Archive for the ‘Wissenschaft’ Category

5630: Ulrike Malmendiers Vertrag im Sachverständigenrat wird nicht verlängert.

Mittwoch, Februar 25th, 2026

Schon nach einer Amtszeit wird der Vertrag der Wirtschaftsweisen Ukriek Malmendier nicht verlängert. Die 52-jährige Wirtschaftsprofessorin forscht und lehrt in Berkeley. Verantwortlich dafür sind das Bundeskanzleramt und das Wirtschaftsministerium. Sowie Kreise aus der Union. Für manche gibt es zu viele Auftritte in Fernseh-Talkshows. Dort träten die Sachverständigen, die ja eigentlich die Regierung beraten sollen, häufig als scharfe Regierungskritiker auf. Das gilt etwa auch für Veronika Grimm und Monika Schnitzer. Diese beiden tragen darüberhinaus noch manche Kontroverse untereinander öffentlich aus. Grimm hat sich bei vielen unbeliebt gemacht, weil sie einen hochdotierten Aufsichtsratsposten bei Siemens Energy angenommen hatte. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil findet die Kritik aus Bundeskanzleramt und Wirtschaftsministerium falsch und stillos. Inzwischen wird sogar darüber diskutiert, ob die Aufgaben des Sachverständigenrats nicht grundlegend geändert werden müssen (Alexander Hagelüken/Claus Hulverscheidt, SZ 25.2.26).

5629: Heiner Wilmer – Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Mittwoch, Februar 25th, 2026

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, 64, ist auf der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Der geborene Emsländer, der auch Plattdeutsch spricht, gilt als Vermittler zwischen Reformern und Konservativen in der katholischen Kirche. Er folgt auf den Limburger Bischof Georg Bätzing. Der Ordensmann Wilmer steht seit 2018 an der Spitze der Diözese Hildesheim. Er setzt sich für die volle Aufklärung des sexuellen Missbrauchs ein (SZ 25.2.26).

5626: Michael Wolffsohn entlastet Herbert von Karajan.

Montag, Februar 23rd, 2026

Michael Wolffsohn war von 1981 bis 2012 Professor für neuere Geschichte an der Hochschule der Bundeswehr in München. Er ist sehr bekannt. Geboren wurde er 1947 als Sohn deutscher Juden in Tel Aviv. 1954 ging die Familie nach Deutschland zurück. Michael Wolffsohn wuchs in West-Berlin auf. Er hat Bücher geschrieben über den kalten Krieg, den Nahost-Konflikt, die Politik Israels und einige weitere Themen. Nun legt er im Auftrag des Karajan Instituts ein Buch vor über die Nazivergangenheit des weltberühmten Dirigenten Herbert von Karajan:

Genie und Gewissen, Herbert von Karajan zwischen Musik und Nationalsozialismus. Freiburg (Herder) 2026, 368 Seiten, 26 Euro.

In einem Interview mit Helmut Mauro (SZ 17.2.26) gibt er Auskunft über seine wesentlichen Erkenntnisse. Und Wolffsohn entlastet Karajan. Als er etwa 1935 zum Generalmusikdirektor in Aachen bestimmt wurde, konnte er den Posten nur bekommen, wenn er NSDAP-Mitglied wurde. Dann ist es zu Umdatierungen gekommen, wie sie seinerzeit üblich waren. Davon waren ja gerade Künstler und Prominente betroffen. Und Begabte. Da besteht bei Karajan nun gar kein Zweifel. Wolffsohn unterscheidet ausdrücklich zwischen Formalnazis wie Karajan und Gesinnungsnazis. Karajan war kein Antisemit!

In der Nazizeit bestand die erkennbare Konkurrenz zwischen Wilhelm Furtwängler, einem Protégée von Goebbels, und Herbert von Karajan, der von Hermann Göring unterstützt wurde. Mit Görings Prestige war es allerdings 1941 vorbei. Nach der verlorenen Luftschlacht gegen Großbriannien. Streit über Karajans Nazi-Gesinnung gabe es dann besonders erst nach 1945. Etwa in den USA, wo es 1955 zu Protesten einer kleinen, rechtsradikalen jüdischen Gruppe vor der Carnegie Hall kam. Die Mehrheit der jüdischen Konzertbesucher sah das ganz anders. Auch in der Bundesrepublik wurden die Karajan-Gegner erst in den sechziger und siebziger Jahren stark. Karajan hat sich zu seiner Nazi-Verfehlung in diser Zeit durchaus geäußert. Wolffsohn sagt: „Er hat sich, wie ich nachweise, sehr wohl und durchaus öffentlich, in zig Interviews damit auseinandergesetzt,“ Karajan hat seine Schuld eingesehen.

5625: Tritt Christine Lagarde als EZB-Präsidentin vorzeitig zurück ?

Montag, Februar 23rd, 2026

Es mehren sich die Gerüchte, dass die EZB-Präsidentin Christine Lagarde aus Frankreich vorzeitig von ihrem Amt zurücktreten könnte. Ihre Amtszeit endet im Oktober 2027. Aber im April 2027 sind in Frankreich bereits Präsidentschaftswahlen. Und Präsident Emmanuel Macron soll fürchten, dass bei einem Sieg des Rassemblements Nationale einer von deren Führeren, Marine Le Pen oder Jordan Bardella, sich in die Wahl der EZB-Präsidentin einmischt. Lagarde, die in ihrer äußerst erfolgreichen Karriere stets sehr entschlossen gehandelt hatte, erscheint unentschlossen. Sie war über eine US-amerikanische Anwaltskanzlei in die Politik gekommen. War von 2007 bis 2011 französische Finanz- und Wirtschaftsministerin. Von dort gelangte sie an die Spitze des Internationalen Währungsfonds, obwohl sie 2016 wegen „Fahrlässigkeit“ von einem französischen Sondergericht verurteilt worden war. Dann wurde sie in Frankfurt erste EZB-Präsidentin. Sie befasst sich nicht nur mit Wachstum und Inflation, sondern auch mit Frauenrechten und Klimakrise. Es wird bereits spekuliert, dass Christine Lagarde bei einem vorzeitigen Rücktritt die Leitung des Davoser Weltwirtschaftsforums übernehmen könnte (Markus Zydra, SZ 23.2.26).

5621: Oberster Gerichtshof erklärt Trumps Zölle für rechtswidrig.

Sonntag, Februar 22nd, 2026

Der Oberste Gerichtshof der USA hat die von Präsident Trump erlassenen Zölle mit 6:3 Richterstimmen für rechtswidrig erklärt. Sie basierten auf einem für nationale Notstände gedachten Gesetz aus dem Jahr 1977. Mit seinem Vorgehen habe der US-Präsident seine Befugnisse überschritten. Geklagt ahtten von den Zöllen betroffene Unternehmen und zwölf US-Bundesstaaten. Mit den Zöllen sind bisher mehr 175 Milliarden Dollar eingenommen worden. Fraglich ist, ob das Geld zurückgezahlt werden muss (SZ 21./22.2.26).

5620: Rundfunkbeitrag soll leicht steigen.

Samstag, Februar 21st, 2026

Die unabhängige Expertenkommission schlägt den Bundesländern zum 1. Januar 2027 eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags um 28 Cent auf 18,64 Euro pro Monat vor. Das ist wesentlich weniger als die 2025 vorgeschlagenen 58 Cent. Das hatten die Länder nicht umgesetzt. Die geringe Erhöhung ist möglich, weil die Einnahmen der öffentlich-rechtlichen Sender höher ausfallen als 2024 geschätzt (SZ 21./22.2.26).

5615: Karin Prien (CDU) lobt den Vorschlag der SPD.

Dienstag, Februar 17th, 2026

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) lobt den Vorschlag der SPD, soziale Medien für Kinder zu verbieten. „Ich bin sehr froh, dass sich nun auch die SPD in die dringend notwendige Diskussion um Social Media einbringt.“ Das sei ein „wichtiger und dringend erforderlicher Schritt“. Die SPD hatte vorgeschlagen, Plattformen wie TikTok, Instagram und X für Kinder vollständig zu verbieten. Dem schließen sich auch die CDU-Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, Hendrik Wüst und Daniel Günther an (SZ 1111117.2.26).

5613: Alexej Nawalny wurde vor zwei Jahren vergiftet.

Montag, Februar 16th, 2026

Deutschland und vier weitere europäische Staaten haben auf der Münchener Sicherheitskonferenz festgestellt, dass Wladimir Putins gefährlichster Gegener, Alexej Nawalny, vor zwei Jahren im Straflager vergiftet worden ist. Mit dem Gift Epibatidin. Das ist übrigens für Russland nichts Besonderes. Dort hat es noch nie freie Wahlen gegeben. Weder beim Zaren noch bei Lenin, Stalin, Chruschtschew, Breschnew, Gorbatschow. Schon gar nicht bei Putin. Im Stalinismus (1929-1955) waren solche Giftmorde an der tagesordnung.

5611: Cees Nootebooom ist gestorben.

Sonntag, Februar 15th, 2026

Im Alter von 92 Jahren ist der große niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom gestorben. Am Ende war er in Deutschland fast wichtiger als in seinem Heimatland. Dazu hatte wohl auch eine Empfehlung Marcel Reich-Ranickis beigetragen. Nooteboom hat neun Romane und über ein Dutzend Gedichtbände verfasst. Er war sich der Sinnlosigkeit des Lebens stets bewusst und hat darüber mit gekonnter Leichtigkeit geschrieben. Ein Fazit deutet sich in dem Essay „In den Bäumen blühen die Steine“ (2023) an. Nooteboom hat auch als Journalist gearbeitet. über einen SED-Parteitag. den Mai 68 in Paris und das Ende des Schahs als Reporter berichtet. Er stand in engem Austausch mit anderen Schriftstellern, Wissenschaftlern, Malern und Theologen. Stammgast war er auf der Frankfurter Buchmesse, immer zum Gespräch aufgelegt. Seine „Gesammelten Werke“ sind bei Suhrkamp erschienen (Thomas Steinfeld, SZ 13.2.26).

5608: Ministerpräsident Lies (SPD) fordert Social Media-Verbot für Kinder.

Samstag, Februar 14th, 2026

Damit sollen Kinder vor Pornografie, Mobbing und Gewaltdarstellungen geschützt werden.