Archive for the ‘Innenpolitik’ Category

4169: ZDF-Intendant Himmler: Die Deutschen lieben Krimis

Mittwoch, Januar 18th, 2023

Das ZDF steht bei weitem nicht so hart in der Kritik wie die ARD. In einem Interview mit Claudia Tieschky (SZ 18.1.23) macht ZDF-Intendant Norbert Himmler folgende Aussagen:

„Eine Reform des ZDF läuft bereits – und trägt den Titel ‚Ein ZDF für alle.‘ Das Ziel: Wir müssen auch für ein jüngeres Publikum und solche, die uns bislang nur ganz selten bis gar nicht nutzen, von der Information bis zur Unterhaltung ein passendes Angebot liefern. Dafür werden wir hundert Millionen Euro unseres Budgets konsequent umschichten. Ich kann nur für das ZDF sprechen, bei uns gibt es Reformen.“

Auf die Frage nach seinem Gehalt von 372 000 Euro sagt er:

„Ich habe mich um das Amt des Intendanten beworben und bin vom Fernsehrat des ZDF dann in einem sehr transparenten Prozess gewählt worden. Die Konditionen meines Arbeitsvertrages, auch mein Gehalt, wurden wiederum vom Verwaltungsrat des ZDF festgelegt.“

Zum Programm:

„Die Deutschen lieben Krimis, das kann man auch am Buchmarkt sehen. Und daran kommen auch wir nicht vorbei. Gleichzeitig ist das Genre bestens geeignet, um gesellschaftlich relevante Fragestellungen darzustellen und zu verhandeln.“

4167: Das Wahlrechts-Tamtam der CSU

Dienstag, Januar 17th, 2023

Die CSU äußert sich häufig drastisch. Jetzt hat sie den Änderungsvorschlag der Ampel für das Wahlrecht zur Verkleinerung des Bundestags als „verfassungswidrig“ und „organisierte Wahlfälschung“ bezeichnet. Die Ampel will ein Kappungsmodell, bei dem Überhang- und Ausgleichsmandate wegfallen. Das dann abgebildete Wahlergebnis wäre gerecht. Die CSU: „Direkt gewählten Abgeordneten den Einzug ins Parlament zu verweigern, kennen wir sonst nur aus Schurkenstaaten.“

Übrigens ist die Union ja mit allen Versuchen gescheitert, die Zahl der Bundestagsabgeordneten zu verkleinern.

Das Kappungsmodell bedeutet: „Wenn eine Partei in einem Bundesland 30 Direktmandate gewinnt, sie nach ihrem Zweitstimmenergebnis aber nur Anspruch auf 27 Sitze im Bundestag hat, gehen die drei Wahlkreissieger mit dem schlechtesten Erststimmenergebnis leer aus.“ Ein Blick auf die letzte Bundestagswahl zeigt, dass wegen der zunehmenden Fragmentierung des Parteiensystems in einem Wahlkreis 18,6 Prozent der Stimmen zum Sieg gereicht haben.

In Bayern hat es für acht Jahre auch ein Kappungsmodell gegeben. Dort ziehen Wahlkreissieger nur dann in den Landtag ein, wenn ihre Partei die Fünf-Prozent-Hürde überschritten hat. Da wäre Bayern auch ein „Schurkenstaat“.

Wenn man den Bundestag verkleinern will, gibt es mehrere Möglichkeiten. Einmal kann man die Zahl der Wahlkreise reduzieren. Dabei gilt es zu bedenken, dass wir heute schon Wahlkreise haben, die doppelt so groß sind wie das ganze Saarland. Deswegen hat sich die Ampel für das Kappungsmodell ohne Überhang- und Ausgleichsmandate entschieden. Dann würde bei einem gerechten Ergebnis der Bundestag sofort kleiner.

Die CSU favorisiert übrigens das „Grabenwahlrecht“. Die eine Hälfte der Abgeordneten würde direkt in den Wahlkreisen gewählt, die andere Hälfte unabhängig davon über die Listen der Parteien. Die Union würde von diesem Modell enorm profitieren, Grüne, FDP, AfD und Linke würden sich erheblich verschlechtern. (Robert Roßmann, SZ 17.1.23)

4166: Permanente Wohnungsnot

Sonntag, Januar 15th, 2023

Jedes Jahr klagen der Mieterbund und ähnliche einschlägige Verbände und Institutionen über die Wohnungsnot in Deutschland. Zu Recht. Und mit guten Gründen. Das ist bekannt, es tut sich aber zu wenig. Selbstverständlich ist uns klar, dass Deutschland das „Mieterland“ Nummer eins ist. Wir sind eine Singlegesellschaft, bei der sich seit 1972 der durchschnittliche Wohnraum verdoppelt hat. Es geht auch um Menschenwürde. All das erklärt aber nicht umfassend die Wohnungsprobleme.

Die von der Ampelkoalition versprochenen 400.000 neuen Wohnungen sind wohl auf Grund der Baukostenentwicklung, der wuchernden Baubürokratie und der fehlenden Baufachkräfte unwahrscheinlich. Es fehlen Instrumente wie im Sozialen Wohnungsbau. Die Privatisierung hat sich auch hier verhängnisvoll ausgewirkt. Wie das bekannte Heinrich-Zille-Zitat besagt, dass man einen Menschen auch mit einer Wohnung erschlagen kann. Auch auf dem Land fehlt Wohnraum, obwohl er dort um ein Vielfaches kostengünstiger ist. Dort brauchten wir Internetverbindungen, Bahnanschlüsse, Ärzte, Schulen (Gerhard Matzig, SZ 13.1.23).

4165: Verkürztes Politikverständnis der Klimaaktivisten

Samstag, Januar 14th, 2023

Ausgerechnet die Grünen werden am schärfsten von den Klimaaktivisten in Lützerath kritisiert. Die Grünen stehen seit Jahrzehnten für eine ökologisch fundierte und versierte Politik. Aber im Gegensatz zu den Klimaaktivisten werden sie weithin gewählt und haben verdientermaßen Macht errungen. Mit der gehen sie verantwortungsvoll um. Die Klimaaktivisten dagegen interessieren sich nicht für die demokratische Meinungsbildung und für Kompromisse.

Wenn wir das 1,5-Grad-Ziel ernst nehmen würden, hätten wir schon vor acht Jahren mit der Braunkohleverbrennung aufhören müssen. Jedes Kilo Kohle, das noch verfeuert wird, ist eins zu viel. Das stimmt. Aber wir müssen eine Einigung mit den Energieriesen anstreben. Dazu müssen wir mutig sein und können uns nicht auf jugendliche Überlebensübungen beschränken. Es gibt auch in unserem Volk mehr als einen Willen. Und der Rechtsstaat schützt auch die Interessen von Unternehmen. Bei den Klimaaktivisten gibt es Gruppen wie „Scientists for Future“, die an Klimakompromissen mitarbeiten wollen. Die liegen richtig (Meredith Haaf, SZ 14./15.1.23).

Alles andere ist romantischer Idealismus. Und der kann böse Folgen haben.

4164: Keinen Cent mehr für ARD und ZDF

Samstag, Januar 14th, 2023

18,36 Euro zahlt jeder Haushalt in Deutschland für ARD (plus Deutschlandradio) und ZDF pro Monat. Für all die Serien, Podcasts, Hörspiele, Nachrichten, Orchester, Kinderfilme, Radiosendungen, Tweets, Late Night Shows und Dokumenetationen. Bei dieser Gebührenfestsetzungsrunde aber bitte keinen Cent mehr.

„Im vergangenen Jahr ist erschreckenbd deutlich geworden, wie schlecht man in der ARD mit diesem Geld umgeht (zuletzt kamen mehr als acht Milliarden Euro zusammen). Da werden fischige Beraterverträge geschlossen, Doppel- und Triplestrukturen durchfinanziert, Prestigebauten geplant und Millionen verprasst für Menschen, die längst nicht mehr angestellt sind. Beim RBB etwa hat bis vor kurzem nur ein Arbeitstag als Direktor genügt, um eine lebenslange Absicherung von 8000 Euro im Monat zu haben. Die Bilanz ist also klar: Die ARD hat nicht zu wenig Geld, sie gibt es falsch aus. Und sie liefert all jenen, die sie loswerden wollen – und unabhängige Information gleich mit – selbst noch die Argumente.“

Der Unmut über eine Gebührenerhöhung käme den Gegnern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gerade recht. Wer ARD und ZDF retten will, darf den Rundfunkbeitrag jetzt nicht erhöhen. „Und das ist doch ein wunderbarer Anlass zu internen Umbau- und Aufräummaßnahmen für alle ARD-Führungskräfte, denen Scham für das bisherige Missmanagement nicht reicht.“ (Laura Hertreiter, SZ 14./15.1.23)

4163: Anne Will hört auf.

Samstag, Januar 14th, 2023

Die Moderatorin Anne Will, die wir alle kennen, hat bekanntgegeben, dass sie mit dem Ende ihres Vertrags 2023 aufhört. „2024 ist Neustart angesagt.“ 16 Jahre hat sie „Anne Will“ moderiert. Ihre Sendung gehört zu den meistgesehenen Sendungen im deutschen Fernsehen. Bei im Schnitt 3,6 Millionen Zuschauern mit einem Marktanteil von 15,1 Prozent. Über eine Nachfolgesendung verhandeln NDR und ARD (Anna Ernst, SZ 14./15.1.23).

4162: Ralf Wohlleben wieder in Haft

Donnerstag, Januar 12th, 2023

Der wegen Beihilfe zum Mord 2018 zu zehn Jahren Haft verurteilte Rechtsextremist Ralf Wohlleben, 47, hat seine Reststrafe von dreieinhalb Jahren angetreten. Er hatte die rechtsextremistische Terrorgruppe NSU unterstützt und in neun von zehn Fällen die Mordwaffe besorgt. Das Oberlandesgericht München hatte ihn auf freien Fuß gesetzt. Wohlleben war daraufhin zu seiner Familie nach Sachsen-Anhalt zurückgekehrt (RABE, SZ 12.1.239:

4160: Grüne attackieren Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP).

Donnerstag, Januar 12th, 2023

Heute starten die Grünen ein „Starter-Paket für mehr Klimaschutz im Verkehrssektor“. Damit wollen sie Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) unter Druck setzen. Ziel ist die sichere Reduzierung der CO2-Emissionen im Verkehr. Außerdem wollen die Grünen das Dienstwagenprivileg in seiner jetzigen Form kippen (SZ 12.1.23).

4155: Mal wieder: Streit um § 218

Sonntag, Januar 8th, 2023

Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) möchte den Abtreibungsparagrafen 218 StGB abschaffen. Das trifft auf scharfe Kritik aus der Union. Auch das ungeborene Kind habe ein grundrechtlich geschütztes Lebensrecht. Der Lebensschutz für Haselmäuse und Krötenkolonien habe bei dieser Koalition „offenbar einen höheren Wert als der Schutz ungeborenen menschlichen Lebens“. Bisher ist eine Abtreibung grundsätzlich verboten, kann aber nach einer vorgeschriebenen  fachlichen Beratung genehmigt werden. Ein Schwangerschaftsabbruch ist nicht rechtswidrig nach einer medizinischen oder kriminologischen Indikation (Roland Preuß, SZ 7./8.1.23).

Grundsätzlich und hauptsächlich geht es natürlich um das Recht von Frauen, über ihren Körper selbst zu bestimmen. Und es nicht verklemmten Religionsvertretern überlassen zu müssen.

4154: Wer wird Nachfolger Daniel Barenboims ?

Samstag, Januar 7th, 2023

Es zeichnete sich ab, und ist nun traurige Wirklichkeit geworden: der Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden, Daniel Barenboim, tritt zum 31.1.2023 aus Krankheitsgründen von seinem Posten zurück. 30 Jahre hatte er ihn inne. Der Dirigent, Pianist und unermüdliche Streiter für die Aussöhnung von Juden und Palästinensern hat tiefe Spuren hinterlassen. Die Lindenoper auf höchstes Niveau geführt. Bravourös.

„Leider hat sich mein Gesundheitszustand im letzten Jahr deutlich verschlechtert. Ich kann die Leistung nicht mehr erbringen, die zu Recht von einem Generalmusikdirektor verlangt wird … Deshalb bitte ich um Verständnis, dass ich zum 31. Januar 2023 diese Tätigkeit aufgebe.“

Barenboim hat zeitlebens „exzessiv musiziert“. „Seine poetische Ernsthaftigkeit, seine nie nachlassende Neugier, seine Leidenschaft und die Fähigkeit, sich mit seinen Hörern ganz tief in die menschlichen Abgründe vor allem bei Richard Wagner und Ludwig Van Beethoven zu verlieren, machten ihn bis zuletzt zu einem der aufregendsten und bewegendsten Musiker der Nachkriegszeit.“ (Reinhard Brembeck, SZ 7./8.1.2023)

Den von ihm ersehnten „Ring des Nibelungen“ zu seinem 80. Geburtstag konnte er schon nicht mehr selbst dirigieren. In zwei Zyklen übernahm das Barenboims Kollege Christian Thielemann (Dresden). Souverän. Er gilt deshalb als erster Anwärter auf die Barenboim-Nachfolge. An seiner musikalischen Kompetenz kann nun wirklich kein Zweifel bestehen. Aber er polarisiert. So wurde 2015 bei den Berliner Philharmonikern nicht der Favorit Thielemann ausgewählt, sondern Kirill Petrenko. Warten wir also ab.