Der letzte Weltmeister von 1954, Horst Eckel, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Er hat 32 Länderspiele absolviert und gehörte in der Nationalmannschaft zum Kern vom 1. FC Kaiserslautern: Werner Kohlmeyer, Werner Liebrich, Horst Eckel, Ottmar Walter, Fritz Walter. 1951 und 1953 wurde man Deutscher Meister. 1954 gab es im Endspiel die deftige 1:5 Niederlage gegen Hannover 96. Horst Eckel galt in der Mannschaft als Assistent und Helfer von Fritz Walter, dem großen Spielgestalter. Bescheiden sein Leben lang. Auf dem zweiten Bildungsweg wurde er Lehrer für Sport und Werken. Regelmäßig besuchte er Jugendstrafanstalten und Gefängnisse und wirkte mit an der Integration. 2017 war sein letzter 54er-Spielkamerad, Hans Schäfer vom 1. FC Köln, gestorben. Manche aus der Weltmeistermannschaft hatten nach dem Titel, einem nationalen Mutmacher, ihr Leben kaum noch in den Griff gekriegt. 1974 starb bereits Werner Kohlmeyer. Alkohol, Verlorenheit, Aushilfsjob in der Pförtnerbude. Der Held von Bern, Helmut Rahn (Rotweiß Essen), hat seine Geschichte an den Theken und Tresen des Ruhrpotts zu häufig erzählt. bevor er die innere Emigration wählte (Roland Zorn, FAZ 4.12.21; Holger Gertz, SZ 4./5.12.21).
Archive for the ‘Gesellschaft’ Category
3670: Horst Eckel ist tot.
Sonntag, Dezember 5th, 20213669: Gottfried von Cramm – ein charmanter Star
Sonntag, Dezember 5th, 2021Er trug einen berühmten Namen und war einer der besten Tennisspieler der dreißiger Jahre. Aber er war noch viel mehr als das. Jens Nordalm hat ihm eine Biografie gewidmet:
Der schöne Deutsche. Das Leben von Gottfried von Cramm. Hamburg (Rowohlt) 2021, 288 Seiten, 24 Euro.
Er war eine Art Roger Federer der Vorkriegszeit. Elegant, höflich, erfolgreich. Und bisexuell. Zweimal war er verheiratet und hatte Affären mit Männern. Dafür wurde er 1937 von den Nazis für sieben Monate ins Gefängnis gesteckt. 1939 verpasste er Wimbledon, weil er vorbestraft war. 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und an die Ostfront geschickt.
Nach 1945 wollte Gottfried von Cramm sein Leben zurück. Partiell gelang ihm das im Tennis. Und sein Ruf wurde bei uns Tennisfreunden gepflegt (witt., FAS 5.12.21).
3668: Klaus Rainer Röhl ist tot.
Freitag, Dezember 3rd, 2021Berühmt und reich wurde er durch die Zeitschrift „Konkret“. Ein „linkes“ Blatt. Bei dessen Start die Stasi mitfinanziert hatte. Diese Affinität zum realen Sozialismus blieb die ganze Zeit das Verhängnis Klaus Rainer Röhls und der ganzen „Friedensbewegung“. Der 1928 geborene Röhl wurde noch zur Wehrmacht eingezogen und hat in der Sowjetunion deren Verbrechen miterlebt. Das hat er nicht wie andere verdrängt. Es bestimmte sein Leben. Er wurde z.B. zum Bewacher des Konzentrationslagers Stutthof (bei Danzig) kommandiert. Nach 1945 pflegte Röhl sein „zwielichtiges Image“. Er wurde der Ehemann von Ulrike Maria Meinhof. Deren Töchter Anja und Bettina haben ihn später sexueller Übergriffe bezichtigt. Röhl war Hauptdarsteller in den Büchern von Stefan Aust. Er lobte Günter Grass, der von der Waffen-SS kam. Insgesamt blieb sein Leben bis heute ein Rätsel (Nils Minkmar, SZ 3.12.21).
3667: Angela Merkels Musik zum Großen Zapfenstreich
Donnerstag, Dezember 2nd, 2021Zum Großen Zapfenstreich hat sich Angela Merkel drei Musikstücke ausgesucht:
1. „Großer Gott wir loben dich/Herr, wir preisen deine Stärke/Vor dir neigt die Erde sich/Und bewundert deine Werke/Wie du warst vor aller Zeit/So bleibst du in Ewigkeit“ (Ignaz Franz 1768, Evangelisches Gesangbuch 331),
2. Hildegard Knef „Für mich soll’s rote Rosen regnen“,
3. Nina Hagen „Du hast den Farbfilm vergessen“.
Dazu schreibt Cornelius Pollmer: „Es ist eine Auswahl, die ein letztes Mal zeigt, dass Angela Merkel ihre Botschaften über Gesten in der Regel besser aussenden konnte, als mit Worten. Besonders das Lied von Hagen ist in diesem Sinne eine schöne letzte Aufnahme im Farbfilm dieser Kanzlerschaft. Demnächst wird Angela Merkel also mit dem Pritt-Stift loslegen: ‚Nun sitz ich wieder bei dir und mir zu Haus/Und such die Fotos für’s Fotoalbum raus.“ (SZ 2.12.21).
3666: Katja Kipping (Linke) wird Senatorin in Berlin.
Donnerstag, Dezember 2nd, 2021Die langjährige Linken-Vorsitzende (2012-2021) Katja Kipping wird Sozialsenatorin in Berlin. Die 43-jährige Dresdenerin Kipping sitzt seit 2005 im Bundestag. In Berlin regieren seit 2016 SPD, Grüne und Linke gemeinsam. Die Parteien müssen noch zustimmen (SZ 2.12.21).
3665: Antisemitismus-Verdacht bei der Deutschen Welle (DW)
Mittwoch, Dezember 1st, 2021Mitarbeiter der arabischen Redaktion der Deutschen Welle haben sich im Internet antisemitisch geäußert. Etwa wurde der Holocaust ein „künstliches Produkt“ genannt. Dies ergab eine umfangreiche Auswertung der SZ von sozialen Medien und arabischen Medien. Mit ihren Äußerungen konfrontiert, gaben die Mitarbeiter an, ihre Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen (SZ 1.12.21).
3664: Nord Stream 2 muss weg.
Mittwoch, Dezember 1st, 2021Dazu schreibt Hubert Wetzel (SZ 1.12.21):
„Denn das Grundproblem der Pipeline bleibt: Von Russland wird Notd Stream 2 als Instrument gesehen, um den politischen Einfluss in Europa zu vergrößern, die renitenten Osteuropäer zu bestrafen und einen Keil zwischen Deutschland und die USA zu treiben. Die alte Bundesregierung mag diese Ziele nicht geteilt haben, aber sie hat Moskaus Spiel mitgespielt. Die neue Bundesregierung hätte die Gelegenheit, damit Schluss zu machen. Dazu müsste sie verhindern, dass die Pipeleine in Betrieb geht. Keine angenehme Entscheidung. Aber wenn Berlin sie nicht freiwillig trifft, wird sie irgendwann von Washington erzwungen – zu einem höheren Preis für Deutschland.“
3663: Lebenslänglich für IS-Mörder
Mittwoch, Dezember 1st, 2021Das OLG Frankfurt einen 29-jährigen IS-Anhänger zu lebenslanger Haft verurteilt. Es sprach ihn des Völkermords und eines Kriegsverbrechens mit Todesfolge sowie der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig. Er hatte die Tochter einer jesidischen Sklavin 2015 in Falludscha (Irak) dadurch bestraft, dass er sie bei etwa 45 Grad Celsius in praller Sonne eine Stunde lang ans Fenster band. Als er sie losband, war sie bereits nicht mehr ansprechbar und starb kurz darauf. Der Verurteilte muss der Mutter der Getöteten Schadensersatz in Höhe von 500.000 Euro zahlen. Was der mittellose Mann wohl kaum kann.
Die Mutter der Getöteten war nach dem Tod ihres Kinds weiterverkauft worden, hatte die IS-Schreckensherrschaft aber überlebt und war in Frankfurt als Kronzeugin aufgetreten. Die Ehefrau des Verurteilten war bereits im Oktober zu zehn Jahren Haft wegen Beihilfe durch Unterlassen verurteilt worden. Kurz nach dem Urteilsspruch sackte der Angeklagte im Gerichtssaal zusammen. 2018 war er nach Griechenland gegangen, das ihn an Deutschland auslieferte (Annette Ramelsberger, SZ 1.12.21).
3662: Kohl-Witwe verliert vor Gericht.
Dienstag, November 30th, 2021Eine Helmut Kohl einst zugesprochene Entschädigung von einer Million Euro fällt nicht an die Witwe. Ein solcher Anspruch sei grundsätzlich nicht vererbbar, urteilte der Bundesgerichtshof (BGH). Er bestätigte damit ein Urteil des OLG Köln von 2018. Maike Kohl-Richter bleibt jetzt nur noch eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG). Für den Band
„Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle“
sollten laut Antrag der Autor
Heribert Schwan
und sein Verlag zahlen. Das brauchen sie jetzt nicht. Das Buch kann erscheinen. Darin die vielen Invektiven Helmut Kohls. U.a. bezogen auf Heiner Geisler. Heribert Schwan war ursprünglich als Autor für Kohls Memoiren vorgesehen, bis er sich mit Helmut Kohl zerstritt. Eine zweite Entscheidung, die 116 derzeit verbotene Textpassagen betrifft, hob der BGH teilweise auf. Einen Teil der Zitate erklärten die Richter für zulässig. Andere müssten nochmals geprüft werden. Beide Urteile ergingen als Teilurteile, weil der ebenfalls beklagte Co-Autor
Tilman Jens
inzwischen gestorben ist. Der Rechtsstreit mit seinen Erben ist unterbrochen (SZ 30.11.21).
3661: Grüne fordern diplomatischen Boykott der Winterspiele in Peking.
Montag, November 29th, 2021Der sportpolitische Sprecher der Grünen, Erhard Grundl, fordert einen diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking. Das sei „das Mindeste“. Hintergrund ist das Verschwinden der chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai. Der Chef der Frauen-Welt-Tour WTA, Steve Simon, bezweifelt, dass es der Spielerin möglich ist, „frei, offen und direkt“ zu kommunizieren. Ihre Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs durch einen hohen chinesischen Funktionär verschwanden Anfang November blitzschnell aus dem Netz. Chinesische Zensur! Simon drohte damit, keine Turniere mehr in China auszurichten, solange die Sicherheit der Athletin nicht gewährleistet sei (SZ 29.11.21).