Archive for the ‘Medien’ Category

4156: Michel Houellebecq vor Gericht ?

Sonntag, Januar 8th, 2023

Nach einem Gespräch mit dem Philosophen Michel Onfray in „Front Populaire“ ist der wichtigste französische Schriftsteller Michel Houellebecq von Chef der Großen Moschee in Paris angezeigt worden. Tatsächlich hatte er antimuslimische Bemerkungen gemacht. Sie sollten die „Ursprungsfranzosen“ nicht mehr angreifen und bestehlen und am besten ganz verschwinden. Solchen Hass darf man nach französischem Recht nicht publizieren. Juristen sagen Houellebecq eine Verurteilung voraus. Michel Onfray vertritt im Gegensatz zu früher heute anti-globalistische und anti-europäische Positionen. Die Atmosphäre in Frankreich ist nach wie vor von den islamistischen Attentaten bestimmt.

Houellebecq geht in dem Gespräch trickreich vor, indem er sich auf Jean-Paul Sartre bezieht, der im Vorwort zu Frantz Fanons „Die Verdammten dieser Erde“ (1961) den französischen Kolonialismus beklagt hatte. Sartre hatte allerdings gemeint, Frankreich ernte, was es in Algerien an Gewalt gesät hätte, ein klar fortschrittliches Votum, das Houellebecq nun umdreht. Nach dem Motto, es sei das gute Recht der Franzosen, die Nachfahren der Muslime wieder dahin zurückzuschicken, wo sie einmal hergekommen seien. Ein Thema im Gespräch war auch der „große Austausch“, eine Theorie, die in Deutschland von Götz Kubitschek vertreten wird. Danach hat eine globale Elite den Plan gefasst, die weißen Ureinwohner Europas gegen Menschen aus Afrika auszutauschen (Nils Minkmar, SZ 7./8.1.23).

4155: Mal wieder: Streit um § 218

Sonntag, Januar 8th, 2023

Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) möchte den Abtreibungsparagrafen 218 StGB abschaffen. Das trifft auf scharfe Kritik aus der Union. Auch das ungeborene Kind habe ein grundrechtlich geschütztes Lebensrecht. Der Lebensschutz für Haselmäuse und Krötenkolonien habe bei dieser Koalition „offenbar einen höheren Wert als der Schutz ungeborenen menschlichen Lebens“. Bisher ist eine Abtreibung grundsätzlich verboten, kann aber nach einer vorgeschriebenen  fachlichen Beratung genehmigt werden. Ein Schwangerschaftsabbruch ist nicht rechtswidrig nach einer medizinischen oder kriminologischen Indikation (Roland Preuß, SZ 7./8.1.23).

Grundsätzlich und hauptsächlich geht es natürlich um das Recht von Frauen, über ihren Körper selbst zu bestimmen. Und es nicht verklemmten Religionsvertretern überlassen zu müssen.

4154: Wer wird Nachfolger Daniel Barenboims ?

Samstag, Januar 7th, 2023

Es zeichnete sich ab, und ist nun traurige Wirklichkeit geworden: der Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden, Daniel Barenboim, tritt zum 31.1.2023 aus Krankheitsgründen von seinem Posten zurück. 30 Jahre hatte er ihn inne. Der Dirigent, Pianist und unermüdliche Streiter für die Aussöhnung von Juden und Palästinensern hat tiefe Spuren hinterlassen. Die Lindenoper auf höchstes Niveau geführt. Bravourös.

„Leider hat sich mein Gesundheitszustand im letzten Jahr deutlich verschlechtert. Ich kann die Leistung nicht mehr erbringen, die zu Recht von einem Generalmusikdirektor verlangt wird … Deshalb bitte ich um Verständnis, dass ich zum 31. Januar 2023 diese Tätigkeit aufgebe.“

Barenboim hat zeitlebens „exzessiv musiziert“. „Seine poetische Ernsthaftigkeit, seine nie nachlassende Neugier, seine Leidenschaft und die Fähigkeit, sich mit seinen Hörern ganz tief in die menschlichen Abgründe vor allem bei Richard Wagner und Ludwig Van Beethoven zu verlieren, machten ihn bis zuletzt zu einem der aufregendsten und bewegendsten Musiker der Nachkriegszeit.“ (Reinhard Brembeck, SZ 7./8.1.2023)

Den von ihm ersehnten „Ring des Nibelungen“ zu seinem 80. Geburtstag konnte er schon nicht mehr selbst dirigieren. In zwei Zyklen übernahm das Barenboims Kollege Christian Thielemann (Dresden). Souverän. Er gilt deshalb als erster Anwärter auf die Barenboim-Nachfolge. An seiner musikalischen Kompetenz kann nun wirklich kein Zweifel bestehen. Aber er polarisiert. So wurde 2015 bei den Berliner Philharmonikern nicht der Favorit Thielemann ausgewählt, sondern Kirill Petrenko. Warten wir also ab.

4153: Rosi Mittermaier gestorben

Samstag, Januar 7th, 2023

Bei den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck gewann sie zwei Gold- und eine Silbermedaille im alpinen Skisport, Rosi Mittermaier. In der Saison entschied sie die Gesamtwertung des Weltcups für sich. Anschließend trat sie zurück. In der Öffentlichkeit blieb sie bekannt und beliebt als Werbeträgerin, Sportbotschafterin und Sachbuchautorin. Vielfach wurde sie „Gold-Rosi“ genannt. Verheiratet war sie mit dem Skirennläufer Christian Neureuther, ihr Sohn war Felix Neureuther. Rosi Mittermaier ist nach langer Krankheit im Alter von 72 Jahren gestorben.

4152: Hunderte Urteile in den USA gegen Kapitolstürmer

Samstag, Januar 7th, 2023

Wegen der Erstürmung des Kapitols in Washington am 6.1.2021 sind mehr als 950 Menschen festgenommen worden. 350 davon wurden verurteilt. Mehr als 190 zu Haftstrafen. Inzwischen wurde im 15. Wahlgang der Sprecher des Repräsentantenhauses, Kevin McCarthy (Republikaner), gewählt (SZ 7./8.1.23).

4149: Randale mit Migrationshintergrund

Mittwoch, Januar 4th, 2023

Die meisten Randalierer der Silvesternacht waren junge muslimische Männer. Aus Berlin-Neukölln und Duisburg-Marxloh. Und anderswo. Sie führen quasi „Krieg gegen den Staat“, von dem sie ihrer Meinung nach nicht genügend Anerkennung bekommen. Sie gehören zur gesellschaftlichen Unterschicht, die wächst, ohne an Deutungshoheit zu gewinnen. Vielfach entstammen sie Erziehungsmustern der Gewalt. Ihre Sehnsucht nach der Demütigung von Autoritäten ist groß. Bei ihrer Gewalt verschonen sie auch ihre eigene ärmliche Nachbarschaft nicht. Es handelt sich also nicht um einen Aufstand gegen die Ungleichheit. Die Silvester-Randale dient der Selbstvergewisserung. Und das „juste milieu“ sieht von den Zuschauerbänken aus zu und fühlt sich bestätigt. Selbst will man natürlich keine Mülltonnen anzünden. Die stets auf den Plan tretende Forderung nach härteren Strafen ist nur ein Manöver der Selbstentlastung. Und so überlässt man es wieder den Lehrerinnen und Lehrern, den Erzieherinnen und Erziehern für Integration zu sorgen. Das kann so nicht gelingen (Constanze von Bullion, SZ 4.1.23).

4148: Innenministerin Faeser (SPD) spricht von „Verrohung“.

Dienstag, Januar 3rd, 2023

Nach den Ausschreitungen in der Silvesternacht, bei denen auch Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten angegriffen wurden, spricht Bundesinnenministern Nancy Faeser (SPD) von „Verrohung“. Das Ausmaß an Gewalt mache fassungslos und wütend. Die Strafvorschriften müssten „mit aller Konsequenz angewandt und durchgesetzt werden“. Allein in Berlin gab es fast 4.000 Einsätze und 100 Festnahmen. 33 Feuerwehrleute und Polizisten wurden verletzt. Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke: „Jeder gezielte Angriff auf einen Menschen in Uniform muss zu Ermittlungen und zu einer Gerichtsverhandlung  mit hartem Urteil führen.“ Der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands, Karl-Heinz Banse, forderte den Einsatz von „Dashcams“ und „Bodycams“, kleinen Kameras für Einsatzfahrzeuge und Rettungskräfte (RIKE, SZ 3.1.23).

4145: Sowjetische Methoden in Russlands Kampf

Samstag, Dezember 31st, 2022

Der brutale Chef der russischen Söldnertruppe Wagner, Jewgenij Prigoschin, hat die russischen Oligarchen kritisiert und ihnen empfohlen, auf ihr Luxusleben zu verzichten und in den Krieg zu ziehen. Anscheinend werden sie dort gebraucht. Der Ton in der Auseinandersetzung ist rau. Im Ukrainekrieg läuft bei weitem nicht alles nach russischem Plan. Die russische Armee soll auf 1,5 Millionen Angehörige vergrößert werden. Putin hat erklärt, dass dem Krieg keine finanziellen Grenzen gesetzt sind. Das verspricht der russischen Bevölkerung wieder einmal nichts Gutes. Wo soll das Geld für die Armee denn herkommen?

100.000 IT-Spezialisten haben Russland bereits verlassen. Und die von Putin großspurig angekündigten Verbesserungen in der Bildungspolitik, der Gesundheitspolitik, in der Bekämpfung der Armut lassen auf sich warten. Medikamente fehlen zunehmend, Flüge und Busverbindungen werden abgesagt. Die Russen mögen sich zum Krieg in der Ukraine nicht kritisch äußern. Sie riskieren ihre Freiheit. Zunehmend verläuft alles nach der bekannten sowjetischen Methode, dass der Mensch für den Staat da zu sein habe und nicht umgekehrt. Dimitrij Medwedjew, Putins Vorgänger, hat gerade vorgeschlagen, geflüchteten Russinnen und Russen lebenslang die Rückkehr in ihre Heimat zu verwehren (Frank Nienhuysen, SZ 30.12.22).

4144: Was der Westen in Israel tun kann.

Samstag, Dezember 31st, 2022

Israel hat eine neue Regierung. Darin sind Homophobe, Rechtsextremisten, Rassisten und religiöse Fanatiker. Legal gewählt. Der Umgang damit wird für den Westen schwer, nahezu aussichtslos. Die Regierungskoalition in Jerusalem spricht für Krieg. Minderheitenrechte werden mit Füßen getreten. Die Gewaltenteilung soll ausgehebelt werden, die Geschlechtertrennung verschärft. Ein Kampf um Israels Identität hat begonnen. Der Friedensprozess im Nahen Osten ist zum Erliegen gekommen. Die einzig richtige Zwei-Staaten-Lösung wird von dieser Koalition abgelehnt. Sie will die Annexion der Palästinensergebiete. Der völkerrechtswidrige Siedlungsbau wird verstärkt. Der Westen (Washington, Brüssel) und Deutschland können nur versuchen, weiter Verantwortung für den Frieden zu übernehmen. Ich (W.S.) halte das für aussichtslos (Peter Münch, SZ 31.12.22).

4143: Hans-Peter Hallwachs ist gestorben.

Samstag, Dezember 31st, 2022

Der markante und bekannte Schauspieler Hans-Peter Hallwachs ist im Alter von 84 Jahren in Berlin gestorben. Er war im ersten „Tatort“ 1970 dabei. Überhaupt war für den schlaksig-eleganten Mann der Krimi das Metier. Er war auch im „großen Bellheim“ und in „Mord mit Aussicht“ zu sehen. Hallwachs hatte von 1959 bis 1961 die Fritz-Kirchhoff-Schauspielschule in Berlin besucht. Anfang der sechziger Jahre war er unverzichtbar bei Kurt Hübner in Bremen, wo ich ihn viele Male gesehen habe. Er war danach an vielen Bühnen tätig. Bei den Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel gab er 1990 den Mephisto in Goethes „Faust“. Weswegen er den erkrankten Romuald Pekny in der Münchener Inszenierung von Dieter Dorn vertreten konnte. Hallwachs verkörperte oft finstere Typen. Er war ein scheiternder Titelheld in Wolf Gremms nicht besonders gelungener Verfilmung von Erich Kästners

„Fabian“.

Und viele Male bei den Salzburger Festspielen (Christine Dössel, SZ 31.12.22).