Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

3999: Zwischenbericht sexualisierte Gewalt Bistum Trier – ein Fall fehlt.

Donnerstag, August 25th, 2022

In einer Aufarbeitungskommission bearbeitet das Bistum Trier seit dem Juni 2021 sexualisierte Gewalt. Den Vorsitz führt der frühere rheinland-pfälzische Justizminister Gerhard Robbers (SPD). Nun soll ein Zwischenbericht vorgelegt werden. Ein Fall wird darin fehlen. Der von „Karin Weißenfels“ (Pseudonym). Sie war als Gemeindereferentin von einem Priester missbraucht worden. Als ein Kind unterwegs war, verweigerte die fromme Katholikin eine Abtreibung, die der Priester von ihr verlangte. Das Bistum unterstützte sie nicht. Deswegen möchte sie nun in dem Zwischenbericht nicht erwähnt werden (SZ 25.8.22).

3998: Werner Herzog mag die Psychoanalyse nicht.

Mittwoch, August 24th, 2022

Der Filmregisseur Werner Herzog wird 80. Er lebt seit längerem in Hollywood. Und ist dort gut integriert. Er trat in den „Simpsons“ auf und spielt regelmäßig Gastrollen in Hollywood-Produktionen wie „Star Wars“. Anerkannt wird er vor allem von Kollegen. Ansonsten hat er sich redlich den Ruf eines Exoten erarbeitet, der sich darauf kapriziert hat, quer zum Mainstream zu agieren. „Jeder für sich und Gott gegen alle“ ist der Titel seiner Autobiografie von 1974. Zugleich ein Filmtitel. Herzog steht für „Aguirre oder der Zorn Gottes“ und „Fitzcarraldo“. Aufgewachsen ist er im ländlichen Bayern. Seine Dreharbeiten sind manchmal wie Abenteuer organisiert. Dadurch hat er sich seinen Ruf erarbeitet. Seinen Vorlass hat er in die „Werner-Herzog-Stiftung“ eingebracht. Sein Hang zu endgültigen Aussagen ist erkennbar an dem Satz „Ich halte das 20. Jahrhundert in seiner Gesamtheit für einen Fehler“. Was für ein Schwachsinn! Vielleicht hat Herzog vorher lange nachgedacht. Dann bringt sein Denken eben nichts. Mit seiner Aussage „Ich wäre auch lieber tot, als zu einem Psychoanalytiker zu gehen.“ qualifiziert er sich als Patient der Psychoanalyse (David Steinitz, SZ 22.8.22).

3997: Wolfgang Kubicki (FDP) – ein Handlanger Moskaus

Dienstag, August 23rd, 2022

Angesichts der permanenten Erpressungsversuche Wladimir Putins Europa gegenüber fällt Wolfgang Kubicki (FDP) nichts Besseres ein, als die Öffnung von Nordstream 2 vorzuschlagen. Damit macht er sich zum Handlanger des Kremls. Das ist Verrat. Die Sanktionen würden ausgehöhlt. Moskau hätte Berlin wieder mehr in der Hand. Und der Westen würde gespalten, das Lieblingsziel Putins. Geschlossenheit ist und bleibt die stärkste Waffe des Westens. Kubicki möchte anscheinend die total gescheiterte Energiepolitik Angela Merkels (CDU) fortführen. Und wenn wir uns bei Gerhard Schröders (SPD) falscher Politik gar nicht wundern, weil er ein bezahlter Agent Moskaus ist, so hat uns die FDP wohl noch einiges zu bieten.

„Es wird schmerzhaft, teuer, kühl – aber aus dieser Abhängigkeit muss sich das Land befreien. Andernfalls würde es zum Vasallen Moskaus.“ (Michael Bauchmüller, SZ 22.8.22)

3996: Theo Sommer ist gestorben.

Dienstag, August 23rd, 2022

Der langjährige Chefredakteur, dann Herausgeber (gemeinsam mit Marion Gräfin Dönhoff und Helmut Schmidt) der „Zeit“, Theo Sommer, ein Jahrgangsgenosse Helmut Kohls (1930), ist gestorben. Seine Schullaufbahn führte ihn 1942 auf die Adolf-Hitler-Schule in Sonthofen. Er wurde zum Volkssturm eingezogen, wo er mit Panzerfäusten und Maschinengewehren hantierte. Nach 1945 studierte er in den USA. Theodor Eschenburg empfahl ihn Marion Dönhoff. So wurde er Redakteur der „Zeit“. Er hat wesentlich dazu beigetragen, das Blatt zu „entwilhelmisieren“ und liberalisieren. Die Auflage stieg schließlich bis auf eine halbe Million. Sogar heute noch ist die Wochenzeitung wirtschaftlich stabil. In Sommers Chefredakteurs-Zeit lag auch die Glanzzeit des Feuilletons unter Fritz J. Raddatz. Die „Zeit“ hat die Außenpolitik der Ära Willy Brandt (SPD) positiv, tatkräftig und mit Erfolg unterstützt. Vergaloppiert hatte sich Sommer in der Beurteilung der DDR kurz vor ihrem Ende. Aber da war er ja nicht der einzige (Willi Winkler, SZ 23.8.22).

3995: ARD distanziert sich von RBB.

Montag, August 22nd, 2022

Die ARD-Intendanten erklären zum RBB: „Wir, die Intendantinnen und Intendanten der ARD, haben kein Vertrauen mehr, dass der geschäftsführenden Leitung des Senders die Aufarbeitung der diversen Vorfälle zügig genug gelingt.“ Zurückgetreten sind

die Intendantin Patricia Schlesinger,

der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Wolf-Dieter Wolf,

die Vorsitzende des Rundfunkrats, Friederike von Kirchbach.

Der Intendant des HR, Florian Hager, erklärte: „Es braucht jetzt vollständige Transparenz und Aufklärung über die Vorgänge im RBB und einen Neubeginn unter neuer Führung.“ Das Gleiche fordert der Bundesvorstand des DJV. Der geschäftsführende Intendant des RBB, Hagen Brandstäter, der Verwaltungsdirektor, hat, wie jetzt bekannt wurde, ein Jahresgehalt von 230.000 Euro. Am Bonussystem des Senders ist er darüberhinaus mit 30.738 Euro beteiligt. An dem Bonussystem partizipierten bisher 27 Führungskräfte des RBB (Anna Ernst, SZ 22.8.22).

Die Erklärung der ARD-Intendanten kommentiert Cornelius Pollmer (SZ 22.8.22): „In ihr lässt sich ehrliches Misstrauen in die RBB-Geschäftsleitung erkennen, die an der Aufklärung aller Vorwürfe bislang offenbar weniger forsch mitwirkte, als sie das nach außen und selbst nach innen gerne glauben machen wollte. Es lässt sich in der Erklärung Buhrows aber auch lesen, wie stark das Interesse der durch ihn vertretenen Verantwortlichen ist, den RBB zu isolieren, damit dessen Krise sich bloß nicht weiter auswachse von der einzelner Personen und regionaler Strukturen zu einer des gesamten öffentlich-rechtlichen Systems.“

„Dass ARD-Intendanten der Geschäftsführung eines ARD-Senders das Vertrauen entziehen, ist beispiellos. Der Schritt wird als Aufforderung zum Rücktritt verstanden (Claudia Tieschky, SZ 22.8.22).

3994: ARD und ZDF müssen reformiert werden.

Samstag, August 20th, 2022

Dazu schreibt Cornelius Pollmer (SZ 20./21.8.22):

„Dass mit den Vorgängen beim RBB die Reformdebatte jetzt ein weiteres Mal vom Osten ausgeht, ist auffällig. Es war in

Thüringen,

wo durch Untreue beim Kinderkanal ein Millionenschaden entstand. Es war in

Sachsen-Anhalt,

wo die Regierung eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags blockierte. Es war in

Sachsen,

wo sich bei Demonstrationen neben sachlicher Kritik auch stumpfer Hass gegen ARD und ZDF etablierte und wo sich in desinteressierten Kreisen der groteske Irrglaube verfestigte, Journalismus sei nur ein anderes Wort für Marionettentheater. Es ist also der Osten der Republik, wo der Druck auf das öffentlich-rechtliche System am größten ist – aber auch dessen Chance, mit etwas Mut herauszufinden, wie er besser auf Kritik und eine sich fortwährend wandelnde Gesellschaft reagieren könnte.“

„Manches Problem lässt sich nicht schnell beheben, etwa die riesige finanzielle Belastung durch Pensionen und Altverträge. Doch der öffentlich-rechtliche Rundfunk könnte jetzt trotzdem und gerade im druckvollen Osten die Chance ergreifen, nicht ein weiteres Mal über Sachzwänge zu jammern oder jahrelang irgendwelche ‚Programmreformen‘ anzukündigen, von denen außerhalb von Gremien dann kein Mensch je etwas mitbekommt. Er könnte die Chance nutzen, seine mit zig Funkhäusern gerade im Regionalen grotesken Mehrfachstrukturen grundständig zu reformieren, um mehr Budget freizumachen für echte journalistische Arbeit in der Fläche und für ein Angebot, das die Gegenwart des Landes in allen Farben und Formen abbildet. Wie gut er das kann, beweisen etwa die Regionalmagazine und die ‚Mittendrin‘-Rubrik in den ‚Tagesthemen‘ (wie übrigens auch manche jener Formate, die zum Jugenangebot ‚Funk‘ gehören).

Ein solcher Wandel ist mit der Besetzung von Spitzenposten nicht allein zu schaffen, aber er beginnt dort. Auch an dieser Stelle gibt es die Chance, sich nicht selbst weiter zu blockieren. In der Vergangenheit wurden auch mal Leute zu sehr gut bezahlten Direktoren, von denen man selbst eineinhalb Jahre nach Dienstantritt vor allem wusste, dass sie gerne segeln und auch sonst eher ein touristisches Verständnis ihres Sendegebiets aufweisen. Auch deshalb wäre es angezeigt, für die Spitze des RBB eine geignete Person aus dem Osten zu suchen und zu finden.“

3993: Hamed Abdel-Samad zum Fall Salman Rushdie

Freitag, August 19th, 2022

Der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad nimmt in einem Interview mit Evelyn Finger (Zeit 18.8.22) ausführlich Stellung zum Fall Salman Rushdie:

„Ich habe keine Lust mehr, wegen meiner Kritik an meine Herkunftsreligion als Islamfeind beschimpft zu werden. Vor allem möchte ich nicht mehr auf offener Straße, trotz Polizeibegleitung bepöbelt werden. In Berlin und anderen europäischen Großstädten passiert mir das regelmäßig, in Beirut nicht. Meine Frustrationstoleranz ist aufgebraucht.“

„Es sind immer junge muslimische Männer, so zwischen 19 und 25 Jahren, die mich bedrohen, und ich ahne, woher ihre Wut kommt. Sie leben mit Schuldgefühlen, weil ihre Familien oft aus Konfliktregionen stammen, aber im Westen in Frieden leben. Über die neuen Medien sehen sie die Konflikte in der alten Heimat, an denen angeblich der Westen die Schuld trägt – und das lädt sie mit Zorn auf.“

„Militante Islamisten manipulieren die Gefühle junger Menschen, indem sie sagen: Du bist nicht ohnmächtig, sondern Instrument göttlicher Gerechtigkeit. Du kannst dich auszeichnen durch eine edle Tat.“

„Mich macht wütend, wenn es im Westen heißt, islamistische Attentäter seien nur einzelne Spinner, auch dürfe man religiöse Gefühle nicht verletzen. Das ist keine Toleranz, sondern Heuchelei – sie schafft Rückzugsräume für autoritäre Subkulturen. Westliche Politiker und Intellektuelle haben Rushdie im Stich gelassen, weil sie nicht zur Meinungsfreiheit stranden. Als der Showmaster Rudi Carell einmal ein Bild von Ayatollah Chomeini einmal mit Unterwäsche bewarf, musste er sich nachher entschuldigen.“

„Als Muslim lebtr man nirgends freier als im Westen. Wir müssen lernen, dass religionskritik nicht religionsfeindlich ist.“

3992: Liz Cheney – abgewählt

Donnerstag, August 18th, 2022

Liz Cheney war die einzige prominente Republikanerin, die permanent und systematisch offen ausgesprochen hat, was alle eingeweihten Analysten wissen: „Donald Trump darf nie wieder auch nur in die Nähe des Weißen Hauses gelangen, weil das für die Vereinigten Staaten eine Katastrophe wäre.“ (Christian Zaschke, SZ 18.8.22) In Wyoming ist Cheney dafür abgewählt worden. Vielen Republikanern gilt sie dort als Verräterin. Es hat kaum jemand gegeben, der so wie Cheney demonstriert hat, was Prinzipientreue, Standhaftigkeit, Mut und Anstand bedeuteten. Sie hätte es sich leicht machen und den Mund halten können. Aber sie blieb ihren Prinzipien treu. Und, da dürfen wir uns nicht täuschen, sie ist eine knallharte Konservative. Sie ist vom Parteivolk verstoßen worden, weil sie sich geweigert hat, Trumps Lüge von der gestohlenen Wahl zu unterstützen. „Liz Cheney hat ihrer Partei und dem ganzen Land gezeigt, was wahrer Patriotismus ist. Dass sie dafür an der Wahlurne bestraft wurde, ist ein verheerendes Signal.“

Ich habe Angst vor den nächsten US-Präsidentschaftswahlen.

3991: Wolfgang Petersen ist gestorben.

Donnerstag, August 18th, 2022

Er war wohl der erfolgreichste deutsche Film- und Fernsehregisseur nach 1945. Mit „Die unendliche Geschichte“, „Reifezeugnis“ (mit Nastassja Kinski), „Die Konsequenz“ (mit Jürgen Prochnow) und „Das Boot“: Wolfgang Petersen, der jetzt im Alter von 81 Jahren gestorben ist, der „Ostfriese in Hollywood“. Vor allem dort war er auch erfolgreich: „In the Line of Fire“, „Outbreak“, „Air Force One“, „Troja“. Petersen hatte an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin studiert. Er vereinigte in sich die Vorzüge des Künstlers und des Handwerkers. Viele seiner Filme sind technische Meisterwerke. Petersen war beim deutschen Publikum beliebt (Tobias Kniebe, SZ 18.8.22).

Nur am Rande seines Welterfolgs „Das Boot“ entspann sich eine kleine Kontroverse. Der einzige, der Kritik äußerte, war der auch hier unvergleichliche Fritz J. Raddatz. Er stellte fest, dass die Strickweise dieses Films exakt so vielen anderen deutschen Kriegsfilmen glich: Indem nämlich die Behauptung aufgestellt wurde, dass der deutsche „Landser“ (in dem Fall U-Boot-Fahrer) sauber geblieben sei, wo er für die Nazis den Krieg führte (sonst hätten ja nie so viele Ehemalige ins Kino gehen können). Wahrscheinlich bin ich der einzige, der sich heute noch für die Antwort auf diese Frage interessiert.

3990: Erneuter Streit bei der Documenta

Donnerstag, August 18th, 2022

Die Documenta 15 kommt nicht zur Ruhe. Der Künstler Hamjah Ahsan hat Bundeskanzler Olaf Scholz auf Facebook als „faschistisches Schwein“ bezeichnet. Zudem gibt es Streit um ein weiteres Motiv von Taring Padi („All Mining is Dangerous.“). Es ist zum Teil überklebt. Seit wann? Von wem? Keiner weiß Genaues nicht.

Wir warten auf die Ergebnisse der Experten-Kommission. Aber können wir uns noch etwas davon erhoffen?

Schon wird wieder überall „Zensur!“ gerufen. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Müller-Rosentritt fordert, die Documenta nicht länger aus Bundesmitteln zu fördern. Und auch wenn dadurch die Ausstellung gefährdet wird, ist zu antworten: Na und ? Die berechtigten Überlegungen zur Beendigung der Documenta sind ebenfalls nicht ungefährlich (Catrin Lorch, SZ 18.8.22).

Auf keinen Fall möchte ich den Kasselern ihre Geschäfte mit der Documenta verderben. Aber bei der diesjährigen Ausgabe waren drei Faktoren gegeben. die unbedingt vermieden werden müssen:

1. Es gab kein klares Konzept.

2. Das Leitungsteam war inkompetent.

3. Es handelte sich um die Anbiederung an den „globalen Süden“.

Zeitgleich war der palästinensische Präsident Mahmud Abbas mit seinen unsäglich falschen Thesen im Bundeskanzleramt. Zufall ?