Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

3207: Schottland will zurück in die EU.

Samstag, Januar 2nd, 2021

Nach 48 Jahren gehört Großbritannien durch den Brexit nicht mehr zur EU. Der über tausendseitige Deal verhindert Schlimmeres. Trotzdem kommt viel mehr Bürokratie. Was für ein Schwachsinn! Gibraltar tritt dem Schengen-Raum bei, damit zwischen Spanien und Gibraltar keine harte EU-Außengrenze entsteht. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat angekündigt, dass der Landesteil Schottland zurück in die EU will. Hier war schon gegen den Brexit abgestimmt worden. „Schottland kommt bald wieder, Europa. Lasst das Licht an.“ (SZ 2./3.1.21)

Ja!

3206: Die Artenvielfalt verschwindet.

Freitag, Januar 1st, 2021

Nirgends geht es der Artenvielfalt so schlecht wie auf Feldern, Wiesen und Äckern. Der Einsatz von Chemie und die extrem intensive Bodenbewirtschaftung macht Vögeln, Wildkräutern, Amphibien und Insekten das Überleben schwer. In den europäischen Agrarlandschaften gebe es nur noch „grüne Wüsten“, warnten kürzlich 2.500 Wissenschaftler in einem Brief an EU-Ratspräsidentin Ursula von der Leyen. Wahrscheinlich sei das nur der Vorbote für eine große Aussterbewelle. Grundsätzlich gebe es aber die Chance, bis zur Jahrhundertmitte die 10 Milliarden Menschen zu ernähren und trotzdem die biologische Vielfalt zu erhalten.

„Das, was wir essen und wie es produziert wird, muss sich schnell und einschneidend ändern, um großflächige und schwerwiegende Verluste der Artenvielfalt zu verhindern.“

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass ohne einschneidende Veränderungen der Ernährungssysteme bis zum Jahr 2050 Millionen Quadratkilometer natürlicher Lebensräume verloren gehen könnten.“

„Fast 1.300 Arten werden wahrscheinlich ein Viertel ihres verbleibenden Lebensraums verlieren und Hunderte könnten mindestens die Hälfte verlieren.“

„Am größten werden das Artensterben in Afrika südlich der Sahara und in Teilen Süd- und Mittelamerikas ausfallen.“

Vier Veränderungen bringen Effekte: 1. Ein Übergang der Gesellschaften zu einer gesünderen Ernährung und weniger Fleischkonsum, 2. eine 50-prozentige Verringerung der Lebensmittelverschwendung, 3. die Einführung einer globalen Nutzungsplanung für Agrarflächen, 4. eine Verbesserung der Ernteerträge auf bereits genutzten Flächen. Es gibt große regionale Unterschiede. Eine weitere Ertragssteigerung bei schon sehr intensiv genutzten Regionen wie den USA bringt wenig. Keiner der Ansätze für sich allein ist ausreichend (Thomas Krumenacker, SZ 28.12.20).

3205: Die Odenwaldschule: gescheitert !

Freitag, Januar 1st, 2021

Die Odenwaldschule war die Vorzeigeschule der deutschen Reformpädagogik im hessischen Heppenheim. Sie ist vollständig gescheitert. Nach einer Studie des Rostocker Pädagogik-Professors Jens Brachmann wurden hier 500 bis 900 Kinder sexuell missbraucht. Die wissenschaftlichen Studien dazu wurden erst 2019 publiziert. Die ersten schweren Vorwürfe waren ab 2010 erhoben, die Schule 2015 geschlossen worden. Und wie die Vorsitzende des Odenwalder Opfervereins „Glasbrechen“, Sabine Pohle, selbst ein Opfer sexuellen Missbrauchs, darlegte, gebe es auch heute immer noch „Altschüler“, welche die ganzen Gräuel nicht wahrhaben wollten. Sie tauschten sich in Facebook-Gruppen aus. Aber es handle sich um furchtbare Fakten.

Den Odenwald-Schülern, die sehr häufig aus zerrütteten Familien stammten, hatte man ein elitäres Bewusstsein vermittelt. „Wir dachten, wir wären etwas ganz Besonderes. Wir waren doch das Flaggschiff der Reformpädagogik. Wir hatten diese lange Tradition, diesen Mythos, der hier alles überhöht hat.“ Haupttäter war der langjährige Schulleiter Gerold Becker, der seine Taten im Hauptgebäude vollführte, dem Goethe-Haus. Er starb 2016. Verurteilt wurde er nie. Noch 2014 wurde ein Odenwald-Lehrer wegen des Besitzes von Kinderpornogrfie verhaftet. Sabine Pohle sagt: „Im Grunde genommen sind wir Altschüler alle in irgendeiner Form betroffen davon. Ob man will oder nicht.“ (Anna Ernst, SZ 30.12.20)

Zeugenhinweise nimmt der Verein „Glasbrechen“ weiter an auf

www.glasbrechen.de

oder telefonisch unter 069/13390944.

3204: Bischof Bätzing kritisiert den Vatikan.

Freitag, Januar 1st, 2021

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, kritisiert den Vatikan. Er spricht sich selbst für weitreichende Veränderungen in der katholischen Kirche aus. So gehörten die Regeln des Katechismus zur Homosexualität geändert. Bätzing wünscht sich zudem kirchliche Segnungen für Paare, die nicht heiraten können. Er plädiert für Reformen bei der Beteiligung von Frauen. Es werde immer schwerer, das Verbot der Diakonen- und Priesterweihe zu begründen. Die kirchlichen Argumente überzeugten immer weniger. Spielraum sehe er hier bei der Diakonenweihe als erster Stufe vor Priester- und Bischofsweihe. Die Art und Weise, wie die Glaubenskongregation Vorschläge aus Deutschland von Experten zur Ökumene zurückgewiesen habe, habe etwas Zynisches. Auch bei der Debatte über das Reformprojekt „Synodaler Weg“ erlebe er im Vatikan Vorbehalte „gegenüber uns Deutschen und der Art und Weise, wie wir Dinge angehen“ (kna, SZ 29.12.20).

3203: Uiguren leisten Zwangsarbeit in Xinjiang

Freitag, Januar 1st, 2021

Seit 2014 leisten muslimische Uiguren Zwangsarbeit in der autonomen Provinz Xinjiang bei der Baumwollernte. Das gehört zum Programm von Parteichef Xi Jinping. Nach staatlichen Angaben wurden jedes Jahr 350.000 Menschen dorthin entsandt. Minderheiten in Lohnarbeit unterzubringen, ist ein Kernelement der staatlichen Strategie. Bei den Uiguren will man anscheinend auch ethnische Unruhen vermeiden. Die meisten von ihnen leben in Umerziehungslagern und werden einer Indoktrination durch die KPC unterzogen. Das Programm dient angeblich zur Armutsbekämpfung. Viele der Uiguren leben in ständiger Amgst vor staatlichen Übergriffen. Diese Erkenntnisse stammen aus Augenzeugenberichten, von Satellitenbildern und aus amtlichen staatlichen Regierungsdokumenten. Deutsche Firmen, welche aus dem Programm Material erhalten, sind Hugo Boss, Adidas, s.Oliver, Gerry Weber und kik (Lea Deuber, Christoph Giesen, SZ 16.12.20).

Wie es da mit einem deutsch-chinesischen Investitionsabkommen steht, das noch unter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft zustande kam, ist die Frage (Michael Bauchmüller, Lea Deuber, Björn Finke, SZ 31.12.20/1.1.21).

3202: Aigner (CSU) rät Söder (CSU) von Kanzlerkandidatur ab.

Donnerstag, Dezember 31st, 2020

Die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) rät ihrem Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) von der Kanzlerkandidatur für die Union ab. „Er könnte es, aber er soll es nicht tun.“ „In Bayern Ministerpräsident zu sein, ist bekanntlich das schönste Amt.“ Aigner verweist darauf, dass das entscheidende Wort über die Kanzlerkandidatur der Union ohnehin von der CDU komme. „Je nachdem, wie das jetzt im neuen Jahr bei der CDU ausgeht und wer sich da durchsetzt, wird die Wahrscheinlichkeit größer oder kleiner sein, dass Markus Söder gefragt wird. Ich vermute eher, dass er nicht gefragt wird.“ (dpa, SZ 31.12.20)

Wir erinnern uns noch an die machtpolitischen Katastrophen für die Union, als Franz-Josef Strauß 1980 und Edmund Stoiber 2002 (beide CSU) Kanzlerkandidaten waren.

3201: Deutschland führt eine schlechte Corona-Politik.

Donnerstag, Dezember 31st, 2020

Wir haben über 1.000 Pandemie-Tote pro Tag. Das spricht für eine schlechte Corona-Politik. Sie kommt vom Föderalismus. Einige Ministerpräsidenten hätten viel früher Angela Merkels (CDU) härterer Linie folgen müssen. Darunter auch solche aus der Union, die jetzt ganz laut klagen. Die Folgen der zögerlichen deutschen Corona-Politik kommen mit Verspätung auf den Intensivstationen und in den Leichenhallen an. Das nächste Chaos gibt es nun bei der Organisation des Impfprozesses. Einige Bundesländer arbeiten mit Hotlines, andere mit dem Internet. „In ganz Deutschland herrscht Unklarheit, nach welchen Kriterien nun vorgegangen wird.“ (Alexandra Föderl-Schmid, SZ 31.12.20)

3200: Rechtsextremist wird man heute im Netz.

Mittwoch, Dezember 30th, 2020

1. Der Mörder von Halle, Stephan Balliet, ist zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt worden. Er hatte zwei Menschen ermordet und vorgehabt, die Besucher der Synagoge von Halle zu ermorden.

2. Balliets Vernehmer vom BKA konnten ihn nur schwer verstehen. Sie kannten seine Sprache nicht und wussten zunächst nicht, was „DDLC“ und „Goonswarm“ bedeutete.

3. Balliets Vernehmern fehlten seine Begriffe, Zugänge, Zusammenhänge.

4. Balliet gehört zu den rechtsextremistischen Einzelgängern, die sich im Netz heranbilden.

5. Sie kämpfen gegen die „Vernichtung der weißen Rasse“.

6. Anders als bei herkömmlichen Neonazi-Gruppen gibt es bei ihnen keine konspirativen Treffen, die sich beobachten ließen, keine internen Chats, die Polizisten mitlesen könnten.

7. In der Entwicklung dieser Täter gibt es eine klare Linie. Sie beginnt bei dem norwegischen Massenmörder Anders Breivik, der 2011 in einem sozialdemokratischen Jugendcamp auf der Insel Utöya 69 Menschen ermordete.

8. Sie setzt sich fort bei Brenton Tarrant, der 2019 im Live-Stream von Facebook übertrug, wie er während des Freitagsgebets in einer Moschee im neuseeländischen Christchurch Dutzende Menschen erschoss.

9. Breivik erklärte sich zum Kreuzritter im Kampf gegen die marode liberale Gesellschaft, Tarrant schrieb vom „großen Austausch“ der europäischen Völker gegen fremde Migranten.

10. Beide waren voller Hass auf Juden und Muslime.

11. Ein BKA-Beamter sagte: „ich verstehe diese Welt nicht.“ Wissen unsere Behörden überhaupt, vor wem sie uns da schützen sollen?

12. Ihren Ursprung hat die Welt der Breivik, Tarrant und Balliet auf Image-Boards im Netz, wo sich Neonazis, Holocaustleugner und Verschwörungsfreaks austauschen.

13. Eine große Rolle spielt dabei die Incel-Bewegung, eine Gruppe von Männern, die keinen Erfolg bei Frauen haben und aus dieser Schmach einen grenzenlosen Hass auf den modernen Feminismus ableiten.

14. Stephan Balliet unterhielt ein Profil auf der Spieleplattform Steam.

15. Bei seinem Anschlag hatte er eine Kamera bei sich, mit der er alles filmte.

16. Dadurch hatte er wahrscheinlich den Eindruck, nicht alleine zu sein.

17. Die Täter haben längst Plattformen wie Facebook verlassen und bewegen sich auf Diensten wie 4Chan, 8Chan oder Meguca, die brutal und obskur daherkommen.

18. Eine Nebenklägerin von Halle, Naomi Henkel-Gümbel, sagte, ihre Furcht vor einem neuen Anschlag sei nicht geringer geworden. „Der Prozess zeigt, dass wir alle diese Sorge teilen sollten.“ (Paul Middelhoff, Martin Nejezchleba, Die Zeit 17.12.20)

3199: DDR-Bürgerrechtsbewegung – gespalten

Dienstag, Dezember 29th, 2020

Gesine Oltmanns, 55, hat 1989 die Leipziger Montagsdemos mit begründet. Da wurde gegen die DDR-Diktatur protestiert. Sie war zwischendurch Mitarbeiterin der Gauck-Behörde. Heute gehört sie als Vorstandsmitglied zur Stiftung „Friedliche Revolution“. Sie beteiligt sich an Protesten gegen Corona-Leugner. In einem Interview mit Antonie Ritzschel (SZ, 29.12.20) zeigt sie sich enttäuscht vom Auseinanderbrechen der DDR-Bürgerrechtsbewegung und davon, dass einige Bürgerrechtler heute „Querdenker“, Pegida und AfD unterstützen:

„Die Geschichte der friedlichen Revolution ist eine Erzählung von Solidarität und Gewaltfreiheit. Von großem Mut, den wir gemeinsam fanden, um Ängste zu überwinden – und schließlich ein System der Unterdrückung zu stürzen. Jetzt wird sie von antidemokratischen Kräften missbraucht, um Menschen zu manipulieren. Das macht mich wütend.“

„Die 89er, die Bürgerrechtler hat es nie gegeben. Dafür Leute, die sich sehr früh in der Friedens- und Umweltbewegung engagierten. Aber auch Menschen, die schlicht unzufrieden waren mit den Verhältnissen, von Reisefreiheit und vom Wohlstand des Westens träumten. Während die einen die DDR von innen heraus verändern wollten, glaubte ich, man könne die Leute mithilfe öffentlicher Aktionen dazu bringen, das System zu hinterfragen. Für mich hatte die DDR als sozialistischer Staat großes Potential, ich wollte Reformen – anders als die Antikommunisten, die eine Wiedervereinigung anstrebten. Wir waren also eine sehr heterogene Gruppe – uns einte das Ziel, den Staat in seiner damaligen Form zu beseitigen. Als es soweit war, haben wir uns auseinanderentwickelt. …“

„Bis heute gibt es kein Narrativ der Entwicklungen von ’89, das gemeinsam getragen wird. In Leipzig streiten sich Museen und Stiftungen darüber, ob die friedliche Revoltion ein abgeschlossenes historisches Ereignis ist oder ob daraus eine Verantwortung für heutige gesellschaftliche Debatten erwächst, die Aufgabe, demokratische Prozesse zu stärken. Ich glaube ja an Letzteres – und muss mir zuweilen den Vorwurf anhören, die Strahlkraft von ’89 zu relativieren.“

3198: „Querdenker“ machen Winterpause.

Dienstag, Dezember 29th, 2020

Die Leitung der „Querdenker“ hat zu einer Pause von Großdemos im Winter aufgerufen. Um Kräfte zu sammeln. Auch zur ursprünglich am 30.12. geplanten Großdemo in Berlin sollten die Fans zu Hause bleiben. Am 31.12. und 1.1. soll man nicht nach Berlin fahren. Mehrere „Querdenken“-Demos waren zuletzt von Gerichten mit Verweis auf die Schutzmaßnahmen im Zuge der Pandemie verboten worden. Die „Querdenken“-Bewegung wird neuerdings vom Landesamt für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg beobachtet. Einige Leitungsmitglieder ordnet das Landesamt dem Milieu der „Reichsbürger“ zu, welche die Existenz der Bundesrepublik leugnen (dpa, SZ 28.12.20).