Archive for the ‘Außenpolitik’ Category

2725: Retten wir den Westen !!

Montag, Februar 17th, 2020

1. Auf der Münchener Sicherheitskonferenz sah es anfangs beinahe nach einem „Abgesang des Westens“ aus.

2. Das machten die Feinde des Westens (Menschenrechte, Demokratie, Rechtsstaat, Individualismus etc.), Russland und China, klar.

3. Die USA gebärden sich unter Trump als „Kraftprotz“, obwohl das die Daten nicht hergeben. Aber für den US-Wähler genügt es möglicherweise.

4. US-Außenminister Mike Pompeo skizzierte ein Bild des Westens (Nationalismus usw.), mit dem viele Europäer nicht übereinstimmen.

5. Russland nutzt angesichts seiner wirtschaftlichen Schwäche militärisch jede sich bietende Lücke (Krim, Syrien).

6. China verfolgt seine Interessen (Seidenstraße etc.) immer brutaler.

7. Präsident Donald Trump ignoriert internationale Abkommen, pöbelt gegen die Massenmedien und legt sich mit der US-Justiz an.

8. Die USA sind immer noch eine funktionierende Demokratie.

9. Polen zerstört seinen Rechtsstaat.

10. Die Selbstbehauptung eines Europas der westlichen Werte kann nur in einem Prozess voller komplexer Widersprüche gelingen.

11. Wo es geht, muss Europa mit den USA gemeinsame Sache machen.

12. Es wird nicht ausbleiben, dass wir den USA hier und da auch entgegentreten müssen. Jedenfalls müssen wir militärisch von ihnen unabhängiger werden (Daniel Brössler, SZ 17.2.20).

2724: Baerbok und Habeck essen mit Macron.

Montag, Februar 17th, 2020

Es gibt noch Zeichen guter Politik in Deutschland. Die Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbok und Robert Habeck haben sich mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in München zu einem  Abendessen getroffen. Davor hatte Baerbok einen leidenschaftlichen Einsatz für Europa gefordert. Das ist richtig und macht unsereinen fröhlich.

Armin Laschet (CDU) hat Angela Merkels Europapolitik hart kritisiert. Er kam Macrons Vorschlägen entgegen, Europa unabhängiger von den USA zu machen. Frankreich würde seine Atomwaffen in den Dienst Europas stellen. Laschet zeigte sich auch kompromissbereit hinsichtlich des deutschen Beitrags zum EU-Budget, der natürlich erhöht werden muss.

Das sind politisch richtige Signale. Der Westen ist keineswegs verloren (Paul-Anton Krüger, SZ 17.2.20).

2723: Joseph Stiglitz: Trump lügt.

Sonntag, Februar 16th, 2020

Der Nobelpreisträger für Wirtschaft, Prof. Dr. Joseph Stiglitz, 77, ist ein Gegner des US-Präsidenten Donald Trump. Gerade erscheint sein Buch

Der Preis des Profits. Wir müssen den Kapitalismus vor sich selbst retten. München 2020, 25 Euro.

Georg Meck und Bettina Weiguny haben ihn für die FAS (16.2.20) interviewt. Ich bringe Auszüge:

Stiglitz: … wissen Sie: Trump lügt. Er behauptet, die amerikanische Wirtschaft sei nie stärker gewesen. Fakt ist, dass sie heute langsamer wächst als unter Präsident Obama. Das ist erbärmlich, wenn man bedenkt, dass der Stimulus teuer erkauft wurde. 2020 wird das Haushaltsdefizit die Schwelle von einer Billion Dollar durchbrechen.

FAS: Wenn es der Mehrheit der Amerikaner so schlecht geht, warum stimmen sie dann für Trump?

Stiglitz: Wir sprechen hier von einem konservativen Dilemma. Die Supperreichen haben andere wirtschaftliche Ziele als der Rest der Bevölkerung, sie wollen möglichst wenig Steuern zahlen und viel Geld abschöpfen. Aber sie sind zu wenige, um alleine eine demokratische Wahl zun gewinnen. Also können sie entweder das europäische, soziale Modell wählen, bei dem sie versuchen, einen großen Teil der Bevölkerung teilhaben zu lassen am Wohlergehen. Dieses Modell präferiere ich. Oder sie machen es wie in Amerika und formen eine Koalition von Extremisten.

FAS: Worauf verzichten Sie?

Stiglitz: Ich habe kein Auto, wie viele in New York.

FAS: Der Nobelpreisträger steigt brav in die Metro?

Stiglitz: Ja, natürlich.

FAS: Wenn die Wirtschaft die Klimapolitik des Präsidenten für falsch hält, warum erhebt dann kein Konzernchef die Stimme gegen Trump?

Stiglitz: Trump ist ein Rabauke. Jeder hat Angst, von ihm mit einem Tweet fertiggemacht zu werden. Das höhlt unsere Demokratie aus.

2721: Steinmeier: Deutschland muss Europa zusammenhalten.

Samstag, Februar 15th, 2020

Auf der Sicherheitskonferenz in München hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier davon gesprochen, dass es Deutschlands außenpolitische Aufgabe sei, Europa zusammenzuhalten. Wir müssten mehr außenpolitische Verantwortung übernehmen, unsere militärischen Fähigkeiten mehren und uns nicht in moralischer Selbstgefälligkeit isolieren. Außenminister Heiko Maas (SPD) kündigte ein stärkeres deutsches und europäisches Engagement in den „Krisen vor unserer Haustür an“ („Irak, Syrien, Libyen, die Ukraine und die Sahel-Zone“). (FAZ 15.2.20)

Beide haben Recht und stimmen hier mit Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) überein. Aber Grüne und Linke sind außenpolitisch unsichere Kantonisten, die hier einen Kurs fahren wie die AfD.

2717: Angela Merkel ist zur Belastung der Union geworden.

Mittwoch, Februar 12th, 2020

Als Bundeskanzlerin hat Angela Merkel ihrer Partei (mit der CSU) – weiß Gott – einiges zugemutet. Mit dem Rücktritt vom CDU-Vorsitz 2018 hat sie ihren entscheidenden Fehler gemacht. Merkels Idee von der „geteilten Macht“ (mit Annegret Kramp-Karrenbauer) wurde in der Partei nicht als Unterstützung, sondern als Distanzierung Merkels von der CDU und Kramp-Karrenbauer wahrgenommen.

Kramp-Karrenbauer hatte mit ihrem Schmusekurs mit Markus Söder, der zur Besinnung gekommen ist, wenigstens das Verhältnis zur CSU verbessert. Mit dem Rücktritt Kramp-Karrenbauers sind nun Merkel und AKK gescheitert.

Angela Merkels Migrationspolitik hat die AfD stark gemacht. Diese völkische Partei braucht die ganze Zeit nichts zu tun, um zuzulegen. Eine ernste Bedrohung unserer Demokratie (zuerst in Ostdeutschland). Die Zeit ist knapp, einen schlagkräftigen Kanzlerkandidaten der Union und einen Parteivorsitzenden der CDU zu finden. Hat Armin Laschet das Zeug dazu? Und wann müsste Merkel dann vom Amt der Bundeskanzlerin zurücktreten?

Prognose: Die Union nimmt den Weg der SPD in die Wahlergebnisse zwischen 10 und 20 Prozent.

2716: Der Westbalkan gehört zu Europa.

Dienstag, Februar 11th, 2020

1. Europa sieht sich in der Weltpolitik hauptsächlich drei Mächten gegenüber: China, Russland und den USA, einer klassischen Diktatur, einer verklemmten Putin-Diktatur und der ehemaligen westlichen Führungsmacht, die jetzt von einem Angeber und Lügner angeführt wird.

2. Wenn Europa souveräner und schlagkräftiger agieren will, muss es sich a) stärker einigen und b) um die Staaten des Westbalkans erweitern.

3. Unsere Vorstellungskraft reicht ja angesichts der Annektion der Krim 2014 aus, uns vor Augen zu führen, wo Europa stünde, hätte es nicht die Erweiterung von NATO und EU gegeben. Nur ausgemachte politische Spießer können das nicht erkennen.

4. Zur EU gehören schon die Staaten Kroatien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Griechenland.

5. Die Westbalkanländer Serbien, Montenegro, Kosovo, Bosnien-Herzegowina, Albanien und Nordmazedonien sollten ebenfalls dazustoßen.

6. Das würde in den betreffenden Staaten alsbald mehr Wohlstand, unabhängige Gerichte und die Bekämpfung der Korruption mit sich bringen. Und für uns mehr Exportmöglichkeiten.

7. Schon heute investieren Unternehmen aus der EU dort. In Serbien übertreffen die westeuropäischen Investitionen bei weitem die russischen. Das wissen viele Leute nicht.

8. Auf dem Westbalkan sind heute schon auch China, Russland und die Türkei tätig, von ihrer Struktur her „Schurkenstaaten“.

9. Albanien, Montenegro und bald Nordmazedonien gehören der NATO an. Sie sind somit Verbündete von 21 der 27 EU-Mitglieder.

10. Der Westbalkan könnte heute schon in EU-Förderprogramme einbezogen werden.

11. Nordmazedonien hat Reformen durchgeführt und im Namensstreit mit Mazedonien Geschick bewiesen.

12. Albanien könnte mehr Rechtsstaat wagen (Matthias Kolb, SZ 7.2.10).

2715: Warum die CDU daniederliegt.

Montag, Februar 10th, 2020

Der Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer dokumentiert den nicht mehr zu übersehenden Niedergang der CDU:

1. Die Partei ist zerstritten und zerrissen.

2. Sie befindet sich in der größten Krise seit Helmut Kohls schwarzen Kassen 1999/2000.

3. Durch Angela Merkel ist die Partei inhaltlich entkernt.

4. Es fehlt an einer starken Führung.

5. Die CDU hat die Migrationspolitik Angela Merkels („Wir schaffen das.“ 2015) nicht verarbeitet und verkraftet. Viele Wähler wanderten direkt zur AfD.

6. Die CDU hat den Klimawandel nie adäquat verstanden und behandelt. So sieht das Klimakonzept der Bundesregierung auch aus.

7. In der Partei ist sich jeder selbst der nächste.

8. In Ostdeutschland ist der Zustand der CDU besonders jämmerlich. Das Thüringen-Desaster sagt alles. Mike Mohring muss zurücktreten.

9. In Sachsen hat der CDU-Fraktionschef bereits 2018 eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht ausgeschlossen.

10. In Sachsen-Anhalt haben zwei stellvertretende CDU-Fraktionschefs im Juni 2019 – und damit kurz nach der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke – verlangt, es müsse „wieder gelingen, das Soziale mit dem Nationalen zu versöhnen“.

(Robert Rossmann, SZ 10.2.20)

2713: Fairness für Julian Assange !

Sonntag, Februar 9th, 2020

1. Am 24. Februar soll in London die Anhörung des Wikileaks-Gründers Julian Assange, eines australischen Staatsbürgers, im Auslieferungsverfahren an die USA beginnen.

2. Wikileaks hatte den USA mehrfach Kriegsverbrechen in Nahost nachgewiesen.

3. In der vorletzten Woche hatten in Deutschland 130 Politiker, Künstler und Journalisten einen Appell veröffentlicht, in dem sie schwerwiegende Vorwürfe gegen die schwedische Justiz und Polizei im Fall Assange erhoben. Darunter die Schriftstellerin Eva Menasse und das deutsche PEN-Zentrum.

4. Jetzt haben Prominente wie die Linken-Abgeordnete Sevim Dagdelen, der Investigativjournalist Günter Wallraff, der ehemalige Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) und der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) sich zu Wort gemeldet. Assange leide offensichtlich unter den Folgen psychischer Folter und mache den Eindruck, dass man ihm eine systematische Verteidigung unmöglich mache. Er drohe, seinen Prozess nicht zu überleben.

5. Der UN-Sonderberichterstatter für Folter, Nils Melzer, ein Schweizer Jurist, beklagt seit langem, dass die Rechtstaatlichkeit im Fall Assange zum Opfer politischer Interessen geworden sei. Gemeint sind Interessen der USA und ihrer Geheimdienste.

6. Günter Wallraff beklagt, dass Julian Assange systematisch isoliert und permanent überwacht werde. Sevim Dagdelen verweist darauf, dass Assange der Kontakt zu seinen Anwälten in den USA und Großbritannien verwehrt werde. Sigmar Gabriel warnt davor, dass hier „offensichtlich politische Gründe eine Rolle spielen dafür, dass man Rechtsstaatlichkeit eher hintanstellt“.

7. Julian Assange war im April 2019 mit Gewalt aus der ekuadorianischen Botschaft in London in das Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh verbracht worden.

8. Zur Ermöglichung einer geordneten Verteidigung müsste Julian Assange aus der Haft entlassen werden.

9. UN-Sonderberichterstatter Nils Melzer beschuldigt die schwedische Staatsanwaltschaft, mehr als neun Jahre gegen Assange ermittelt zu haben. Im November 2019 waren die Ermittlungen aus Mangel an Beweisen eingestellt worden. Bereits im September 2019 hatte Melzer in einem ausführlichen Schreiben von den Schweden Auskunft über mögliche Manipulationen verlangt.

10. Dass er aus Schweden keine Antwort erhalten hat, wertet Melzer als „Schuldeingeständnis“. Zu keiner Zeit hätten die Beweise für eine Sexualstraftat Assanges ausgereicht.

11. Assange hatte zunächst mit zwei Frauen einvernehmlichen Sex gehabt. Dann hatten sie ihn beschuldigt, sie gegen ihren Willen zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr genötigt zu haben.

12. „Es ist die These Melzers, dass die Schweden aus rein politischen Motiven Julian Assange in den Mittelpunkt eines Sexualstrafverfahrens gestellt hätten, und nicht im Interesse der beiden Klägerinnen. … Was der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen .. tatsächlich mit zahlreichen Belegen und Dokumenten zeichnen kann, ist das Bild eines Verfahrens voller Ungereimtheiten, das mehrfaches grobes Fehlverhalten der schwedischen Justiz nahelegt.“

13. Eine vernehmende schwedische Polizistin hatte offensichtlich auf Anordnung ihres Vorgesetzten die Vernehmungsakten eigenhändig umgeschrieben. Der entsprechende Mailwechsel findet sich in den von Melzer vorgelegten Unterlagen.

14. „Die Polizei manipulierte aber Melzer zufolge nicht nur die Verhörprotokolle, sie gab auch wiederholt vertrauliche Informationen gezielt an die Boulevardpresse weiter …“

(Clara Lipkowski, Kai Strittmatter, SZ 7.2.20)

Mein Fazit: Julian Assange ist freizulassen.

2711: Thüringen: Das Problem ist die CDU.

Samstag, Februar 8th, 2020

Unter den CDU-Mitgliedern und -Mandatsträgern in Thüringen gibt es ziemlich viele, die sich eine Zusammenarbeit mit der AfD wünschen. Infolgedessen war der Schlingerkurs von Fraktionschef Mike Mohring schlüssig, der von Anfang an nicht auf Berlin und die Parteivorsitzende Kramp-Karrenbauer hören wollte. Hinzu kam die moralische Infamie, zusammen mit der insgesamt ziemlich lächerlichen FDP (5-Prozent-Partei) und gemeinsam mit der AfD abzustimmen. Nun haben wir den Salat. Da kommen wir nur wieder raus, wenn Ministerpräsident Kemmerich (FDP) die Vertrauensfrage stellt und dann Bodo Ramelow (Linke) gewählt wird. Furchtbar. Die Demokratie ist beschädigt, die AfD gestärkt.

Wir haben es hier mit einem klassischen Ossi-Thema zu tun, weil unsere dortigen Landsleute noch nicht so weit sind.

SPD und Grünen die Schuld in die Schuhe schieben zu wollen, ist falsch und unberechtigt. Außerdem haben die in Thüringen einfach zu wenig Stimmen.

Am besten wären Neuwahlen. Aber die wollen Linke, CDU und FDP nicht. Die FDP kriegte ja keine 5 Prozent mehr.

In der Bundes-CDU schwindet die Unterstützung für Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie wird allein gelassen (schändlich !!). Hier sollte die CDU sehr vorsichtig sein. Denn wenn 2021 Frau Kramp-Karrenbauer nicht Kanzlerkandidatin wird, könnte durch den Schlingerkurs der kleine Karnevalsprinz aus Aachen, Armin Laschet, bereits beschädigt sein.

2709: Jeder zweite Flüchtling arbeitet nach fünf Jahren.

Freitag, Februar 7th, 2020

Knapp die Hälfte der seit 2013 nach Deutschland Geflüchteten geht fünf Jahre nach ihrer Ankunft einer geregelten Arbeit nach. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). „Die Arbeitsmarktintegration erfolgt damit etwas schneller als bei Geflüchteten früherer Jahre.“ Mehr als zwei Drittel der Flüchtlinge, die einen Job haben, arbeiten Vollzeit. (dpa, SZ 5.2.20)