Die Fifa hat dem 1. FC Köln eine zweijährige Transfersperre auferlegt. Grund ist die 2022 erfolgte Verpflichtung des U-19-Stürmers Jaka Cuber Potocnik von Olimpia Ljubljana (Slowenien). Außerdem muss der 1. FC Köln an Olimpia Ljubljana 54.000 Euro zahlen. Potocnik, der in der Kölner A-Jugend spielt, wurde für vier Monate gesperrt. Er hatte seine Vertrag am 30. Januar 2022 vorzeitig gekündigt. Deswegen musste der 1. FC Köln keine Ablöse zahlen. Der Verein soll den jungen Spieler zum Wechsel angestiftet haben. Eine einvernehmliche Lösung zwischen den Vereinen scheiterte 2022. Der 1. FC Köln kann beim Internationalen Sportgerichtshof Cas gegen die Fifa-Entscheidung Einspruch einlegen. Von der Fifa ebenfalls bestraft wurden früher wegen ähnlicher Vergehen FC Chelsea, Manchester City und Real Madrid (SZ 30.3.23).
Archive for the ‘Innenpolitik’ Category
4276: Transfersperre für den 1. FC Köln
Donnerstag, März 30th, 20234275: Rechte Kunsthasser
Donnerstag, März 30th, 2023In seinem Buch
Volkstheater. Der rechte Angriff auf die Kunstfreiheit. Berlin (Klaus Wagenbach) 2023, 144 S., 12 Euro,
zeigt der Berliner Theaterkritiker der SZ, Peter Laudenbach, dass die Rechte schon immer und heute wohl mehr als zuvor, Kultur als Kampffeld betrachtet. Buchhändlern werden die Autos angezündet, Theaterintendanten und Pianisten erhalten Morddrohungen, in Zwickau marschierten Skins vor einer Galerie auf, und in Stuttgart verlangen AfD-Abgeordnete die Veröffentlichung der Namen von Theatermitarbeitern mit Migrationshintergrund. Das sind keine Einzelfälle. Die Rechte bildet Bedrohungsallianzen. Der Angriff auf die Kunstfreiheit ist letztlich auch ein Angriff auf die offene, liberale Gesellschaft (SZ 28.3.23).
4273: Union klagt gegen Wahlrecht.
Mittwoch, März 29th, 2023Per Normenkontrollverfahren will die Unionsfraktion im Bundestag vom Bundesverfassungsgericht klären lassen, dass das neue Wahlrecht der Ampelkoalition verfassungswidrig ist. Zugleich stellen CDU und CSU einen Antrag auf einstweilige Anordnung gegen das Inkrafttreten der Wahlrechtsreform. Der Bundestag soll von 736 auf 630 Abgeordnete dauerhaft reduziert werden. Durch Abschaffung der Überhang- und Ausgleichsmandate und der Grundmandatsklausel, nach der Parteien, die zwar die 5-Prozent-Hürde nicht geschafft haben, aber 3 Direktmandate gewonnen, doch als Fraktion im Bundestag vertreten sind. Wie jetzt die Linke. Besonders prekär ist die Wahlrechtsänderung in Bayern, wo die CSU bei der letzten Wahl 46 der 47 Direktmandate gewonnen hatte (RRO, SZ 29.3.23).
4272: Mehr Straftaten nach Corona
Montag, März 27th, 2023Erstmals seit mehreren Jahrzehnten, in denen die Kriminalität in Deutschland stets leicht gesunken war, ist laut „Welt am Sonntag“ nach Corona die Kriminalität gestiegen. 2022 um 11,5 Prozent. Das zeigt die Polizeiliche Kriminalstatistik, deren Zahlen das Innenministerium am Donnerstag bekanntgeben will. Bundesweit wurden rund 5,6 Millionen Straftaen begangen. Eine Steigerung seit 2019 um 3,5 Prozent. Die Aufklärungsquote liegt bei 57,3 Prozent. Auffällig mit 35,5 Prozent ist der Anstieg der Kriminalität von Kindern. Nicht zuletzt durch Delikte im Internet (SZ 27.3.23).
4271: Gewalt in DDR-Heimen
Sonntag, März 26th, 2023Einer Studie der Universität Leipzig zufolge haben viele Mädchen und Jungen in DDR-Kinderheimen körperliche und seelische Vernachlässigung erfahren. 70 Prozent von ihnen wurden körperlich misshandelt. Etwa die Hälfte der Befragten wurde Opfer sexueller Gewalt. Für die Studie wurden 273 ehemalige Heimbewohner zwischen 36 und 84 Jahren befragt (SZ 21.3.23).
4264: Ostrenten erstmals auf Westniveau.
Dienstag, März 21st, 2023Das Bundesarbeitsministerium hat bekanntgegeben, dass die Renten zum 1. Juli 2023 im Westen um 4,39 Prozent und im Osten um 5,86 Prozent steigen. Damit gilt in West und Ost erstmals der gleich hohe Rentenwert. Der Anstieg bedeutet für viele der 21 Millionen Rentner jedoch wegen der hohen Inflation einen Kaufkraftverlust (SZ 21.3.23).
Trotzdem ist damit ein weiterer Schritt in Richtung auf die voranschreitende Vereinigung Deutschlands getan. Sehr gut!
4263: Die Grünen sind in der Krise.
Montag, März 20th, 2023Die Grünen sind in der Krise, obwohl sie kaum Fehler machen. Sie haben Wahlniederlagen in Berlin, Mainz und Frankfurt erlitten. Dabei verfolgen sie den Klimaschutz und die Erhaltung der Arten konsequent und schlüssig. Einmal hat sich inzwischen eine starke anti-grüne Front gebildet, die behauptet, es ginge auch ohne Verbrenner-Verbot, ohne die Abschaffung der Öl- und Gasheizungen, ohne Windparks und Stromtrassen und ohne weniger Fleisch.
Die deutsche Gesellschaft ist verbal für Klimaschutz, aber nicht real. Sie ist verlogen.
Der Wettbewerb um den besten Wege nach Paris (Klimaabkommen), Montreal (Artenschutzabkommen) und New York (Hochseeabkommen) findet nicht statt. Aber es gibt einen objektiven Faktor beim Klimaschutz, der nicht zu leugnen ist, die Zeit. „Später heißt heißer, und heißer bedeutet höhere Kosten und in wenigen Jahren dann ein noch höheres Tempo bei der Klimawende sowie grundrechtswidrig eingeschränkte Freiheiten für die Jüngeren.“
Die grünen Realos machen Abstriche. Und die linken Grünen wollen mehr Radikalität (z.B. Enteignung von Wohnungsbesitzern, Möblierung der Friedrichstraße).
„Wenn aber die einen sich für die Radikalität schämen, die aus den ökologischen Notwendigkeiten erwächst, und die anderen sich noch Radikalitäten anderer Art leisten, die viele Menschen überfordern, dann werden die Grünen ihren Traum, die Bundesregioerung mal von vorne zu führen, verfehlen. Was unter den gegebnene Bedingungens schlecht ist für das Klima.“ (Bernd Ulrich, Die Zeit 9.3.23)
4262: Jan Hempel verklagt den Deutschen Schwimm-Verband.
Montag, März 20th, 2023Der mehrfache Europameister und Olympiamedaillengewinner im Wasserspringen Jan Hempel, 51, verklagt den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) auf Schmerzensgeld und Schadensersatz in Millionenhöhe. Sein inzwischen verstorbener Trainer Werner Langer soll ihn über 1.200 mal sexuell missbraucht haben. Das wurde bekannt in der ARD-Dokumentation „Missbrauch“. Hempels Anwalt Thomas Summerer sagte: „Die Organisation Deutscher Schwimm-Verband hat völlig versagt in der Überwachung und in der Kontrolle seiner Trainer. Es gab nur Vertuschung. Dieses Organisationsverschulden führt dazu, dass ein Verband haftet.“
Jan Hempel hatte 1997 den Verband von den Vorgängen unterrichtet. 2022 hat der DSV seinen Bundestrainer Lutz Buschkow entlassen, der von den Vorgängen gewusst haben soll, was er bestreitet. Der DSV teilte mir, dass inzwischen über Entschädigungszahlungen und finanzielle Unterstützung der Opfer beraten worden ist. Vizepräsident Wolfgang Rupieper sagte: „Wir sind .. mit anderen Institutionen wie dem BMI, dem DOSB oder auch Athleten Deutschland bereits im Austausch darüber, wie die Möglichkeiten eines angemessenen materiellen Ausgleichs aussehen könnte.“
Jan Hempel hatte versucht, sich mit dem DSV außergerichtlich zu einigen. Das scheiterte (Sebastian Winter, SZ 20.3.23).
4261: Gertrud Kolmar – eine weithin unbekannte deutsche Dichterin.
Sonntag, März 19th, 2023Die Germanistin Friederike Heimann hat über Gertrud Kolmar (geb. 1894) promoviert. Nun legt sie einen Essay über die zu Unrecht fast vergessene deutsche Dichterin vor, die 1943 von den Nazis in Auschwitz ermordet wurde:
In der Feuerkette der Epoche. Über Gertrud Kolmar. Frankfurt (Jüdischer Verlag/Suhrkamp) 2023, 462 S. 28 Euro.
Für Gertrud Kolmar hatte sich vorher schon die in Hamburg lebende Lyrikerin Ulla Hahn eingesetzt. Dort war Gertrud Kolmar für kurze Zeit Erzieherin in der Familie des Kaufmanns Carl Alexander gewesen. Eigentlich hieß sie Gertrud Käthe Chodziesners. Sie war die Cousine Walter Benjamins. In Hamburg hatte sie sich emanzipiert. Sie vertrat dezidiert feministische Positionen. In Gedichten und Erzählungen hat Gertrud Kolmar komplexe Zwiegespräche mit der Gesellschaft gehalten. Von ihr wäre noch viel zu erwarten gewesen. Sie hat seinerzeit schon „koloniale und patriarchalische Sichtweisen und Bewertungsmuster“ dekonstruiert. Dabei blitzte häufig ihr böser Witz auf. Daran hatten die Nazis natürlich kein Interesse (Benno Schirrmeister, taz 13.3.23).
4260: Das Abitur soll einheitlicher werden.
Samstag, März 18th, 2023Fünf Jahre, nachdem das Bundesverfassungsgericht angeordnet hat, dass das Abitur in Deutschland einheitlicher werden muss, hat die Kultusministerkonferenz (KMK) dazu erstmals Reformbeschlüsse vorgelegt. Sie betreffen die zweijährige „Qualifikationsphase“ vor dem Abitur. Da werden Zensuren gesammelt, die in die Abiturnote eingehen. Ab 2027 sollen bundesweit pro Halbjahr ein bis zwei Klausuren geschrieben werden. Die Schüler dürfen maximal noch drei Leistungskurse wählen (bisher vier). Der Deutsche Philologenverband begrüßt die Reformen. Dem Deutschen Lehrerverband gehen sie nicht weit genug. Die GEW sieht darin eine „falsche Weichenstellung“. Sie plädiert für Gruppenunterricht (Lilith Volkert, SZ 18./19.3.23).
W.S.: Die GEW ist nicht leistungsbezogen genug. Sie kapriziert sich auf Sozialklimbim.