Archive for the ‘Wirtschafts- und Finanzpolitik’ Category

4025: Probleme der SPD

Samstag, September 10th, 2022

Die SPD ist nach 1945 eine Partei der Verlässlichkeit gewesen. Sie war jederzeit bereit, gesamtpolitische Verantwortung zu übernehmen, auch in schwierigen Zeiten. Unter Kurt Schumacher stand sie für eine Politik der sozialen Gerechtigkeit und der nationalen Vereinigung. Das Godesberger Programm bot eine gute Grundlage für Friedenspolitik, eine gerechte Sozialpolitik, Integration in den Westen und eine vernünftige Wirtschaftspolitik. Usw. Willy Brandts Ostpolitik trug stark zum Ausgleich in Europa bei und verschaffte Deutschland enormes Ansehen in der Welt. Auch bei den UN. Der letztlich von Helmut Schmidt durchgesetzte NATO-Doppelbeschluss gewährleistete, wie heute angesichts des russischen Vernichtungskriegs gegen die Ukraine leichter zu erkennen ist als seinerzeit, die Verteidigungsfähigkeit von NATO und EU. Mehr oder weniger alles Erfolgsmeldungen.

Mit den Problemen der SPD, die sich gerade in der letzten Zeit verschärft haben, beschäftigen sich Robert Pausch und Bernd Ulrich (Zeit 25.8.22). Ihre Analyse ist nicht von Missgunst gekennzeichnet, sondern von der Suche nach besseren Lösungen. Dabei werden zwei wunde Punkte der SPD ganz außer Acht gelassen:

a) die Sicherheits- und Außenpolitik (siehe NATO) und

b) die Bildungspolitik (angesichts der Krise des deutschen Bildungssystems):

1. In vielen Problemfällen schweigt die SPD.

2. Ihr ursprüngliches Erfolgsmodell war die Reformpolitik der kleinen Schritte („Der Weg ist das Ziel.“).

3. Die ökologische Weltkrise etabliert ein neues Denken. Was heute aufgeschoben wird, kommt bald mit doppelter Wucht zurück.

4. In der Ökologie ist das Ziel das Ziel.

5. Wir müssen Lieferketten und Ernteerträge erhalten.

6. Die Energiepreise bleiben in der nächsten Zeit hoch.

7. Die besten Phasen der SPD waren jene hohen Wachstums. Da ließen sich die Interessen des Bildungs- und Besitzbürgertums und der unteren Schichten leichter vereinbaren.

8. Üppiges Wachstum bewahrte die SPD vor dem Klassenkampf.

9. Von der angekündigten Wohnungsbau-Initiative der SPD (400.000 Wohnungen) ist wenig zu halten, solange alle Fachleute das ehrgeizige Ziel für unerreichbar halten.

10. Deutschlands Wohlstand wurde nicht von der SPD gefährdet, sondern von zwei Jahrzehnten verfehlter Energiepolitik der Union (Angela Merkel). Das sehen wir jetzt klar.

11. Die SPD kann wenig dafür, dass der Teufelskreis der Ungleichheit (Spaltung der Gesellschaft) das Vertrauen in die Demokratie unterhöhlt.

12. Der Abbau der kalten Progression dient laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung hauptsächlich den oberen 30 Prozent.

13. Laut ihrer eigenen Propagandarhetorik will die SPD insbesondere Krankenschwestern und Handwerkern helfen, und dann noch denen auf dem Lande. Tut sie dafür genug?

14. In der Klimapolitik muss die SPD dafür sorgen, dass die Interessen der kleinen Leute gewahrt bleiben.

15. Die klimapolitischen Probleme resultieren in erster Linie aus den Konsumgewohnheiten der „oberen Zehntausend“.

16. Wer die Frage der sozialen Gerechtigkeit missachtet, wird in der Klimapolitik scheitern. Und umgekehrt.

4024: 170.000 Ingenieure gesucht

Freitag, September 9th, 2022

Im zweiten Quartal 2022 gibt es bei Ingenieuren in Deutschland 171.300 offene Stellen. Das teilte der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit. Dies ist ein Zuwachs von 46,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahrsquartal (SZ 9.9.22).

4022: Schulabbrecher in Deutschland

Donnerstag, September 8th, 2022

Jährlich verlassen in Deutschland 45.000 Jugendliche die Schule ohne jeden Abschluss. Das sind sieben (7) Prozent eines Jahrgangs. Und weit mehr als vor zehn Jahren. Viele dieser Jugendlichen verbauen sich die Chance auf einen Ausbildungsplatz und qualifizierte Jobs. Das fehlende Zeugnis raubt den Abbrechern oft eine Perspektive für das ganze Leben. Manchmal sind die Probleme sogar hausgemacht: schlechte Bezahlung, wenig Sicherheit, abschreckende Arbeitsbedingungen. Und diejenigen Arbeitgeber, die sich aus einem Tarifvertrag verabschiedet haben, brauchen sich dann nicht zu wundern, dass sie keine jungen Leute bekommen. Selbstverständlich spielt es eine Rolle, dass es öfter gute Alternativen zum bisherigen Job gibt. Dann geht man eben (Roland Preuss, SZ 8.9.22).

4015: Kein Gas mehr über Nord Stream 1

Montag, September 5th, 2022

Die russischen Erpressungsversuche sehen vor, dass kein Gas mehr über Nord Stream 1 nach Deutschland geliefert wird. Als fadenscheinige Begründung wird ein Ölaustritt in einer Kompressorstation genannt. Die Bundesnetzagentur bezweifelt das (SZ 5.9.22).

4014: Weniger Bundestagsabgeordnete

Sonntag, September 4th, 2022

Die Fraktionen des Deutschen Bundestags sind sich einig darin, dass die Zahl der Bundestagsabgeordneten verkleinert werden muss. Sie sind sich nur nicht einig darin, wie. Der Bundestag hat eine Regelgröße von 598. Tatsächlich hat das hohe Haus auf Grund von Überhang- und Ausgleichsmandaten 736 Mitglieder. SPD, Grüne und FDP wollen die Sitze vorrangig nach dem Zweitstimmenergebnis verteilen. Auf Grund von Erststimmen sollen Mandate nur noch nach dem Verhältnis der Zweitstimmen vergeben werden. CDU und CSU halten es für verfassungswidrig, wenn in einem Wahlkreis mit der Mehrheit der Stimmen direkt gewählte Bewerberinnen und Bewerber nicht automatisch in den Bundestag einziehen. Das Bundeswahlgesetz bestimmt, dass der Bundestag in personalisierter Verhältniswahl gewählt wird. Das Bundesverfassungsgericht hatte geurteilt, dass Ausgleichsmandate nur in einem gewissen Umfang mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Nach dem bisherigen Wahlrecht ziehen alle direkt gewählten Abgeordneten ins Parlament ein. Eine Kappung der Direktmandate würde sich vorwiegend zu Ungunsten der Union und vor allem der CSU auswirken (Boris Herrmann, Paul-Anton Krüger, SZ 31.8.22).

4013: Annalena Baerbock darf nicht „stoibern“.

Samstag, September 3rd, 2022

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) spricht so über Außenpolitik, dass viele, die sich bsiher nicht dafür interessiert haben, nun zuhören. Das ist gut gegen die in Deutschland vorherrschende Ignoranz auf diesem Gebiet. Frau Baerbock darf sich nur nicht zu häufig zu Schachtelsätzen hinreißen lassen. Nach ihrer Aussage, dass alle Sanktionen gegen Russland so angelegt sein müssen, dass man sie über Jahre durchhalten kann, fügte sie hinzu: „Wir stehen so lange an eurer Seite, wie ihr uns braucht, dann will ich auch liefern, egal, was meine deutschen Wähler denken.“ Das brachte Alice Weidel (AfD) und die Putin-Claqueurin Sevim Dagdelen (Linke) auf die Palme. Und sie forderten Baerbocks Rücktritt. Das ist Unsinn und nur darauf gegründet, dass AfD und Linke grundsätzlich die falsche Außenpolitik machen (Paul-Anton Krüger, SZ 3./4.9.22).

4011: Kaczynskis Reparationsforderungen sind Wahlkampf.

Samstag, September 3rd, 2022

Deutsche Reparationen an Polen auf Grund der deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg sind seit Jahrzehnten in mehreren Erklärungen und Verträgen verbindlich geregelt. Und das Ausmaß des deutschen Terrors verkennen wir nicht. Die aktuellen Reparationsforderungen des PIS-Vorsitzenden Jaroslaw Kaczynski sind dagegen Wahlkampf. Er will angesichts der desaströsen PIS-Politik seine Kern-Wählerschaft auf dem Land mobilisieren. Die EU-Kommission will die Beseitigung des Rechtsstaats in Polen stoppen. Ein Hauptziel der PIS-Kampagne ist der Oppositionsführer Donald Tusk, der den Umfragen nach gute Chancen auf einen Sieg hat (Florian Hassel, SZ 2.9.22).

4009: EU erschwert Einreise für Russen.

Donnerstag, September 1st, 2022

Die EU setzt ein Abkommen mit Russland zur Erleichterung der Visavergabe aus. Das haben die Beratungen der Außenminister in Prag ergeben. Dadurch soll es den EU-Mitgliedstaaten unkompliziert ermöglicht werden, Einreisebeschränkungen für Russen zu erlassen. Kosten und Aufwand sollen erhöht werden. Studenten und Journalisten sind davon nicht betroffen (SZ 1.9.22).

4008: Hans Christian Ströbele ist tot.

Donnerstag, September 1st, 2022

Der Rechtsanwalt Hans Christian Ströbele ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Er war ein Berufsrebell und Fahrradfahrer. Als Kommunist und Pazifist lag er grundsätzlich falsch, bei ihm schien aber immer wieder durch, dass er die höchsten Ziele wie den Frieden anstrebte. Insofern konnte man ihn ernst nehmen. Er hat Terroristen von der RAF vor Gericht verteidigt. Das muss in einem Rechtsstaat möglich sein. Otto Schily hat das auch getan. Ströbele hat die Grünen mitbegründet und die „taz“. Er blieb aber immer ein schwer zu berechnender Kandidat. Viermal hat er in Berlin ein Bundestags-Direktmandat gewonnen. Joschka Fischer hat er bekämpft.

4005: Ukrainer leiden und sterben, Russen können reisen.

Dienstag, August 30th, 2022

Im russischen Vernichtungskrieg war bzw. ist ein Drittel der Ukrainer auf der Flucht. Manche sind schon gestorben. Viele sind ohne Lebensperspektive. Auf russischer Seite sind schon viele Soldaten gestorben. Russland richtet sich auf einen langen Krieg ein. Dem entspricht es, dass der Kollaps der russischen Wirtschaft erst später erwartet wird. Und die Armee wird um 140.000 Mann vergrößert.

Allerdings gehen noch viele Russen auf Reisen. An die Riviera, nach Europa, nach Griechenland oder Ägypten. Das erscheint einigen von uns doch sehr ungerecht. Erwogen wird ein „Reisebann“ für Russen. Die Bundesregierung will ihn nicht. Bundeskanzler Scholz sagt in der für ihn typischen Weise, beim russischen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine handle es sich um Putins Krieg und nicht um Russlands Krieg.

Bei der bei Linken und Pazifisten verbreiteten Annahme, dass die Russen Putin stürzen würden, wenn sie nicht mehr nach Europa fahren dürften, handelt es sich um die dort schon immer verbreitete krasse Fehleinschätzung.

Es geht nicht um die russische Literatur, die russische Musik, die russische Malerei, die russische Filmkunst usw. Es geht um das russische politische System. Da hat sich seit den Zaren wenig geändert. Damals kam die Opposition nach Sibirien, bei Putin auch.

Einmal abgesehen davon, dass unter Lenin und Stalin Völkermord angesagt war. Da kann es doch wohl keine Illusionen geben. Russlands Distanz zum westlichen Europa ist heute größer als im Kalten Krieg. Aber ein „Reisebann“ würde daran wenig ändern. Betroffen davon wären u.a. die „Westler“, die sich tatsächlich am Westen orientieren und ihm nacheifern wollen. Die hätten dann noch weniger Chancen als jetzt schon.