Archive for the ‘Wissenschaft’ Category

2650: Prozess wegen Journalistenmord

Freitag, Dezember 20th, 2019

Vier Menschen sind bei Bratislava wegen des Mordes an dem slowakischen Journalisten Jan Kuciak und seiner Freundin Martina Kusnirova angeklagt. Die beiden 27-Jährigen waren am 21. Februar 2018 in ihrem Haus erschossen worden. Angklagt ist der Geschäftsmann Marian Kocner, über den Kuciak recherchiert hatte und der auch wegen anderer Delikte in Untersuchungshaft sitzt. Angeklagt sind zwei weitere Männer und eine Frau in der Kleinstadt Pezinok bei Bratislava (VGR, SZ 19.12.19).

2649: Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations) sind nicht dasselbe.

Donnerstag, Dezember 19th, 2019

Journalisten und Öffentlichkeitsarbeiter sind nicht dasselbe. Zwar verwenden sie weithin gleiche Arbeitstechniken und streben mit ihren Produkten in die Öffentlichkeit. Während aber Journalisten im

Auftrag der gesamten Öffentlichkeit

arbeiten, agieren Öffentlichkeitsarbeiter im

Auftrag eines einzelnen Auftraggebers,

ihre Tätigkeit ist eine Form der Werbung (andere Werbeformen sind Propaganda und Wirtschaftswerbung/Reklame). Damit widersprechen sich die Tätigkeiten von Journalisten und Öffentlichkeitsarbeitern. Die einen sollen aufklären, die anderen von ihrem Auftraggeber ein möglichst positives Bild (Image) zeichnen.

Wenn es nach wie vor so ist, dass der Deutsche Journalisten-Verband (DJV), eine Journalistengewerkschaft, auch „Pressesprecher“ aufnimmt, obwohl diese glasklar Öffentlichkeitsarbeit betreiben, dann können wir uns das damit erklären, dass der DJV nach vielen Mitgliedern (nach Macht) strebt. Verständlich, aber von der Sache her nicht geboten.

Auftrag der Presse (laut Pressegesetzen): Die Presse erfüllt eine öffentliche Aufgabe, wenn sie im öffentlichen Interesse Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt, Kritik übt oder sich auf andere Weise an der Meinungsbildung beteiligt.

Auftrag des Rundfunks (nach Rundfunkgesetzen und Staatsverträgen): Information, Bildung, Beratung, Unterhaltung.

2648: ZDF lädt Björn Höcke (AfD) aus.

Donnerstag, Dezember 19th, 2019

ZDF-Chefredakteur Peter Frey will Björn Höcke (AfD) nicht mehr als Gast in Talkshows seines Senders sehen. Wer bei der Landtagswahl im Oktober 2019 Höcke (AfD) gewählt habe, habe „bewusst rechtsextrem“ gewählt. „Wir Medien haben niemanden zu erziehen. Aber wir müssen zeigen, wo die Grenzen demokratischer Gesinnung verlaufen.“ Im September hatte Frey sich bereits dafür gerechtfertigt, dass der Sender ein Interview mit Björn Höcke nicht beendet hatte. Ein deutsches Gericht hat es für zulässig erklärt, Höcke als „Faschisten“ zu bezeichnen (dpa, SZ 18.12.19).

2647: Weltweit 389 Journalisten in Haft

Donnerstag, Dezember 19th, 2019

Nach Angaben der Nicht-Regierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ sitzen 2019 389 Journalisten im Gefängnis. Das sind zwölf Prozent mehr als vor einem Jahr. Fast die Hälfte von ihnen ist auf drei Länder konzentriert:

– China,

– Ägypten und

– Saudi Arabien.

2019 starben 49 Journalisten bei der Ausübung ihres Berufs. Nur ein geringer Teil von ihnen starb in Kriegsgebieten. Dort ging die Zahl der Getöteten zurück. Die gefährlichsten Länder für Journalisten waren Syrien, Mexiko, Afghanistan, Pakistan und Somalia. In China erreichte die Zahl inhaftierter Journalisten 2019 neue Höhen. Die meisten davon  sind Uiguren (Quentin Lichtblau, SZ 18.12.19).

2646: Sigmund Freuds politischer Konservatismus

Mittwoch, Dezember 18th, 2019

Anlässlich des 90. Jahrestags des Erscheinens von Sigmund Freuds „Das Unbehagen in der Kultur“ (1929) 2019 interpretiert Micha Brumlik (Die Zeit 5.12.19) den Essay, von dem mir Menschen gesagt haben, die weit mehr als ich von der Psychoanalyse verstehen, er sei wohl eine der wichtigsten Schriften des umfangreichen Freud-Werks. Ich referiere hier nur Zitate, die ich bei Brumlik gefunden habe.

„Das Leben, wie es uns auferlegt ist, ist zu schwer für uns, es bringt uns zu viele Schmerzen, Enttäuschungen, unlösbare Aufgaben. Um es zu ertragen, können wir Linderungsmittel nicht entbehren.“

„Die Schicksalsfrage der Menschenart scheint mir zu sein, ob und in welchem Maße es ihrer Kulturentwicklung gelingen wird, der Störung des Zusammenlebens durch den menschlichen Aggressions- und Selbstvernichtungstrieb Herr zu werden.“

„Die Menschen haben es jetzt in der Beherrschung der Naturkräfte so weit gebracht, dass sie es mit deren Hilfe leicht haben, einander bis auf den letzten Mann auszurotten.“

„Die Absicht, dass der Mensch glücklich“ werde, ist im „Plan der ‚Schöpfung‘ nicht enthalten.“

„Keine andere Technik der Lebensführung bindet den einzelnen so stark als die Betonung der Arbeit, die ihn wenigstens in ein Stück der Realität, in die menschliche Gemeinschaft sicher einführt.“

„Der Freiheitsdrang richtet sich also gegen bestimmte Formen und Ansprüche der Kultur oder gegen Kultur überhaupt.“

Jede Kulturentwicklung ist das Produkt eines ewigen Kampfes „zwischen Eros und Tod, Lebens- und Destruktionstrieb“.

„Man fragt sich (…) besorgt, was die Sowjets anfangen werden, nachdem sie ihre Bourgeois ausgerottet haben.“

„Das Über-Ich einer Kulturepoche hat einen ähnlichen Ursprung wie das des Einzelmenschen, es ruht auf dem Eindruck, den große Führerpersönlichkeiten haben, Menschen von überwältigender Geisteskraft oder solche, in denen eine der menschlichen Strebungen die stärkste, reinste, darum oft auch einseitigste Ausbildung gefunden hat.“

Einverstanden ?

2644: Linke wirbt für Rot-Rot-Grün

Montag, Dezember 16th, 2019

Das neue Führungs-Duo der Linken, Dietmar Bartsch und Amira Mohammed Ali, wirbt für einen Politikwechsel in Berlin und für ein Mitte-Links-Bündnis. Die SPD wird von ihnen scharf kritisiert. Dass die Partei nach links rücke, sei bisher nur eine Ankündigung. Die habe man schon von Martin Schulz gehört (SZ 16.12.19).

Was ein rot-rot-grünes Bündnis bringen würde, liegt auf der Hand: es wäre antiwestlich, gegen Bundeswehr und Nato, gegen die EU, für ein Bündnis mit Russland.

Finger weg!

2642: Weniger Befristungen am Arbeitsmarkt

Sonntag, Dezember 15th, 2019

2018 waren 12,8 Prozent aller abhängig Beschäftigten befristet beschäftigt. Das hat das Deutsche Institit für Wirtschaftsforschung (DIW) ausgerechnet. 2005 waren es noch 14,6 Prozent. Angesichts dessen zeigen sich die DIW-Forscher überrascht. Kürzlich hatte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) noch einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung sachgrundloser Befristungen angekündigt. Generell haben Deutsche am Anfang ihrer Karriere häufiger einen befristeten Arbeitsvertrag. Weil inzwischen Elternzeiten in Mode sind, wird zur Vertretung oft eine befristete Stelle geschaffen. Die geht an Berufseinsteiger. Der nächste von ihnen fängt wieder als Elternzeit-Vertretung an. DIW: „Weil die Frauenerwerbstätigkeit zugenommen hat und mehr Arbeitnehmer in Elternzeit gehen, hätte das Phänomen der Befristungen wachsen können. Also kann man diesen Rückgang als doppelten Erfolg verbuchen.“ (bern, FAS 15.12.19)

2641: Was bringt ein Doktortitel ?

Samstag, Dezember 14th, 2019

1. 2017 sind in Deutschland 28.000 Menschen promoviert worden.

2. Viele nehmen an, dass ein Doktortitel an Glanz und Exklusivität verloren hat.

3. Das Promotionsverfahren ist an vielen Universitäten merkwürdig unklar. So konnten Ursula von der Leyen (CDU) und Franziska Giffey (SPD) ihre fehlerhaften Arbeiten taktisch über die Runden bringen („retten“). Oder müssen wir vom Versagen von Doktorvätern und -müttern sprechen?

4. Nach Daten des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in Hannover hat der Doktortitel auf dem Arbeitsmarkt nicht an Bedeutung verloren.

5. Ein Jahr nach ihrer Promotion verdienen Doktoren im Durchschnitt 4.500 Euro brutto im Monat. 1.000 mehr als der durchschnittlich Erwerbstätige.

6. Promovierte steigen in der Regel mit einem höheren Gehalt ein und haben bessere Perspektiven.

7. Zehn Jahre nach der Promotion haben es 57 Prozent der Doktoren in eine Führungsposition geschafft.

8. Doktoren gelten als leistungsbereit und durchhaltefähig. Bewerben sich mehrere gleich qualifizierte Kandidaten um eine Stelle, wird regelmäßig einer aus dem Kreis der Doktoren ausgewählt.

9. Geisteswissenschaftler verdienen im Schnitt weniger als andere Promovierte, weil es in Archiven und Museen weniger Leitungspositionen gibt als in Banken und Unternehmen. Dass Doktoren bevorzugt Taxi fahren, ist nur ein Klischee.

10. Es gibt kein Fach, in dem eine Promotion schädlich wäre, aber es gibt Fächer, in denen sie weniger nützlich ist.

11. Den DZHW-Zahlen zufolge ist für 86 Prozent der Promovierenden die Forschung an einem interessanten Thema zunächst der wichtigste Antrieb.

12. Doktoren promovieren nicht der Karriere wegen, und tun es am Ende doch (Bernd Kramer, SZ 19.11.19).

2639: Ohne Ausbildung – keine Arbeit

Freitag, Dezember 13th, 2019

Kürzlich waren bei einer bundesweiten Ausbildungsplatzbörse 54.000 Stellen ausgeschrieben. Davon noch 36 Prozent für Hauptschulabsolventen. Das berichtet der DGB. Nur vier Prozent der Stellen stehen Menschen ohne Hauptschulabschluss offen. Sie sind damit von der Berufsausbildung praktisch ausgeschlossen. Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss steigt seit 2013 wieder (SZ 13.12.19).

2638: Teilerfolg im Streit um Kanzlermemoiren

Donnerstag, Dezember 12th, 2019

Maike Kohl-Richter, die Witwe von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU), hat im Streit mit dem Ghostwriter Heribert Schwan vor Gericht einen Teilerfolg erzielt. Der Autor darf zahlreiche weitere Textpassagen aus seinem 2014 erschienene Buch „Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle“ nicht mehr verbreiten. Das entschied das Kölner Landgericht. Nach Auffassung des Gerichts ging der 2017 verstorbene Helmut Kohl davon aus, dass Schwan seine Äußerungen vertraulich behandeln würde. In einem früheren Urteil hatte das Oberlandesgericht (OLG) Köln bereits in zweiter Instanz das Verbot von 116 Textstellen aus dem Buch bestätigt und „eine Fülle von Fehlzitaten und Kontextfälschungen“ kritisiert (dpa, SZ 12.12.19).