Israel bezeichnet sich stolz als einzige Demokratie im Nahen Osten. Zu Recht. Das wird aber nicht besser, wenn man oft wählt. Wie jetzt. Es ist die fünfte Wahl innerhalb von dreieinhalb Jahren. Die Acht-Parteien-Koalition von Ministerpräsident Naftali Bennett, der sogar eine arabische Partei angehörte, hat keine Mehrheit mehr. Es wird wohl einer der schmutzigsten Wahlkämpfe der israelischen Geschichte, weil der langejährige Regierungschef Benjamin Netanjahu, dem wegen Korruption eine Verurteilung droht, wieder an die Macht drängt. Dieser enge politische Weggefährte von Donald Trump bedroht das land Israel. Der noch amtierende gegenwärtige Ministerpräsident Jair Lapid spricht im Zusamenhang mit Netanjahu von den „Kräften der Finsternis“. Für den Staat Israel wird es eine Richtungswahl, vielleicht sogar eine Schicksalswahl (Peter Münch, SZ 1.7.22).
Archive for the ‘Geschichte’ Category
3929: Neuwahl in Israel
Montag, Juli 4th, 20223927: Hans Litten – ein bedingungsloser Kämpfer gegen den Rechtsextremismus
Sonntag, Juli 3rd, 2022Die Nazis haben den Rechtsanwalt Hans Litten 1938 in Dachau ermordet. Der 1903 geborene Jurist war zum Ende der Weimarer Republik ein prominenter Gegner der Rechtsextremisten. Es gelang ihm einmal, Hitler als Zeugen vor Gericht laden zu lassen. Seine Biografie
Knut Bergbauer/Sabine Fröhlich/Stefanie Schüler-Springorum: Hans Litten. Eine Biografie. Göttingen (Wallstein) 2022, 384 Seiten, 26 Euro,
ist gerade erschienen. Der aus einer bürgerlichen Familie jüdischer Herkunft stammende Litten studierte in seiner Jugend den Talmud und begeisterte sich für jüdische Mystik. Als Jurist war er anscheinend exzellent. Er verteidigte häufig kommunistische Angeklagte in einer Justiz, die auf dem rechten Auge blind war. 1929 ging es darum, dass ein Angeklagter Gustav Noske (SPD) als „Lumpen“ und „Schurken“ bezeichnet hatte. Litten verlangte die Ladung eines Sachverständigen, der erklären könne, dass Noske durchaus als „Lump“ zu bezeichnen sei. Der Staranwalt Hans Litten litt an Geldmangel, da die Zahlungen der „Roten Hilfe“ häufig dürftog ausfielen. Er wurde gleich am 28. Februar 1933 von den Nazis festgesetzt. Er durchlitt eine Odyssee der Erniedrigungen und der Folter bis zu seiner Ermordung 1938 (Klaus Hildenbrand, taz 25./26.6.22).
3926: Ukrainische Regierung korrigiert Andrij Melnyk.
Samstag, Juli 2nd, 2022Die ukrainische Regierung hat ihren Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, korrigiert. Der hatte den früheren ukrainischen Nationalistenführer Stepan Bandera (1909-1959) in Schutz genommen. Der wiederum ist in Polen sehr beliebt. Kiew dankte Polen für die Hilfe im Krieg gegen Russland. Melnyk hatte im Gespräch mit dem Journalisten Tilo Jung gesagt: „Bandera war kein Massenmörder von Juden und Polen.“ „Ich bin dagegen, dass man all die Verbrechen Bandera in die Schuhe schiebt.“
In der Ukraine gibt es seit dem Regierungssturz von 2014 einen regelrechten Bandera-Kult. Er war der ideologische Führer des radikalen Flügels der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN). Nationalistische Partisanen hatten 1941 in Lemberg (Lwiw) und anderen ukrainischen Orten an der Ermordung von Juden durch deutsche Einsatzkommandos mitgewirkt und waren 1943 für ethnisch motivierte Vertreibungen aus dem Westen der Ukraine verantwortlich, bei denen zehntausende polnischer Zivilisten ermordet wurden. Bandera floh nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland, wo er 1959 von einem KGB-Agenten ermordet wurde (SZ 2./3.7.22).
3923: Ernst Jacobi ist tot.
Mittwoch, Juni 29th, 2022Er hat große Personen der Weltgeschichte verkörpert: Jakob Fugger, Emile Zola et alii. Trotzdem war seine gezähmte Bürgerlichkeit sein Markenzeichen. Vor allem auf dem Theater. Schon als Jugendlicher hatte Ernst Jacobi Sprechrollen beim RIAS übernommen. In seiner Karriere war er beim Schillertheater in Berlin, bei den Münchener Kammerspielen und beim Wiener Burgtheater. Und er war dabei in der Experimentierphase des Fernsehens. „Am Tag, als der Regen kam“ (1959), „Schwarzer Kies“ (1961), er spielte den Gauleiter in Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“. In Jan Troells „Hamsun“ gab er den „Führer“ neben Max von Sydow als Hamsun. Vielleicht sein größter Erfolg: in „Deutschland, bleiche Mutter“ von Helma Sanders-Brahms (1980). Jacobis Markenzeichen war sein unverkennbare Stimme. Er stellte uns dar, dass nicht nur die Städte in Deutschland in Trümmern liegen, sondern auch das System der gesellschaftlichen Rollen. Den Höhepunkt erreichte Ernst Jacobi als Erzähler in Michael Hanekes „Das weiße Band“. Mehr geht nicht (Fritz Göttler, SZ 24.6.22).
3922: Linke vermeidet Absturz.
Dienstag, Juni 28th, 2022Durch die Wahl von Janine Wissler und Martin Schirdewan hat die Linke den Absturz vermieden. Verloren hat Sahra Wagenknecht, deren Erkältung zur Nichtteilnahme nicht von allen ernst genommen worden ist. Partei-Opa Gregor Gysi hat vor einer „Neugründung“ gewarnt. Oskar lafontaine ist ja bereits ausgetreten. Da ist also schon einiges beiseitegeräumt.
Sahra Wagenknecht steht auf Seiten Wladimir Putins. Die Partei spricht von einem „verbrecherischen Angriffskrieg“ Russlands. Wagenknecht möchte den USA die Schuld für den Vernichtungskrieg in der Ukraine in die Schuhe schieben. Das kann nicht gelingen. Sie ist solidarisch mit den Fraktionsvorsitzenden Dietmar Bartsch und Mohamed Ali, welche die entschiedensten Gegner von Wissler und Schirdewan sind. „Es mag ja sein, dass die Linke, wie viele glauben, ohne Wagenknechts Strahlkraft für die Wähler noch unattraktiver würde. Doch wie bisher mit ihr kann es erst recht nicht weitergehen. Wenn sie die Erfurter Entscheidung nicht akzeptieren kann, sollte sie die Partei verlassen.“ (Jens Schneider, SZ 27.6.22; Boris Herrmann, SZ 27.6.22).
3918: Russlands verlogenes Selbstbild
Donnerstag, Juni 23rd, 2022Der Journalist und Schriststeller Thomas Hüetlin schreibt über Russland (SZ 22.6.22):
„Russland ist eines der sozial ungleichsten Länder der Welt, die meisten Menschen leben in Armut, und im Gegensatz zu China ist es Putin nicht gelungen, eine nennenswerte moderne Industrie aufzubauen – jenseits jener Rohstoffe, die in einer klimaneutraleren Welt kaum noch Platz haben werden. Diese Unfähigkeit, für seine Bevölkerung eine lebenswerte Zukunft herbeizuführen, tarnen Putin und seine Günstlinge mit immer neuen Kriegen und verbalen Eskalationen. Der Westen als ’nuklearer Aschehaufen‘ ist eine ihrer Lieblingsmetaphern im Dauerbombardement der russischen Staatsmedien. Die unausgesprochene Losung lautet:
Du magst arm sein und krank und abgehängt von den Möglichkeiten des 21 . Jahrhunderts, aber du bist immer noch viel mehr wert als jene dekadenten, homosexuellen, frauenfreundlichen, verweichlichten Kreaturen des Westens.“
3916: Nils Minkmar: Journalistenschule und -preis nicht nach Henri Nannen benennen !
Dienstag, Juni 21st, 2022Den journalistisch Interessierten unter uns ist Henri Nannen seit langem bestens bekannt. Hermann Schreiber wählte für seine lesenswerte Biografie 1999 den Untertitel „Drei Leben“. Damit verwies er auf Nannens Karrieren als 1. Soldat und Nazi-Propagandaspezialist (in Italien), 2. Chefredakteur des „Sterns“ und links-liberalen Prominenten und 3. als Kunst-Mäzen (in Emden/Ostfriesland). Um den deutschen Journalismus nach 1945 hat Henri Nannen sich verdient gemacht.
Seine Nazi-Vergangenheit hat Henri Nannen spät, aber früher die meisten anderen, eingestanden und sich dafür geschämt. 1979 schrieb er: „Wer sich nicht die Augen und Ohren zuhielt und das Gehirn abschaltete, dem blieb nicht verborgen, dass hier das perfekte Verbrechen seinen Weg nahm. Wir hätten es wissen müssen, wenn wir es nur hätten wissen wollen. Wer Soldat im Osten war, dem konnten die Judenerschießungen, die Massengräber und beim Rückzug die ausgebuddelten und verbrannten Leichenberge nicht verborgen bleiben. Ich jedenfalls, ich habe gewusst, dass im Namen Deutschlands wehrlose Menschen vernichtet wurden, wie man Ungeziefer vernichtete. Und ohne Scham habe ich die Uniform eines Offiziers der deutschen Luftwaffe getragen. Ja, ich wusste es, und ich war zu feige, mich dagegen aufzulehnen.“
Nils Minkmar hat sich nun in einem langen und differenzierten Plädoyer, in dem er pro und contra sorgfältig gegeneinander abwog, dafür ausgesprochen, eine Journalistenschule und einen Journalistenpreis nicht mehr nach Henri Nannen zu benennen (SZ 21.6.22): „Ebenso falsch ist es …., einen Mann wie Henri Nannen, ein Deutscher seiner Zeit, zum Vorbild für heutige und künftige Journalistinnen und Journalisten zu küren. Dazu ist seine Geschichte zu kompliziert. Es lohnt sich sehr, sie zu studieren, davon zu lernen und dankend anzuerkennen, dass er viel für das Land und die Branche getan hat – aber die Journalistenschule und auch der Journalistenpreis brauchen einen neuen Namen.“
3912: Claudia Roth: Reist zur Documenta nach Kassel !
Montag, Juni 20th, 2022In einem Interview mit Catrin Lorch (SZ 20.6.22) spricht Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) über die 15. Documenta:
„Ich habe am Wochenende viele Menschen erlebt, die berührt, die begeistert waren. Und kann nur hoffen, dass das Publikum die große Chance erkennt, die ihm die Documenta fifteen bietet: nämlich viele, auch entlegene Sichtweisen des globalen Südens nachzuvollziehen. Dafür braucht es aber den Mut und die Neugier, sich zu öffnen. Was man in Kassel erlebt, muss nicht jedem gefallen, vieles kann irritieren, manches auch zur Verärgerung führen. Aber gerade der
Auftritt des Bundespräsidenten
war doch eine Aufforderung an die Öffentlichkeit, dort hinzureisen, sich selbst ein Bild zu machen, die Kunst sprechen zu lassen.“
3911: Die Rechte ist gekränkt.
Sonntag, Juni 19th, 2022Der Historiker Florian Huber hat ein Buch mit dem Titel
„Rache der Verlierer“
geschrieben, in dem er die Gewalttaten der Rechten in der Weimarer Republik (Rosa Luxemburg, Matthias Erzberger, Walter Rathenau und viele andere) mit denen in der Gegenwart (NSU, Walter Lübcke et alii) vergleicht. Er erkennt große Ähnlichkeiten und Unterschiede. Seine Hauptthese leitet er daraus ab, dass sich die Rechten gekränkt fühlen, einst wie jetzt. Die Heimkehrer aus den Schützengräben des Ersten Weltkriegs fanden sich in der Weimarer Republik nicht zurecht und entwickelten Verschwörungstheorien. Ganz anders Walther Rathenau. Der hatte die Zeichen der Zeit 1918 erkannt, weinte dem Kaiser keine Träne nach und verhandelte dann pragmatisch mit den Siegermächten. Damals gab es große Terrororganisationen auf der Rechten („Organisation Consul“), die zu „Fememorden“ und zum Staatstsreich entschlossen waren.
Heute sind die rechtsterroristischen Gruppen (NSU, Gruppe Freital) viel kleiner. Sie finden auch keine Sympathisanten mehr in der Justiz wie damals. Gekränkt fühlen sich auch viele ehemalige DDR-Bürger, die ihre Lebensleistung als nicht anerkannt empfinden. Viele ihrer Kinder folgen ihnen. „Man muss sein Leben nicht gelebt haben, um sich darum betrogen zu fühlen. Wer als junger Mensch dem Untergang der Welt seiner Eltern beiwohnt, ist mehr als nur Zeuge.“
„Die Kränkung, die Menschen zum Hass auf das demokratische System bewegt, ist heute diffuser. Es geht zwar weiterhin um Angst um den Verlust von gesellschaftlichem Status – als Weißer, als Deutscher, als Mann. Aber anders als vor hundert Jahren haben die meisten heutigen Rechtsextremisten von vornherein nie eine glorreiche (militaristische) Zukunft vor Augen gehabt, die ihnen dann jemand abrupt streitig gemacht hätte.“
Auch in der Weimarer Republik gab es schon viele hellsichtige Zeitgenossen, deren Analyse richtig war und hätte helfen können. So etwa den Reichskanzler Joseph Wirth (Zentrum), der nach dem Mord an Walter Rathenau im Parlament den deutsch-nationalen Abgeordneten direkt ins Gesicht sagte: „Da steht der Feind, der sein Gift in die Wunden eines Volkes träufelt. Da steht der Feind – und darüber ist kein Zweifel: Dieser Feind steht rechts.“ (Ronen Steinke, SZ 18./19.6.22)
3910: Die 15. Documenta ist eröffnet.
Samstag, Juni 18th, 2022Die 15. Documenta ist eröffnet. Sie bietet uns sehr viel. Manches Unerwartete. Und nicht alles mögen wir. Die erste Documenta 1955 wurde mit dem Anspruch gegründet, Deutschland zu demokratisieren und es nach der NS-Zeit der internationalen Kunst und den Avantgarden zu öffnen. Der Gründer der Documenta, Arnld Bode, ein Kasseler Professor und Künstler, sagte: „Die Ausstellung soll nur Meister zeigen, deren Bedeutung für die Gegenwart nach strengster Auswahl unbestreitbar ist, jeweils in wenigen entscheidenden Werken von letzter Qualität. Für Deutschland: Brückekreis, Bauhauskreis, Neue Generation.“ Bode zeigte uns Kandinsky, Klee, Matisse, Beckmann, Lehmbruck. Das verstanden wir und genossen es. Inzwischen gilt die Documenta als die bedeutendste Ausstellung zur zeitgenössischen Kunst weltweit. Natürlich wissen wir, dass Bodes Kurator, Werner Haftmann, aus dem Nationalsozialismus kam. Aber das tat Joseph Beuys ja auch.
Die alle fünf Jahre stattfindende Documenta nahm eine rasante Entwicklung. Etwa hin zur „Besucherschule“ Bazon Brocks. 2017 fand sie in Kassel und Athen statt. Die Internationalisierung schritt voran. Der globale Norden war nicht mehr tonangebend. Die 15. Documenta wird von der indonesischen Künstlergruppe Ruangrupa verantwortet. Sie kam gleich in Verdacht, die israelkritische Organisation BDS („Boykott, Divestment and Sanctions“) zu fördern, die vom Bundestag als antisemitisch gekennzeichnet worden war. Nun, das muss sich zeigen.
Die Entwicklung ging immer weiter weg von der Kunst, hin zur politischen Aktion.
Dabei mag ich doch auch das Schöne.
Kulturelle Verhaltensweisen bekamen Vorrang vor ästhetischer Produktion. Heute deklarieren die Ausstellungsmacher, dass sie die angebliche Alternativlosigkeit kapitalistischer Gesellschaften nicht mehr hinnehmen wollen. Der Westen und das Wirtschaftswachstum sind in Verruf geraten. Kaum etwas von der Kunst auf der Documenta ist komplett durchkomponiert oder von bleibendem materiellen Wert. Dafür zählen Teamgeist, gute Laune, Gerechtigkeitssinn, Respekt vor der Natur und die Bereitschaft ins Offene zu gehen. In Kassel können die 1.500 angereisten Künstler die Schranken des eigenen Denkens und Fühlens durchbrechen. Deutschland gilt dabei mit seiner ewigen Nabelschau als das Land, das sich zu viel mit sich selbst beschäftigt.
Auf der Documenta werden Subversion und Widerstand gefeiert. Die Künstler fühlen sich nicht mehr der Autonomie der Kunst verpflichtet, ihnen geht es um ihre eigene Autonomie. Manche lokalen Konflikte nehmen viel Raum ein, während die großen Aggressoren, etwa Russland und China (dazu später kurz noch mehr), kaum vorkommen. Geschichte wird hier von unten betrachtet. Es herrscht eine prinzipielle antiwestliche Grundstimmung. Vielen auf der Documenta vertretenen Gruppen geht es um die Dokumentation des eigenen kulturellen Erbes und um die Selbstbehauptung, die damit verbunden ist. Zum Glück ist die Finanzierung der Documenta ja durch westliche Modelle gewährleistet.
Als einzige Zeitung leistet sich wieder einmal die „taz“ (Andreas Fanizadeh, Pfingsten 2022) einen sehr kritischen Blick darüber hinaus. Sie nimmt nämlich den russischen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine in den Blick. Russland hat in der letzten Zeit ja ständig solche Kriege geführt (Georgien, Tschetschenien, Krim, Syrien). Die „taz“ nimmt sich den sozialistischen Realismus und damit den Stalinismus vor. Sie nennt den „proletarischen Internationalismus“ die eine große Propagandalüge, die „Liebe“ unter den sozialistischen „Brüdervölkern“ die andere. So wird allmählich ein ganzer Kunst-Schuh daraus. Und die Kunst kann umfassend betrachtet werden. Sie wird nicht zu einer antiwestlichen Propagandashow verkommen.
„Die politische Haltung sollte sich keineswegs immer eins zu eins in der Kunst abbilden. Siehe sozialistischer Realismus. Genau so wenig lassen sich Debatten über das System Kunst unisono international vereinheitlichen. In Teilen Indonesiens, des Herkunftslands des documenta-Kuratorenteams, herrscht beispielsweise die Scharia, aufgeklärte städtische Lebensweisen stehen unter Druck. Einen Wohlfahrtsstaat oder entwickelten Kunstmarkt gibt es nicht. Auch keine kollektive Erinnerungskultur, die an den Völkermord an der chinesichstämmigen Minderheit erinnern würde. Das postkoloniale Suharto-Regime ließ 1965/66 Hundertausende (Schätzungen sprechen von bis zu drei Millionen Menschen) systematisch ermorden.“
(Andreas Fanizadeh, taz Pfingsten 2022; PFU, SZ 17.6.22; Catrin Lorch, SZ 17.6.22; Till Briegleb, SZ 17.6.22; Kia Vahland, SZ 18./19.6.22; Jörg Häntzschel SZ 18./19.6.22)