Archive for the ‘Wissenschaft’ Category

3760: Donald Trump unterstützt Wladimir Putin.

Samstag, Februar 26th, 2022

Neben den vielen russischen Satrapen und Speichelleckern und speziellen Lobbyisten hat Wladimir Putin noch einen großen Unterstützer: Donald Trump. Der fand den russischen Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine „genial“ und „sehr klug“. „Das ist die größte Friedenstruppe, die ich je gesehen habe.“ Die Nato hatte Trump als „Papiertiger“ und „obsolet“ bezeichnet. Hilfsgelder für die Ukraine hatte er blockiert. Putin hofiert. Die Trumpisten bereiten unter den Republikanern den Kurs in den Isolationismus vor (Fabian Fellmann, SZ 24.2.22)

Da bekommen wir schon einmal einen Eindruck vom nächsten US-amerikanischen Präsidentschaftwahlkampf. Egal ob der zu alte Donald Trump nochmals antritt oder ein Jüngerer, der genau so korrupt, unwissend, borniert und in seiner Politik beschränkt ist wie Trump.

3759: Viele Deutsche verstehen Putin nicht.

Freitag, Februar 25th, 2022

„Mit dem Ende des Minsker Abkommens und dem Stopp der Piepline Nord Stream 2 lösen sich aber auch Jahrzehnte deutscher Russlandpolitik in nichts auf.“

„Deutschland ist das westliche Land, in dem der Glaube an das Gute in Purin die Politik, aber auch die Sichtweise in nicht unwesentlichen Teilen der Bevölkerung am stärksten und am längsten geprägt hat. Der Auftritt des damals noch jungen russischen Präsidenten im Bundestag 2001 begründete die bis heute verbreitete Vorstellung, Putins ausgestreckte Hand sei verschmäht worden, die vorrückende Nato der wahre Aggressor.“

„Nicht die Nato-Erweiterung zwingt ihn, Oppositionelle zu vergiften und einsperren zu lassen. Umgekehrt wird die Wirklichkeit daraus. Die Vorstellung, das nach innen repressive Russland könne nach außen ein guter Nachbar sein, war immer bestenfalls naiv.“

„Die Spaltung Europas war eine Folge des von Deutschland entfesselten Krieges. Was hätte es bedeutet, wäre tatsächlich eine Garantie ausgesprochen worden, dass die Nato im Osten keine neuen Mitglieder aufnimmt? Nichts anderes, als dass ausgerechnet Deutschlands Nachbarn im Osten den Preis für die Wiedervereinigung mit fortdauernder Unsicherheit bezahlen.“

„Auch die Ostpolitik Willy Brandts führte einst über Moskau nach Warschau und Prag. Brandt hat es deshalb nicht verdient herzuhalten für die Sehnsucht nach einem Sonderverhältnis zu Russland, das per definitionem nur auf Kosten anderer Länder bestehen könnte.“

„Mit dem vorläufigen und nach Scholz‘ eigener Aussage vermutlich auch langfristigen Aus für die Pipeline Nord Stream 2 ist der Kanzler am Ende eines Irrwegs angelangt.“

„Hauptzweck der Piepline war immer die Umgehung und damit faktisch auch die Schwächung der Ukraine.“

„Der russische Präsident hat der Friedensordnung in Europa den Kampf angesagt.“

(Daniel Brössler, SZ 24.2.22)

3758: Peer Steinbrück kritisiert die Schweiz.

Mittwoch, Februar 23rd, 2022

Der ehemalige Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kritisiert die Schweiz scharf. Er fordert eine konsequentere Umsetzung der Anti-Geldwäsche-Richtlinien. „Es wäre schon viel erreicht, wenn die Schweizer Justiz das tut, was Schweizer Gesetze vorschreiben.“ Der Sozialdemokrat hatte 2009 die Schweiz damit provoziert, dass er davon sprach, „die Kavallerie ausreiten“ zu lassen, um das Schweizer Bankgeheimnis zu lockern. Damals wurden Steuer-CDs von deutschen Behörden gekauft. Darauf befanden sich Informationen über deutsche Staatsbürger, die als Kunden von Schweizer Banken Steuerverbrechen begangen hatten. Mit Blick auf die Enthüllungen über die zweitgrößte Schweizer Bank, Cedit Suisse, und ihre vielen problematischen Kunden aus weniger entwickelten Staaten forderte Steinbrück eine Debatte über den Schaden, den das Geschäftsgebaren einiger Schweizer Banken in Entwicklungsländern anrichte (SZ 23.2.22).

3757: Wer unterstützt Putin ?

Dienstag, Februar 22nd, 2022

In Deutschland wird Putin mit seiner nationalistischen, annektionistischen (Krim) und imperialistischen (Ost-Ukraine) Politik von den Linken und der AfD unterstützt. Aha. Schon wieder. Das ist nicht verwunderlich. Bei unseren Kommunisten ohnehin nicht, die sind besondere inkompetent (vgl. Sahra Wagenknecht, man stelle sich einmal vor, dass Oskar Lafontaine zur Zeit der Vereinigung Kanzler gewesen wäre:

eine Katastrophe).

Und die AfD ist nicht so neu wie es scheint, sondern setzt die deutsch-nationale Politik fort, russland-freundlich (wie immer), sie waren die Steigbügelhalter der Nazis. Dieses simple Denken ist bei uns weiter verbreitet, als viele sich es vorstellen können. Auch in sogenannten gut-bürgerlichen Kreisen (ich kenne meine Pappenheimer).

Viele Putin-Versteher beziehen sich angeblich auf die russische Literatur, die russische Musik, Malerei, Filmkunst (Eisenstein, Pudowkin, Dowshenko) usw. Das ist völliger Quatsch. Worauf sie sich beziehen müssten, ist das russische politische System, seit den Zaren. Es ist gekennzeichnet durch die Lager in Sibirien (Nawalnyi ist ja jetzt auch da). Nikolaus II., Lenin, Stalin, Breschnew, Putin (Repressoren, Diktatoren). Putin hat beim Geheimdienst gelernt. Das russiche politische System wird beschrieben in drei Schriften Lenins

  • „Womit beginnen? (1901),
  • „Was tun? (1903),
  • „Über Parteilichkeit und Parteiliteratur“ (1905)

Darin wird die russische Propaganda erklärt mit Lenins zentralem Satz: „Die Presse ist nicht nur ein kollektiver Propagandist und Agitator, sondern auch ein kollektiver Organisator.“ Bis auf den heutigen Tag (so lächerlich uns die russische Propaganda auch erscheint). Russland ist gekennzeichnet durch seine innere (insbesondere wirtschaftliche) Schwäche. Sie soll kompensiert werden durch außenpolitische Aggression. Siehe Krim. Der Westen hat zuletzt zusammengehalten. Das ist richtig so. Er muss Geduld haben mit seinen Schwachen (Ungarn, Polen). Und niemals Putin nachgeben. Nord Stream 2 darf es nicht geben.

3755: Was macht Harald Schmidt am Tegernsee ?

Montag, Februar 21st, 2022

Seit acht Jahren ist Harald Schmidt nicht mehr im Show-Business. Jetzt haben ihn Stephan Maus und Hannes Roß für den „stern“ (3.2.22) interviewt. Hoffentlich verstehen das alle Leser!

Schmidt: … Es gibt diesen alten Karl-Valentin-Witz: „Mit dieser neuen Eisenbahn bin ich in 20 Minuten am Tegernsee. Bloß, was mach ich dann dort?“

Stern: Kein verrücktes Hobby angefangen?

Schmidt: Um Gottes Willen! Mein Hobby ist der Alltag. Ich gehe gern in Supermärkte. Dort lasse ich die Leute an der Kasse vor. Ich sehe am Gesichtsausdruck der Menschen hinter mir: „Das ist das Arschloch aus dem Fernsehen.“ Und ich sage: „Bitte gehen Sie vor.“ Dann sind sie geschockt. Ich quäle Menschen durch Höflichkeit.

Stern: Man findet Sie nicht in Drei-Sterne-Restaurants?

Schmidt: Nie. Wenn ich hart drauf bin, gibt’s abgepackte Currywurst für die Mikrowelle.

Stern: Sie wirken pikiert? Weil wir Sie als Zyniker beschreiben?

Schmidt: Nur wegen der Unkenntnis darüber, was Zynismus bedeutet. Wenn man sagt: „Können Sie ein bisschen zur Seite gehen, weil ich sonst im Schatten sitze?“ heißt es: „Ganz schön zynisch.“ Was heute alles zynisch und menschenverachtend sein soll, das ist doch inflationär.

Stern: Hat der Zeitgeist Sie überholt?

Schmidt: Nicht überholt. Er hat sich verändert.

Stern: Inwiefern?

Schmidt: Man ist heute wütend, gekränkt und beleidigt. Das ist das neue Staatsgefühl: ständig in seiner Würde verletzt zu sein.

Stern: Was würde Sie noch locken im TV?

Schmidt: Nichts.

Stern: Hätte es Sie iriitiert, wenn Impfgegner Sie vereinnahmt hätten?

Schmidt: Kriege ich nicht mit, weil ich in keinem sozialen Netzwerk unterwegs bin. Ich musste mir neulich erklären lassen, was es heißt, wenn einer „trendet“.

Stern: Sie müssten ja nicht den Glauben hinter sich lassen, nur die Institution.

Schmidt: Es gehört mit dazu, dass ich die positive Seite in der Kirche stärke. Ich kenne einfach viele fantastische Priester. Oder großartige Krankenhäuser, die von katholischen Orden getragen werden. Das darf man bei all dem Horror nicht vergessen.

Stern: Denken Sie darüber nach, wie Sie sterben werden?

Schmidt: Meine bevorzugten Todesarten wechseln je nach Tagesform. Wenn ich an Udo Jürgens denke, der eben noch auf der Bühne stand und beim Spaziergang am Bodensee aus heiterem Himmel zusammenbrach, denke ich schon: sicher eine schöne Sache für den, der stirbt. Aber für die Hinterbliebenen natürlich ein Schock.

3754: Theodor Lessing – der ewige Außenseiter

Sonntag, Februar 20th, 2022

Wenn in Deutschland der Name Lessing fällt, denken viele bestenfalls an Gotthold Ephraim Lessing, den Verfasser von „Nathan, dem Weisen“ oder an die Autorin Doris Lessing. Nahezu gänzlich unbekannt ist Theodor Lessing, der als Professor für Philosophie aus Hannover vor den Nazis in die Tschechoslowakei geflohen war, und dort am 30. August 1933 von sudetendeutschen Nationalsozialisten erschossen wurde. 80.000 Reichsmark hatten die Nazis auf seinen Kopf ausgesetzt, was Lessing amüsierte. 1925 hatte er schon geschrieben: „Es ist möglich, dass solch ein fanatischer Querkopf mich niederschlägt, wie sie

Rathenau

und

Harden

niedergeschlagen haben. Nun, dann werde ich zu Gott beten, dass es schnell geschehe.“

Lessing war am 8. Februar 1872 in Hannover als Kind großbürgerlicher, religiös indifferenter Juden geboren worden. Der Vater war Arzt. Lessing studierte zunächst Medizin, wechselte dann aber zur Psychologie und promovierte in Philosophie. Er war kurze Zeit Theaterkritiker des „Göttinger Tageblatts“ und arbeitete an einem sächsischen Landerziehungsheim. In Dresden konnte er sich als Jude nicht habilitieren. Erst 1908 wurde er Privatdozent an der Technischen Hochschule Hannover. Sein Leben lang wurde er vom Antisemitismus begleitet. 1910 bezeichnete ihn Thomas Mann wegen eines satirischen Artikels über den Literaturkritiker Samuel Lublinski als „Schreckbeispiel schlechter jüdischer Rasse“. Im „Sturm“ sekundierte Herwarth Walden. Man könne „ihm nur mit einer Revolverkugel sein Mundwerk stopfen“. Theodor Lessings Jugenfreund Ludwig Klages wandte sich von ihm ab und der okkulten Esoterik zu.

Im Ersten Weltkrieg bekehrte sich Lessing zum Pazifismus. Man müsse stets mit der Not im Bunde sein, niemals mit der Macht. Es entstand Lessings zentrales Werk

„Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen“,

das heute noch ganz aktuell verwendbar ist. Aber damit machte sich Lessing bei den Nationalisten und Rechtsextremen unbeliebt. Sie hielten ihn für „zersetzend“ und „fremdblütig“. Lessing arbeitete unermüdlich weiter und gründete mit seiner zweiten Frau die Volkshochschule Hannover („Wissen ist Macht.“). 1924 klärte Theodor Lessing den Fall des Fritz Haarmann, der von 1918 bis 1924 mindestens 24 junge Männer bestialisch ermordet hatte, als Polizeiskandal. Haarmann hatte für die Polizei als Spitzel gearbeitet.

Theodor Lessing kämpfte gegen die Kaiser-Nostalgie und gegen den pensionierten „Helden von Tannenberg“, den General Paul von Hindenburg, der sich anschickte, für das Amt des Reichspräsidenten zu kandidieren. Hindenburg war Patient von Lessings Vater gewesen. Und Theodor Lessing schilderte ihn in einem Porträt als gefährliche Fehlbesetzung für das Präsidentenamt. Was sich 1933 bei der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler bitter bewahrheitete. „Man kann sagen: ‚Besser ein Zero als ein Nero‘. Leider zeigt die Geschichte, dass hinter einem Zero immer ein künftiger Nero verborgen steht.“ Die Burschenschaften an der Technischen Hochschule wurden zu Todfeinden Lessings. In Hannover wurde ein „Kampfausschuss gegen Lessing“ gegründet. Er geriet in Lebensgefahr und musste seine Professur aufgeben. Sein kleines Haus am Stadtrand von Hannover wurde belagert. Da war Lessing schon geflohen. In seinen Lebenserinnerungen „Einmal und nie wieder“ fragte der Philosoph sich, was von seiner Arbeit geblieben war. „Dankesgrüße jener, denen Freude durch uns zufloss und der Mut zu sich selbst. Das ist der wahre Ertrag alles Wirkens. Sonst kam nichts dabei heraus.“

Theodor Lessing wurde 150 Jahre alt. Einen großen Festakt gab es nicht. Aber es gibt das „ZeitZentrum Zivilcourage“, 20 Gehminuten von der Hindenburgstraße entfernt am Theodor-Lessing-Platz (Martin Hecht, „Die Zeit“ 3.2.2022).

1987 ist Rainer Marwedels großartiges Buch

Theodor Lessing 1872 – 1933. Eine Biographie. Darmstadt und Neuwied (Luchterhand), 446 Seiten,

erschienen.

3752: Peter Merseburger ist gestorben.

Samstag, Februar 19th, 2022

Eine journalistische Legende der Bundesrepublik ist gestorben. Peter Merseburger, mit 93 Jahren. Er war aus der SBZ gekommen und hatte Germanistik und Philosophie studiert. 1960 kam er zum „Spiegel“. Er wurde Chefredakteur von „Panorama“ und vom NDR. Unter seiner Leitung blieb das politische Magazin verlässlich aufklärerisch. Die Springer-Presse forderte andauernd Merseburgers Absetzung, wenigstens aber Bildschirm-Abstinenz in Wahlkampfzeiten. Ab 1975 berichtete Merseburger als Korrespondent aus Berlin, London und Washinton. Im dritten Takt seiner Erfolgs-Laufbahn schrieb er Biografien über Kurt Schumacher, Rudolf Augstein und Willy Brandt (Willi Winkler, SZ 18.2.22).

3751: Werner Bartens: Das Medizinsystem ist krank.

Samstag, Februar 19th, 2022

Werner Bartens (SZ 18.2.22) schreibt:

„Die Wahrheit: Das deutsche Gesundheitswesen ist vollkommen heruntergewirtschaftet. Ein elementarer Kernbereich der Daseinsfürsorge ist verkommen zu einem Industriezweig, übrigens dem umsatzstärksten im Land neben der Automobilindustrie. Die Krankenversorgung, zu der neben dem spröden Wort ‚Pflege‘ auch Nächstenliebe und etwas so Altmodisches wie Barmherzigkeit gehören, wird von Controller-Regimnentern angeführt, Profitmaximierung ist nicht nur gewünscht, sondern sie wird kalt eingefordert. Kliniken müssen Gewinne erwirtschaften; arbeiten Abteilungen unrentabel, weil sie zum Beispiel zu viele unnötige Operationen doch nicht durchführen, werden sie erst zusammengespart, dann geschlossen. Sollen sich Kranke wonanders auskurieren, wenn sie nicht lukrativ genug leiden.

Hat jemand schon einmal davon gehört, dass die Feuerwehr oder die Polizei nach ihren Ausgaben bewertet werden? Dass ihre Stellen danach bemessen sind, ob sie Gewinne machen? Ein Krankenhaus ist keine Schraubenfabrik. Doch kommunale und konfessionelle Krankenhäuser werden seit Jahren meistbietend im Ausverkauf angeboten und an private Träger verschachert, die größtenbteils börsennotiert sind oder in Fonds oder anderen Gelddepots stabile Erlöse garantieren. Mittlerweile sind fast 40 Prozent aller deutschen Klinikbetten in privater Hand. Weltweit ein Spitzenwert, Deutschland hat die USA in dieser Hinsicht längst überholt.

Mit der Privatisierung findet eine gigantische Umverteilung von Geld aus dem Solidarsystem statt, das zur Vermehrung des Shareholder Value dient. Die Beiträge aus der gesetzlichen Krankenversicherung werden dazu benutzt, damit Klinikkonzerne reicher werden und Aktionäre profitieren. Die Kosten werden sozialisiert, die Gewinne privatisiert. Nicht schlimm, dass es ein paar Krankheitsgewinnler gibt? Von wegen, denn die Patienten leiden unter den systematischen Fehlanreizen, werden falsch oder unnütz oder gar nicht behandelt. Und das Personal sucht das Weite. Das ist einer der wichtigsten Gründe dafür, dass etliche Pflegekräfte in der Klinik gekündigt haben und in Umfragen regelmäßig mehr als die Hälfte der Ärzte angeben, dass sie ihren Kindern nicht mehr zum Arztberuf raten würden. Diese Menschen wollen gute Medizin machen, was aber mit den Einsparungen an Personal, Material und einer zeitlich immer engeren Taktung kaum noch möglich ist.

…“

3748: Israel muss differenziert betrachtet werden.

Dienstag, Februar 15th, 2022

Thomas E. Schmidt ermahnt uns in der „Zeit“ (3.2.22), Israel differenziert zu beurteilen:

Ja, sicher, eine Menge läuft schief in der israelischen Gesellschaft, und die Siedlungspolitik befördert den Friedensprozess keineswegs. Doch ist das selbstverständlich nicht Faschismus, wie von BDS behauptet wird, ebenso wenig Kolonialismus oder Apartheid. Diese Wortwahl ist eine methodisch betriebene Übertreibung, eine Verzerrung, weil hostorisch konkrete und hässlichere Dinge mit diesen Begriffen bezeichnet werden, ebenso wie „Genozid“ oder „ethnische S#uberung“ für schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit stehen, abr nicht für die Gründung Israels. Und wenn diese von Historikern eigentlich mit Vorsicht verwendeten Ausnahmebegriffe so tun, als würden sie die heutige Lage im Nahen Osten beschreiben, dann radikalisieren sie die Haltung gegenüber Israel. Jede Form des Protests oder des Boykotts erscheint sodann gerechtgfertigt.

3747: Gerhard Richter 90

Montag, Februar 14th, 2022

Gerhard Richter ist der wohl bekannteste und vermutlich auch am besten verdienende bildende Künstler Deutschlands. Er wird 90 Jahre alt. Der gebürtige Dresdener ging 1961 in die BRD. Weltbekannt ist er wegen seiner „fotorealistischen Gemälde“ wie etwa „Tante Marianne“ oder „Onkel Rudi“. Seine Sujets sind also privat und infolgedessen hochpolitisch. Bei Richter gibt es Selbst- und Familienanalyse und dadurch Gesellschaftsanalyse.

Im Westen lebte und arbeitete Richter in Düsseldorf und Köln. Er lehrte an Kunsthochschulen und Universitäten. Was er vorher in der DDR gemacht hatte, sollte keine Rolle mehr spielen. Trotzdem hat ein Dresdener Galerist 2021 noch ein Auftrags-Wandbild von Richter in Görlitz entdeckt. Mit Henckel von Donnersmarks Film „Werk ohne Autor“, einem biografischen Werk über Richter, war dieser selbst gar nicht einverstanden. Das ist unvermeidlich. Jetzt gibt es eine Geburtstagsausstellung im Museum Ludwig in Köln. 1993 hatte Richter in der Bundeskunsthalle Bonn mit „Gerhard Richter Malerei 1963-1993“ seinen endgültigen Durchbruch gehabt. In Düsseldorf ist der „Birkenau“-Zyklus zu sehen, den Richter als Dauerleihgabe für die Hauptstadt Berlin vorgesehen hat. Sein Archiv geht nach Dresden (Peter Richter, SZ 9.2.22).