Archive for the ‘Medien’ Category

3795: Was charakterisiert Putin ?

Dienstag, März 22nd, 2022

1. Wer die russische Politik verstehen will, darf sich nicht beziehen auf die russische

Musik, Literatur, Malerei, Filmkunst, etc.,

sondern muss anknüpfen an das russische politische System, das seit Zarenzeiten rückständig, gewalttätig, undemokratisch und chauvinistisch (Lenin, Stalin, Breschnew) ist.

2. Putins Weltbild resultiert aus seiner Tätigkeit beim KGB.

3. Sein Trauma ist der Fall der Berliner Mauer 1989.

4. Die Sowjetunion, so wie Putin sie kannte, verschwand.

5. Bei allen politischen Vorgängen kann Putin sich kein demokratisches Votum vorstellen, sondern nur Strippenzieher (wie sich selbst).

6. Putin ist ein ausgeprägter Narzisst, der sich seine eigenen Auftritte im Fernsehen immer wieder ansieht.

7. Als Putin auf Boris Jelzin folgte, kam es sofort zum brutalen Vorgehen in Tschetschenien, zu Morden an politischen Gegnern und den russischen Hackerangriffen auf die US-Wahl 2016.

8.Putin wird als einer der größten Massenmörder des 21. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen.

 

3792: Deutscher PEN-Präsident fordert Einrichtung einer Flugverbotszone.

Montag, März 21st, 2022

Der deutsche PEN-Präsident Deniz Yücel hat die Einrichtung einer Flugverbotszone in der Ukraine verlangt. Daraufhin haben ihn fünf seiner Vorgänger zum Rücktritt aufgefordert (Nele Pollatschek, SZ 21.3.22).

3791: Israel hat Probleme mit den Oligarchen.

Sonntag, März 20th, 2022

Roman Abramowitsch (FC Chelsea) soll wieder in Moskau sein. Er hat drei Staatsbürgerschaften, die russische, die portugiesiche und die israelische (seit 2018). Kürzlich standen 14 Privatflugzeuge von Oligarchen, aus Moskau kommend, auf dem Tel Aviver Flughafen. Anscheinend suchten sie in Israel Zuflucht vor der Konfiszierung ihrer Besitztümer (Sanktionen der EU und der USA).

Abramowitsch hat sich in Herzliya eingerichtet und gebärdet sich in Israel als Wohltäter. Er soll 500 Mllionen Dollar für jüdische und israelische Einrichtunge gespendet haben. Auch Yad Vashem wurde reichlich bedacht. Zahlreiche Chefs israelischer Organisationen schickten einen Brief an den US-Botschafter mit der Bitte, Abramowitsch als Wohltäter der jüdischen Welt von Sanktionsstrafen auszunehmen. Das kam im Westen nicht gut an.

Im Konflikt um den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine laviert Israel. Finanzminister Avigdor Liebermann, der selbst in den neunziger Jahren aus der ehemaligen Sowjetunion nach Israel emigriert war, meinte: „Wir schließen uns keinen Sanktionen an. Wir werden versuchen, mit der Welt im Rahmen von Israels Interessen zu kooperieren.“ Außenminister Jair Lapid versuchte, den Westen zu beruhigen: „Israel wird nicht die Route sein, auf der die von den USA und anderen westlichen Ländern verhängten Sanktionen gegen Russland umgangen werden.“ (Peter Münche, SZ 19./20.3.22)

3790: Hermann Budzislawski – ein bürgerlicher Sozialist

Sonntag, März 20th, 2022

Ab 1933 gab Hermann Budzislwaski die „Weltbühne“ heraus. Er war 1901 als Kind einer jüdischen Familie in Berlin geboren worden und machte 1919 in Charlottenburg Abitur. In der DDR war er u.a. Direktor der Sektion Journalistik in Leipzig (bis 1978). Nach 1990 wurde er schnell vergessen, obwohl Bertolt Brecht 1947 mit Budzislawski seinen Auftritt vor dem „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ geprobt hatte. Budzislawski war höflich, bürgerlich distanziert, konnte aber politisch auch durchgreifen. Wir können ihn als bürgerlichen Sozialisten sehen, welcher der SPD angehört hatte und auch als „Westemigrant“ (1939 war im die Flucht in die USA gelungen) in der DDR manche Probleme hatte. Hermann Budzislawskis Freundschaft mit Dorothy Thompson zerbrach, als Budzislawski sich für den Stalinismus entschied. Für die Ausbildung von Journalisten hat Budzislawski in der DDR eine überragende Rolle gespielt (Jens Bisky, SZ 15.3.22).

3789: FC Chelsea gerät unter die Räder.

Freitag, März 18th, 2022

Für uns Fußballfans ist London das Paradies:

FC Arsenal, Tottenham Hotspur, FC Chelsea, West Ham United, Crystal Palace, FC Fulham, FC Watford, Queens Park Rangers. Leyton Orient

spielen da. Und noch einige andere mehr.

In der 117-jährigen Vereinsgeschichte des FC Chelsea (bei dem früher so großartige Akteure wie Jimmy Greaves spielten) gibt es nun einen Bruch. Weil dessen Besitzer, Roman Abramowitsch, ein mit Wladimir Putin befreundeter Oligarch ist. Er hat London bereits nach Moskau verlassen und ist bereit, seinen Verein zu verkaufen. Ende für Gebote ist der heutige Freitag. Unter den Interessenten soll auch der Staatsfonds Saudi-Arabiens sein. Nun, dann werden Journalisten wie Kashoggi in Istanbul wenigstens umgebracht. Das lässt einiges erwarten. So können auch Fußball-Weltmeisterschaften wie in Katar immer wieder durchgeführt werden. Beihilfe zur Kriegstreiberei ist da eher eine Kleinigkeit.

Der FC Chelsea spielt an der Stanford Bridge im Londoner Südwesten in einem Künstlerviertel. An der Stanford Bridge haben 1066 die Normannen parallel zur Schlacht von Hastings („Teppich von Bayeux“) eine zweite große Schlacht gegen die Angelsachsen zur Eroberung des heutigen United Kingdom gewonnen. Dann immer weiter so mit den Schlachten! (Sven Haist, SZ 15.3.22; SZ 18.3.22)

3786: Evangelische Journalistenschule gefährdet

Donnerstag, März 17th, 2022

Mehr als 500 Journalisten und Kirchenvertreter haben in einem offenen Brief den Erhalt der Evangelischen Journalistenschule (EJS), Berlin, gefordert. Anscheinend ist beim Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) deren Bestand gefährdet. Bei der Kirche ist das Geld knapp. Unterschrieben haben u.a.

Anne Will, Pinar Atalay, Caren Miosga, Carolin Emcke, Ingo Zamperoni.

Das sagt wohl alles. Nie ist es eine so kompetente und unabhängige Schule wie die EJS so wichtig gewesen wie heute. Und vieles von dem, das wir gerne wie selbstverständlich nehmen, ist nicht selbstverständlich. Auf dem Gebiet des freien Journalismus hat die evangelische Kirche größte Verdienste.

Bei der Verabschiedung des 13. Jahrgangs 2021 sagte der SZ-Journalist Heribert Prantl: „Kirche ist eine Gemeinschaft, die vom Wort lebt wie keine andere. Sie darf nicht sprach- und sprechunfähig werden. Also braucht es diese Journalistenschule.“ (Clara Lipkowski, SZ 16.3.22)

3774: Russland verliert.

Mittwoch, März 9th, 2022

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ist ein Kriegsverbrechen. Und dann steht Russland hinterher auch noch als vollständiger Verlierer da. Russland ist heute schon arm (umgerechnet auf die Bevölkerung), ärmer als Rumänien. Nach dem Ukraine-Krieg wird es noch ärmer. Denn ein militärischer Sieg reicht ja nicht, hinterher müssen die Russen bleiben, um ihre Nachbarn zu unterdrücken. Und sie müssen ihren riesigen Militärapparat finanzieren. Für die USA hat Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz ausgerechnet, dass der Irakkrieg (2003-2011) sie mehr als drei Billionen Dollar gekostet hat.

Und Russland hat keinen Dollar, die internationale Leitwährung, sondern nur den Rubel, den niemand haben will. Russland lebt von seinen fossilen Brennstoffen (Kohle, Öl, Gas). Die Sowjetunion war 1991 am Ende, ökonomisch. Das hat Wladimir Putin als KGB-Offizier in Dresden nicht begriffen.

Durch den von Russland begonnenen Angriffskrieg in der Ukraine rüstet der Westen auf. Das erfordert, sofern Russland auf Augenhöhe bleiben will, Nachrüstung. Dadurch wächst die russische Armut. Auch durch so schwere wirtschaftliche Sanktionen, wie der Westen sie nun erstmals beschlossen hat. Putin hat ungefähr 630 Milliarden Dollar aufgehäuft, wovon allerdings zwei Drittel im Westen nunmehr abgesperrt sind. Putins großer Krieg führt zu einer großen Inflation.

Die Russen haben seit 1990 mehrere Inflationen erlebt. Sie fühlen sich ökonomisch nur sicher, wenn die Flucht in Dollar, Schweizer Franken und Euro jederzeit offensteht. Vor seinem Ukraine-Krieg hatte Putin deswegen Devisen in Umlauf gebracht, damit seine Bürger nicht merkten, dass er in der Ukraine Krieg führte. „Für dieses Täuschungsmanöver sollte die Kriegskasse dienen, die nun blockiert ist.“ Heute fließen Devisen nur noch nach Russland bei der Bezahlung von Kohle, Öl und Gas. Der Westen finanziert also weithin Russlands Krieg.

„Wenn nicht bald Frieden herrscht, wird eine Geldentwertung einsetzen, die allen Russen deutlich macht, was dieser Krieg bedeutet: Armut. Vielleicht siegt Putin in der Ukraine militärisch – ökonomisch verliert er. Die Frage ist nur, wie schnell die Russen das begreifen.“

(Ulrike Herrmann, taz 4.3.22)

3771: Israels Vermittlerrolle ist gefährlich.

Montag, März 7th, 2022

Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat sich Israels Ministerpräsident Naftali Bennett zum Vermittler aufgeschwungen. Das ist für Israel nicht ungefährlich.

1. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij, selbst jüdisch, hat Bennett darum gebeten.

2. Bennett möchte diplomatisch an Gewicht gewinnen und aus dem Schatten seines Vorgängers Benjamin Netanjahu treten.

3. Israel eignet sich nur schlecht für eine Vermittlerrolle, weil es sich in seinem eigenen Konflikt mit den Palästinensern oft genug gegen Vermittlung gewandt hat.

4. Als Vermittler muss man sehr stark oder wirklich neutral sein. Das trifft auf Israel nicht zu.

5. Israel muss die russischen Truppen in Syrien fürchten, weil es selbst mit Luftschlägen die aus dem Iran (Israels Hauptgegner im Nahen Osten) massiv unterstützte Hisbollah dort bekämpfen möchte.

6. „Bennett also läuft Gefahr, von Putin nur benutzt zu werden. … Weit gefährlicher für Bennett allerdings wäre es, wenn er durch die Nähe zu Putin Israels Beziehungen zum engsten Verbündeten in Washington belasten würde.“ (Peter Münch, SZ 7.3.22)

7. „Doch je länger der Krieg dauert, desto deutlicher werden die USA wissen wollen, auf wessen Seite Bennett steht.“

3769: Matthias Brandt über das Arschloch Putin

Samstag, März 5th, 2022

Der große Schauspieler Matthias Brandt wird in der SZ (5./6.3.22) von Peter Laudenbach interviewt. Grund ist Brands Mitwirken in Max Frischs „Mein Name sei Gantenbein“ am Berliner Ensemble. Brandt kehrt ans Theater zurück.

Er sagt am Anfang des Interveiws: „… Im Moment ist aber meine Wahrnehmung sowieso vollkommen überschattet von dem, was in der Ukraine passiert. Es erscheint mir fast obszön, hier über meine Nebensächlichkeiten zu sprechen. Dann denke ich wieder, ich lass mir doch von diesem Arschloch Putin nicht vorschreiben, worüber ich gerade nachdenke. …“

3768: Russland hat das Atomkraftwerk Saporischschja angegriffen.

Samstag, März 5th, 2022