In diesem und im kommenden Monat dürfen jeweils 40.000 Saisonarbeiter aus Osteuropa nach Deutschland einreisen. Darauf haben sich Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) geeinigt. Die Arbeiter dürfen ausschließlich in Gruppen und mit dem Flugzeug einreisen (dpa, SZ 3.4.20).
Archive for the ‘Außenpolitik’ Category
2785: Erntehelfer dürfen einreisen.
Freitag, April 3rd, 20202784: Was weiter mit dem Jüdischen Museum Berlin ?
Donnerstag, April 2nd, 2020Wie entwickelt sich das Jüdische Museum Berlin weiter, nachdem sein Direktor, der hoch angesehene Judaist Peter Schäfer, 2019 wegen der Ausstellung „Welcome to Jerusalem“ enlassen worden war? Benjamin Netanjahu (Israel) fand die Ausstellung zu palästinenserfreundlich, sie berücksichtige jüdische Perspektiven zu wenig. Seit dem 1. April ist die 1961 in den Haag geborene Niederländerin Betty Berg Direktorin des Hauses.
Ich bringe hier einige Statements dazu:
1. Lothar Müller (geb. 1954)
„Zweck der Stiftung ist es, jüdisches Leben in Berlin und Deutschland, die von hier ausgeheneden Einflüsse auf das europäische und außereuropäische Ausland sowie die Wechselbeziehungen zwischen jüdischer und nicht-jüdischer Kultur zu erforschen und darzustellen sowie einen Ort der Begegnung zu schaffen.“
Seit 2013 gehört die auf der gegenüberliegenden Straßenseite gelegene Akademie zum Museum.
2. Michael Wolffsohn (geb. 1947)
Das erste und letzte Wort über das Museum hat natürlich, wie der Fall Peter Schäfer zeigt, stets die Politik.
Die Jerusalem-Ausstellung war ein Verstoß gegen den Stiftungszweck.
Mit der Errichtung seiner Akademie, eine Idee von Stiftungsdirektor Michael Blumenthal, hat sich das Museum übernommen. Das gilt erst recht für die Schwerpunkte Migration und Jüdisch-Islamische Forum.
„Deutschjüdisches Leben war stets weltweit vernetzt, aber kein Museum kann zugleich Deutschland, Nahost oder die ganze Welt darstellen oder gar erforschen.“
3. Wladimir Kaminer (geb. 1967)
„Gleichzeitig existiert hierzulande so etwas wie ein offizielles jüdisches Leben, das zu 90 Prozent aus den Erinnerungen an die Verbrechen der NS-Zeit besteht. Diese Erinnerung ist wichtig, sie hält die Gesellschaft wach, sie ist zum Teil der neuen deutschen Leitkultur geworden, hat aber mit real existierendem jüdischen Leben in Deutschland wenig zu tun.“
Aus der Geschichte kann man nichts lernen. „Das einzige, was uns die Geschichte lehrt, ist, dass sie uns nichts lehrt.“
4. Eva Menasse (geb. 1970)
„Moshe Zimmermann und Shimon Stein haben das, was das Jüdische Museum eigentlich sein müsste, auf den Punkt gebracht; eine Plattform für mehr als ein Narrativ. Davon sind wir weit entfernt: hier in Deutschland und auch im Jüdischen Museum können Dinge nicht gesagt und verhandelt werden, die in Israel zum Meinungsspektrum gehören.“
„Vielleicht ist – wie einige meiner Freeunde glauben – Deutschland der falsche Ort für eine solche ‚Plattform‘, die mehr als ein Narrativ aushält. Dann sollte man das Museum schließen und nur noch von außen bewundern wie all die liebevoll restaurierten, aber gänzlich judenfreien Synagogen in der deutschen Provinz.“
(SZ 1.4.20)
2782: Warum viele Ossis das neue Deutschland nicht mögen.
Mittwoch, April 1st, 20201. Die ersten freien Volkskammerwahlen am 18. März 1990 hatten ein eindeutiges Ergebnis. 75 Prozent der Stimmen bekamen die Parteien, die den Weg zur deutschen Einheit konsequent weitergehen wollten.
2. Die überwiegende Mehrheit der Wähler wollte, dass der Westen dominierte.
3. Die Transformation der DDR wurde von den meisten Menschen gewünscht.
4. Nicht gerechnet hatten die meisten mit der totalen Überformung der eigenen Lebenswelt.
5. Die DDR-Bürger erzwangen die schnelle Einführung der D-Mark, um endlich am westlichen Konsum teilnehmen zu können.
6. Durch die Rasanz des Wandels wurde vielen der Boden unter den Füßen weggezogen.
7. Es kam auf die Rede von der „Kolonisierung“, von der „Entwertung der Biografien“ und von der Ignoranz, Überheblichkeit, Profitgier und der Herrschaftsattitüde des Westens.
8. Die Tatsache, dass man diese Entwicklung selbst erzwungen hatte, geriet in Vergessenheit.
9. Der Westen wurde als neue „Herrschaftsform“ verstanden.
10. Die SED-Nachfolgepartei Die Linke bekam vielerorts 20 Prozent der Wählerstimmen. Heute erreicht die AfD häufig ein Viertel der Wähler (Matthias Geis, Die Zeit 19.3.20).
2777: Die zentrale Frage
Samstag, März 28th, 2020„Schon heute ist die meistgehörte Frage: ‚Wie lange soll das noch dauern?‘. Diese Frage wird sich spätestens gegen Ostern in den Satz verwandeln: ‚Das muss jetzt aufhören.‘ Zwar hat die Bundeskanzlerin gerade um Geduld gebeten. Der Zeitraum, in dem sich die Zahl der Infektionen verdoppele, sei immer noch zu kurz, er müsse ‚in Richtung von zehn Tagen‘ gehen, um die Gefahr der Überlastung des Gesundheitssystems zu verringern. Das mag vernünftig sein. Aber es wird nichts daran ändern, dass mit jedem Tag ohne Sozialleben die Debatte lauter und breiter wird. Dass heute solche Debatten nicht kontrollierbar bleiben, weiß die digital kommunizierende Kanzlerin selbst.“ (Kurt Kister, SZ 28./29.3.20).
2776: USA: Anwachsen der Arbeitslosenzahlen
Freitag, März 27th, 20203,3 Millionen Amerikaner haben letzte Woche Arbeitslosenhilfe beantragt. Das sind mehr als beim bisherigen Höchststand 1982. Nach Meinung des US-Währungshüters James Bullard könnten demnächst fast 50 Millionen Amerikaner ihren Arbeitsplatz verlieren (dpa, SZ 27.3.20).
Wer in den USA entlassen wird, steht häufig nicht nur ohne Job da, sondern auch ohne Krankenversicherung. Arbeitslosenhilfe – sie ist gering – gibt es nur für einige Wochen. Sind die privaten Rücklagen aufgebraucht, droht die Armut.
Der Kommentar von Claus Hilverscheidt (SZ 27.3.20) dazu:
„Der Verzicht auf ein echtes Sozialsystem in den USA ist die Kehrseite dessen, was viele Amerikaner unter Freiheit verstehen. Wer die Freiheit hat, eine Firma zu gründen, einen Beruf zu wählen, reich zu werden, der trägt nach dieser Lesart umgekehrt auch die Verantwortung dafür, wenn die Firma in Konkurs geht, der Job wegfällt oder das Konto überzogen ist. Selbst Krankheit ist vor diesem Hintergrund Privatsache, vielleicht frönte der Betroffene ja Lastern oder war einfach nicht fromm genug. Warum, so der Gedanke, sollte der Staat, die Allgemeinheit, für derlei Fehlverhalten einstehen?“
2775: USA: Die meisten Infizierten
Freitag, März 27th, 2020Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität (USA) gibt es die meisten positiv auf Corona Getesteten mittlerweile in den USA (NDR-Hörfunknachrichten 27.3.20), wo zunächst gar nicht systematisch getestet worden war. Die Entwicklung ist eindeutig. Trotzdem will der amerikanische Präsident Trump Ostern einen Neustart der Wirtschaft. Damit gefährdet er Menschenleben. Ich kann mir vorstellen, dass es noch mehr Infizierte in Russland gibt. Das wissen wir nicht, weil dort nicht umfassend getestet wird. Diktaturen können sich das erlauben.
2774: 5 Grundregeln unseres Wirtschaftens in der Krise
Donnerstag, März 26th, 2020Marc Beise (SZ 25.3.20) stellt fünf (5) Grundregeln unseres Wirtschaftens in der Krise auf:
1. Ein Zusammenbruch unseres ökonomischen Systems muss verhindert werden, weil er endgültig wäre.
2. Es ist richtig, dass Deutschland gerade so viel Geld einsetzt, weil es möglich ist.
3. Deutschland muss mit seinen europäischen Partnern zusammenarbeiten. Es kann sinnvoll sein, unsere derzeit große Kreditwürdigkeit zu verleihen, z.B. in Form von Eurobonds.
4. Für uns alle ist das Leben nach der Krise grundsätzlich anders als heute. Wir betrachten die Globalisierung dann kritischer.
5. Verstaatlichungen aus Not müssen so schnell wie möglich rückgängig gemacht werden.
2772: Warum nicht eine Universität nach Hannah Arendt benennen ?
Dienstag, März 24th, 2020Anna-Lena Scholz (Die Zeit 12.3.20) beschäftigt sich mit der Tatsache, dass keine der 121 deutschen Universitäten den Namen einer Frau trägt. Unter den 216 Fachhochschulen gibt es die Alice Salomon Hochschule in Berlin. Viele Universitäten tragen Namen von Männern. So etwa die Georgia Augusta in Göttingen den des englischen Königs Georg II. Es sind regelmäßig „Herrschaftsnamen“. Gegenwärtig sind nur 24 Prozent aller Professuren von Frauen besetzt, nur ein Viertel aller Hochschulen wird von einer Frau geleitet.
In letzter Zeit haben deutsche Universitäten ihren Namen aufgegeben, weil deren Träger Antisemiten waren: Ernst Moritz Arndt (Greifswald), Christian Peter Beuth (Berlin). Damit hat man den Protest der AfD hervorgerufen. Die deutschen Universitäten sind aber so alt und ehrwürdig (Heidelberg 1386, Greifswald 1456, Bamberg 1647), dass sie es verdient haben, geeignete Namen zu tragen. Wie die Universität Jena den Namen Friedrich Schillers, die Universität Frankfurt den Johann Wolfgang Goethes, die Universität Düsseldorf den Heinrich Heines und die Universität Mainz den Johannes Gutenbergs.
Bei einer Umfrage der „Zeit“ unter den Spitzen der Wissenschaft sprudelten die Vorschläge für Namensgeberinnen nur so. Häufig genannt wurde etwa die Philosophin und politische Theoretikerin Hannah Arendt (1906-1975). Sie hat die Begriffe „totale Herrschaft“ und „Banalität des Bösen“ wissenschaftlich vermessen und zeitlebens die Verantwortung der Wissenschaft unterstrichen und gegen Dogmatismus gekämpft. Sie war die Philosophin der Freiheit. Bei den Kommunisten war die jüdische Emigrantin aus Deutschland nicht beliebt. Dem Feminismus stand sie reserviert gegenüber. Nach 1945 hat sie den Deutschen mit zu einer Auseinandersetzung mit sich selbst verholfen. Dafür wurde sie beschimpft und bedroht. Ihre Geburtsstadt Hannover erinnert seit 20 Jahren mit den Hannah-Arendt-Tagen an sie. Sie ist wohl die am ehesten als Namensgeberin einer deutschen Universität geeignete Frau.
Die Historikerin und Rektorin des Wissenschaftskollegs Berlin, Barbara Stollberg-Rilinger, wünscht sich Arendts Namen für ihre Heimatuniversität Münster. Denn die heißt heute (2020) noch nach Kaiser Wilhelm II. Eine Sache der Unmöglichkeit. Aus Wissenschaftlerkreisen wurden auch andere gute Vorschläge für Namensgeberinnen gemacht: die Universalgelehrte Hildegard von Bingen, Caroline von Humboldt, die Frau Wilhelm von Humboldts, die Medizinerin Dorothea Christiane Erxleben, die Mathematikerin Emmy Noether und die Physik-Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard.
Dorlis Blume, Monika Boll, Raphael Gross (Hg.): Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert. München (Piper) 2020, 288 S.
2771: Der Wildtierhandel ist die Ursache von Epidemien.
Montag, März 23rd, 2020Der US-amerikanische Evolutionsbiologe Jared Diamond und der US-amerikanische Virologe Nathan Wolf verfassen seit 2003 gemeinsam Artikel über neu auftretende Krankheiten, hier über Covid-19 (SZ 23.3.20):
1. Covid-19 ist eine Tierkrankheit.
2. Sie wird von anderen Säugetieren auf uns Menschen übertragen.
3. Auf chinesischen Wildtiermärkten werden getötete oder gefangen genommene Tiere zum Verzehr oder für andere Zwecke verkauft.
4. Sars fand seine Weg über Larvenroller, kleine fleischfressende Schleichkatzen, die sich bei Fledermäusen infiziert hatten.
5. Solche Tiere nehmen Jäger gezielt ins Visier, um sie auf Märkten anzubieten.
6. China hat mehr Einwohner als alle anderen Länder der Welt. Und die Welt vernetzt sich mehr und mehr.
7. Covid-19 wird von einem Coronavirus verursacht, der Sars ähnlich ist. Die Viren entstehen in Fledermäusen.
8. China hat mit der Strenge einer Diktatur auf die Epidemie reagiert und dadurch die Lage stark verbessert.
9. Mit lebenden Tieren wird auch für die traditionelle chinesische Medizin gehandelt.
10. Fachhändler für traditionelle Heilmittel kaufen solche Tiere.
11. Für viele Chinesen haben Wildtiere eine tiefere Bedeutung als der Rotwein für die Franzosen.
12. Zur Sicherheit muss der Wildtierhandel weltweit beendet werden.
13. Covid-19 wird sich auf den Alltag und die Lebensgrundlagen von sehr vielen Menschen auf der ganzen Welt auswirken.
14. Wegen der zunehmenden Vernetzung der Weltgesellschaft können Epidemien den Planeten in jahrzehntelange Depressionen stürzen.
15. Wenn die Chinesen den Wildtierhandel beenden, helfen sie sich selbst am meisten.
2767: Olympia in Tokio verschieben ?
Sonntag, März 22nd, 2020Der Sportverband Norwegens, der Schwimmverband der USA, der britische und deutsche Leichtathletikverband schlagen eine Verschiebung der Olympischen Spiele von Tokio im
Juli 2020
vor, bis die Corona-Pandemie unter Kontrolle ist. IOC-Präsident Thomas Bach hält eine Verschiebung für eine unfaire Lösung. Er wird von den afrikanischen Olympischen Komitees unterstützt (FAS 22.3.20).