Archive for the ‘Geschichte’ Category

3235: Junge Frauen im CDU-Bundesvorstand

Mittwoch, Januar 20th, 2021

Der CDU-Bundesvorstand hat mittlerweile einen Frauenanteil von 40 Prozent. Für 26 freie Plätze kandidierten 34 Personen. Darunter mit Erfolg Laura Hopmann, 31, aus Hildesheim, Anna Kreye, 26, aus Sachsen Anhalt und Wiebke Winter, 24, aus Bremen. Sie verkörpern damit die verjüngte CDU, die sich der Angelegenheiten von Frauen verstärkt annehmen will. Der Chef der Jungen Union, Tilman Kuban, ist ganz stolz auf die „starken, jungen und erfolgreichen“ Frauen. Im Vorstand der Jungen Union gibt es einen Frauenanteil von 41 Prozent.

Wiebke Winter sagt, sie habe sich schon immer über das Bremer Schulsystem aufgeregt. Dort habe man das Gymnasium abschaffen wollen. Als „große Atomkraftgegnerin“ habe sie aber erst nach der ideologischen Wende der CDU nach Fukushima 2011 in die Partei eintreten können. Eine Frauenquote sieht sie sehr skeptisch. Ähnlich betrachtet das Anna Kreye. Die CDU brauche mehr Identifikationsfiguren für junge Frauen, keine Quote. Auch Laura Hopmann ist dagegen. Sie sitzt seit zwei Jahren im Niedersächsischen Landtag. Wenn sie im Plenum sitzt, wartet ihr Mann draußen mit dem Baby, damit Frau Hopmann stillen kann (Boris Herrmann und Robert Rossmann, SZ 19.1.21).

3234: Brexit behindert britische Bands.

Mittwoch, Januar 20th, 2021

Bei Brexit-Anhängern war die Freizügigkeit von Personen innerhalb der EU, ihren Wohn- und Arbeotsplatz innerhalb der Staatengemeinschaft frei zu wählen, nie besonders beliebt. Sie ging am 31. Dezember zu Ende. Damit habe man die „Kontrolle über die eigenen Grenzen“ zurückerobert, meinte der britische Innenminister. Doch für britische Bands wird es, wenn Live-Konzerte wieder möglich sind, komplizierter, aufwendiger und teurer in der EU aufzutreten. Bisher konnten Musikgruppen von der Insel unbegrenzt lange mit ihren eigenen Fahrzeugen und eigenem Equipment durch die EU touren. Was an die Stelle dieser Freizügigkeit treten wird, weiß niemand so ganz genau. Wird Zoll fällig? Bleibt das Reisen visafrei? (Alexander Menden, SZ, 20.1.21)

3231: Renate Harpprecht gestorben

Montag, Januar 18th, 2021

Sie hatte Auschwitz überlebt. Die 1924 in eine jüdischen Familie in Breslau geborene Renate Lasker. Ihre Eltern, der Vater Rechtsanwalt, die Mutter Violinistin, wurden 1942 deportiert und ermordet. Renate Lasker musste ins Zuchthaus, weil sie für französische Kriegsgefangene Reisepapiere gefälscht hatte. 1943 kam sie nach Auschwitz, wo sie ihre jüngere Schwester Anita, eine Cellistin, wiedertraf. Das hat ihr womöglich das Leben gerettet; denn als Mitglied des berühmten „Mädchenorchesters“ wurde Anita Lasker besser versorgt als andere KZ-Insassen. Als die Rote Armee 1944 Auschwitz näherrückte, wurden die Schwestern mit anderen ins KZ Bergen-Belsen gebracht. Hier befreite sie die britische Armee 1945. Und Renate Lasker nahm sich vor, „dass ich mir nicht den Rest meines Lebens von Hitler diktieren lasse“. Die Schwestern Lasker gingen nach London schworen sich, nie wieder deutschen Boden zu betreten, wozu es dann aber später doch kam.

Renate wurde Journalistin und arbeitete für die BBC. Schließlich sogar für den WDR in Köln. Dann berichtete sie für das ZDF aus Washington. Sie heiratete den Journalisten Klaus Harpprecht, den Thomas-Mann-Biografen und Willy Brandts Redenschreiber. Die letzten Jahrzehnte ihres Lebens wohnten die Harpprechts (Klaus starb 2016) in einem kleinen Ort in Südfrankreich. Und Renate Harpprecht wurde eine gefragte Expertin für das Leben in einem NS-Vernichtungslager. Alles gestattete sie sich und anderen, nur keine Sentimentalität! „Auschwitz erlaubt keine Altmänner-, keine Altweiberrührung.“ Renate Harpprecht ist im Alter von 96 Jahren gestorben (Matthias Nass, Die Zeit 7.1.21).

3226: Die Angst vorm Impfen ist kulturell tief verwurzelt.

Donnerstag, Januar 14th, 2021

Peter Paul Rubens (1577-1640) malte (um 1630), wie Achilles von seiner Mutter Thetis in den Fluss Styx getaucht wird, ohne dass Wasser an seine Ferse gelangt. Sie blieb deshalb seine Achillesferse. Bei Honoré Daumier (1808-1879) zwickt dem entsetzten Kind sogar noch ein Flusskrebs in die Nase. Und bei Siegfrieds Bad im Drachenblut blieb in der Größe eines Lindenblatts Platz frei. Alles Bilder von Impfschäden. Es geht dabei weniger um Medizin als um Kultur. Können auf diese Art nicht Autismus, plötzlicher Kindstod, Krebs und Alzheimer in die Welt kommen? Ja, manchmal wird das Vokabular des Militärs bemüht, da wo „Abwehrkräfte gestärkt“ werden sollen. Hier werden Aversionen gegen das Impfen deutlich. Anglikanische Bischöfe sprachen von „Injektionen von Sünde“. Die gespritzten Stoffe waren „Hexengebräu“.

Der Begriff der „Herdenimmunität“ rührt daher, dass Edward Jenner (1749-1823) versuchsweise ahnungslose Bauernkinder mit Kuhblattern infizierte. Das Volk sozusagen wie eine Kuhherde auf dem Weg zur Schlachtbank. „Herdenimmunität“ impliziert auch „Herdenmentalität“. Und da sind wir schon bei den gegenwärtigen „Querdenkern“. Kurz vor Bram Stokers „Dracula“, 1880, wurde in England vor dem „Vaccination Vampire“ gewarnt. Karl Marx (1818-1883) hatte die vampirische Natur des Kapitals beschworen. Bei den Impfgegnern geht es heute um „antikapitalistische“ und „libertäre“ Impulse. Weniger um die Sache selbst.

Und wenn Susan Sontag (1933-2004) verlangt hatte, Krankheiten als Krankheiten zu behandeln und nicht als kulturelle Metaphern, so hat sie sich bis heute damit nicht durchgesetzt. Mehr denn je ist „Schulmedizin“ ein Schimpfwort. Und die „Ganzheitlichkeitspropheten“ sehen im Krebs nur einen „Boten“. Die „Homöopathie“ kommt ohne medizinische Evidenz aus, dafür sind ihre Thesen von hoher Poesie. Lange Zeit hat sich die Schulmedizin selbst in Bildern ausgedrückt und in Mythen verkörpert. Da brauchen wir uns über die aktuelle Impfgegnerschaft nicht zu wundern. Obwohl sie regelmäßig unbegründet ist und in vielen Fällen von tödlichem Ausgang begleitet wird (Peter Richter, SZ 12.1.21).

3223: FBI befürchtet bei Amtseinführung Joe Bidens Gewalt.

Mittwoch, Januar 13th, 2021

Das FBI befürchtet bei der Vereidigung Joe Bidens am 20. Januar zum US-amerikanischen Präsidenten Gewalt in allen 50 Bundesstaaten. Biden selbst zeigte sich unbeeindruckt: „Ich habe keine Angst, den Eid im Freien abzulegen.“ In Washington werden am 20. Januar zur Verstärkung 10.000 Nationalgardisten erwartet. Ggf. nochmals 5.000 Soldaten. Als Trumps Anhänger am 6. Januar nach Aufforderung durch den Präsidenten das Kapitol stürmten, starben fünf Menschen (SZ 13.1.21).

3222: Jacques Schuster: Juden in Deutschland nicht nur von Auschwitz her betrachten.

Dienstag, Januar 12th, 2021

1. Der „Welt“-Redakteur Jacques Schuster bestreitet Annette Widmann-Mauz, der „Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration“, die Zuständigkeit für die deutschen Juden (9.1.21). Weil sie seit 1.700 Jahren in Deutschland lebten und keine Fremden oder „Gastarbeiter“ seien.

2. Hitler und seine Schergen hätten von der Schoa als „Mord am europäischen Judentum“ gesprochen. Das dürften wir nicht nachsprechen.

3. Ermordet worden seien in der Schoa Deutsche, Franzosen, Ungarn usw.

4. Gerade im Nichtunterscheiden zwischen dem französischen Galeristen, dem fränkischen Pferdehändler, dem hessischen Arzt und dem polnischen Rabbiner, weil sie alle „Juden“ seien, lag die Quelle des Wahnsinns, die Quelle der Schoa.

5. Es müsse auch Schluss damit sein, die 1.700 Jahre jüdischen Lebens in Deutschland nur von Auschwitz her zu betrachten.

6. Die Vernichtungslager hätten nicht das Ende des jüdischen Lebens in Deutschland sein müssen.

7. Die deutschen Juden vor 1933 seien keine armen Trottel gewesen, die sich den Deutschen anbiederten.

8. Der jüdische Historiker Heinrich Graetz (1817-1891) sah in der Geschichte der Juden im 19. Jahrhundert eine „jüdische Renaissance von welthistorischem Ausmaß“.

9. Die Juden seien kein Volk wie andere Völker und seien es „trotz des naiven Vulgärzionismus auch nie gewesen“, meinte der Religionsphilosoph Franz Rosenzweig (1886-1929). Das Judentum sei eine dem strengen Monotheismus verpflichtete Glaubensgemeinschaft.

10. „Ich habe und kenne keine anderes Blut als deutsches, keinen anderen Stamm, kein anderes Volk. Vertreibt man mich von meinem deutschen Boden, so bleibe ich deutsch, und es ändert sich nichts.“ (Walter Rathenau, geb. 1867, der 1922 von Freikorps ermordet wurde).

11. Süßkind von Trimberg (13. Jht.) gilt den meisten Germanisten als einer der großen Minnesänger seiner Zeit und als der Ahnherr jüdischer Dichter deutscher Zunge.

12. Jehuda Hechassid aus Speyer entwickelte bereits im 12. Jahrhundert eine Ethik, die sämtliche Ghettomauern überwand.

13. Beim Begriff des „jüdischen Nationalcharakters“ ließ sich der völkische Unterton erst mit dem Aufkommen des Antisemitismus am Beginn  der Säkularisierung vernehmen.

14. Reformer wie Christian Wilhelm von Dohm (1751-1820) forderten, den Juden alle Rechte zu gewähren, welche ihre christlichen Nachbarn genossen.

15. In den Augen der meisten Juden haftete ihrer Religion etwas Verstaubtes an, das in der Moderne nicht mehr angemessen schien.

16. Von den Folgen der Industrialisierung blieben die Juden genau so wenig verschont wie die anderen Bürger. Sie brachte nicht nur das Judentum ins Wanken, sondern die ganze Gesellschaft.

17. Die Juden verbürgerlichten, in der Regel schneller als andere Zeitgenossen.

18. In der Neuzeit schufen die deutschen Juden das moderne Judentum (mit Wohlfahrt, Krankenpflege etc.).

19. Sie schufen die „Wissenschaft des Judentums“, so wie sie der Berliner Leopold Zunz (1794-1886) ersonnen hatte, als Modell für den Aufbau sämtlicher judaistischer Studiengänge auf der Welt.

20. Zacharias Frankel (1801-1875)  sah in den Juden 1842 „nur eine Religionsgemeinde“ so wie jede andere Religion auch.

21. Damals hielten sich die meisten Juden für einen deutschen Stamm mosaischen Glaubens.

22. Die Juden in Deutschland hatten ihr Vaterland, ohne ihr „portatives“ Vaterland, die Bibel, aufzugeben.

23. Den Antisemitismus (Judenhass) hatte es immer gegeben. Angefangen mit den Pogromen während der Kreuzzüge im 12. Jahrhundert.

24. Es gab den katholischen Antisemitismus und den „giftig-kalten protestantischen Antisemitismus“. Martin Luther (1483-1546) war ein großer Antisemit.

25. Dass der Vater der Weimarer Reichsverfassung, Hugo Preuß (1860-1925), jüdischen Glaubens war, interessierte die meisten Deutschen genau so wenig wie die Herkunft des Schauspielstars Elisabeth Bergner (1897-1986).

26. „Bis Hitler war Deutsch die Sprache der Naturwissenschaften, nach 1933 war es Englisch mit deutschem Akzent“, schrieb Walter Laqueur.

27. Albert Einstein (1879-1955) hatte sich den Deutschen nicht nur angebiedert.

28. Nach 1945 war das jüdische Leben in Deutschland quasi vernichtet. Heute ist es wieder da.

3216: Gründgens‘ Landhaus (1934-1946)

Donnerstag, Januar 7th, 2021

Dem Berliner jüdischen Bankier Ernst Goldschmidt gehörte das Landhaus Zeesen am Zeesener See bei Königs Wusterhausen südöstlich von Berlin. Er kannte sich nach dem Ersten Weltkrieg in der Theaterszene genau so gut aus wie in der Finanzwelt. Hier verbrachte der kranke Dichter Klabund (Alfred Henschke) Mitte 1926 zwei Monate mit seiner Frau Carola Neher. Er dichtete die „Ode an Zeesen“ („Und ich sitze nackt auf der Veranda, …“). Goldschmidt besaß auch eine Villa am Wannsee (das heutige „Literarische Colloquium Berlin“). Dort hatte Carl Zuckmayer 1925 „Der fröhliche Weinberg“ geschrieben. Diese Geschichte erzählt uns Klaus Völker, von 1993 bis 2005 Rektor der Schauspielschule Ernst Busch:

Mephistos Landhaus. Klabund (1926) und Gründgens (1934-1946) in Zeesen. Berlin 2020. 32 Seiten, 33 Abbildungen, 8 Euro.

1934 kaufte der Generalintendant der Preußischen Staatstheater, Gustaf Gründgens, ein Günstling Hermann Görings, das Schloss unter Bedingungen, die nie ganz geklärt worden sind, von Ernst Goldschmidts Sohn. Der Anwalt, der den Kauf für Gründgens abwickelte, gehört der SA an. Er wurde beim Röhm-Putsch im Juli 1934 ermordet. Gründgens bewohnte Schloss und Park samt zwei Kavaliershäusern, einem Gewächshaus und einem Bootshaus mit Marianne Hoppe, die er 1936 heiratete. Im Schlosspark wurde 1939 „Der Schritt vom Wege“ (nach Theodor Fontanes „Effi Briest“ in Gründgens‘ Regie) mit Marianne Hoppe in der Hauptrolle gedreht. Gustaf Gründgens stand bei den Nazis auf der „Gottbegnadetenliste“ und galt als sakrosankt. In der DDR beherbergte das Schloß Zeesen zunächst ein Heim für Waisenkinder, dann für Kinder von Diplomaten (Lothar Müller, SZ 7.1.21).

3213: Über die Demokratie in Frankreich

Dienstag, Januar 5th, 2021

Mit Referenz auf das Hauptwerk des großen französischen Publizisten und Sozialwissenschaftlers Alexis de Tocqueville (1805-1859) „Über die Demokratie in Amerika“. 2 Bde. 1835/40 nenne ich die aktuellen Ausführungen des französischen Historikers Pierre Rosanvallon, 72, zu Frankreich „Über die Demokratie in Frankreich“. Ich bringe hier Auszüge von Aussagen, die Rosanvallon in einem Interview mit Martina Meister (Die Welt 2.1.21) gemacht hat.

„In Frankreich nähern wir uns einer technokratischen Demokratie mit Hang zur Freiheitsbeschränkung.“

„Übergriffe der Polizei werden in Kauf genommen, solange das Ergebnis stimmt. Und das gewünschte Ergebnis heißt Ordnung.“

„Jedenfalls hinterlässt die Omnipräsenz der Gewalt Spuren. Die Enthauptung des Lehrers Samuel Paty ist ein Beleg für importierte Gewalt, die wir aus Europa nicht fernhalten können. Der getötete Busfahrer aus Bayonne dagegen, der erschlagen wurde, weil er auf die Maskenpflicht gepocht hatte, ist ein Beispiel für soziale Gewalt, die aus dem Inneren der Gesellschaft kommt. Wenn die herkömmlichen Kanalisierungsmöglichkeiten geschwächt werden, dann bricht sich die Gewalt ungezügelt Bahn. Wenn Worte an Wirkung verlieren, ist es die Gewalt, die an Macht gewinnt.“

„Macrons großes Problem ist es, dass er eine Modernisierung der Institutionen mit einem Versuch der Marginalisierung der Gewerkschaften verwechselt hat. Er war davon überzeugt, dass er die ewige Rechts-Links-Spaltung überwinden könne. Wegen des Mitgliederschwunds schienen ihm die Gewerkschaften unbedeutend. Aber er hat anderen Vermittlungsinstanzen keine Chance gegeben, obwohl es in Frankreich eine lebendige Landschaft von Vereinen und Bürgerinitiativen gibt. Macron wollte ‚tabula rasa‘ machen, was zu einem hochexplosiven Duell geführt hat: Er allein gegen das gesamte Land. Das ist gefährlich und hat populistische Züge.“

„Macron erkennt, wo Schwierigkeiten liegen, aber dann bildet er sich ein, dass er die Probleme selber lösen kann. Es müssen neue Formen der Entscheidungsfindung und der Repräsentation erfunden werden.“

„Der permanente Ausnahmezustand, den wir jetzt erleben, ist gar nichts verglichen mit dem, was Menschen im Nahen Osten oder in Afrika erleiden. Es geht uns vergleichsweise gut.“

3207: Schottland will zurück in die EU.

Samstag, Januar 2nd, 2021

Nach 48 Jahren gehört Großbritannien durch den Brexit nicht mehr zur EU. Der über tausendseitige Deal verhindert Schlimmeres. Trotzdem kommt viel mehr Bürokratie. Was für ein Schwachsinn! Gibraltar tritt dem Schengen-Raum bei, damit zwischen Spanien und Gibraltar keine harte EU-Außengrenze entsteht. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat angekündigt, dass der Landesteil Schottland zurück in die EU will. Hier war schon gegen den Brexit abgestimmt worden. „Schottland kommt bald wieder, Europa. Lasst das Licht an.“ (SZ 2./3.1.21)

Ja!

3205: Die Odenwaldschule: gescheitert !

Freitag, Januar 1st, 2021

Die Odenwaldschule war die Vorzeigeschule der deutschen Reformpädagogik im hessischen Heppenheim. Sie ist vollständig gescheitert. Nach einer Studie des Rostocker Pädagogik-Professors Jens Brachmann wurden hier 500 bis 900 Kinder sexuell missbraucht. Die wissenschaftlichen Studien dazu wurden erst 2019 publiziert. Die ersten schweren Vorwürfe waren ab 2010 erhoben, die Schule 2015 geschlossen worden. Und wie die Vorsitzende des Odenwalder Opfervereins „Glasbrechen“, Sabine Pohle, selbst ein Opfer sexuellen Missbrauchs, darlegte, gebe es auch heute immer noch „Altschüler“, welche die ganzen Gräuel nicht wahrhaben wollten. Sie tauschten sich in Facebook-Gruppen aus. Aber es handle sich um furchtbare Fakten.

Den Odenwald-Schülern, die sehr häufig aus zerrütteten Familien stammten, hatte man ein elitäres Bewusstsein vermittelt. „Wir dachten, wir wären etwas ganz Besonderes. Wir waren doch das Flaggschiff der Reformpädagogik. Wir hatten diese lange Tradition, diesen Mythos, der hier alles überhöht hat.“ Haupttäter war der langjährige Schulleiter Gerold Becker, der seine Taten im Hauptgebäude vollführte, dem Goethe-Haus. Er starb 2016. Verurteilt wurde er nie. Noch 2014 wurde ein Odenwald-Lehrer wegen des Besitzes von Kinderpornogrfie verhaftet. Sabine Pohle sagt: „Im Grunde genommen sind wir Altschüler alle in irgendeiner Form betroffen davon. Ob man will oder nicht.“ (Anna Ernst, SZ 30.12.20)

Zeugenhinweise nimmt der Verein „Glasbrechen“ weiter an auf

www.glasbrechen.de

oder telefonisch unter 069/13390944.