Archive for the ‘Geschichte’ Category

4936: Olympia in Paris – eine gelungene Show

Montag, August 12th, 2024

Wenn wir den Wert einer Gesellschaft nach gewonnenen Olympiamedaillen und Spitzenplätzen bemessen würden, dann lägen wir ziemlich falsch. Viel wichtiger sind

Bildung, Wirtschaftswachstum, soziale Gerechtigkeit, Tarifgerechtigkeit, Musik und Literatur.

Trotzdem dürfen wir nicht einfach die Augen schließen. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), Thomas Weikert, und sein Leistungssportdirektor, Olaf Tabor, haben ein sehr sachliches Fazit gezogen. Mit Lob und Tadel. Wenn wir mehr Erfolge wollen, müssen wir mehr Geld ausgeben. Wollen wir das?

Deutschland hat sein Ziel, unter die ersten zehn Staaten der Welt zu kommen, noch einmal knapp erreicht. Das muss nicht immer so bleiben.

Hier die Rangliste: 1. USA, 2. China, 3. Japan, 4. Australien, 5. Frankreich, 6. Niederlande, 7. Großbritannien, 8. Südkorea, 9. Italien, 10. Deutschland (Claudio Catuogno, SZ 12.8.24; Sebastian Winter, SZ 12.8.24).

Unter den ersten Zehn sind außer China neun Staaten aus dem „Westen“. Manche wollen sich damit beruhigen. Aber das wäre der falsche Ansatz.

In Deutschland fehlt es an Nachwuchsförderung im Sport, an Trainern, viele Trainer werden schlecht bezahlt, an Sportstätten. Es soll ein neues Sportfördergesetz geben, in dem eine Sportagentur sämtliche Steuerungsfunktionen übernimmt. Ja, wenn wir das wollen? Wahrscheinlich wäre eine dritte Sportstunde pro Woche in der Schule wichtiger. Mehr Sport in Kindergärten und Kitas. Sport hat seine Funktion, Kitt für die Gesellschaft zu sein, nicht verloren. Er ist insofern ganz und gar förderungswürdig. Aber nicht im internationalen Betrugs- und Dopingsport. Darauf können wir locker verzichten. Das Versagen der WADA und der nationalen Anti-Doping-Agenturen schreit zum Himmel. Die Welt will betrogen werden.

Olympia in Paris war eine große und gelungene Show. Schauen Sie bitte aber auch auf die politischen Verhältnisse in Frankreich. Wie sieht die noch zu bestimende neue Regierung aus?

4934: Innenministerin Nancy Faeser (SPD) will Messerverbot.

Montag, August 12th, 2024

Wegen der großen Zunahme von Messerangriffen möchte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) ein partielles Messerverbot. Der „Umgang mit Messern im öffentlichen Raum“ soll eingeschränkt werden. Erlaubt sind dann nur noch Messer mit einer Länge von sechs Zentimetern und nicht mehr – wie bisher – von zwölf Zentimetern. Springmesser sind verboten. Faeser empfiehlt den Kommunen, Waffen- und Messerverbotszonen zu verhängen (SZ 12.8.24).

4933: Die Ampel ist fertig.

Sonntag, August 11th, 2024

Die Ampelkoalition in Berlin findet kaum noch zueinander. Claus Hulverscheidt (SZ 10./11.8.24) schreibt:

„Im Kern ist dieser Streit gar kein juristischer. Der Kern ist, dass sich diese Koalition politisch überlebt hat und keine Basis mehr findet. Das hat zur Folge, dass stets bis zur letzten Sekunde gefeilscht wird, nur um dann ein Ergebnis zu präsentieren, das handwerkliche Mängel aufweist, sofort wieder zerredet wird oder eben erst juristisch überprüft werden muss. Nicht die Prüfung selbst ist dabei das Problem – im Gegenteil, sie ist absolut sinnvoll. Nur müssten die Gutachten eingeholt werden, bevor Kanzler und Finanzminister ihre Beschlüsse zum Haushalt der Öffentlichkeit präsentieren. Dafür allerdings bräuchte es eine funktionierende, vertrauensvoll zusammenarbeitende Bundesregeirung.“

4932: Drei Landtagswahlen in Ostdeutschland.

Samstag, August 10th, 2024

In Thüringen, Sachsen und Brandenburg finden demnächst Landtagswahlen statt. Dazu macht der Ost-Historiker Ilka-Sascha Kowalczuk sehr gut erklärende Bemerkungen (taz 27.7.-2.8.24).

1. An der Freiheitsrevolution von 1989 hat sich in der DDR zunächst nur eine Minderheit beteiligt.

2. Die Mehrheit kam erst mit der D-Mark.

3. Mit den Wahlen vom 18. März 1990 wurden dann die Wirtschafts-, Sozial- und Rechtsordnung der Bundesrepublik übernommen.

4. Die DDR-Bürger kauften ihre eigenen Produkte nicht mehr, sondern wollten VW und Mercedes fahren.

5. Der neue Osten ist keine westdeutscher Erfindung, sondern eine Folge der wirtschaftspolitisch vernünftigen Entscheidungen der Ostdeutschen.

6. Bundeskanzler Helmut Kohl versprach „blühende Landschaften“.

7. Die ehemaligen DDR-Bürger merkten nun, dass das Leben in einer freien Gesellschaft viel anstrengender ist als in einer Diktatur, wo alles seine Ordnung hat.

8. Die ehemaligen DDR-Bürger mussten nun eigene Entscheidungen treffen.

9. Die ersten aus dem Westen stammenden Ministerpräsidenten agierten dementsprechend: Kurt Biedenkopf (CDU) und Bernhard Vogel (CDU).

10. Die ehemaligen DDR-Bürger bevorzugten einen starken Staat.

11. Hier knüpfen heute die AfD und das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ an. Frau Wagenknecht ist eine Kommunistin mit autoritären Zügen.

12. Ihre Nähe zu Russland und China ist kein Zufall.

13. Wahrscheinlich kommt dabei eine „Diktatur der Mehrheit“ heraus, vor der im 19. Jahrhundert bereits John Stuart Mill und Alexis de Tocqueville gewarnt hatten.

14. Die DDR will kaum einer zurück, die Mehrheit bevorzugt eine DDR, wie sie erinnert wird, einen starken und autoritären Staat.

15. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass dies bald zu einer gesamtdeutschen und gesamteuropäischen Realität werden könnte.“

16. Vielen Ostdeutschen ist kaum bewusst, dass Freiheit wichtiger ist als Frieden.

4931: Prekäre Personallage in ICEs

Freitag, August 9th, 2024

Interne Chats der Deutschen Bahn zeigen, wie prekär die Arbeitsbedingungen in vielen ICEs sind. „Wir sind meist 1:1 auf neun Wagen.“ 1:1 steht für die Besetzung eines Zugs mit einem Zugchef und einem Zugbegleiter. Planmäßig besteht die Mindestbesetzung aus fünf Mitarbeitern (SZ 6.8.24).

4930: Puigdemont ist verschwunden.

Freitag, August 9th, 2024

Der konservative katalanische Separatistenfüher Carles Puigdemont, der seit 2017 im belgischen Exil gelebt hatte, ist nach seiner Rede vor ca. 3000 Anhängern in Barcelona verschwunden. Der Polizei entwischt. Gegen ihn besteht noch ein Haftbefehl. Inzwischen ist der Sozialist Salvador Illa zum Präsidenten Kataloniens gewählt worden. Der ist kein Separatist. Die Gegenleistung Spaniens besteht in der Gewährung weitgehender finanzieller Autonomie für Katalonien. Puigdemont ist ein Mann von gestern, geeignet für den Untergrund (Patrick Illinger, SZ 9.8.24).

4929: Caster Semenya will Leichtathletik-Präsidentin werden.

Freitag, August 9th, 2024

Die zweimalige 800 m-Olympiasiegerin Caster Semenya (Südafrika) will Präsidentin des Leichtathletik-Weltverbandes World Athletics (WA) werden. „Ich arbeite an meiner Kandidatur für die Präsidentschaft. Ich fordere gerne Leute heraus, die sich nicht um die Rechte von Athleten kümmern.“ Das Problem bei Semenya selbst während ihrer aktiven Zeit war, dass man nicht wusste, ob sie Frau oder Mann war. Sie hatte permanent einen zu hohen Testosteronwert. Das gibt es bei sogenannten XY-Frauen, die weibliche Geschlechtsteile, aber zu viele XY-Chromosomen aufweisen. Mit Medikamenten sollte die Südafrikanerin ihren Testosteronspiegel unter einen Schwellenwert senken, damit sie über 800 m startberechtigt sein würde. Die letzte Amtszeit des derzeitigen WA-Präsidenten, Sebastian Coe (Großbriannien), endet 2027 (SZ 9.8.24).

4928: Atom-Endlager erst 2074 ?

Donnerstag, August 8th, 2024

Nach einer Studie des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung dauert die Suche nach einem Endlagerstandort für Atommüll bis zum Jahr 2074 und nicht nur bis 2031. „Selbst bei einem idealen Projektablauf muss damit gerechnet werden, dass das Verfahren erst im Jahr 2074 abgeschlossen werden kann.“ Die Suche hatte 2017 neu begonnen. Die potenziellen Standortregionen sollten nach und nach immer weiter eingeengt werden. Die Zeit drängt auch, weil die Genehmigungen für Zwischenlager schrittweise auslaufen. Die ersten in zehn Jahren. Das zuständige Ministerium ist optimistischer (SZ 8.8.24).

4925: Die Seelennöte der SPD

Dienstag, August 6th, 2024

Die SPD ist eigentlich auch heute noch eine Volkspartei. Zumindest vor den Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen. Aber sie erscheint vielen nicht mehr so. Und Olaf Scholz gelingt die emotionale Brücke zum Volk nicht. In der großen Koalition unter Merkel hat sich die SPD nach links bewegt. Als seien die Sozialhilfeempfänger wichtiger als die Arbeiter und Angestellten. Und das Bürgergeld ist kein Erfolgsmodell, weil viele es als sozial ungerecht empfinden.

Durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und die Flüchtlinge von dort erscheint es so, als vermischten sich soziale – und Migrationsprobleme. Der Zeitgeist ist nicht mehr links. Die wichtigen Themen heute: äußere und innere Sicherheit, Begrenzung der Migration, Sanierung der Infrastruktur, Limitierung des Sozialstaats. Und warum werden die von der SPD angekündigten 400000 Wohnungen nicht gebaut? Wir brauchen einen fairen Deal. „Ein Lockern der Schuldenbremse und im Gegenzug ein Einsparen bei den Sozialausgaben könnten ein solcher und zugleich fairer Deal sein.“ (Georg Ismar, SZ 6.8.24)

 

4922: Thomas Kistner: Olympischer Sport ist „schlimmer denn je“.

Freitag, August 2nd, 2024

Der langjährige SZ-Sportchef Thomas Kistner, der für seine Seriuosität bekannt ist, unterzieht den olympischen Sport einer kritischen Prüfung (SZ 2.8.24). Er kommt zu einem bestürzenden Ergebnis: Es ist schlimmer als je zuvor. Klar, die Seine ist zu dreckig. Aber aus Paris bekommen wir ja tagtäglich die schönen Bilder von Inklusion, Diversität und Weltfrieden. Die meisten davon sind gelogen. Kistner gibt in seinem Kommentar auch einzelne schlagende Beispiele. Etwa von der marokkanischen Boxerin Imane Khelif, bei der bei der letzten WM nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte, ob sie eine Frau ist. In Paris gab ihre italienische Gegnerin Angela Carini nach 46 Sekunden auf. Wegen zu starker Schmerzen. Oder das Beispiel von den 23 gedopten chinesischen Schwimmern 2021, die von einem Hotelessen infiziert worden sein wollten, obwohl gar nicht alle von ihnen im Hotel gewesen waren. Usw.

Die nächsten Olympischen Spiele sollen im „Westen“ stattfinden und nicht mehr nur in Verbrecherstaaten wie Russland und China: Italien, Frankreich, USA, Australien. Ob das nützt? Das Doping wird von Welt-Anti-Doping-Agentur Wada nicht wirklich ernsthaft bekämpft. Nichts beschädigt den vorgesehenen Vorbildcharakter der Olympischen Spiele mehr als Betrug. Das ist bei Fifa und Uefa zwar genau so, hilft uns aber nicht. Und das IOC unter Thomas Bach verteidigt seine Machtpositionen. Immerhin haben sich Bach und der russische Kriegsverbrecher Wladimir Putin zerstritten. Der plant nun eigene Konkurrenzspiele mit den Brics-Staaten. Dann gilt die Blaupause von russischen Staatsdoping und vom chinesischen Großbetrug. Kennen wir ja alles schon. Bei der Aufklärung der olympischen Misere sind sogar die Whistleblower gefährdet. Die von Sotschi 2014 wurden an Russland verraten. Der chinesiche will nicht mit der Wada reden. Verständlicherweise.

Fazit: Bitte keine deutsche Olympia-Bewerbung. Dadurch würden auch wir noch weiter in den Sumpf gezogen.