl-Kalender: im März und im Mai 2022 sind Landtagswahlen. Möglich, dass sich die CDU bis dahin erholt. Aber nicht sehr wahrscheinlich.“

 

3584: Lyonel Feininger – ein Meister seiner Kunst

Donnerstag, Oktober 7th, 2021

Lyonel Feininger wurde 1871 in New York geboren, wo er 1956 auch starb. Zeit seines Lebens blieb er US-amerikanischer Staatsbürger, was es ihm 1937 erlaubte, Deutschland relativ unproblematisch zu verlassen, als seine Kunst schon als „entartet“ galt. Feininger hatte den Ruf, ein deutscher Künstler zu sein. Nach seiner Rückkehr in die USA musste er um öffentliche Aufmerksdamkeit kämpfen, weil er dort nahezu unbekannt war. Das schildert sehr gut nachvollziehbar Andreas Platthaus, der Literaturchef der FAZ, in

Lyonel Feininger – Porträt eines Lebens. Berlin (Rowohlt) 2021, 448 S., 28 Euro.

Feiningers Musiker-Eltern waren nach Deutschland gegangen. Hier wurde ihr Sohn als Maler groß im Bauhaus. Ihm gehörte er von der Gründung 1919 bis 1933 an. Bis 1925 leitete er die Bauhaus-Druckwerkstätten. Ab 1925 lehrte er nicht mehr, blieb aber auf Wunsch von Walter Gropius als „Meister“ dem Bauhaus erhalten. Objekte seiner Kunst waren thüringische Städte und Dörfer, häufig kleine Dorfkirchen. Seine Bilder sind suggestiv durch ihre nahezu magische Aura und kristalline Aufspaltung. Sie sind Bestandteil vieler bedeutender Museen. „So umweht diese fein konstruierten Bildwerke gerade in ihrer Klarheit und farblichen Ausgewogenheit ein unauflösbares Geheimnis.“

Feiniger stand mit vielen Künstlern und bedeutenden Zeitgenossen in ausführlichen Briefwechseln, was es uns heute erlaubt, ihn besser zu verstehen. Im Ersten Weltkrieg ließ er sich zu deutschnationalen Parolen hinreißen. 1933 verließ er Deutschland nicht sofort, sondern musste erst von seiner jüdischen Frau Julia dazu gebracht werden. Gegen antisemitische Pöbeleien wehrte er sich erst spät. Die Nazis lehnten ihn ab. Allerdings hat sich Feininger nach seiner Flucht nicht dazu verstanden, sich für seine erste jüdische Frau, die Pianistin Clara Fürst, und ihre beiden gemeinsamen Töchter einzusetzen. Clara Fürst wurde in Auschwitz umgebracht (Harald Eggebrecht, SZ 23.9.21).

3583: Daniel Kehlmann über Donald Trump

Mittwoch, Oktober 6th, 2021

Der deutsche Schriftsteller Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“) lebt mit seiner Familie in Berlin. Er ist von Hannes Roß für den „Stern“ (9.9.2021) interviewt worden:

Stern: Sie sind nach einigen Jahren in den USA mit ihrer Familie nach Berlin gezogen. Während der Präsidentschaft von Donald Trump lebten Sie noch in New York. In dieser Zeit wurden ihm mehr als 22.000 Lügen und Falschbehauptungen nachgewiesen. Warum hat ihm das so wenig geschadet?

Kehlmann: Ich wünschte, ich könnte Ihnen das erklären, denn da sind ja nicht nur die Lügen seiner Präsidentschaft. Als Geschäftsmann ist er viermal in Konkurs gegangen, er ist ein überführter Steuerbetrüger und mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar ein Vergewaltiger. Auch der gewaltsame Sturm auf das Kapitol und das anschließende Impeachment-Verfahren hat er überstanden. Wäre ich religiös, würde ich wirklich glauben: Trump hat einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Er hätte dann seine Seele gegen Unbesiegbarkeit getauscht. Am Anfang seiner Präsidentschaft hatte ich noch die Hoffnung, dass uns ein Herzinfarkt von ihm befreit, weil der Mann ja nur Fast Food isst und Cola trinkt. Aber selbst eine Corona-Infektion hat er innerhalb von wenigen Tagen weggesteckt.

3582: Torquato Tasso gewinnt den 100. „Prix de l’Arc de Triomphe“.

Dienstag, Oktober 5th, 2021

Der „Prix de l’Arc de Triomphe“ in Paris-Langchamp ist das wichtigste Galopprennen der Welt. Mit einer gegenwärtigen Gewinnsumme von 2,857 Millionen Euro. Nur dreimal wurde es von Pferden aus deutscher Zucht gewonnen: „Star Appeal“ 1975, „Danedream“ 2011 und „Torquato Tasso“ in diesem Jahr beim 100. Rennen. Ich hatte das Glück, 2011 beim Sieg von „Danedream“ mit meiner Frau und meinem Sohn dabeizusein. Fantastisch.

Der nach Goethes Schauspiel „Torquato Tasso“ genannte Hengst aus dem Gestüt Auenquelle (Rödinghausen in Ostwestfalen) gewann 2021 als krasser Außenseiter. In einem fulminanten Endspurt. Er hatte Anfang September schon den „Großen Preis von Baden“ in Baden-Baden gewonnen. Für seinen Jockey René Piechulek (Stalljockey des Münchener Stalls Salzburg), 34, war es gewiss einer der Höhepunkte seiner Karriere.

Die Frage ist jetzt, ob „Torquato Tasso“ im Nobember noch beim „Japan Cup“ ins Rennen geht. Oder gleich als Deckhengst „arbeitet“ (Ulrich Hartmann, SZ 5.10.21).

3581: Peter Raue kämpft für die Kunstfreiheit.

Dienstag, Oktober 5th, 2021

Der Rechtsanwalt, Kunst- und Theaterkenner Peter Raue, 80, kämpft für die Kunstfreiheit. In einem Interview mit Peter Laudenbach (SZ 2./3.10.21) nennt er auch die Fälle Christoph Schlingensief, Klaus Dörr, Shermin Langhoff und Armin Petras. Ich wähle hier ein Beispiel Raues und seine Gesamtbeurteilung aus:

„Ein leitender Redakteur eines Senders geht mit einer Mitarbeiterin essen. Er macht ihr keine Avancen, nichts. Danach unterstellt ihm die Frau, er habe am Ende des Abends traurig geschaut, weil sie ihn nicht eingeladen habe, mit zu ihr zu kommen – von diesem traurigen Blick fühle sie sich nun unter Druck gesetzt. Ein realer Fall. Solche Fälle nehmen zu.“

„Die Kunstfreiheit wird von zwei Seiten angegriffen. Der Angriff von rechts, wenn die AfD Subventionskürzungen für unliebsame Theater fordert, wenn Menschen drohen, Gewalt auszuüben, ist mir grausig. Bei

Alexander Gauland,

der die Massenmorde der Nazis als ‚Vogelschiss der Geschichte‘ verharmlost, stellt sich gar die

Frage der Zurechnungsfähigkeit.

Die Aktivisten der politischen Korrektheit dagegen haben oft redliche Ziele – ihre Methoden aber sind beängstigend. Deshalb fordere ich zur Verteidigung der Kunstfreiheit eine lebendige Streitkultur. Gegen rechtsradikale Idioten hilft keine Streitkultur, da zählen nur noch Staatsanwaltschaft und Zivilgesellschaft.“

3580: Oliver Masucci hat die CDU gewählt.

Montag, Oktober 4th, 2021

Oliver Masucci, 52, ist der neue Superstar des deutschen Kinos. Der Sohn eines italienischen Vaters und einer deutschen Mutter wuchs in Bonn auf. Er war sechs Jahre Mitglied des Burgtheaters. 2018 drehte er mit Florian Henckel von Donnersmark „Werk ohne Autor“. 2019 „Als Hitler das Rosa Kaninchen stahl“ (nach Judith Kerr). 2020 war er als Rainer Werner Fassbinder in „Enfant terrible“ zu sehen, 2021 in der „Schachnovelle“ (nach Stefan Zweig). Tanja Rest hat Oliver Masucci für die SZ (2./3.10.21) interviewt.

Masucci: … Am Burgtheater hat man vor allem Angst, den Status zu verlieren. Hat der Mensch immer. Er fliegt auf einem Klumpen Dreck um die explodierende Sonne in ein schwarzes Loch und will Stabilität. Stabile Renten zum Beispiel versprechen sie uns bei jeder Wahl. Wie können die das denn versprechen, wer weiß schon, was in 40 Jahren ist, was für ein Unsinn ist das denn?

SZ: Haben Sie gewählt?

Masucci: Diesmal die CDU. Musste ich, meine Freundin hat den Wahlkampf gemacht.

SZ: Tanit Koch, früher „Bild“-Chefredakteurin, zuletzt im Team von Armin Laschet.

Masucci: Übrigens ist das ein guter Mann, ich hab ihn kennengelernt. Demokrat, hört zu, das ist okay. Hart, was die ertragen mussten, was da alles geschrieben wurde. Er hat das wie ein Rocky durchgestanden, ich hab Respekt vor ihm.

3579: Scarlett Johansson verdient.

Sonntag, Oktober 3rd, 2021

Der US-Filmstar Scarlett Johansson, 36, hatte den Filmkonzern Disney verklagt. Dieser hatte den Action Film „Black Widow“ mit Johannson in der Hauptrolle parallel zum Filmstart zugleich in seinem Online-Streamingdienst Disney + herausgebracht. Johansson ist vertragsgemäß an den Kinoeinnahmen beteiligt und befürchtete nun deren Schmälerung. Jetzt haben sich beide Seiten außergerichtlich geeinigt. Die Vereinbarung hat ein Volumen von 40 Millionen Dollar. Da verdient Frau Johansson ordentlich (theu., FAS 3.10.21).

3569: Auch Berlin wählt.

Sonntag, September 26th, 2021

Am Superwahltag, dem 26. September 2021, wählen auch 2,5 Millionen Berliner: Bundestag, Abgeordnetenhaus, Bezirksverordnetenversammlung. Dazu kommt der Volksentscheid zur Enteigung großer Wohnungsbaugesellschaften. Außerdem findet zusätzlich der Berlin-Marathon statt.

Die letzte Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen hatte folgendes Ergebnis: SPD 22, Grüne 19, CDU 17, Linke 13, AfD 9, FDP 7. Jeder dritte Berliner ist noch unentschieden, ob und wen er wählen will. Favorisiert wird die SPD-Spitzenkandidatin, die bekannte Plagiatorin Franziska Giffey. Sie stellt sich als „Bürgermeisterin für alle“ dar und scheut auch Populismus nicht. So soll jeder Berliner sein Auto behalten dürfen. Es bedarf wohl einer Dreier-Koalition. Giffey scheint SPD, CDU und FDP zu bevorzugen. Denkbar ist auch die Fortsetzung von Rot-Rot-Grün.  Dazu müsste nur das Volksbegehren zur Enteigung durchfallen. Dann wäre es kein zentrales Thema mehr bei Koalitionsverhandlungen (Jan Heidtmann, SZ 25.9.21).

3568: Russland und die AfD unterstützen die Querdenker.

Freitag, September 24th, 2021

Torsten Voß ist Leiter des Hamburger Verfassungsschutzamtes und seit drei Jahren Vorsitzender des Arbeitskreises aller 16 Landesämter für Verfassungsschutz. Er wird von Gökalp Babayigit und Ronen Steinke in der SZ (24.9.21) interviewt:

SZ: Gibt es ausländischen Einfluss auf die Querdenker-Szene?

Voß: Viele Fake News mit Corona-Bezug werden mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Russland ins Netz gesetzt. Solche absichtsvoll gestreuten Lügen und Halbwahrheiten sollen zur Verunsicherung führen und unsere Demokratie unterhöhlen.

SZ: Ist die AfD mittlerweile der politische Arm dieser Querdenker-Szene geworden?

Voß: Sicher profitieren rechtspopulistische, aber auch rechtsextremistische Parteien mehr von dieser Agitation als Parteien, die in der Mitte stehen. Hier gibt es Kontakte und auch Überschneidungen. Die AfD haben wir Verfassungschützer allerdings nicht in Gänze im Blick, sondern nur bestimmte Teile. Zum Beispiel den Landesverband in Thüringen, den „Flügel“ oder die Jugendorganisation JA.

3567: Zur Lage von „Bild“ und „Welt“

Mittwoch, September 22nd, 2021

Caspar Busse (SZ 22.9.21) interviewt das für das journalistische Geschäft zuständige Vorstandsmitglied der Axel Springer AG, Jan Bayer, 51, über die Lage des Verlags.

Bayer: Wir stecken einen dreistelligen Millionenbetrag alleine in den Ausbau unserer Geschäfte. Von den 16.000 Mitarbeitern bei Axel Springer arbeiten 9.000 im Medienbereich, davon sind 2.400 Journalistinnen und Journalisten, und das sollen innerhalb der nächsten fünf Jahre mehr als 3.000 werden, ein Viertel mehr. …

SZ: In Deutschland haben Sie in Bild-TV investiert und 70 neue Stellen geschaffen. Was versprechen Sie sich davon?

Bayer: Wir invstieren in die journalistische Zukunft von Bild, Bild-Live, also das Bewegtbild-Angebot von Bild, ist für mich Teil unserer Digitalstrategie. Bewegtbild wird immer wichtiger. Mittelfristig wird Bild-Live ein wichtiger Teil unseres Bezahlangebots, also von Bild-plus. Denn wir sind überzeugt davon, dass hervorragender Journalismus nicht kostenlos sein kann. Daneben haben wir Bild auch ins Fernsehen gebracht, weil hier die Monetarisierung derzeit nochg attraktiver ist.

SZ: Wollen Sie also eine Art Fox News für Deutschland machen, nach dem Vorbild des umstrittenen Murdoch-Senders in den USA?

Bayer: Nein. Die amerikanische Medienlandschaft ist mit der deutschen auch nicht vergleichbar, vieles in den USA ist sehr ideologisiert, die einzelnen Medien stehen entweder auf der einen oder der anderen Seite. Bild lässt sich nicht in dem einen oder anderen Lager verorten. Allenfalls Anmutungen von Moderation und Sendungen von Bild-Live ist sicherlich ‚US-amerikanischer‘ als die der anderen deutschen Sender.

SZ: Die Auflage der Bild geht trotzdem seit langem dramatisch zurück.

Bayer: Die Auflage ist rückläufig, ja, aber wir stemmen uns ordentlich dagegen und haben viele Maßnahmen ergriffen. Im zweiten Quartal dieses Jahres ist die Auflage im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht gestiegen und lag bei rund 1,2 Millionen Exemplaren. Zudem haben wir inzwischen auch 560.000 Digitalabonnenten, und diese Zahl wächst weiter. Die gedruckte Bild-Zeitung wird es noch sehr lange geben. Der Kern der Leserschaft ist sehr treu.

SZ: Wie lange wird es die defizitäre Welt noch geben, über deren Aus es … Spekulationen gibt?

Bayer: Axel Springer steht im deutschen Mediengeschäft auf zwei Beinen – Bild und Welt. Das wird auch so bleiben. Kann ich auf alle Ewigkeit garantieren, dass es unsere Zeitungen gibt? Natürlich nicht, aber das kann ich auch nicht in Bezug auf die Zeitungen der Wettbewerber. Was ich versichern kann: Wir haben überhaupt keine Pläne in diese Richtung und investieren massiv in die Digitalisierung und Zukunftsfähigkeit unserer Marken.