Die deutschen Arbeitnehmer haben wegen der Inflation im ersten Quartal 2023 erneut Kaufkraftverluste erlitten. Es gab einen realen Verdienstrückgang von 2,3 Prozent. Damit setzte sich der Trend aus 2022 fort (SZ 31.5.23).
Archive for the ‘Gesellschaft’ Category
4350: Reallöhne sinken erneut.
Donnerstag, Juni 1st, 20234349: Meck-Pomm verlangt vom Bund Geld für Rügen.
Dienstag, Mai 30th, 2023Die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern verlangt vom Bund eine Milliarde Euro für Investitionen auf Rügen. Etwa zum Ausbau des Hafens in Mukran. Und für ein neues Schiff zur „Havariebekämpfung“. Damit soll in der Bevölkerung der Rückhalt für ein Flüssiggas-Terminal erhöht werden (SZ 30.5.23).
4348: Restitution kolonialer Raubkunst
Montag, Mai 29th, 2023Es sollte allen klar sein, die bei der Restitution von kolonialer Raubkunst ernst genommen werden wollen, dass über die Handhabung der Objekte künftig die Herkunftsländer entscheiden und nicht wir, Deutschland. Und zwar auch dann, wenn es sich etwa bei der Rückgabe der Benin-Bronzen herausgestellt hat, dass die Bundesregierung andere Vorstellungen hatte als der nigerianische Präsident, Muhamaru Buhari. Für uns bleibt das zentrale Motiv die Revision kolonialen Unrechts. Es sollen alte Wunden geheilt werden. Dabei liegt es auf der Hand, dass europäische Postkolonialisten keine Royalisten sind. Da brauchen wir bloß an unsere Hohenzollern zu denken. Trotzdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein moderner egalitärer Diskurs praktisch zur Aufwertung traditioneller Hierarchien führen kann (Ijoma Mangold, Zeit 11.5.23).
4347: Entscheidung über Picasso-Gemälde vertagt
Montag, Mai 29th, 2023Der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags hat seine Entscheidung darüber vertagt, ob Pablo Picassos „Madame Soler“ (1903) als Raubkunst-Fall vor die Limbach-Kommission gelangt. Gemalt hatte es Picasso während seiner blauen Periode. Erworben hatte es der in Berlin lebende jüdische Bankier Paul von Mendelssohn-Bartholdy. Nach Hitlers Machtergreifung 1933 hatte er es an den Kunsthändler Justin Thannhauser verkauft, der es 1964 an den Freistaat Bayern abgab. Sein Wert wird auf 100 Millionen Euro geschätzt.
Mendelssohns Erben hatten sich direkt an den Bayerischen Landtag gewandt. Einer von ihnen, der Historiker Julius H. Schoeps, hatte im letzten Jahr ein 200 Seiten starkes Buch mit dem Titel „Umgang des Freistaates Bayern mit einem spektakulären NS-Raubkunstfall“ veröffentlicht. Darin kritisiert Schoeps das in der Tat befremdliche Blockieren Bayerns. Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) hat sich dafür ausgesprochen, „endlich den Weg dafür freizumachen, dass die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen einer Anrufung der Beratenden Kommission zustimmen. Das ist nun wirklich überfällig.“ Dagegen verlangt Bayern vom Bund „eine verlässliche gesetzliche Grundlage“. Picassos „Madame Soler“ wird im Picasso-Jahr 2023 nicht gezeigt (Catrin LOrch, SZ 25.5.23).
4346: Die Behandlung des Antisemitismus im heutigen Polen
Montag, Mai 29th, 2023Obwohl es in Polen hervorragende Historiographinnen gibt wie Barbara Engelking, wird eine kritische historische Forschung in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg in Polen zunehmend verhindert. Engelking hat vor zwanzig Jahren an der Polnischen Akademie der Wissenschaften ein Zentrum für Holocaust-Forschung gegründet. Ihre Forschung wird vom polnischen Staat nicht mehr voll unterstützt. Das ist nicht der erste Versuch polnischer Populisten, die Geschichte ihres Landes vor noch so seriöser Kritik abzuschirmen.
Der bekannteste Fall ist der des polnisch-amerikanischen Historikers Jan T. Gross, der 2001 ein Buch über das Massaker von Jedwabne publiziert hatte. Dort hatten im Sommer 1941 nach dem Abzug der sowjetischen Besatzer in Gegenwart der Deutschen Polen ihre jüdischen Nachbarn ermordet und sich deren Hab und Gut bemächtigt. Der damalige Staatspräsident Alexander Kwasniewski hatte sich 60 Jahre danach dafür an einem neu eingerichteten Mahnmal entschuldigt. Unter dem Einfluss der populistischen PIS wurde dann der geschichtspolitische Rückwärtsgang eingelegt. Eine 2006 verabschiedete „Lex Gross“ drohte jedem mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren, der die „polnische Nation“ der Teilnahme an kommunistischen oder nationalsozialistischen Verbrechen bezichtigte. 2018 unterzeichnete Präsident Andrzej Duda ein Holocaust-Gesetz, das alle mit Strafe bedroht, die Polen Schuld oder Mitschuld an Nazi-Verbrechen anlasten (Norbert Frei, SZ 26.5.23).
4345: Sophie Passmann lobt die Kunst des „Zuhausebleibens“.
Sonntag, Mai 28th, 2023Als besonders weltläufig gilt in Deutschland häufig der, der weite Reisen macht, bis ans Ende der Welt, das von der Tourismus-Industrie gerade als sehr angesagt bezeichnet wird. Da leben viele Putin-Unterstützer. Sophie Passmann (Zeit 11.5.23), meint, dass manchmal auch das Zuhausebleiben im abgedunkelten und gekühlten Wohnzimmer seine Reize haben kann. Auch da können wir uns die Bratwürste der Grill-Community vorstellen. Zu Hause ist manchmal die Sehnsucht abwesend. Und deswegen geht es uns dort besonders gut. Übrigens ist Kultur dort gar nicht abwesend. Ich kann sehr konzentriert ein ganzes Album anhören. Oder die Filme eines Regisseurs betrachten. Ja, ein Buch lesen, ohne alle paar Seiten das Handy zu ergreifen. „Und dann kann man sich freuen. Über das Alleinsein. Und über den Sommer, den man mit Kultur verbracht hat. Ganz ohne Bahnfahrten.“
4344: Friedrich Merz ist BVB-Fan.
Samstag, Mai 27th, 2023In einem Interview mit Boris Herrmann, Nicolas Richter und Robert Roßmann (SZ 27./28./29.5.23) äußert sich Friedrich Merz auch zum Fußball.
SZ: Und nun zum Sport: Markus Söder hat gesagt, Dortmund sei zu doof, um Meister zu werden.
Merz: Ich muss es Markus Söder und den Leserinnen und Lesern der „Süddeutschen Zeitung“ leider sagen: Die Wahrscheinlichkeit, dass Borussia Dortmund am Samstag deutscher Meister wird, ist groß:
SZ: Sie sind doch nicht etwa ein Erfolgsfan?
Merz: BVB-Fan! Was denn sonst? Ich bin seit vielen Jahren Mitglied bei Borussia Dortmund, ich war zehn Jahre in den Aufsichtsgremien und werde am Samstag selbstverständlich im Stadion sein.
SZ: In welcher Montur?
Merz: In Schwarz-Gelb mit BVB-Schal natürlich.
4343: Kurbjuweit neuer „Spiegel“-Chefredakteur
Samstag, Mai 27th, 2023Dirk Kurbjuweit, 60, wird neuer „Spiegel“-Chefredakteur. Der insbesondere durch seine Zurückhaltung bekannte Steffen Klusmann, 57, verlässt das Haus. Er war immer mit dem Fahrrad gekommen. Schwierig gewesen war die Zusammenführung der alten Heft-Belegschaft mit der Online-Redaktion. Mit 274 Unterzeichnern hatte sich mehr als die Hälfte der Redaktion für Klusmann ausgesprochen. Nur die Geschäftsführung war mit ihm insgesamt nicht mehr einverstanden. Er war viereinhalb Jahre Chef. Der große Bruch waren (vor Klusmanns Inthronisation) die Fälschungen von Claas Relotius gewesen. Davon erholt sich kein Blatt so schnell. Medienanwalt Christian Schertz zu Klusmann: „In seiner Amtszeit wurden zunehmend Grundsätze journalistischer Sorgfaltspflicht missachtet und reißerische Geschichten veröffentlicht.“ (Philipp Bovermann, Anna Ernst, SZ 27./28./29.5.23).
4342: Münchener Professor droht juristischer Ärger.
Freitag, Mai 26th, 2023Ein Münchener Professor (LMU) für Journalismus schreibt für die „Querdenker“-Zeitschrift „Demokratischer Widerstand“. Da liegen eventuell dienstrechtliche Verstöße vor. Der bayerische Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) sagte daraufhin, dass an bayerischen Hochschulen „kein Platz für extremistisches Gedankengut“ sei. In diesem Fall wird das jetzt, auch mit Hilfe des Verfassungsschutzes, geklärt. Im März hatten die Gründer des „Demokratischen Widerstands“ mitgeteilt, dass Michael Meyen Herausgeber und Kolumnist werde. Die Herausgeberschaft hat er nach zwei Ausgaben wieder aufgegeben. In der Zeitschrift war die Corona-Impfkampagne als „Injektionsgenozid“ bezeichnet worden. Er stammt aus einer kommunistischen Familie aus Rügen (damals DDR) (Sebastian Krass, SZ 26.5.23).
4341: 1.700 neue Beamte für Ampelkoalition
Freitag, Mai 26th, 2023Das Bundeskanzleramt und die 15 Bundesministerien haben seit Ende 2021 1.710 zusätzliche Beamtenstellen geschaffen. Die meisten davon im Wirtschaftsministerium von Robert Habeck (Grüne) mit 249. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler stieg die Personalzahl in Bundesministerien auf 30.200 Angestellte und Beamte. 2012 waren es noch 18.500 Stellen gewesen. Seit 2012 haben sich die Beamtenzahlen um 82 Prozent vermehrt (SZ 26.5.23).