Bettina Gaus, geb. 1955, ist tot. Die ganz außergewöhnliche Journalistin verlangte uns manchmal schon einiges ab. Sie stand gegen eingefahrene Phrasen, Provinzialität und Spießertum und kam damit durch nur durch ihren Humor. Sie war die Tochter von Günter Gaus, den wir hauptsächlich noch als „Spiegel“-Chefredakteur und Fernsehmoderator der Reihe „Zur Person“ (z.B. Hannah Arendt 1963) in Erinnerung haben. Bettina Gaus leistete sich ungewöhnliche Positionen. Sie war seit 1990 bei der „taz“. U.a. Afrika-Korrespondentin. Dort regte sie schon Einstellungen an, die erst heute ganz und gar en vogue sind. Am Ende war Frau Gaus Kolumnistin des „Spiegels“. Für Phrasendrescherei war sie nie zuständig. Sie rechnete entgegen allen linken Vorgaben mit Annalena Baerbock ab. Und sie konnte es sich am Ende leisten, Liebe am Arbeitsplatz zu verteidigen. Ohne sie wird die Welt spießiger und dunkler (Nils Minkmar, SZ 2.11.21).
Archive for the ‘Gesellschaft’ Category
3617: Bettina Gaus ist tot.
Dienstag, November 2nd, 20213616: Sahra Wagenknecht (Linke) ist nicht geimpft.
Montag, November 1st, 2021Nicht nur der Balltreter Joshua Kimmich (FC Bayern) ist nicht geimpft und beruft sich auf die nirgends nachgewiesenen Langzeitfolgen. Auch unsere Lieblings-Kommunistin, Sahra Wagenknecht, 52, ist aus den gleichen Gründen nicht geimpft. Ihr Ehemann Oskar Lafontaine ist geimpft. Der gehört mit seinen 79 Jahren schon zu den alten weißen Männern. Es ist alles nicht so einfach.
3615: Das Ende der Vorbilder
Sonntag, Oktober 31st, 2021„Über ‚das Ende der Vorbilder‘ dachte die Psychoanalytikerin
Margarete Mitscherlich
vor Jahrzehnten nach, in der Abkehr von autoritären Traditionen. Man braucht Vorbilder im Nahbereich, im Alltag, vielleicht auch in der Wissenschaft und bei den großen Zukunftsaufgaben, aber man braucht sie nicht beim FC Bayern, über den Sport hinaus.“ (Johann Schloemann, SZ 30./31.10.21)
3614: Impfverweigerer – gefährlich
Freitag, Oktober 29th, 2021Alle Umfragen zeigen, dass diejenigen, die jetzt noch nicht geimpft sind, demnächst auch nicht geimpft werden wollen. Politisch wurde diese Gruppe stets unterschätzt. Wir sind den hanebüchenen Falschinformationen im Netz nicht entschlossen genug entgegengetreten. „Die Gruppe derer, die eine Impfung verweigern, weil sie der Politik grundsätzlich misstrauen, hat offenkundig eine beängstigende Größe erreicht. Das ist auch mit Blick auf die Zukunft dieser Gesellschaft gefährlich.“ (Angelika Slavik, SZ 29.10.21) Insofern müssen wir unsere kommunikativen Anstrengungen in allen sozialen Gruppen erhöhen (auch wenn wir dazu eigentlich keine Lust mehr haben). „Das Ziel muss sein, Zusammenleben möglich zu machen, ohne den Riss in der Gesellschaft zu vertiefen. Strengere Regeln wie 3G am Arbeitsplatz könnten da hilfreich sein: Wenn alle wissen, dass die Kolleginnen und Kollegen entweder geimpft, genesen oder frisch getestet sind, nimmt das Druck vom Umgang miteinander.“
3613: Kritik an linker Identitätspolitik
Donnerstag, Oktober 28th, 2021In einem Kommentar in der „taz“ (22.10.21) kritisieren
Jan Feddersen und Philipp Gessler,
gestützt auf ihr neues Buch, linke Identitätspolitik. Sie schreiben u.a.: „Ist es, anders gesagt, nicht ein Skandal, dass Menschen wie
Seyran Ates, Hamed Abdel-Samad und Necla Kelek
zu Rechten und Rechtspopulisten, insinuierend: AfD-nah und Erika Steinbach-haft, gemacht werden? In Wahrheit sind sie alle Bürgerrechtler*innen, die aus linker bis liberal-konservativer Perspektive Blicke hinter die Haustüren des Multikulturalismus warfen – und auch Unappetitliches fanden.“
3612: Deniz Yücel ist deutscher PEN-Präsident.
Donnerstag, Oktober 28th, 2021Das deutsche PEN-Zentrum hat Deniz Yücel (u.a. „Die Welt“) zu seinem neuen Präsidenten gewählt. Seine Vorgängerin, Regula Venske, war nicht mehr angetreten. Yücel setzte sich gegen Marion Tauschwitz durch. Der 1973 in Flörsheim am Main geborene Journalist wurde 2017 in der Türkei verhaftet und saß ein Jahr in Untersuchungshaft wegen „Verunglimpfung“ der Türkei.
Yücel wollte sich nicht auf die Rolle des „deutschtürkischen Journalisten, der im Kerker des Kalifen saß“ festlegen lassen. Er habe aber gemerkt, dass diese Rolle auch Verantwortung mit sich bringe und nahelege, sich für andere einzusetzen. Yücel sprach sich für die „intellektuelle, politische und kulturelle Auseinandersetzung mit den Feinden der offenen Gesellschaft“ aus.
Yücel nahm Stellung zu den jüngsten Debatten auf der Frankfurter Buchmesse. Man müsse ertragen können, wenn jemand bei einer offiziellen Veranstaltung plötzlich ans Mikrofon dränge wie die Stadtverordnete Mirrianne Mahn (Grüne), um zu kritisieren, dass „schwarze Frauen auf der Buchmesse nicht willkommen“ gewesen seien. Befremdlich findet Yücel die Reaktion von Oberbürgermeister Peter Feldmann (CDU), daraufhin sofort nachzugeben und sich für den Ausschluss bestimmter Verlage auszusprechen (wiel, FAZ 28.10.21).
3611: Kohl-Witwe hat wenig Chancen.
Mittwoch, Oktober 27th, 20212016 klagte Helmut Kohl gegen Heribert Schwan, seinen ehemaligen Ghostwriter, von dem er sich 2009 getrennt hatte, für dessen Buch
Vermächtnis – Die Kohl-Protokolle,
das dieser gemeinsam mit Tilman Jens geschrieben hatte, der 2020 verstorben ist. Die ursprüngliche Klage ging über 5 Millionen Euro und die Streichung von 116 Stellen in dem Buch, die alle von Schwan stammten. 630 Stunden hatte Heribert Schwan auf Band, die für die vierbändigen Memoiren von Helmut Kohl gedacht waren. „Kohl hatte in den Gesprächen .. ungewöhnlich offenherzig vom Leder gezogen und seinem aufmerksamen Zuhörer viele deftige Zitate geliefert.“ (Wolfgang Janisch, SZ 26.10.21) Helmut Kohl starb am 16 Juni 2017.
Seine Witwe, Maike Kohl-Richter, verfolgte den Prozess weiter. Aber der Tod ändert juristisch alles. Zwar war Heribert Schwan zur Verschwiegenheit verpflichtet, aber der noch nicht rechtskräftig gewordene Anspruch war nicht vererbbar. Und: „Einem Verstorbenen kann Genugtuung nicht mehr verschafft werden.“ Bleibt die Frage, ob es Frau Kohl-Richter gelingt, wenigstens die rufschädigenden Zitate tilgen zu lassen. Ansonsten kommen wir vielleicht doch noch in den Genuss der „Wahrheit“ in der Form von deftigen Helmut-Kohl-Zitaten (z.B. über Heiner Geißler).
3610: Schwarze Frauen sind auf der Frankfurter Buchmesse durchaus willkommen.
Dienstag, Oktober 26th, 2021Die Vorsitzende des Kulturausschusses der Stadt Frankfurt, Mirrianne Mahn (Grüne), hatte einen fulminanten Auftritt, als sie bei der Begrüßungsrede des Frankfurter Oberbürgermeisters, Peter Feldmann (CDU) auf der Buchmesse, diesen unterbrach und behauptete, dort seien schwarze Frauen nicht willkommen.
Aber das stimmt gar nicht.
Warum hat ihr nur keiner widersprochen? Die meisten sind dazu zu feige. Im übrigen waren auf der Buchmesse sehr viele schwarze Frauen da. Wie schon in den Jahren zuvor. Hier spazieren alle Geschlechter, Generationen und Hauttypen durch die Flure. Lediglich aus juristischen Gründen geduldet sind die Rechtsextremen. Sie selber würden solch eine Veranstaltung wie die Buchmesse sofort verbieten, wenn sie es könnten. Diese Messe verkörpert all jene Werte, welche die Rechtsextremen so hassen. Diese selbst erscheinen den meisten Besuchern als irrelevant. Aber diese mangelnde Aufmerksamkeit kann bei den Rechtsextremisten durchaus der Grund sein für die Anwendung von Gewalt. Dem muss die Messeleitung mit sicherheitspolitischen Vorkehrungen begegnen.
„Das Europa des Jahres 2021 mit seinen sicher noch nicht perfekten, aber vielfältigen Gesellschaften, ist übrigens das sozialste, glücklichste, inklusivste Europa, das es je gab.“ (Nils Minkmar, SZ 26.10.21)
Europa hat den Totalitarismus überwunden.
„Heute können wir dafür sorgen, dass es auch so bleibt. Dazu bedarf es neben einer Haltung noch eines eminent wichtigen Werkzeugs, der Sprache. Man wäge seine Worte.“
3609: Joshua Kimmich (FC Bayern) beschädigt sich selbst.
Montag, Oktober 25th, 2021Vor sechs Wochen hat die Spendeninitiative „We kick Corona“ von Leon Goretzka und Joshua Kimmich (beide FC Bayern) erklärt: „Corona ist dauerhaft nur in den Griff zu bekommen, wenn überall auf der Welt genügend Impfstoff verabreicht werden kann.“ Nun hat die „Bild“-Zeitung aufgedeckt, dass Joshua Kimmich gar nicht geimpft ist. Verbunden mit den üblichen Sprüchen von der „Langzeitwirkung“, die unerforscht sei, von seiner Verantwortung, der er sich durchaus bewusst sei, er sei kein Coronaleugner oder Impftgegner etc. Da liegen schon Annahmen zugrunde, die nicht zutreffend sind. Nebenwirkungen beispielsweise treten innerhalb von wenigen Wochen auf und nicht nach langer Zeit.
Der Fall hat einen Riesenwirbel verursacht. Verständlicherweise.
Ungeimpfte Profis haben ein nachweisbar größeres Risiko, schwerer an Corona erkranken. Sie können länger ausfallen. Obwohl es keine Impfpflicht gibt, können Fußballvereine Profis unbezahlt freistellen, wenn die sich nicht impfen lassen. Noch während der Pandemie hatte der seinerzeitige Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge damit geworben, dass Profifußballer auch beim Impfen eine Vorbildfunktion hätten. Heute sagt Rummenigge über Kimmich: „Ich bin überzeugt, (…) dass er möglicherweise zeitnah sich jetzt impfen lässt. Als Vorbild , aber auch als Fakt wäre es besser, er wäre geimpft.“ Joshua Kimmich hat durch sein Verhalten das Vertrauen der Bevölkerung in das Impfen beschädigt. Das ist fatal. Als „Trittbrettfahrer“ profitiert er von einer kollektiven Anstrengung, ohne sich daran zu beteiligen. Die DFL spricht von 90 Prozent geimpfter Spieler, Trainer und Betreuer. Das Impfen schützt zuverlässig vor schweren Verläufen, auch wenn Impfdurchbrüche nicht völlig ausgeschlossen sind, wie der Fall Julian Nagelsmann zeigt.
Joshua Kimmich hat sich durch sein falsches Verhalten selbst beschädigt und wird künftig einen noch größeren Imageschaden erleiden. Nicht gut für den deutschen Fußball.
(Christopher Meltzer, FAZ 25.10.21; Michael Horeni, FAZ 25.10.21; Sebastian Fischer, SZ 25.10.21; Martin Schneider, SZ 25.10.21)
3608: SPD für Nord Stream 2
Montag, Oktober 25th, 2021SPD-Ko-Chef Norbert Walter-Borjans sagte zu Nord Stream 2, Unabhängigkeit in der Energieversorgung entstehe durch möglichst viele Verbindungen, und zwar unabhängig von dem Regime in dem Partnerland. Nord Stream 2 könne Deutschland helfen, den Übergang zur Klimaneutralität zu schaffen (itz, FAZ 25.10.21)